Ein Goldbarren aus nachhaltig bewirtschafteten Minen. / Foto: TransFair e.V. Deutschland

25.01.18 Finanzdienstleister , Faires Gold

Gutes Gold, schlechtes Gold: Welche Alternativen es gibt

Verheerend wirkt sich Gold auf Mensch und Umwelt aus. Nicht etwa, weil es Gier und Neid weckt, sondern schon beim Abbau. Von Kinderarbeit bis zu Umweltkatastrophen - Goldgewinnung ist fatal. Doch Geldanleger, die auf die Sicherheit des Goldes setzen wollen, haben nun durch faires Gold eine Alternative. Was müssen sie beachten?

Tageslohn unter 2 Euro, dafür aber unter teilweise lebensgefährlichen Bedingungen schuften: Das ist das harte Los vieler Menschen, die Gold aus der Erde holen. Und das sind nicht gerade wenige. Weltweit leben laut TransFair, einem Verein zur Förderung des Fairen Handels mit Sitz in Köln, alleine etwa 100 Millionen Menschen vom Gold-Kleinbergbau (zum Vergleich: Deutschland hat 81 Millionen Einwohner).

Gold schürfen - ein Abenteuerjob für erwachsene Glücksjäger? Von wegen. Goldminen sind meist eng und verwinkelt, und wer passt da hinein? Kinder. Und so berichtet das Kinderhilfswerk Unicef beispielsweise über Kinderarbeit in westafrikanischen Goldminen.

Etwas menschenfreundlicher sind die Standards in westlichen Minen. "Die Arbeitsbedingungen in Kanada und Australien sind mit Sicherheit besser als in vielen anderen Regionen", sagt Experte Friedel Hütz-Adams vom Südwind Institut für Ökonomie und Ökumene in Bonn. "Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Regel derzeit in Minen nur ein Gramm Gold pro Tonne Stein gewonnen wird."

1.000 Tonnen Stein muss man also für ein Kilogramm Gold bewegen. Jahr für Jahr gräbt der Mensch die Erde auf und um, damit er an das glänzende Metall herankommt.  Aber es springt ihm dann nicht entgegen oder liegt wie im Westernfilm im kleinen Sieb, mit dem der Schürfer im Bach steht und Sandkörner filtert. Es braucht Stoffe wie Cyanwasserstoff (Blausäure)
und Quecksilber, um das Metall aus dem Gestein zu lösen. Die bedrohen aber die Gesundheit der Arbeiter und zerstören die Umwelt. 2016 musste Perus Regierung wegen einer Quecksilber-Verschmutzung durch den Goldabbau den Notstand ausrufen. Ein 85.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Regenwald war betroffen: eine Fläche etwa von der Größe Bayerns. Und so etwas ist kein Einzelfall.

Der Gold-Abbau hat Teile von Indonesiens Regenwäldern in Wüsten verwandelt. Das beim Abbau eingesetzte Quecksilber verunreinigt die Flüsse, tötet Fische und andere Wildtiere. / Foto: Orangutan Foundation


Böse Händler? Oder eher gleichgültige Geldanleger?

Es geht aber auch anders: Fair gefördertes Gold vermeidet solche Auswirkungen. Eine Fairtrade-Zertifizierung für Gold enthält Sicherheitsbestimmungen für Mensch und Umwelt und schreibt etwa Schutzkleidung sowie Gesundheits- und Sicherheitstrainings vor. Bis jetzt haben jedoch nur sehr wenige Goldminen dieses Siegel bekommen: "Die Standards stecken noch teilweise in der Pilotphase, dementsprechend gering ist das Volumen des verfügbaren Golds aus diesen Quellen", erläutert Patrick Weltin von der imug Beratungsagentur in Hannover, die Nachhaltigkeitsratings erstellt.

Gold mit Fairtrade-Zertifizierung erhalten Anleger unter anderem bei dem TransFair-Lizenzpartner Traid GmbH aus Berlin, aber auch bei einigen Banken. Bislang ist die BayernLB die einzige Großbank, die Fairtrade-Gold an Sparkassen, andere Kreditinstitute und privatwirtschaftliche Münz- und Edelmetallhändler vertreibt. "Seit ein paar Monaten bieten wir Fairtrade-Gold an, derzeit gibt es keinen Engpass", sagt Michael Eubel, Abteilungsleiter Sorten/Edelmetalle der BayernLB.

Wenig faires Gold am Markt, trotzdem kein Engpass - wie kann das sein? "Gegenwärtig haben wir kein Fairtrade-Gold vorrätig. Der Grund ist die mangelnde Nachfrage von Kundenseite", sagt Angela Baier, Sprecherin der Sparkasse München. Auch die Sparkasse in Dortmund bezieht ihr Gold von der BayernLB. "Bisher haben unsere Kunden die Herkunft des Goldes nicht thematisiert", sagt Sprecherin Katja Schütte. Prinzipiell könnten Kunden aber bei der Sparkasse Dortmund auch fair gehandeltes Gold kaufen.

Gold von der ReiseBank: Verhaltenskodex statt Fairtrade-Zertifizierung

Die Berliner Sparkasse bezieht ihr Gold von der ReiseBank, einer Tochter der DZ Bank mit Sitz in Frankfurt/Main. "Wir vermitteln Kunden, die Gold erwerben möchten, an die ReiseBank", sagt Sprecherin Katja Holzer. Doch auch hier: Bisher gab es gar keine Nachfrage nach Fairtrade-Gold.

Neben manchen Sparkassen haben etwa 800 Volks- und Raiffeisenbanken das Edelmetall-Geschäft an die Frankfurter ReiseBank ausgelagert. Das bedeutet: Kunden können Gold online bei der ReiseBank bestellen oder bei ihrer Hausbank kaufen, wenn diese welches vorrätig hat. Fairtrade-zertifizierte Barren gibt es bei der ReiseBank nicht.

Allerdings müssen Lieferanten den so genannten Code of Conduct von Heraeus unterschrieben haben. Das ist ein Verhaltenskodex der Edelmetall-Spezialistin Heraeus. Er verurteilt unter anderem Zwangs- und Kinderarbeit und verpflichtet dazu, "mit den Ressourcen der Natur schonend umzugehen", wie es im Kodex heißt. Mitarbeiter sollen Verstöße melden. "Wir lehnen den Handel von Gold mit nicht nachweisbarer Herkunft ab", erklärt dazu ReiseBank-Sprecher Rüdiger Schmitt. Das gelte auch beim Goldankauf.

Recycling-Gold als Alternative

Eine weitere Alternative zum konventionellen Gold ist Recycling-Gold, das in Deutschland die Goldsilbershop GmbH aus Wiesbaden anbietet: Dabei handelt es sich um Reste aus der Schmuckproduktion von Juwelieren, Zahngold und inzwischen zu sehr kleinen Teilen auch um Gold, das aus alten Computern und Handys zurückgewonnen wird. 


Was kostet Fairtrade-Gold, und welche Alternativen zu physischem Gold haben Anleger? Das erfahren Sie im zweiten Teil unserer Serie.

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