Aufforstungsflächen von Miller Forest in Paraguay. / Foto: Unternehmen

  Anleihen / AIF

Interview Teil 2: Holzinvestments: Neues Sägewerk – wie steht Miller Forest da?

Gestern hat ECOreporter im ersten Teil des Interviews mit Miller Forest die Entwicklung der Holz- und Grundstückspreise in Paraguay erläutert und welche Auswirkungen sich durch den neuen brasilianischen Präsidenten ergeben können.

Im zweiten Teil des Interviews erläutert Pierre Guttwein, Vertriebs- und Marketingleiter von Miller Forest, Details zu dem geplanten Sägewerk, an dem sich voraussichtlich auch Investoren beteiligen können. Außerdem geht ECOreporter unter anderem auf die aufgetretenen Frostschäden ein und fragt nach, wie die Emittentin den mehrmonatigen Vertriebsstopp in diesem Jahr wirtschaftlich verkraftet hat.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

ECOreporter: Die Emittentin plant laut Prospekt die Errichtung eines weiteren, größeren Sägewerks, nachdem ein kleineres Sägewerk bereits in Betrieb genommen wurde. Warum investiert die Emittentin in ein eigenes größeres Sägewerk in Paraguay?

Pierre Guttwein: Das bisherige Sägewerk ist mit einer Kapazität von 5.000 Festmeter Rundholz pro Jahr zu klein für die Anforderungen der nächsten Jahre. Es wurde zum Betrieb der angrenzenden Imprägnieranlage errichtet. Es wird weiter genutzt werden, um damit Spezialsortimente und kleine Chargen zu produzieren. Das neue Sägewerk hat eine Kapazität von 50.000 Festmeter Rundholz pro Jahr und wird nach und nach um weitere Sägelinien erweitert, um den mittel- bis langfristigen Kapazitätsanforderungen gerecht zu werden. Es gibt Sägewerke in Paraguay, allerdings kaum professionelle. Da bestehen noch viele Optimierungsmöglichkeiten. Zudem gibt es in der Region unserer Aufforstung aktuell noch kein Sägewerk, weshalb die Rohware bislang erst zum Sägewerk transportiert werden musste und damit natürlich auch viel "Abfallholz“ transportiert wurde. Da insbesondere die Transportkosten einen großen Anteil der Erntekosten ausmachen, ist es sinnvoll, die Weiterverarbeitung an Ort und Stelle durchzuführen. Das Sägewerk hat ein Investitionsvolumen von 2 Millionen Euro und wird finanziert über Eigenkapital und unsere Hausbank, die Sparkasse Ravensburg. Es ist geplant, unseren Investoren die Möglichkeit einer Beteiligung am Sägewerk in einer Gesamthöhe von circa 500.000 Euro zu bieten. Wie diese Möglichkeit genau aussehen wird, steht noch nicht fest. Sobald es genaue Informationen gibt, werden diese unseren Investoren mitgeteilt.

Bislang ist die Emittentin nicht Eigentümerin der Grundstücke, welche sie im Rahmen der Pachtvarianten an Anleger verpachtet, sondern pachtet diese Grundstücke vorher selbst von der Felber Forestal S.A. mit Sitz in Paraguay. Die Felber Forestal S.A. ist für die Aufforstung, Bewirtschaftung und Ernte der Bäume der Anleger in Paraguay zuständig und vermarktet auch die Ernte am Holzmarkt in Paraguay. Damit ist sie für die Emittentin und ihre Anleger von hoher Bedeutung. Wie ist nach Kenntnis der Emittentin die derzeitige wirtschaftliche und personelle Situation der Felber Forestal? Gab es seit Anfang 2017 wesentliche Veränderungen bei Felber Forestal?

Es gab keine wesentlichen Veränderungen bei der Felber Forestal S.A. seit Anfang 2017. Das jährliche Aufforstungsvolumen, der Maschinenpark und auch der Personalstamm mit rund 200 Mitarbeitern sind konstant geblieben. Felber Forestal ist auch nach wie vor komplett eigenfinanziert, zudem verringert sich das Schlüsselpersonenrisiko kontinuierlich. Die Managementaufgaben verteilen sich auf vier Personen, welche sich gegenseitig ersetzen können. Alle leitenden Angestellten in der Pflanzschule, Bewirtschaftung etc. haben einen Stellvertreter und ein funktionierendes Team unter sich, in dem sich neue Mitarbeiter integrieren und von den Kollegen lernen können. Das war in den Anfangsjahren der Aufforstung noch deutlich schwieriger.


Mitarbeiterin einer Pflanzschule von Miller Forest. / Foto: Unternehmen

Die Emittentin hat laut Prospekt 2017 aus Kulanz außerhalb der Anwuchsgarantie für 133.000 Euro Frostschäden beseitigt, die in einzelnen Parzellen der Pflanzungen in Paraguay aufgetreten waren. Wie ist es zu erklären, dass Frostschäden nur in einzelnen Parzellen aufgetreten sind?

Die Frostschäden sind nur in einzelnen Parzellen aufgetreten, hier auch wiederum nur bei einem Teil der Bäume, da diese Bäume in einer Senke standen, in der sich die Kälte in den Nächten vom 17. bis 19. Juli 2017 gestaut hatte. Vom Frost war zudem eine gepflanzte Sorte besonders betroffen. Wir pflanzen zur Risikostreuung verschiedene Sorten. So konnte es sein, dass wir auf der einen Straßenseite Bäume mit Frostschaden hatten und auf der anderen Straßenseite die Bäume ohne Schaden blieben. Diese genannte frostempfindliche Sorte wird nun nicht mehr angepflanzt. Im Jahr 2018 hatten wir entsprechend keine Frostschäden an unseren Anpflanzungen.

In der Regel sind junge Pflanzen frostempfindlicher. Sind Frostschäden auch in Parzellen bei Pflanzen aufgetreten, die noch unter die Anwuchsgarantie der Emittentin fallen? Diese sieht vor, dass zwei Jahre nach Pflanzdatum ein Bestand von 85 Prozent der ursprünglich angepflanzten Setzlinge angewachsen oder nachgepflanzt ist.

Ja, das Risiko eines Frostschadens besteht hauptsächlich bei Jungpflanzen. In diesem Fall mussten nur die oben genannten 133.000 Euro für die Nachpflanzung aufgewendet werden, weitere Frostschäden bei Neuanpflanzungen sind nicht aufgetreten.

Gab es in den letzten anderthalb Jahren bei den bestehenden Aufforstungsflächen der Anleger Schädlingsbefall, Sturm, Feuer, Trockenheit, Überschwemmungen und Diebstahl, die über Einzelfälle hinausgehen oder insgesamt mehr als rund 100 Hektar und somit mehr als 1 Prozent der gesamten Aufforstungsflächen der Anleger betreffen?

Nein, gab es nicht.

Das bisherige Geschäftsjahr 2018 der Emittentin war hauptsächlich durch eine rund neunmonatige Vertriebsunterbrechung wegen der Prüfung des neuen Anlageprospekts durch die BaFin geprägt. Damit einher geht auch ein Rückgang bei der Vermittlung von Aufforstungsflächen. Die Umsatzerlöse der Emittentin resultieren hauptsächlich aus den Vermittlungsprovisionen. Wie schätzt die Emittentin infolge des – in diesem Bereich erfolgten – Umsatzrückgangs ihre wirtschaftliche Situation und die Aussichten für 2018 und 2019 ein?

Da wir einige Unternehmen zu unserem Kundenstamm zählen, die über unser Projekt "grünes Klima“ CO2 ausgleichen und von unserem Verkaufsprospekt unabhängige Langzeitverträge geschlossen haben, konnten hier Umsätze generiert werden. Zudem durften wir während der noch nicht erfolgten Billigung des Verkaufsprospekts Flächen für Kunden und Interessenten reservieren, die Verträge wurden erst nach Veröffentlichung des Verkaufsprospekts unterzeichnet. Des Weiteren gehen wir auch noch von einem guten Jahresendgeschäft aus bzw. befinden uns mittendrin und werden das Jahr mit einem Umsatz von rund 2 Millionen Euro abschließen, was in etwa dem Durchschnitt unserer letzten Jahre entspricht. Für 2019 gehen wir von einer geringfügigen Umsatzsteigerung aus, da wir seit September bereits eine steigende Nachfrage nach unseren Waldinvestments verspüren und zudem bis Ende 2019 einen gültigen Verkaufsprospekt vorweisen können und daher nicht im Vertrieb eingeschränkt sind.

Es gibt laut Fortführungsprospekt einzelne Anleger, die sehr hohe Summen gezeichnet haben. Beispielsweise zwei mit 2,39 Millionen Euro und ein Anleger mit über 1 Million Euro. Sind das Privatanleger oder z.B. Stiftungen oder Unternehmen?

Es handelte sich hierbei um Privatanleger.

Herr Guttwein, danke für die Antworten!

Den ersten Teil des Interviews finden Sie hier.

ECOreporter hatte 2017 einen Forstexperten nach Paraguay gesendet, um die Plantagen von Miller Forest zu begutachten und einen ECOanlagecheck zu erstellen. Hier können Sie die Ergebnisse nachlesen.

Verwandte Artikel

30.11.18
 >
09.05.18
 >
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x