In der Corona-Krise ist der internationale Flugverkehr stark zurückgegangen - viele Fluggesellschaften fordern deshalb staatliche Unterstützung. / Foto: Pixabay

10.04.20 Meldungen

Keine Milliardengeschenke für die Flugindustrie – über 250 Initiativen starten Online-Petition

Mehr als 250 Nichtregierungsorganisationen, darunter Stay Grounded und Am Boden bleiben, haben einen offenen Brief an Regierungen in aller Welt verschickt. Ihre Forderung: Bei der Krisenbewältigung in der Luftfahrtindustrie müssen die in der Branche arbeitenden Menschen und der Klimaschutz im Mittelpunkt stehen.

Wer dieses Anliegen unterstützen möchte, kann sich an einer begleitenden Online-Petition beteiligen. Der Petitionstext im Wortlaut:

"Während die gesamte Welt gegen das Coronavirus kämpft und unzählige Beschäftigte ihr Einkommen verlieren, ruft die Luftfahrtindustrie nach der bedingungslosen Rettung durch die Steuerzahler*innen. Dabei wehrt sich die Industrie selbst seit Jahrzehnten mit Zähnen und Klauen dagegen, ihre Steuervorteile aufzugeben und ihren fairen Beitrag zu leisten. Auch bei der Reduzierung der schädlichen Emissionen gab es keine Fortschritte – denn dazu müsste die Zahl der Flüge zurückgefahren werden.

Schon heute ist der Luftverkehr für 5 bis 8 Prozent der derzeitigen globalen Klimagasemissionen verantwortlich, was hauptsächlich auf eine Minderheit von wohlhabenden Vielflieger*innen zurückzuführen ist. Trotzdem will die Branche den Wachstumskurs rücksichtslos fortsetzen und auch in Zukunft ihre Gewinne auf dem Rücken von prekär Beschäftigten und des Klimas erzielen.

Die von der Krise betroffenen Beschäftigten brauchen Unterstützung. Doch die Luftfahrtindustrie darf nicht damit davonkommen, in guten Zeiten ihre Gewinne zu privatisieren und direkt an die Investoren weiterzuleiten, um dann in schlechten Zeiten die Gesellschaft für ihre Verluste geradestehen zu lassen. Wenn wir jetzt nicht die strukturellen Probleme angehen, die unsere Gesellschaft und Wirtschaft so krisenanfällig machen, werden wir ungeschützt in die nächsten Krisen hineinsteuern. Denn die ökologische Notlage und die steigende Ungleichheit verschärfen sich nur noch weiter.

Eine Rettungsaktion für die Flugindustrie darf nicht dazu führen, dass der Luftfahrtsektor nach dem Abklingen der Corona-Krise wieder zur Tagesordnung übergeht. Bei jedem Einsatz öffentlicher Gelder müssen deshalb Beschäftigte und das Klima an erster Stelle stehen!

Wir fordern:

    1. Menschen an erster Stelle

    Anstatt Vorstände und Aktionäre zu retten, sollte ein Hilfspaket die finanzielle Absicherung und Gesundheit der betroffenen Beschäftigten sicherstellen. Flugbegleiter*innen, Pilot*innen, Bodenpersonal, Caterer und andere betroffene Beschäftigte sollten während der Krise ein gesichertes Grundeinkommen erhalten.

    2. Einen Strukturwandel in Richtung klimagerechte Mobilität

    Öffentliche Unterstützung der Luftfahrtindustrie muss klar an die Ausrichtung am 1,5-Grad-Ziel gekoppelt sein. Die Emissionsreduktion muss dabei real sein: Zweifelhafte Rechnungen im Rahmen von Kompensation (Offsetting) oder Agrartreibstoffe, die der Umwelt und Ernährungssicherheit schaden und zu Landkonflikten führen, sind keine Option. "Grünes Fliegen" ist und bleibt eine Illusion –  es führt daher kein Weg an einer Verringerung von Flügen vorbei. Für eine gerechte Erholung von der Corona-Krise braucht es demokratische Entscheidungsmechanismen und öffentliches Eigentum. Regierungen müssen dabei einen gerechten Strukturwandel vorantreiben: durch den Umbau der Verkehrsnetze, verbesserten Zugang zu erschwinglichen Alternativen (wie Bahnreisen) und Maßnahmen, die den Beschäftigten den Wechsel von fossilen Arbeitsplätzen hin zu klimafreundlichen Alternativen mit fairen Arbeitsbedingungen ermöglichen.

    3. Keine Steuern? Keine Rettungsgelder!

    Die Luftfahrtindustrie will mit dem Geld der Steuerzahler*innen gerettet werden, obwohl sie sich jahrzehntelang dagegen gewehrt hat, Steuern zu zahlen. Dadurch hat die Luftfahrt einen ungerechten Vorteil gegenüber klimafreundlichen Verkehrsträgern. Bestehende Steuerprivilegien sind deshalb aufzuheben: Fluggesellschaften müssen zur Zahlung einer Kerosinsteuer verpflichtet werden; und statt Vielflieger*innen mit Bonusmeilen zu belohnen, muss Vielfliegen mit einer progressiven Abgabe belegt werden.

Die gegenwärtige unbeabsichtigte Pause in der Luftfahrt bietet die Möglichkeit, einen klimagerechten Transportsektor aufzubauen und unsere Krisenfestigkeit zu stärken. Nutzen wir sie!“

Die Petition kann unter www.Change.org/SavePeopleNotPlanes-Germany  gezeichnet werden.

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