Kartonrollen, die zur Herstellung von Verpackungen dienen: Mayr-Melnhof ist seit 1995 Marktführer in Europa. / Foto: Unternehmen

07.06.18 Nachhaltige Aktien

Langweilig, aber lukrativ: Der Karton- und Verpackungshersteller Mayr-Melnhof AG

Die Mayr-Melnhof AG produziert Karton und Kartonverpackungen - ein berechenbares und krisensicheres Geschäftsmodell. Doch lohnt sich ein Kauf der Aktie?

Die Produkte der Mayr-Melnhof Karton AG begegnen uns jeden Tag. Sie stehen in fast allen Supermarktregalen und transportieren Waren von Marken wie Barilla, Teekanne und Dr. Oetker. Mayr-Melnhof stellt Kartons und Kartonverpackungen her – und das seit mehr als 50 Jahren.

Der Konzern aus Wien ist seit 1994 an der Börse gelistet. Seitdem hat sich die Aktie des Unternehmens blendend entwickelt. Der Zehn-Jahres-Chart zeigt vor allem nach oben. Ausreißer nach unten gibt es auch – aber die haben eher etwas mit den allgemeinen Stimmungen an den Börsen zu tun und selten mit dem Unternehmen selbst.

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Europas Nummer eins bei Karton und Verpackungen

Das Unternehmen ist in zwei Geschäftsfeldern aktiv: Die Abteilung Mayr-Melnhof Karton stellt unbedruckten Karton her, der für die Herstellung von Kartonerzeugnissen und Verpackungen verwendet wird. Jeder kennt das: brauner Karton, von dicken Umschlägen bis zu Umzugskartons. Für die Herstellung des Kartons werden zu 80 Prozent Recycling- und nur zu 20 Prozent Frischfasern benutzt. Mit einer produzierten Menge von 1,7 Millionen Tonnen im Jahr 2017 ist Mayr-Melnhof der größte Kartonhersteller in Europa.

Der zweite große Bereich, Mayr-Melnhof Packaging, produziert dickere, hochwertige Papiere. Die heißen dann verwirrenderweise  auch Karton, sind aber nicht braun. Sondern im Grundzustand weiss, später dann oft bunt bedruckt. Aus ihnen werden Faltschachteln für alles mögliche hergestellt, von der Parfümschachtel bis zur Schachtel für Teebeutel. Von diesen Kartonverpackungen hat das Unternehmen 2017 laut Geschäftsbericht 67 Milliarden hergestellt. Damit sind die Österreicher auch der größte Produzent von Kartonverpackungen in Europa.

Das Unternehmen hat sich über die Jahre an die europäische Spitze hochgekämpft. Anfang der 1980er Jahre war Mayr-Melnhof der viertgrößte Kartonhersteller in Europa. Seit 1995 sind die Österreicher in Europa die Nummer eins. Aber die Aktivitäten des Unternehmens sind nicht auf Europa beschränkt. Auch im Nahen Osten, Russland und Südamerika ist Mayr-Melnhof vertreten. Insgesamt verfügt das Unternehmen über 44 Fabriken und ist in mehr als 100 Ländern aktiv.

Berechenbar und lukrativ

Das Geschäftsmodell von Mayr-Melnhof wirkt zwar nicht hoch spannend, ist aber berechenbar und krisenresistent. Das Unternehmen nimmt stillschweigend am Wachstum der Konsumgüter- und Nahrungsmittelbranche teil. Mehr Konsum, mehr Verpackungen. Zu den Großkunden von Mayr-Melnhof zählen auch die großen Namen im Online-Handel. Und der immer dominanter werdende Handel über das Internet benötigt vor allem eins: Verpackungen.

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Wilhelm Hörmanseder, Vorstandschef von Mayr-Melnhof, legt die Aktie seines Unternehmens langfristig orientierten Anlegern ans Herz. / Foto: Unternehmen

Wilhelm Hörmanseder, der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, sagte bei einem Gespräch im Rahmen der Präsentation der Geschäftszahlen für 2017: "Man kann davon ausgehen, dass es uns in 20 Jahren noch gibt, und das schätzen Investoren, vor allem jene, die langfristig ausgerichtet sind und nicht unbedingt große Schwankungen im Portfolio wollen."

Laut Hörmanseder ist die Mayr-Melnhof-Aktie eine Aktie zum "Kaufen und Vergessen" - man kauft sie, lässt sie im Depot liegen und erfreut sich an den immer steigenden Dividenden. Die Einschätzung des Konzernchefs teilen auch professionelle Anleger. Die Aktie des Karton- und Verpackungsspezialisten ist in vielen Fonds zu finden, vor allem in solchen, die eine hohe Dividende und eine niedrige Volatilität schätzen.

Über die letzten 15 Jahre hat das österreichische Unternehmen ohne Unterbrechung Dividenden ausgeschüttet. Die Dividendenrendite betrug immer zwischen 2 und 3 Prozent des Aktienkurses. In den letzten acht Jahren wurde die Dividende sogar jedes Jahr erhöht.

Auf Nachhaltigkeit wird geachtet

Dabei ist der österreichische Karton- und Verpackungsspezialist ein nachhaltiges Unternehmen. Mayr-Melnhof stellt die Kartons und die Verpackungen zum großen Teil aus Recyclingfasern her. Auch die Produkte des Konzerns selbst kann man wiederverwerten  - bis zu sieben Mal lässt sich Karton recyceln. Darüber hinaus achtet das Unternehmen auf die Einhaltung eines detaillierten Unternehmenskodex, abgeleitet vom UN Global Compact, dem Kodex der Vereinten Nationen.

Mayr-Melnhof versucht durch kontinuierliche Optimierung der Prozesse den Energieverbrauch zu mindern und die Ressourcen zu schonen. Nicht umsonst ist die Aktie des Unternehmens auch ein Liebling von nachhaltigen Investoren.

Sie ist etwa im Umweltfonds von Murphy & Spitz vertreten. Christian Kempes, der für den Fonds zuständige Analyst, teilte ECOreporter mit: "Der Murphy & Spitz Umweltfonds ist bereits seit vielen Jahren in das Unternehmen investiert. Wir stufen das Unternehmen als sehr nachhaltig ein. Es erhält nach unserem Ratingsystem die Höchstnote in Sachen Nachhaltigkeit."

Kempes lobt Mayr-Melnhof zudem als grundsolides Unternehmen. Es wachse konstant, könne seine Rohstoffkosten gut an Kunden weitergeben und sei sehr zuverlässig, was die Einhaltung von Prognosen betreffe.

Wie ist die Aktie bewertet?

Die Aktie des Karton- und Verpackungsherstellers notiert momentan bei 118,80 Euro (7.6., 11:28 Uhr). Bei einem zu erwartenden Ergebnis für 2018 je Aktie von 7,73 Euro liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 14,28. Die erwartete Dividende für 2018 beträgt 3,26 Euro, was bei dem jetzigen Kurs einer Dividendenrendite von 2,77 Prozent entspricht.

Die Eigenkapitalquote beträgt laut Geschäftsbericht für das Jahr 2017 über 65 Prozent - ein sehr guter Wert. Die Eigenkapitalrendite beträgt 12,8 Prozent und die Rendite auf das Gesamtkapital 8,3 Prozent. 

Im Jahr 2017 hat der österreichische Konzern einen Umsatz in Höhe von 2,33 Milliarden Euro erzielt und einen Gewinn von 155 Millionen Euro. Über die letzten fünf Jahre steigerte das Unternehmen die Umsätze um jährlich gut 4,5 Prozent. Auch die Gewinne zogen über die letzten fünf Jahre beständig an. Hier betrug die jährliche Steigerungsrate sogar 6,5 Prozent.

Die Aktie ist bei dem momentanen Kurs fair bewertet. Man kann davon ausgehen, dass das Unternehmen auch in Zukunft Umsätze und Gewinne steigern wird, und damit auch die Dividenden. ECOreporter führt Mayr-Melnhof auf der Liste der Kandidaten für die ECOreporter-Mittelklasse-Aktien.

Mayr-Melnhof Karton AG: ISIN  AT0000938204 / WKN 890447

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