Eine Indoor-Aquakultur-Anlage für die Fischzucht. / Foto: Deutsche Edelfisch

02.05.19 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

Neustart: Genussrechte der Deutsche Edelfisch

Die Deutsche Edelfisch startet einen zweiten Versuch, ein Genussrechteangebot erfolgreich zu platzieren. ECOreporter hat das Angebot in einem ECOanlagecheck unter die Lupe genommen.

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Das Anlegerkapital soll die Errichtung einer Kreislaufanlage an Land für die Fischzucht finanzieren. In der in Mecklenburg-Vorpommern geplanten Indoor-Aquakultur-Anlage soll der Speisefisch Zander produziert werden. Anleger können ab 1.000 Euro investieren. Das Agio beträgt 5 Prozent. Die Genussrechte bieten einen Basiszins von bis zu 8,0 Prozent bei einer Mindestlaufzeit bis Ende 2025.

Die Emittentin Deutsche Edelfisch DEG GmbH & Co. II KG plant, die Kreislaufanlage nach der Errichtung selbst zu betreiben und die produzierten Fische zu verkaufen. Geschlossene Kreislaufanlagen bestehen laut Prospekt aus einer Kombination von Becken und Filtersystemen, in denen das Abwasser ständig wiederaufbereitet und in die Zuchtbecken zurückgeführt wird. Die Kreislaufanlagen haben nach Angaben der Emittentin mehrere biologische und ökologische Vorteile. Beispielsweise ist demnach in den Anlagen der Einsatz von Antibiotika systembedingt ausgeschlossen.

Die Emittentin beabsichtigt, die Kreislaufanlage in einer bestehenden Halle mit einer Fläche von 6.000 m² auf einem Industriegelände in Ludwigslust zu errichten. Die Kosten für den Kauf und die Errichtung der Anlage sind im Prospekt auf 7 Millionen Euro beziffert.

Zweiter Platzierungsversuch

Die Emittentin hatte bereits einen Verkaufsprospekt vom 23. Oktober 2017 (Aufstellungsdatum) für das Genussrechte-Angebot veröffentlicht, der gemäß Vermögensanlagengesetz bis Ende Oktober 2018 gültig war. Nun hat die Emittentin einen Fortführungsverkaufsprospekt für dasselbe öffentliche Angebot derselben Vermögensanlage veröffentlicht.

Der Gesamtbetrag der angebotenen Genussrechte beträgt 8,9 Millionen Euro. 2017 wurden davon 2.000 Euro gezeichnet. Laut Fortführungsprospekt "ist der bisherige Geschäftsgang seit dem 1. Januar 2018 dadurch geprägt, dass verschiedene Finanzvertriebe für eine Zusammenarbeit gewonnen werden konnten. Es wurde eine weitere Mitarbeiterin eingestellt, die die Tätigkeiten der verschiedenen Marketingmaßnahmen mit den Finanzvertrieben koordiniert.“ Auf den Platzierungsverlauf hat sich das aber zumindest in 2018 noch nicht positiv ausgewirkt: Es wurden 0 Euro im Jahr 2018 platziert. Die Emittentin plant, dass 2019 das Genussrechtskapital von 8,898 Millionen Euro platziert wird.

Risiken gestiegen?

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Zander in einer Indoor-Zuchtanlage. / Foto: Deutsche Edelfisch

ECOreporter hatte auf Basis des Erstprospektes das Genussrechteangebot der Deutsche Edelfisch analysiert. Im am 26. April 2018 veröffentlichten ECOanlagecheck wurde auch auf das Platzierungsrisiko hingewiesen: "Für das Genussrechtskapital besteht keine Platzierungsgarantie. Gemäß Mittelverwendungsplan ist eine (nahezu) vollständige Platzierung des Genussrechtskapitals erforderlich, um die geplante Kreislaufanlage realisieren zu können. Falls die Platzierung der Genussrechte unter Plan bleiben sollte und die Emittentin nicht anderweitig Kapital beschaffen kann, besteht das Risiko, dass das Projekt nicht realisiert werden kann. Eine Möglichkeit zur Rückabwicklung des Genussrechtsangebotes ist vertraglich nicht vorgesehen.“

Mit dem sehr schleppenden Platzierungsverlauf in 2017/2018 kann sich auch die Projektrealisierung verzögern. Dazu heißt es im ECOanlagecheck vom April 2018: "Nicht nur die Anleger, sondern auch die Emittentin kann die Genussrechte erstmals zu Ende 2025 kündigen. Diese Regelung kann beispielsweise dann mit erheblichen Nachteilen für die Genussrechteinhaber verbunden sein, falls sich die Realisierung des Projektes deutlich verzögern sollte und die Emittentin in der Folge erst einige Kalenderjahre später als geplant die Anlaufverluste ausgleichen kann. Die Verpflichtung der Emittentin, das Genussrechtskapital bis zum Nennbetrag wieder zu erhöhen und Basiszinsansprüche nachzuzahlen, besteht nur während der Laufzeit der Genussrechte.“

Das Fazit des ECOanlagechecks lautete vor einem Jahr: "Für Anleger können angesichts der hohen Risiken die Renditechancen des Genussrechte-Angebotes als zu gering gelten.“ Angesichts der Verzögerungen bei der Platzierung und der Projektrealisierung können sich die Risiken inzwischen weiter erhöht haben.

Die vollständige und ausführliche unabhängige Analyse können Sie hier lesen. In dem ECOanlagecheck erfahren Sie unter anderem, wie ökologisch die geplante Indoor-Kreislaufanlage für die Fischzucht ist, welche Rolle Fördermittel spielen, mit welchem Zander-Kilopreis die Emittentin kalkuliert, wer das Angebot initiiert hat und wie die Höhe der Vertriebskosten einzuschätzen ist.

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