Ein Windpark von Nordex SE in den USA. / Foto: Nordex SE

  Aktientipps, Aktien-Favoriten

Nordex: Favoriten-Aktie mit gut 25 Prozent Plus

Bei gut 7 Euro stand die Aktie des Windanlagen-Herstellers Nordex Ende März. Am 6.4. notierte sie gut 25 Prozent höher - woher rührt der Kursaufschwung?

Nordex ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie, die sich in den letzten fünf Jahren sehr unterschiedlich entwickelte: Als ECOreporter sie 2013 empfahl, lag der Kurs bei etwas über 5 Euro. Anfang 2016 war er bis auf das bisherige Allzeithoch gestiegen, etwas über 33 Euro. Von da an ging es etappenweise bergab.

Es gab Gründe dafür: Der Umbau des Unternehmens; die Übernahme eines spanischen Windunternehmens, die schwierig war; der Umbruch im deutschen Erneuerbare-Energie-Markt, der politisch gewollt war. Medien, die wie das Handelsblatt kontinuierlich falsch über angebliche, aber nicht vorhandene Subventionen für Windenergie schreiben, tun ihr übriges, um Misstrauen unter Nordex-Interessenten zu säen.

Windenergie ist weltweit erfolgreich

In diesem Jahr hatten zudem Spekulanten mit Leerverkäufen ihr Spiel mit der Aktie getrieben. Bis zu dieser Woche, als der Kurs der Aktie ein Zwei-Jahres-Tief erreichte. ECOreporter hatte sie weiter als Favoriten-Aktie eingestuft, weil Nordex als Windanlagen-Hersteller mit guter Position in ausländischen Märkten insgesamt auf dem richtigen Weg ist.

Die Windenergie ist schließlich neben der Solarenergie die derzeit erfolgreichste Energieart weltweit, was neue Kraftwerke angeht. Dass eine Windkraftanlage im Schnitt nur ein Jahr benötigt, um so viel Energie zu liefern wie für ihre Produktion und Aufstellung nötig war, sei nur am Rande erwähnt.

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Zunächst einmal hat Nordex das erste Quartal 2018 mit einem erhöhten Auftragseingang abgeschlossen: Das Volumen der fest vereinbarten Neuaufträge stieg in den ersten drei Monaten des Jahres auf 1.007,5 Megawatt (Quartal 1/2017: 368,0 MW). Dabei hat sich die Nachfrage in Europa auf rund 505 Megawatt erholt (Quartal 1/2017: 83 MW). Das Neugeschäft war durch zahlreiche Lieferaufträge von Stammkunden geprägt. Die stärksten Einzelmärkte in Europa waren die Türkei, Frankreich und Schweden.

Auch das Auslandsgeschäft läuft

Das Auftragseingangsvolumen aus Amerika lag bei rund 502,5 MW (Quartal 1/2017: 285 MW). Dabei konzentrierte sich das Neugeschäft auf Großaufträge aus Mexiko, den USA und Chile. Die beiden am häufigsten verkauften Produkte waren die AW 132/3300 und die N131/3900. 2017 lag der Nordex-Umsatz bei knapp 3,1 Milliarden Euro.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 5.000 Mitarbeiter. Zum Fertigungsverbund gehören Werke in Deutschland, Spanien, Brasilien, den USA und in Indien. Das Produktprogramm konzentriert sich auf Onshore-Turbinen der 1,5- bis 4,5-MW-Klasse, die auf die Marktanforderungen von Ländern mit begrenzten Ausbauflächen und Regionen mit begrenzten Netzkapazitäten ausgelegt sind.

Trotz der recht ordentlichen Zahlen für das erste Quartal 2018, die viele wohl so nicht erwartet hatten: Es wird für Nordex schwierig bleiben. Vor allem, weil der deutsche Markt schrumpfen wird. Nordex selbst erwartet erst für 2020 eine insgesamt bessere Situation.

Die wahren Gründe für den Kursanstieg

Unter normalen Umständen hätte also auch diese Woche wenig für einen so deutlichen Aufschwung gesprochen. Aber da war noch etwas: Großaktionär Jan Klatten, Mitglied des Milliardärs-Klans Quandt und Ehemann von Susanne Klatten, hatte seinen Anteil an Nordex aufgestockt. Die BMW-Großaktionäre Klatten und Quandt halten nun zusammen 5,5 Prozent an Nordex. Die Meldung vom Promi-Kauf hatte in der ansonsten ruhigen Osterzeit für Aufsehen gesorgt. Und die Psychomaschine Börse ins Rotieren gebracht.

Und nun schießen die Analysten ihre Empfehlungen heraus

Schwupps sah der Warburg-Research Analyst Arash Roshan Zamir in Nordex einen Kandidaten für einen Turnaround und empfahl sie bei einem Kursziel von zehn Euro zum Kauf. Ein weiterer Analyst stufte die Aktie von "Underperform" auf "Neutral" hoch. Der Aktienkurs des Herstellers von Windkraftanlagen habe nunmehr die schlimmstmöglichen Szenarien für den deutschen Markt und die USA eingepreist, heißt es. Und dann hob auch noch ein Börsenbriefautor den Aktienkauf von Jan Klatten positiv hervor.

ECOreporter-Fazit:

Die derzeitigen Analysen zu Nordex sind für private Anleger so brauchbar wie der Satz von filterlosem Kaffee. Denn die Aktien von Windanlagenherstellern sind für kurzfristige Beurteilungen nicht geeignet. Und ob ein Milliardär Aktien kauft oder nicht: Kann das kurzfristige Kursanstiege von 30 Prozent rechtfertigen? Natürlich nicht.

Nur die lange Sicht zählt hier

Quartalszahlen sagen in dieser Branche wenig aus. Denn Windkraftanlagen sind langlebige Investitionsgüter. Sie können, wenn man sie lässt und gut wartet, über 20 Jahre lang umweltfreundlich und günstig Strom produzieren – anders als Atom- und Kohlekraftwerke benötigen sie weder Uran noch Bergbau, um Energie ins Netz zu liefern. Sondern den kostenlos verfügbaren Wind. Aber die Windkraftwerke sind auch von Politikern wie Angela Merkel (predigt den Klimaschutz) und Donald Trump (leugnet den Klimawandel) abhängig.

Beide haben kräftig dazu beigetragen, dass Nordex 2017 auf einen sehr schwierigen Markt traf, besonders Merkels Anti-Erneuerbare-Energie-Politik. Wind-Aktien sollten also danach beurteilt werden, welche Qualität die Hersteller liefern – und hier steht Nordex gut da. Und danach, wie weit sie politisch bedingte Absatzprobleme zeitweise abpuffern können. Auch hier hat sich Nordex in den letzten Jahren wackerer geschlagen als viele vermutet hatten. Von daher: Wer die Aktie im Depot hat, sollte sie lange behalten.

Und wer sie noch nicht hat, dafür aber über einen langen Atem verfügt, der sollte sie entweder jetzt kaufen oder einige Tage abwarten – der nächste Kursrückschlag kann durchaus kommen. Nicht aus fundamentalen Gründen, sondern aus reiner Börsenpsychologie. Am besten dürfte es sein, Käufe aufzuteilen und über mehrere Wochen zu strecken. Und dann heisst es: Abwarten. Geschäftsfeld und langfristige Aussichten stimmen jedenfalls immer noch für die ECOreporter-Favoriten-Aktie Nordex. Wichtig aber: Sichern Sie Kurse ab. Wie das geht, lesen Sie hier.

Nordex SE: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D65

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