Ob ohne Schnickschnack, als Kakao oder in Pralinenform: Schokolade ist lecker. Aber wie schmeckt Anlegern eigentlich ein nachhaltiges Investment in das "braune Gold"? / Foto: Pixabay

31.05.17

Schoko-Serie Teil II: So schmeckt die Rendite

Schokolade ist lecker. Aber wie schmeckt ein nachhaltiges Investment in Schokolade? Das erklären wir in einer dreiteiligen Serie.

In Teil I der ECOreporter-Serie haben wir erklärt, wieso Hersteller wie Ritter Sport bei der Produktion vorbildhaft sind, und wie wichtig die Bedingungen im Kakaoanbau dabei sind.  Und wir haben gezeigt, welche Zertifizierungen nachhaltige Schokolade kennzeichnen. Fest steht danach: Wenn Anleger die sozialen und ökologischen Bedingungen im Kakaoanbau verbessern wollen, sollten sie genau hinschauen, wo sie investieren. Zum Beispiel in nachhaltige Aktien von reinen Schokoladenherstellern oder in nachhaltige Fonds, die in diese Aktien investieren. Neben steigenden Kursen bieten Aktien solcher Konzerne oft auch eine ansehnliche Dividenden-Rendite.

KakaoWald von Forest Finance: Investment für risikobereite Anleger

Keine Aktie, sondern eine Direktbeteiligung ist das Finanzprodukt KakaoWald vom Bonner Holzinvestment-Anbieter ForestFinance. Anleger können damit in nachhaltig produzierten Edelkakao in Peru investieren: Sie pachten eine Fläche von mindestens 1.000 Quadratmetern Agro-Mischforst. Mit dem Projekt soll auch der Regenwald im panamesischen Bocas del Toro geschützt werden. KakaoWald ist der Nachfolger des ForestFinance-Angebots "CacaoInvest", das nicht mehr vertrieben wird. In den Kakaowäldern in Peru werden unter Einhaltung ökologischer und sozialer Standards Edelkakaosorten angebaut und geerntet.

Für die Kakao-Anbauflächen hat das Unternehmen das UTZ-Nachhaltigkeitszertifikat erhalten. Es bescheinigt dem Forstbetrieb unter anderem umweltschonende und effiziente Anbaumethoden, sichere Arbeitsbedingungen für die Belegschaft und dass Kinderarbeit dort tabu ist. In Südafrika lässt ForestFinance die Kakaoernte zu Schokolade verarbeiten. Abnehmer ist die als Sozialunternehmen gegründete Schokoladenmanufaktur Cocoáfair in Kapstadt. Mit dem Kakao werden zwei Sorten fair gehandelter Bioschokolade hergestellt und als „Single Origin Schokolade“ mit konkretem Herkunftsnachweis vermarktet. 2015 hat Cocoáfair 100 Tonnen ForestFinance-Kakao aus Panama verarbeitet. Ein weiterer Großabnehmer ist Oro Moreno aus Panama, daneben gibt es noch mehrere kleine Abnehmer.

Das Kakao-Investment in Kürze:  Ein Einstieg ist ab 3.250 Euro möglich, das entspricht einer Fläche von 1.000 Quadratmetern: auf 800 m² wird Kakao in Peru angepflanzt, die restlichen 200 m² werden in Panama für mindestens 50 Jahre unter Schutz gestellt, die Laufzeit beträgt 25 Jahre. Investoren erhalten regelmäßig Zahlungen aus Erträgen des nachhaltig produzierten Edelkakaos. Jährliche Auszahlungen aus dem Verkauf von Edelkakao sind ab dem sechsten Jahr möglich – abhängig vom Wachstum. Der Vertrag besteht aus einem Grundstückspachtvertrag und aus einem Forstdienstleistungsvertrag.

Der prognostizierte Ertrag für 1.000 m² (0,1 Hektar) Wald liegt nach 25 Jahren bei rund 7.735 Euro. Das entspricht laut ForestFinance einer Rendite von circa 6 Prozent bei "normalem Verlauf" bei Wachstumszeit, Ernte und Marktpreisen. Risiken sind Missernten durch Unwetter oder Schädlinge, schlechte Marktpreise und ein dadurch möglicher Totalverlust des Kapitals. Ein solches Investment in Übersee eignet sich für Anleger, die ihr Geld lange fest anlegen und ein hohes unternehmerisches Risiko eingehen können.

Halloren – eine Schoko-Anleihe aus Halle an der Saale

Der älteste Schokoladen-Fabrikant Deutschlands ist die Halloren Schokoladenfabrik AG: Seit 1804 produziert Halloren in Halle/Saale in Sachsen-Anhalt. Zum Sortiment zählen über 180 Schokoladenprodukte – von den Original Halloren Kugeln bis zu Confiserie-Artikeln. Im sächsischen Delitzsch befindet sich ein zweites Stammwerk: Nach der Übernahme der insolventen Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH folgte der Erwerb des niederländischen Süßwarenunternehmens Steenland  BV in Gouda, das seine Waren in 50 Länder exportiert.

Mitte des Jahres 2013 ging Halloren eine strategische Partnerschaft ein und beteiligte sich zu 50 Prozent am belgischen Pralinen- und Schokoladenhersteller Bouchard Daskalidès NV in Gent. Im September 2014 wurde Bouchard als einhundertprozentige Tochter übernommen. Die Halloren-Firmengruppe beschäftigt in ihren drei Geschäftsbereichen "Halloren Confiserie", "Chocolaterie" und "Industrie" derzeit über 700 Mitarbeiter.

Seit 2012 gibt es ein Halloren-CSR-Komitee (CSR: Corporate Social Responsibility), jährlich veröffentlicht die Muttergesellschaft Halloren Schokoladenfabrik AG einen Nachhaltigkeitsbericht anhand von Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI). 2012 wurde erstmals eine Halloren-Pralinenmarke komplett mit UTZ-zertifiziertem Kakao hergestellt. Mittlerweile sind 34 Prozent des verarbeiteten Kakaos zertifiziert. Kontinuierlich sollen alle Produkte auf UTZ-Kakao und nachhaltig angebaute Rohstoffe umgestellt werden.

Aber das Unternehmen geht noch weiter: "Ein großes Ziel wird es sein, dass wir Fairtrade zertifizierte Schokolade bei einem Großteil unserer Produkte einsetzten werden", sagte Hallorens Chief Executive Officer (CEO) Klaus Lellé im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht. Auch sollen Verpackungen auf Holzbasis, das sind Faltschachteln und Umkartons, nach und nach umweltverträglicher gestaltet werden und nur noch aus FSC- und PEFC-zertifiziertem Holz bestehen. Halloren ist auch Gründungsmitglied im "Forum nachhaltiger Kakao", das die Lebensbedingungen und das Wohlergehen der Kakaobauern verbessern will.

Bildhinweis: Wie andere Schokoladen-Hersteller kämpft auch Halloren mit den steigenden Preisen für Kakao und andere Rohstoffe. / Foto: Pixabay

Die Anleihe in Kürze:  Die Halloren-Aktie wurde am 2. Dezember aus dem Börsenhandel genommen. Allerdings hat das Unternehmen im September 2016 eine Anleihe (DE000A2BN3M4) emittiert mit einem Zinssatz von 4,5 Prozent pro Jahr und einer Laufzeit bis zum 22. März 2022, insgesamt 5,5 Jahre. Zinszahlungen erfolgen erstmals am 23. März 2017.Das Emissionsvolumen beträgt 10 Millionen Euro. Aktuell notiert die Anleihe bei 100 Prozent des Nominalwertes. Das frische Kapital wird zur Refinanzierung von Halloren genutzt. Zudem soll damit das weitere Wachstum des Schokoladenherstellers finanziert werden: Das Unternehmen will unter anderem in Maschinen investieren.

Im Geschäftsjahr 2015 schrieb Halloren rote Zahlen aufgrund steigender Rohstoffpreise, besonders Kakao, Haselnüsse und Mandeln hatten sich aufgrund schlechter Ernten stetig verteuert. Zudem belasteten Restrukturierungen der belgischen Tochter das Ergebnis. Der Fehlbetrag des Unternehmens lag bei 1,64 Millionen Euro, 2014 hat Halloren noch einen Überschuss von 0,2 Millionen verbucht.

Im ersten Halbjahr 2016 war die Halloren Schokoladenfabrik im Minus, mit einem vorläufigen negativen EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 2,25 Millionen Euro). "Trotz  volatiler  Rohstoffmärkte  und  hohem  Margendruck" geht das Management aber davon aus, bald die Verlustzone verlassen zu können. Mit einer Eigenkapital-Quote von 36,3 Prozent in 2015 (2014: 30,8 Prozent) steht das Unternehmen stabil da, allerdings trägt es eine Schuldenlast von 51,15 Millionen Euro, von denen 24,5 Millionen kurzfristig fällig sind.

Aktie Barry Callebaut – Schokoladen-Verarbeitung mit nachhaltigem Anspruch

Barry Callebaut ist der größte Schokoladen-Verarbeiter der Welt: Das Unternehmen beschäftigt nahezu 10.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern und betreibt über 50 Produktionsstätten. Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Zürich produziert hochwertige Kakao- und Schokoladenprodukte und beliefert damit große Nahrungsmittelkonzerne. Zu den Produkten zählen beispielsweise Füllungen oder Dekorationen. Die Kunden stellen daraus dann ihre eigenen Produkte her.

Seit 2009 sind die Produkte des Unternehmens von UTZ zertifiziert. Laut eigenem Nachhaltigkeitsbericht kaufte Barry Callebaut im Geschäftsjahr 2014/2015 etwa 159.000 Tonnen nachhaltigen Kakao ein – ein Anstieg um 21 Prozent gegenüber dem vorherigen Geschäftsjahr. Zwei Drittel dieser Menge stammten aus den eigenen Programmen vor Ort. Auch wurde eine neue Reihe von nachhaltigen Kakao- und Schokoladenprodukten entwickelt, um Entwicklungsprogramme zur Produktivitätssteigerung und Gemeinschaftsentwicklung zu unterstützen, außerdem gibt es Nachhaltigkeitsprämien sowie Ausbildungszentren und Schulungen für Kakaobauern. Im November 2016 kündigte der Marktführer eine umfassende Strategie an, um die Nachhaltigkeitsprobleme in der Wertschöpfungskette der Branche zu lösen.

"Vier ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele sollen bis 2025 den Übergang von nachhaltigem Kakao zu nachhaltiger Schokolade ermöglichen: Verdrängung von Kinderarbeit aus der eigenen Beschaffungskette, Befreiung von mehr als 500.000 Kakaobauern aus der Armut, positive Bilanz in punkto CO2-Emissionen und Entwaldung und 100 Prozent nachhaltig erzeugte Rohstoffe in allen Produkten der Gruppe", teilte das Unternehmen mit. Der Fortschritt soll in jährlichen Berichten transparent gemacht werden.

In sämtlichen Kakaoverarbeitungsanlagen von Barry Callebaut in den Herkunftsländern dienen ungenutzte Kakaobohnenschalen mittlerweile als Wärmequelle, berichtet J. Safra Sarasin. Damit werden bis zu 100 Prozent des zur Reinigung und Verarbeitung von Kakaobohnen erforderlichen Dampfs erzeugt. Dies biete gleich zwei Vorteile: Zum einen werden die Abfallmengen reduziert, zum anderen fossile Energieträger ersetzt. Und das wiederum verringere den ökologischen Fußabdruck. In Europa und in Nordamerika verkaufen die Fabriken ihre Kakaobohnenschalen an die Hersteller von Boden-Verbesserungsmaterial. Dieses wird in der Landwirtschaft als Ersatz für Torf und andere organische Materialien eingesetzt.

Die Aktie in Kürze:  Die Barry-Callebaut-Aktie ist in europäischen Nachhaltigkeitsfonds und mehreren STOXX Nachhaltigkeitsindices sowie im DAX Global Sarasin Sustainability Switzerland Index vertreten. Auf Jahressicht hat die Schoko-Aktie an der Swiss Exchange fast 7 Prozent zugelegt und notiert aktuell bei 1.186 Schweizer Franken (CHF), umgerechnet rund 1.091,6 Euro (Stand: 7.12.). Im Geschäftsjahr 2015/16, das von September bis September dauert, hat Barry Callebaut weniger verdient: Der Nettokonzerngewinn schrumpfte in diesem Zeitraum um knapp 5,1 Prozent in Lokalwährungen auf 219 Millionen CHF im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz aus Verkäufen kletterte im Geschäftsjahr 2015/16 um 8,8 Prozent in Lokalwährungen auf rund 6,68 Milliarden Franken.

Neben dem starken Franken lasteten hohe Kakaopreise auf dem Ergebnis. Die Verkaufsmenge soll im Durchschnitt der drei Geschäftsjahre bis 2017/18 um 4 bis 6 Prozent steigen, das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Lokalwährungen stärker.

Aktuell beträgt das Kursgewinn-Verhältnis (KGV) 30,73, für 2016/2017 wird ein KGV von 23,89 erwartet. Das KGV stellt die Relation zwischen dem aktuellen Kurs der Aktie und dem Jahresgewinn pro Aktie dar. Je niedriger das KGV, desto günstiger erscheint die Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt oder zu den Aktien der Wettbewerber. Die Dividendenrendite schrumpfte von 2,16 Prozent im Jahr 2005 und auf 1,37 Prozent im Jahr 2015 (ausgezahlte Dividende im vergangenen Jahr: 14,50 Schweizer Franken).

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