Helge Wulsdorf, FNG-Vorstand und einer der Autoren der neuen Studie. / Foto: BKC

31.07.20 Meldungen , Institutionelle / Anlageprofis , Finanzdienstleister

Studie: Nachhaltigkeit wird im Finanzsektor zunehmend wichtiger

Nachhaltigkeit wird zu einem immer festeren Bestandteil der Finanzwirtschaft. Das geht aus einer neuen Studie des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) hervor, die von den FNG-Vorständen Helge Wulsdorf und Matthias Stapelfeldt verfasst wurde.

Die Autoren haben in ihrer Untersuchung Qualitätskriterien für verantwortliche Investments in Deutschland und Österreich erarbeitet und systematisch abgefragt. Die Kernergebnisse ihrer Umfrage unter 54 Asset Managern und Asset Ownern, die Vermögenswerte in Höhe von 1,7 Billionen Euro repräsentieren: Nachhaltigkeit wird im Finanzsektor immer wichtiger, und die Nachhaltigkeitsqualität der angebotenen Finanzprodukte hat sich deutlich verbessert.

Nachholbedarf sehen Wulsdorf und Stapelfeldt noch bei der durchgängigen Implementierung von ESG-Kriterien (ökologischen, sozialen und an guter Unternehmensführung ausgerichteten Kriterien). Vor allem bei der systematischen Verankerung in den IT-Systemen der Finanzdienstleister fehle es oftmals an der notwendigen Tiefe und der systematischen Vernetzung mit den unterstützenden Unternehmenseinheiten.

„Der Trend zu mehr ESG-Integration bei konventionellen Fonds wird durch die qualitative Erfassung der Handlungsfelder in unserer Studie erstmals greifbar“, erläutert Helge Wulsdorf. „Nachhaltigkeit wird damit zunehmend zum Standard für die gemanagte Kapitalanlage. Dabei ist sehr genau zu schauen, welche Qualitätsanforderungen zu erfüllen sind, damit es nicht zu verstärktem Greenwashing kommt.“

Zunächst seien die Voraussetzungen bei den Asset Ownern und Managern zu schaffen, damit sie die Offenlegungspflichten der EU-Regulatorik erfüllen, die ab März 2021 gelten. Bei verantwortlichen Investments gehe es vor allem darum, den konkreten Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken und nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen transparent zu machen.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass es für die Integration von Nachhaltigkeitsrisiken im Asset Management keinen Standardprozess gibt, der sich kurzfristig umsetzen lässt. Auch ist den Autoren zufolge eine Übertragung von ESG-Kriterien auf alle Fondsprodukte nicht ohne weiteres möglich. Für deren systematische Integration in alle Finanzprodukte und Investmentprozesse seien weitere Schritte erforderlich, die zu einer qualitativen Ausdifferenzierung verantwortlicher Investmentprodukte führen würden. Vorreiter arbeiteten schon jetzt daran, ihr Berichtswesen zu ESG-Kriterien auszubauen und Wirkungsmodelle für Klima und andere Nachhaltigkeitsthemen zu implementieren, mit denen sie sich Wettbewerbsvorteile verschaffen wollen. „Gerade der Frage nach den positiven und negativen Wirkungen von Investments wird in Zukunft sicherlich mehr Gewicht zukommen“, ist Helge Wulsdorf überzeugt.

Die vollständige Studie „FNG-Spezial – Verantwortliche Investments: Qualitative Anforderungen an die professionelle Umsetzung von ESG-Integration im Asset Management“ kann kostenlos unter www.forum-ng.org heruntergeladen werden.

Dr. Helge Wulsdorf ist Leiter Nachhaltige Geldanlagen bei der Bank für Kirche und Caritas (BKC) und Mitglied der Prüfungskommission des Fernlehrgangs ECOanlageberater. Informationen zu dem Lehrgang finden Sie hier.

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