2019 ist in Deutschland überdurchschnittlich viel privates Geld in grüne Geldanlagen geflossen. / Foto: Pixabay

09.06.20 Nachhaltige Aktien , Fonds / ETF

FNG-Marktbericht: Grüne Geldanlagen boomen bei Privatanlegern

Privatanleger in Deutschland haben im letzten Jahr ihre Investments in nachhaltige Geldanlagen fast verdoppelt. Das geht aus dem neuen Marktbericht des Fachverbands Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hervor.

18,3 Milliarden Euro hatten private Anleger Ende 2019 laut FNG in nachhaltige Fonds und Mandate investiert. Ende 2018 waren es  9,4 Milliarden Euro. Insgesamt waren nach Angaben des FNG Ende letzten Jahres in Deutschland 269 Milliarden Euro in als nachhaltig bezeichnete Finanzprodukte angelegt, der Großteil von institutionellen Investoren. Das Gesamtvolumen wuchs im Jahresvergleich um 23 Prozent.

Auslöser für das deutlich gestiegene Interesse privater Anleger ist nach Einschätzung des FNG insbesondere die verstärkte Berichterstattung über nachhaltige Geldanlagen im Zuge der verschiedenen europäischen Maßnahmen zur Förderung dieser Anlageform. Zudem trügen Fridays for Future sowie die Diskussionen zum Kohleausstieg und zur CO2-Steuer zu einem gesteigerten gesellschaftlichen Klima- und Umweltbewusstsein bei. „Für die kommenden Jahre erwarten wir einen weiteren Schub für die nachhaltige Geldanlage privater Anleger“, stellt Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des FNG fest. „Wenn die Kundenberater in Banken und Sparkassen als auch die freien Finanzvermittler ihre Kunden zukünftig nach ihrem Interesse an einer nachhaltigen Geldanlage fragen müssen, wird das Engagement dieser Anleger weiter steigen.“

Ausschlusskriterien und Best-in-Class beliebt

99 Prozent der im FNG-Marktbericht erfassten Anlageprodukte nutzen Ausschlusskriterien, um kontroverse  Emittenten vom Investment auszuschließen. Bei den Unternehmen werden dabei die durch den (nicht übermäßig anspruchsvollen) UN Global Compact abgedeckten Themenbereiche Korruption und Bestechung, Arbeitsrechtsverletzungen, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen am häufigsten als Ausschlusskriterien verwendet; sie nehmen laut FNG die ersten vier Ränge der Top Ten der in Deutschland genutzten Ausschlusskriterien ein. Auf Rang fünf folgt der Ausschluss von Unternehmen, die Kohle fördern und/oder verstromen.
Besonders stark gestiegen ist 2019 nach Angaben des FNG die Nutzung des Best-in-Class-Ansatzes. Das unter Nutzung dieser nachhaltigen Anlagestrategie verwaltete Vermögen legte um 110 Prozent zu und erreichte per Ende 2019 eine Höhe von fast 96 Milliarden Euro. Vergleichsweise hohe Wachstumsraten verzeichneten auch die Stimmrechtsausübung (plus 69 Prozent auf 88,8 Milliarden Euro) sowie die Integration von Nachhaltigkeitskriterien (Chancen und Risiken) in die traditionelle Finanzanalyse (ESG-Integration), die um 56 Prozent auf 145,8 Milliarden Euro zulegte.

Weiteres Wachstum erwartet

Auch für das laufende Jahr erwarten die meisten Anlageexperten ein weiteres Wachstum bei nachhaltigen Geldanlagen. Rund jeder dritte (33,9 Prozent) im Rahmen des FNG-Marktberichts befragte Experte prognostiziert ein Wachstum von bis zu 15 Prozent, 40 Prozent der Befragten ein Wachstum von 15 Prozent bis 30 Prozent. 21 Prozent der Befragten erwarten sogar einen Anstieg um über 30 Prozent.

Weiteren Rückenwind könnte die nachhaltige Geldanlage erhalten, wenn sich die ersten Studien bestätigen, die nachhaltigen Fonds eine höhere Krisenfestigkeit attestieren als ihren konventionellen Pendants. So zeigt beispielsweise eine Analyse der Wertentwicklung von mehr als 2.000 Aktienfonds durch Scope Analysis, dass nachhaltige Aktienfonds im ersten Quartal 2020 in allen betrachteten Regionen – Global, Europa, Nordamerika und Schwellenländer – weniger an Wert verloren als ihre konventionellen Wettbewerber.

Auch die aktuelle ECOreporter-Auswertung zur Wertentwicklung grüner Fonds deutet darauf hin, dass nachhaltige Fonds besser durch die Krise kommen als herkömmliche Fonds. Die Auswertung finden Sie hier.

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