Gestern präsentierte die Triodos Bank Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Georg Schürmann leitet die deutsche Niederlassung der Bank. / Foto: Triodos Bank

16.03.18 Finanzdienstleister

Triodos Bank: Mehr Kredite, mehr Kunden

Was hat die Triodos Bank im Jahr 2017 bewegt? Fest steht - das Interesse am Thema nachhaltige Finanzen war groß.

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"Eine starke Dynamik bei Krediten in den Sektoren Immobilien, Bildung und Gesundheit", die hatte Georg Schürmann schon für 2017 vorausgesagt. Und die Prognose des Geschäftsführers der Triodos Bank Deutschland traf ein.

Zu den wichtigsten Sektoren, die 2017 finanziert wurden, gehörten:

  • Erneuerbare Energien mit einem Wachstum von 10 Prozent verglichen mit dem Vorjahr
  • Nachhaltige Baufinanzierungen mit einer Steigerung von 36 Prozent
  • sowie der Bereich Gesundheit, der um 19 Prozent gestiegen ist.

Das Kreditgeschäft sei "erfreulich gewesen", sagte Schürmann. 70 Prozent der Kunden-Einlagen habe Triodos in Form von nachhaltigen Krediten ausgelegt - 2016 waren es 64 Prozent. "Das ist in Zeiten niedriger Zinsen und Negativzinsen enorm wichtig."

Ein Wermutstropfen: Obwohl der Nettogewinn um 28 Prozent gegenüber 2016 anstieg, habe er noch nicht das Niveau der vergangenen Jahre erreicht. Das lag laut Triodos am anhaltenden Druck auf die Zinsmarge durch das Niedrigzinsumfeld.

Auch seien die regulatorischen Kosten gestiegen - so musste die Bank mehr Mitarbeiter einstellen und in die IT investieren. Das erhöhte die Betriebskosten um 11 Prozent gegenüber 2016.

Vom Großbatterien-Speicher bis zum Gewerbehof

In Deutschland sei die Entwicklung bei den Krediten sogar deutlich dynamischer gewesen als bei der Gesamtbank, sagte Geschäftsführer Georg Schürmann. "Das Thema Energie & Klima beschäftigt die gesamte Bankgruppe seit 1986, und uns in Deutschland seit 2005 in Deutschland. Wir wollen aber nicht nur ein paar Windräder aufstellen, sondern die Energiewende finanzieren."

Hauptsitz der Triodos Bank in in Zeist in den Niederlanden
Hauptsitz der Direktbank Triodos ist in Zeist in den Niederlanden. / Foto: Unternehmen / Foto: Triodos Bank

Zu den umfangreicheren Finanzierungen zählt etwa ein Großbatterien-Speicher für den Regelenergiemarkt. Mit dieser "Ersatztechnologie“ lasse sich die Netzfrequenz stabil halten, so Schürmann. Dem Thema Stromnetz wolle man sich bei Triodos in diesem Jahr noch weiter nähern.

Als Beispiel für finanzierte nachhaltige Immobilien nannte er einen Wohn- und Gewerbehof in Berlin.

Im Wohn- und Gewerbehof sollen Bewohner und Unternehmer zu bezahlbaren Mieten wohnen - sie liegen bei 5 bis 7 Euro pro Quadratmeter. Sonst liege die durchschnittliche Gewerbemiete in Berlin bei etwa 19 Euro. Der Eigentümer des Wohn- und Gewerbehofs zeige "gesellschaftliche Verantwortung“ mit dem Projekt.

"Miete ist überall ein Thema. In Berlin sind die Leerstandsquoten kaum niedriger als in Frankfurt, das gilt auch für Gewerbe“, erklärte Schürmann. Vor allem bei Unternehmern aus der Kreativszene finde in vielen Stadtteilen eine Verdrängung statt.

Im szenigen Stadtteil Kreuzfeld hat Triodos auch seit 2016 eine Niederlassung - die Bank sieht die Hauptstadt als Wachstumsfeld.

Im Bereich Gesundheit liege der Schwerpunkt der Finanzierung aktuell auf Pflegeeinrichtungen in Deutschland. "Wir freuen uns, wenn wir Mittelständler finanzieren können. Hier steht eher der Mensch im Mittelpunkt als bei großen Unternehmen", so Schürmann.

Auch bei der Betriebsmittel-Finanzierung gebe es Interesse im Mittelstand. "Wir sind in ersten Gesprächen."

Einige Hundert Anwohner machten mit beim "Bürgersparen"

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Wirkung bei der Finanzierung von Energie- und Klima-Projekten zeigt diese Grafik der Triodos Bank.

Mecklenburg-Vorpommern ist bisher das einzige Bundesland mit einem "Bürger- und Gemeindenbeteiligungsgesetz“, heißt: Projektträger müssen für neue Windparks eine haftungsbeschränkte Gesellschaft gründen - und Anteile von mindestens 20 Prozent dieser Gesellschaft den unmittelbaren Nachbarn zur Beteiligung anbieten.

Eine Idee, die Triodos aufgegriffen hat - 2017 präsentiert die Bank das Produkt "Bürgersparen" - als Komplettpaket für Windpark-Entwickler  (das heißt, Triodos übernimmt die Abwicklung und informiert alle entsprechenden Anwohner über das Angebot). Ein erstes Projekt gab es zusammen mit dem Windpark-Projektierer juwi in Rheinland-Pfalz, im Grenzbereich zum Saarland.  

Gemeinsam mit juwi habe man einen 3-Jahres-Sparbrief angeboten, mit einer Rendite von rund 2 Prozent jährlich. Bis zu 3.000 Anwohner des neuen Windparks wurden kontaktiert, einige hundert hätten sich am Bürgersparen beteiligt, teilte Triodos mit.

Ab 500 Euro sei der Einstieg für Anleger möglich, die Einlage sei auf 5.000 Euro gedeckelt. Weitere Bürgersparen-Projekte sollen folgen. Einer der Vorteile für Triodos: Neukunden kommen zur Bank.

Mehr Kunden wechselten zur Triodos Bank

Das Bürgersparen sei aber nicht der Grund für das Wachstum der Kunden-Einlagen um mehr als ein Drittel in 2017 gewesen, sagte Georg Schürmann. Der Zuwachs lasse sich "so steuern, dass wir ausreichend Liquidität haben und keine Überschüsse in der Niedrigzinsphase".

Offenbar konnte die Bank seit Ende 2016 immer mehr Kunden mit einem Girokonto gewinnen. "Es gibt ein großes Interesse am Thema nachhaltige Finanzen“, nannte Schürmann einen möglichen Grund für den Zuwachs. "Und wir sind bekannter geworden."

Auch der seit Ende 2016 erleichterte Kontowechsel habe Triodos genützt. "Um den Service besser zu machen, arbeiten wir mit dem Fintech Fino zusammen.“ 

Der Preis allein sei nicht ausschlaggebend. "Die Menschen kommen nicht zu uns, weil wir die billigste Bank in Deutschland sind. Wir sind preiswert, aber nicht billig“, so der Geschäftsführer. Künftig wolle die Direktbank das Kundenerlebnis noch weiter verbessern - etwa in Sachen Digitalisierung.

2018 will die Bank noch effizienter werden

Für 2018 gelte: "Kontinuität statt radikale Änderungen.“ Es seien weniger Innovationen als 2017 geplant - "aber wir wollen trotzdem den Weg weitergehen und unsere Effizienz weiter steigern." Etwa seien im Bereich Crowdfunding Co-Finanzierungen vorstellbar, bisher habe sich aber noch nichts entwickelt.

In Sachen Investments sieht Schürmann die Finanzdienstleister  in der Pflicht, ESG-Kriterien zu berücksichtigen. Es gehöre mittlerweile zum Handwerk dazu, etwa Klima-Risiken durch "braune" Sektoren wie Kohle einzubeziehen. "Bei solchen Investments sollte auch mehr Eigenkapital hinterlegt werden.“

Deutschland sei leider nicht unbedingt Vorreiter, was nachhaltige Finanzierung angehe. "In Belgien gibt es zum Bespiel klare Vorgaben - geächtete Waffen sind von Investments ausgeschlossen.“

Natürlich müsse aber auch die Realwirtschaft mitziehen, Schürmann nannte als Beispiel die Initiative von 50 Unternehmen, die 2017 in einem offenen Brief den Kohleausstieg forderten.

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