Papst Franziskus hat sich als erster Papst nach dem Heiligen Franziskus benannt. Er setzt sich für die Belange der Armen und der Dritten Welt ein. / Foto: Pixabay

20.11.18 Fonds / ETF , ECOfondstest

70% Rendite im Namen des Herrn: Aktienfonds des Franziskaner-Ordens

Mit einem Bettelorden an der Börse Geld verdienen? Das klingt erst einmal verwunderlich. Der Aktienfonds terrAssisi Aktien legt nach den Grundsätzen des Franziskaner-Ordens an und erzielte über die letzten fünf Jahre mehr als 70 Prozent Rendite. Der ECOreporter-Fondstest prüft, wie nachhaltig der Fonds wirklich ist.

Franz von Assisi, der Gründer des Franziskaner-Ordens,  kam aus einer wohlhabenden Familie. Sein Vater war ein reicher Tuchhändler. Der heilige Franziskus schlug das väterliche Erbe aus und entschied sich zu einem Leben in Enthaltsamkeit. Der Gründer des Franziskaner-Ordens predigte nicht nur die Abkehr vom individuellen Reichtum, sondern auch die Achtung vor der Schöpfung. Deshalb gilt er für manche als Urheber des Nachhaltigkeitsgedankens.

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Sein Erbe wirkt bis heute fort. Das derzeitige Oberhaupt der katholischen Kirche Papst Franziskus erklärte, sich nach dem Heiligen aus Mittelitalien benannt zu haben, weil die Kirche die Schöpfung bewahren und den Bedürftigen helfen müsse. Der Papst setzt sich gegen den Abbau fossiler Energieträger und gegen das Streben nach immer mehr Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt und der Dritten Welt ein.

Geldanlage nach Prinzipien des Franziskaner-Ordens – kein Widerspruch?

Die Franziskaner sind ein Bettelorden - also ein Orden, der sich zur Armut verpflichtet hat und den Lebensunterhalt aus Arbeit und Schenkungen bestreitet. Dass sich eine auf Enthaltsamkeit verpflichtete Ordensgemeinschaft  mit Geld auseinandersetzt, mag verwundern. Was jedoch wenige wissen: Der Franziskaner-Orden geht schon sehr lange verantwortungsvoll mit Geld um.

Bereits 1462 hatten die Franziskaner in Italien ein erstes öffentliches Pfandleihhaus eröffnet, das von den Darlehensnehmern lediglich einen kostendeckenden Zins verlangte. Gebräuchlich waren zu der damaligen Zeit Wucherzinsen - was über viele Menschen Not und Leiden hereinbrachte.

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Der Aktienfonds terrAssisi Aktien der Missionszentrale der Franziskaner schreibt diese Geschichte des Ordens fort. Die Missionszentrale der Franziskaner ist das international tätige Hilfswerk der Franziskaner und unterstützt derzeit weltweit mehr als 700 sozial-humanitäre Hilfsprojekte. Teile der Verwaltungsgebühr für den Fonds fließen an die Missionszentrale und werden für diese Projekte verwendet.

Der Fonds soll "die Entwicklung einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Marktwirtschaft fördern", wie es auf der Internet-Seite der Missionszentrale heißt. Für eine nachhaltige Marktwirtschaft wird laut dem Orden "mehr Achtung vor der Umwelt, mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Generationengerechtigkeit" auf der gesamten Welt benötigt.

In die Aktienauswahl des Fonds fließen die Grundsätze des Franziskaner-Ordens ein. Der Orden hat Kriterien definiert, welche Geschäftsfelder und Unternehmenspraktiken für den Fonds in Frage kommen und welche tabu sind.

Zahlreiche Nachhaltigkeitskriterien - einige wenige mit Toleranzschwellen

Der im Jahr 2009 aufgelegte Fonds ist sowohl für institutionelle Anleger als auch für Privatanleger aus Deutschland und Österreich geeignet. Anteile können bei jedem Finanzinstitut mit entsprechender Lizenz erworben werden. Auch ein Sparplan ist möglich.

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Teile der Verwaltungsgebühr für den Fonds fließen in Hilfsprojekte. / Foto: Missionszentrale der Franziskaner

Die Unternehmen, deren Aktien der Fonds hält, sollen Umweltverschmutzungen und -risiken minimieren und auf faire Arbeitsbedingungen und Löhne achten. Sie sollen mit ihren Produkten keiner globalen Einheitskultur Auftrieb geben, lokale Ressourcen in der Produktion nutzen, für Ausgewogenheit zwischen den Generationen sorgen und sich gegen Diskriminierung einsetzen. Tabu sind auch Atomkraft, Embryonenforschung und geächtete Waffen.

Der Fonds hat allerdings gewisse Toleranzschwellen: Unternehmen dürfen bis zu 10 Prozent ihres Umsatzes mit Komponenten erwirtschaften, die in Atomkraftwerken verbaut werden. Unkontroverses Glücksspiel ist mit bis zu 10 Prozent erlaubt, Produktion und Handel mit Tabak werden mit bis zu 5 Prozent Umsatzanteil geduldet. Rüstungsgüter können bis zu 10 Prozent des Umsatzanteils ausmachen.

Nachhaltigkeitsresearch von ISS-oekom, Ampega wählt Aktien aus

Die in München ansässige Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS-oekom analysiert die Unternehmen nach den Nachhaltigkeitskriterien des Ordens und legt damit fest, welche Unternehmen zum Anlageuniversum des Fonds gehören. Die Fondsgesellschaft Ampega kümmert sich um die Aktienauswahl nach Renditegesichtspunkten. 

Der Fonds stößt Aktien von Unternehmen innerhalb von drei Monaten ab, wenn sie die Nachhaltigkeitskriterien nicht mehr erfüllen. Ein Beispiel: das Software-Unternehmen SAP.  Der Konzern aus Walldorf in Baden-Württemberg ist im Jahr 2017 wegen Korruptionsvorwürfen in die Kritik geraten. Nachdem die Vorwürfe publik wurden, hatte SAP zwar Konsequenzen gezogen, dennoch hat sich der terrAssisi-Fonds von der Aktie getrennt.

Beachtliche Wertentwicklung

Über ein Jahr hat der Fonds ein Plus von 10,42 Prozent erzielt (Stichtag: 30.9.2018). Über die letzten fünf Jahre betrug der Wertzuwachs sogar 72,97 Prozent. Damit hat der Fonds sich um mehr als 20 Prozent besser als der Aktienindex MSCI World entwickelt, der in die 1.000 weltweit größten börsennotierten Unternehmen investiert. Bemerkenswert: US-Unternehmen, deren Aktienkurse sich sehr gut entwickelt hatten, aber ein teilweise kritikwürdiges Geschäftsgebaren aufweisen, sind nicht im Fonds vertreten: die Google-Mutter Alphabet, Amazon, Apple und Facebook.

Die größte Position mit fast 3,5 Prozent des Fondsvolumens zum Stichtag ist die US-amerikanische CSX Corporation. Das Unternehmen ist einer der größten Logistikdienstleister in den USA und hat sich auf den Transport von Gütern auf Schienen und mit Containerschiffen spezialisiert.

Viele US-Aktien, danach Aktien von europäischen Unternehmen

Auch insgesamt sind US-Aktien mit 25 Prozent am stärksten in dem Fonds gewichtet. Mit je gut 17 Prozent sind börsennotierte Unternehmen aus Deutschland und Frankreich im Fonds vertreten. Aktien aus der Schweiz, Spanien, Schweden, Großbritannien und Kanada sind mit zwischen 4 und 5 Prozent gewichtet.

Mit Union Pacific und Canadian National Railway sind zwei weitere Schienenunternehmen mit je fast 3 Prozent des Anlagevolumens im Fonds vertreten. Zu den größeren Investments zählt auch die Aktie von Intel. Der Chiphersteller hat per Ende September eine Gewichtung von gut 2,4 Prozent im Fonds.

Das Fondsportfolio ist breit über verschiedene Branchen gefächert. Das Fondsmanagement investiert in Automobilkonzerne, Versicherer, Konsumgüterhersteller, Technologie- und Softwareunternehmen sowie in Unternehmen aus den Branchen Energie, Medizintechnik und Infrastruktur.

Wie der Fonds insgesamt abschneidet, wo seine Stärken liegen und wie es um die Nachhaltigkeit der Unternehmen im Fondsportfolio bestellt ist, klärt der ECOfondstest.

 

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