Lachse von Marine Harvest: Unser Fondstest zeigt die Stärken und Schwächen des Fischfonds von Bonafide auf. / Foto: Marine Harvest

29.08.18 Fonds / ETF

Fisch im Depot macht den Anleger froh: Der ECOreporter-Fischfondstest

Einmal pro Woche sollte Fisch auf dem Speiseplan stehen, heißt es. Doch gehören Aktien der Fischbranche ins Anlagedepot? ECOreporter hat den einzigen Aktienfonds getestet, der ausschließlich in die weltweite Fischindustrie investiert.

In den vergangenen 50 Jahren hat sich der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch mehr als verdoppelt, von etwa zehn Kilogramm Fisch pro Kopf und Jahr in den 60er Jahren auf über 20 Kilogramm heutzutage. Mittlerweile stammt aber jeder zweite Fisch aus einer Aquakultur, denn die Weltmeere sind weitgehend überfischt und können den steigenden Bedarf nicht mehr decken.

Von der steigenden Lust auf die Meerestiere profitiert die Fischindustrie. Wer als Anleger auf dieser Welle mitschwimmen möchte, der sollte einen näheren Blick auf den Test des Fonds werfen. Wir testen den nach unseren Recherchen einzigen Fischfonds weltweit. Das Management bezeichnet den Fonds als nachhaltig. Der Fondstest überprüft das.

Fischzucht als Investment

Der Bonafide Global Fish Fund investiert in die Fischwirtschaft: Aquakulturbetriebe, Fischfutter- und Fischölproduzenten gehören zum Anlageuniversum des Fonds. Aber auch Unternehmen, die die für die Fischzucht nötigen Utensilien und Medikamente produzieren sowie in der Logistik, Verarbeitung und dem Handel mit Fisch aktiv sind.

Im Portfolio des Fonds befinden sich etwa 40 Aktientitel. Das Fondsmanagement investiert in Unternehmen rund um den Globus. Vor allem Unternehmen aus der Pazifikregion, Norwegen und Nordamerika sind im Fonds vertreten.

Der Global Fish Fund startete am 13. Juni 2012. Den Fonds gibt es in einer Euro-, in einer Schweizer-Franken- und einer US-Dollar-Variante. In den letzten fünf Jahren betrug der Wertzuwachs des Fonds in der Euro-Variante 88 Prozent (Stichtag 20.8.18).

Damit hat der Global Fish Fund zuletzt auch den am ehesten vergleichbaren Index, den MSCI World Food, Beverage and Tabacco, in der Performance hinter sich gelassen.

Starkes Wachstum in China erwartet

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Christoph Baldegger von Bonafide ist passonierter Angler. Foto: Bonafide

Das Fondsmanagement erwartet, dass der weltweite Fischkonsum weiter wächst. Vor allem aus Asien sollen die Wachstumsimpulse kommen. Bereits jetzt verzehren Chinesen 37 Prozent des weltweiten Fischangebots. Bis zum Jahr 2025 soll nach Schätzungen jeder Chinese gut 47 Kilogramm Fisch pro Jahr verspeisen - momentan sind es 38 Kilogramm.

Ein wichtiges Argument für die Investition in Fischaktien: die günstige Bewertung. Christoph Baldegger, Fondsmanager und Mitbegründer von Bonafide, erklärt: "Fisch wird nicht an den Rohstoffbörsen gehandelt. Der ganze Fischsektor ist sehr niedrig bewertet. Das liegt auch daran, dass die großen institutionellen Investoren bisher ihr Geld nicht in Fisch angelegt haben."

Der Schweizer Baldegger war mehr als zehn Jahre für die Credit Suisse tätig, ehe er sich mit drei weiteren Kollegen mit Bonafide selbstständig machte. "Die Fischindustrie wächst und befindet sich noch unter dem Radar der breiten Masse, deshalb sollten Anleger sie sich ansehen", so Baldegger weiter.

Fischunternehmen zahlen höhere Dividenden als Nahrungsmittelkonzerne

Ein Blick auf die Bewertungskennzahlen der im Portfolio des Global Fish Fund enthaltenen Aktien spricht für die Fischbranche:  Während die großen Nahrungsmittelkonzerne 2018 ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 18 aufweisen, ist der Fischsektor mit einem KGV von 13 deutlich niedriger bewertet. Auch bei der Dividendenrendite schneiden Fischaktien besser ab. Die Aktien der großen Nahrungsmittelproduzenten weisen 2018 Dividendenrenditen von 2,7 Prozent auf, während die Aktien des Fischfonds Dividenden von über 3 Prozent ausschütten.

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Lachsfarm von Marine Harvest in Norwegen. Foto: Unternehmen

Fischzucht ist aber eine Nischenbranche - ist die Investition alleine dadurch schon riskant? Fischexperte Baldegger erläutert: "Fisch ist ein Grundnahrungsmittel und für viele Menschen die einzige bezahlbare Proteinquelle." Die Nachfrage nach günstigem Protein wachse. In Fisch zu investieren sei daher eine Möglichkeit, daran teilzuhaben, so Baldegger.

Der Fischsektor ist in sich diversifiziert. So gibt es rund 600 Fischarten und Krustentiere, die auf Farmen gezüchtet werden. Deren Preisentwicklung sei unabhängig voneinander, so Baldegger. "Fällt etwa der Lachspreis, hat das keine negativen Folgen für Hummer- oder Shrimpsproduzenten", erklärt er. Durch eine Diversifikation in die Zucht von unterschiedlichen Meerestierarten sei das Risiko somit gestreut.

Reduziert wird das Risiko auch durch die geografische Streuung. Norwegische Unternehmen sind mit 22 Prozent im Fonds gewichtet, japanische Werte mit 21, US-Titel mit 16 Prozent.

Wie nachhaltig sind die Aktien im Fischfonds?

Das Kerngeschäft des Bonafide Global Fish Fund - also die Zucht von Fisch - kann als nachhaltig gelten. Denn der ökologische „Flossenabdruck“ der Fischzucht ist wesentlich kleiner als der ökologische Fußabdruck der Zucht von Rindern, Schweinen oder Schafen. Für die Zucht eines Kilos Rindfleisch sind beispielsweise im Schnitt acht Kilogramm Futter nötig. Für ein Kilo Lachs dagegen 1,2 Kilogramm Futter.

Lachs verursacht bei der Zucht pro Kilogramm 1,8 bis 2,3 Kilogramm CO2-Emissionen, die Rinderzucht etwa sechs Mal so viel. Und eine Milchkuh verbraucht knapp 140 Liter Wasser pro Tag. Ein Fisch ist hier sparsam - er benötigt nur das Wasser, in dem er schwimmt.

Allerdings kann die Fischzucht auch negative Auswirkungen auf die Umwelt haben, wie jüngst ein Vorfall in Chile belegt. Im Juli dieses Jahres hatte ein Gewitter die Käfiganlagen einer Fischfarm des norwegischen Konzerns Marine Harvest in der Nähe der südchilenischen Stadt Calbucco zerstört.

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Das Team von Bonafide beim Angeln. Foto: Bonafide

Daraufhin gelangte eine gigantische Anzahl von Zuchtlachsen in den Ozean - mit unkalkulierbaren Folgen für das Ökosystem. Denn der Lachs ist ein Raubfisch und im südchilenischen Meer nicht heimisch. Er kann laut Meinung von Experten in fremden Gewässern ganze Populationen von heimischen Meerestieren ausrotten. Und Vorfälle wie diesen gab es in der Branche schon häufiger.

Das Fondsmanagement nennt als Auswahlkriterien für den Fonds die Umweltbilanz der Unternehmen sowie die Fütterung und den Umgang mit den Fischen. Für die Beurteilung der Nachhaltigkeit seien auch soziale Kriterien wie die Behandlung und Fluktuationsquote des Personals und die Sicherheitsstandards in den Unternehmen relevant. Das Team von Bonafide entwickle gerade ein eigenes Nachhaltigkeits-Rating für die im Fonds enthaltenen Unternehmen.

"Die Nachhaltigkeit dieser Branche ist mittlerweile beeindruckend, und wir kennen viele der Firmen weltweit", wirbt Baldegger. Das Fondsmanagement besuche die Unternehmen, deren Aktien der Fonds zu kaufen beabsichtige. In einem Blog schildert Bonafide die Besuche bei den Unternehmen vor Ort.

Eins allerdings ist dabei immer zu beachten: Fischzucht ist Tierzucht. Es ist eine reine Massentierhaltung. Effizient, weitgehend technisiert und nicht auf das Wohl des einzelnen Lebewesens ausgerichtet, sondern auf hohe Erträge. 

Wie der Fonds insgesamt abschneidet und wie die Teilbereiche des Fonds abschneiden, wo seine Chancen und Risiken liegen, das zeigt Ihnen der ECOfondstest - komprimiert auf einer Seite, mit Noten für alle Bereiche und einer Gesamtnote. Den Fondstest finden Sie hier. Einen Hintergrundbericht von ECOreporter zum nachhaltigen Fischfang können Sie hier lesen.

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