Das Duell mit aktiv gemanagten Fonds entscheiden Indexfolger langfristig meist für sich. / Foto: Pixabay

18.09.20 Meldungen , Fonds / ETF

Aktive Fondsmanager verlieren auf lange Sicht meist gegen passive Konkurrenz

Aktiven Fondsmanagern gelingt es allenfalls auf kurze Sicht, die passive Konkurrenz zu übertreffen. Zu diesem Ergebnis kommt die Fondsratinggesellschaft Morningstar in einer aktuellen Analyse. Demnach schaffen es aktive Lenker nur in einzelnen Feldern, ETFs oder Indexfonds, die den Wert eines Index automatisch nachbilden, auch langfristig zu schlagen. Für das quartalsweise erscheinende "Fondsbarometer" untersuchten die Morningstar-Analysten die Wertentwicklung der Fonds und ETFs in 47 Aktien- und 14 Anleihekategorien.

Morningstar zufolge schlugen über ein Jahr gesehen insgesamt 38 Prozent der aktiv verwalteten Aktienfonds die passive Konkurrenz. Über zehn Jahre gesehen lag diese Erfolgsquote jedoch deutlich niedriger bei nur 15 Prozent. Bei Rentenfonds offenbart sich sogar ein noch trüberes Ergebnis. Hier liegt die Erfolgsquote der Aktiven über ein Jahr gerechnet nur bei 23 Prozent und über zehn Jahre bei 16 Prozent.

Damit bestätigen die Ergebnisse einerseits, dass zumindest in bestimmten Markphasen wie zuletzt im Corona-Crash aktive Verwalter von Vorteil sein können. Bei Betrachtung der langfristigen Ergebnisse der einzelnen Aktienkategorien ergibt sich aber, dass es nur bestimmten aktiven Fonds gelingt, länger zu überleben und zugleich den Durchschnitt der zugehörigen Indexfonds und ETFs zu übertreffen – und das auch eher bei exotischen Investmentschwerpunkten.

Aktive Manager nur bei Exoten vorn

"Nach zehn Jahren konnten beispielsweise 73 Prozent der aktiv verwalteten Fonds, die in mittelgroße britische Werte investieren, ihre Indexfonds-Pendants übertreffen", nennt Morningstar-Experte Ali Masarwah einen solchen speziellen Schwerpunkt. "Ein Investment in einen FTSE-250-ETF war also für Anleger seit 2010 keine gute Wahl." Relativ gut sehe es auch für aktive Fonds in den Kategorien Aktien Dänemark, Schweizer Nebenwerte, Aktien Österreich und Aktien Norwegen aus. Abgesehen von einigen negativen Ausreißern schlugen sich deren Manager auch über kürzere Zeiträume recht gut.

Diese Kategorien zählen jedoch nicht gerade zu den Kerninvestments der meisten Anleger. Anders das Bild bei den 25 Aktienkategorien, die langfristig am schwächsten abschneiden. Hier sind die bei Anlegern populärsten Kategorien vertreten. So führen BRIC-Titel (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) sowie US-, europäische und globale Standardwerte die Negativliste an.

"Die Übersicht ist aus zwei Gründen ernüchternd. Alle 25 Aktien-Kategorien weisen Erfolgsquoten von unter 25 Prozent auf", erläutert Masarwah. "Schlimmer noch: Elf Kategorien haben Erfolgsquoten von unter 10 Prozent."

"Auch wenn sich aktive Manager in einzelnen Kategorien in den vergangenen zehn Jahren ausgezeichnet haben, fällt ihre Bilanz in den 61 betrachteten Kategorien schwach aus," resümiert Morningstar-Experte Masarwah. Kurzfristige Erfolge könnten das nicht überdecken. Die Erfolgsquote aktiver Manager wäre nach 15 Jahren sogar noch schwächer, vermutet Masarwah. Diesen Zeitraum untersuchten die Analysten allerdings nicht, da nur wenige Indexfolger so lange am Markt sind. "Das wird sich über die Jahre ändern, wenn mehr Indexfonds aussagekräftige Historien aufweisen werden", meint Masarwah.

ECOreporter-Tests nachhaltiger Fonds und ETFs finden Sie hier. Doch Vorsicht: Gerade bei ETFs ist das Angebot an wirklich grünen Produkten noch sehr überschaubar. Hier ist die aktiv gemanagte Konkurrenz weiterhin klar im Vorteil.

 

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