Lithium wird in Chile aus Salz extrahiert, das man durch Verdunstung von Thermalwasser gewinnt. / Foto: imago images

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Albemarle-Aktie: ein nachhaltiges Lithium-Investment?

Der US-Spezialchemiekonzern Albemarle Corporation ist einer der weltweit größten Produzenten von Lithium – ein für die Energiewende unverzichtbarer Rohstoff. Macht das die Albemarle-Aktie zu einer grünen Geldanlage? Und lohnt sich der Einstieg derzeit?

Zu Lithium-Ionen-Akkus, wie man sie für Energiespeicher und Elektroautos braucht, gibt es aktuell noch keine massentaugliche Alternative. Eine nachhaltige Transformation im Energie- und Verkehrssektor wird absehbar also nicht ohne Lithium auskommen. Doch die Methoden zur Gewinnung des Rohstoffs stehen immer wieder in der Kritik.

Umstrittene Fördermethoden

Üblich sind vor allem zwei Varianten der Förderung: klassisch durch Bergbau, etwa in Australien, und – kostengünstiger – durch die Verdunstung von Salzlauge, vornehmlich in Südamerika. Im sogenannten Lithium-Dreieck der Länder Bolivien, Chile und Argentinien wird die Sole, salzhaltiges Thermalwasser, an die Oberfläche gepumpt, wo sie an der Sonne über mehrere Monate hinweg verdampft.

Allerdings bedeutet das Risiken für den Grundwasserspiegel – in einer der trockensten Regionen der Welt. Der Anbieter Vulcan Energy will es besser machen und in Deutschland umweltfreundlich Lithium per Geothermie fördern – das Verfahren des Unternehmens ist aber noch in der Erprobungsphase. Mehr darüber lesen Sie hier.

Albemarle besitzt anteilig einen Tagebau in Australien, Lithium aus der Sole gewinnt der Konzern an zwei Standorten in den USA und Chile. In Chile, wo das Unternehmen bereits seit 40 Jahren aktiv ist, wurde im Juni dieses Jahres eine 500 Millionen US-Dollar teure neue Fabrik eröffnet. Diese soll die Lithiumproduktion verdoppeln und den Wasserverbrauch gleichzeitig um 30 Prozent senken.

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Erwähnenswert ist auch: Um für die Industrie nutzbar zu werden, muss abgebautes Lithiumchlorid zu hochreinem Lithiumhydroxid weiterverarbeitet werden. Viele Lithiumkonzerne exportieren den Rohstoff für diese Verarbeitung nach China – Albemarle hingegen unterhält zu diesem Zweck Fabriken an den Standorten der Förderung. Das spart Energie und Ressourcen und ist auch in arbeitsrechtlicher Hinsicht nachhaltig.

Insgesamt ist der Konzern in drei Geschäftssegmenten aktiv: Neben dem Lithiumgeschäft bietet Albemarle in der Sparte Bromine Specialties Produkte auf Basis des Elements Brom an, das insbesondere bei Brandschutz und Brandbekämpfung eine wichtige Rolle spielt. Der Geschäftsbereich Catalysts stellt Katalysatoren für Raffinerien her. Der Konzern beschäftigt rund 5.400 Menschen und ist weltweit in über 100 Ländern aktiv.

Wie ambitioniert sind die Nachhaltigkeitsziele?

Albemarle hat sich konkrete Nachhaltigkeitsziele gesetzt, über die das Unternehmen ausführlich und transparent Bericht erstattet. So soll der Treibhausgasausstoß in den Sparten Catalysts und Bromine bis 2030 um 35 Prozent im Vergleich zu 2019 gesenkt werden. In den vergangenen zwei Jahren gelang bereits eine Reduktion um insgesamt 10 Prozent auf 591 Kilotonnen CO2-Äquivalent. 2050 will Albemarle in den beiden Sektoren das Netto-Null-Ziel erreichen.

In der Lithium-Sparte soll die Treibhausgasneutralität bereits 2030 erreicht sein. Ansonsten liegt der Fokus im Lithiumgeschäft vor allem auf dem Wasserverbrauch in Gebieten mit hohem Wassermangel-Risiko. Der Verbrauch soll hier bis 2030 um 25 Prozent sinken.

Die Definition, welche Gebiete besonders von Wassernotstand bedroht sind, erfolgt dabei nach den strengen Richtlinien des World Resources Institute, einer angesehenen und unabhängigen Non-Profit-Organisation aus den USA, die auf Umweltschutz und Ressourcenverbrauch spezialisiert ist. Allerdings lässt Albemarle seine Klimaziele nicht von der Science Based Targets Initiative (SBTi) überprüfen.

Die SBTi ist ein Zusammenschluss globaler Organisationen wie dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dem Carbon Disclosure Project (CDP), der sich für mehr Transparenz bei Umweltdaten von Unternehmen einsetzt. Bei der Feststellung, ob Klimaziele von Unternehmen im Einklang mit dem Pariser Abkommen stehen, ist die SBTi eine anerkannte Autorität.

Die Albemarle-Aktie ist in mehreren zumindest hellgrünen Fonds und ETFs enthalten, etwa dem Pictet-Clean Energy und dem Lyxor MSCI New Energy ESG Filtered ETF, den ECOreporter hier ausführlich analysiert hat.

Durchgehend hohe Umsätze

Wirtschaftlich geht es Albemarle ausgezeichnet. Zwar schwankte die Gewinnsituation in den letzten Jahren etwas, das Unternehmen schrieb aber stets schwarze Zahlen und wuchs kontinuierlich. Corona versetzte den Erlösen 2020 einen Dämpfer, der Jahresumsatz liegt aber seit 2017 kontinuierlich bei mehr als 3 Milliarden US-Dollar. Auch fand der Konzern 2021 umgehend wieder in die Spur zurück, der Umsatz legte wieder um 6 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar zu.

Für 2022 erwartet der Konzern seinen Umsatz auf 7,1 bis 7,5 Milliarden Dollar mehr als zu verdoppeln, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll bei 3,2 bis 3,5 Milliarden Dollar liegen. Nach einem starken ersten Halbjahr und einer Steigerung des Umsatzes um 91 Prozent im Jahresvergleich, hatte der Konzern seine Prognose angehoben. 

Seine Dividende hat Albemarle zuletzt jedes Jahr erhöht, auch während der Corona-Krise. Für 2022 liegt die erwartete Dividendenrendite bei 0,7 Prozent.

Aktie bewegt sich auf hohem Niveau

Die Albemarle-Aktie hat sich sehr gut entwickelt, auf Sicht von fünf Jahren ist sie knapp 146 Prozent im Plus.  Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei knapp 33 Milliarden Dollar.

Zwar schwankte die Aktie in diesem Jahr zwischenzeitlich deutlich. In einem kriselnden Umfeld hat sie aber auf zwölf Monate betrachtet 54 Prozent an Wert gewonnen. Im September wurde bei 307,30 Euro an der Börse Frankfurt ein neues Allzeithoch erreicht. Aktuell kostet die Aktie in Frankfurt 279,00 Euro (Stand: 11.10.2022, 16:06 Uhr). Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 für 2022 ist sie trotz der hohen Zuwächse weiterhin moderat bewertet.

Fazit

Albemarle ist in einem Sektor aktiv, der zwei Gesichter hat. Einerseits wird Lithium für eine nachhaltige Transformation benötigt, es trägt zur Dekarbonisierung des Verkehrs bei und macht die Speicherung von Erneuerbarer Energie möglich. Andererseits gibt es Umweltbedenken und soziale Probleme, wenn Menschen in armen Regionen Südamerikas der Zugang zu Wasser erschwert wird.

Auch Albemarle ist kein kerngrünes Unternehmen. Und in einigen Bereichen könnte der Konzern sein Engagement noch verbessern, etwa durch eine unabhängige Überprüfung seiner Klimaziele. Doch Albemarle nimmt Nachhaltigkeitsbedenken offensichtlich ernst, kommuniziert Umwelt- und Klimaziele und macht Dinge besser – etwa indem auf die Weiterverarbeitung von Lithium in China verzichtet wird.

Die wirtschaftliche Perspektive von Lithium-Konzernen ist generell stark. Der Bedarf wächst und wächst, Albemarle als einer der weltgrößten Produzenten kann die Nachfrage bedienen und davon profitieren. Die Dividendenrendite ist zwar nicht üppig, die Ausschüttungen erfolgen aber kontinuierlich. Anlegerinnen und Anleger können hier über einen Einstieg nachdenken.

Albemarle Corp.:

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