Aktuell brauchen Batterien von Elektrofahrzeugen noch Lithium. / Foto: Mercedes Benz Group

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Deutsche Rohstoffagentur sieht drohenden Lithium-Engpass

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) befürchtet ab 2030 einen Lithiumengpass auf dem Weltmarkt. Lithium ist zumindest aktuell noch essenziell für die Herstellung von Akkus, besonders zum Antrieb von Elektrofahrzeugen.

Laut DERA ist 2030 mit einer Lithium-Nachfrage von 316.000 bis 558.800 Tonnen zu rechnen. 2020 lag die Produktion weltweit bei rund 82.000 Tonnen, wobei nur etwa 50 bis 60 Prozent den hohen Anforderungen und Reinheitsgraden für die Batterieproduktion genügten.

Aktuell hält die Erhöhung der Förderkapazitäten mit dem steigenden Bedarf nicht mit. Nach Schätzungen der DERA müssten die weltweiten Förderkapazitäten in den kommenden Jahren um den Faktor sieben steigen, um die Nachfrage zu decken. Zudem würden 2030 bereits voraussichtlich 90 Prozent des weltweiten Lithiums für die Batteriefertigung benötigt.

Europa muss die Produktion erhöhen

Allein durch Bergbau ist der Bedarf aber der Behörde zufolge nicht zu decken. "Selbst wenn alle aktuell geplanten und im Bau befindlichen Projekte im Zeitplan umgesetzt werden und wir von einem mittleren Nachfragewachstum ausgehen, werden wir nicht genug Lithium haben, um die erwartete weltweite Nachfrage 2030 zu decken", erklärt Studienautor Michael Schmidt.

Drei Viertel der globalen Bergwerksförderung stammen laut Schmidt aktuell aus Australien und Chile. Länder wie Argentinien (7,5 Prozent) und China (17 Prozent) liefern deutlich weniger.

In Australien wird das Alkalimetall aus Erzen gewonnen, in Chile wird es aus der Sole von Salzseen mit Hilfe von chemischen Prozessen ausgeschwemmt. Beide Verfahren sind stark umweltbelastend.

Andere Unternehmen versuchen deshalb etwa, durch neue Recyclingmethoden wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen oder den Werkstoffkreislauf zu beschleunigen. Der australische Konzern Vulcan Energy will Lithium klimaneutral im deutschen Teil des Oberrheingrabens fördern, indem er es aus dem heißen Thermalwasser filtert, das Geothermie-Kraftwerke an die Oberfläche pumpen. Ein ausführliches Porträt des Unternehmens lesen Sie hier. Recycling-Aktien aus dem E-Fahrzeug-Bereich hat ECOreporter unter anderem hier analysiert.

In Europa entstehen zwar derzeit Batteriefertigungskapazitäten von bis zu 1.300 Gigawattstunden (GWh). Mit 1 Prozent Marktanteil und 900 Tonnen Lithium war Portugal 2020 als einziger europäischer Lithiumförderer aber gleichzeitig globales Schlusslicht.

Die DERA-Untersuchung drängt darum auf einen Ausbau der europäischen Förderkapazitäten – etwa im Erzgebirge und im Rheingraben, wo es größere Vorkommen gibt. Dies sei auch notwendig, um Importabhängigkeiten niedrig zu halten und den CO2-Fußabdruck durch den Transport aus Australien und Chile über China zu senken.

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