Der Rivian R1T - gerade erst auf dem Markt, und schon verzögert sich die Auslieferung. / Foto: Rivian

  Nachhaltige Aktien

Von Tesla bis Rivian: 20 Elektroauto-Aktien im Crash-Test

Die Elektroauto-Branche brummt, einige Aktien rasen auf der Überholspur. Dabei verdienen viele Elektroautobauer noch gar kein Geld. ECOreporter analysiert 20 E-Auto-Aktien. Wer hat Vorfahrt? Wo muss der Pannendienst anrücken? Und wie nachhaltig sind Elektrofahrzeuge eigentlich?

Der Elektromobilität gehört die Zukunft. Laut einer Studie der Internationalen Energieagentur IEA gab es Ende 2020 weltweit etwa 11 Millionen elektrisch angetriebene Pkw, Lastwagen und Busse – Plug-in-Hybride mit eingerechnet. In den nächsten Jahren dürften sich die Zulassungen vervielfachen: Die für gewöhnlich eher konservativ schätzende IEA rechnet damit, dass 2030 bis zu 230 Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein werden. Die Elektromobilität wäre dann ein globaler Massenmarkt mit einem Jahresumsatz von bis zu 1,7 Billionen Euro – alleine im Pkw-Bereich. Zum Vergleich: 2020 lag das Marktvolumen bei etwa 120 Milliarden Euro, wobei 85 Prozent auf die bislang wichtigsten Absatzregionen Europa und China entfielen.

Die Preise fallen

Staatliche Kaufanreize für E-Autos, nationale Ausstiegspläne aus Verbrennungsmotoren und steigende CO2-Preise sorgen dafür, dass sich die Planungssicherheit der Elektroautobauer weiter verbessert. Zudem werden die Antriebsbatterien – die teuersten Bauteile von Elektrofahrzeugen – immer günstiger und leistungsstärker und kommen mit weniger ökologisch bedenklichen Rohstoffen aus (siehe Randspalte). Dadurch werden E-Autos für zunehmend mehr Menschen interessant und bezahlbar.

Also freie Fahrt für die Elektroautoindustrie? Nicht ganz. Denn einerseits wächst mit dem Markt auch der Wettbewerb. Fast alle herkömmlichen Autokonzerne bauen ihr E-Auto-Angebot mittlerweile deutlich aus, Renault-Nissan beispielsweise will schon 2022 mindestens 20 Prozent seiner Umsätze mit Elektrofahrzeugen erzielen. Und die weltweiten Lieferkettenprobleme bremsen auch die Autobranche aus. Vor allem der Mangel an Mikrochips lässt derzeit in vielen Fabriken die Bänder zeitweise stillstehen.

Bei den reinen Elektroautobauern, um die es hier vor allem gehen soll, kommt hinzu, dass die meisten von ihnen noch keine Gewinne erzielen. Einige haben noch nicht einmal mit der Serienfertigung ihrer Fahrzeuge begonnen, sondern bauen bislang vor allem Prototypen. Sie sind damit Start-up-Unternehmen mit entsprechend hohen Investitionsrisiken.

ECOreporter hat 20 Autobauer herausgesucht, die entweder ausschließlich Elektroautos fertigen oder seit Jahren eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung elektrischer Antriebe spielen. Herkömmliche Autokonzerne wie etwa Volkswagen, die derzeit im Hauruckverfahren E-Auto-Fabriken aus dem Boden stampfen, aber auch weiterhin an ihren Benzinern und Dieselfahrzeugen festhalten, analysiert die Redaktion nicht.

Im ersten Teil des Branchenüberblicks stellt ECOreporter Konzerne wie Tesla, BYD, Geely oder Nio vor, die bereits etabliert sind und teilweise schwarze Zahlen schreiben. Ihre Aktien können an europäischen Handelsplätzen gekauft werden. Im zweiten Teil, den Sie hier lesen können, untersucht die Redaktion junge, innovative Unternehmen wie Faraday Future, Fisker, Sono Motors und Nikola, die in den nächsten Jahren möglicherweise stark wachsen, vielleicht aber auch wieder vom Markt verschwinden werden.

Die Etablierten

Produktion bei Tesla. Der Konzern von Elon Musk ist der Konkurrenz in vielen Bereichen immer noch weit voraus. / Foto: Tesla

Tesla ist mit weitem Abstand der größte reine Elektroautobauer der Welt. Mitten in der Chip-Krise schaffte der US-Konzern im dritten Quartal 2021 einen neuen Auslieferungsrekord von mehr als 240.000 Fahrzeugen. Das Unternehmen rechnet langfristig mit jährlichen Zuwachsraten von 50 Prozent. Ende dieses Jahres soll die erste europäische Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide eröffnet werden.

Trotz der milliardenschweren Investitionen herkömmlicher Autokonzerne hat Tesla weiterhin einen erheblichen technologischen Vorsprung, vor allem bei den Produktionsprozessen, den Antriebsbatterien und im Digitalbereich. Für Anlegerinnen und Anleger ebenfalls wichtig: Das Unternehmen ist seit diesem Jahr auch in seinem Kerngeschäft, dem Fahrzeugverkauf, profitabel. Zuvor hatte sich Tesla nur durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten in den schwarzen Zahlen halten können. Im dritten Quartal 2021 erzielte der Konzern bei einem Umsatz von 13,8 Milliarden US-Dollar einen Nettogewinn von 1,6 Milliarden Dollar. Davon entfielen lediglich 280 Millionen Dollar auf verkaufte CO2-Zertifikate.

Allerdings ist die Tesla-Aktie weiterhin sehr hoch bewertet. Nach einem Kursanstieg von mehr als 1.200 Prozent auf Sicht von drei Jahren ist Tesla mittlerweile knapp 1 Billion Dollar wert und damit der wertvollste Automobilkonzern der Welt (Stand 15.12.2021). Die Nummer zwei, Toyota, kommt nur auf eine Marktkapitalisierung von 250 Milliarden Dollar.

Um beim aktuellen Aktienkurs (siehe Tabelle im Premium-Bereich) auf ein nach Einschätzung von ECOreporter faires Bewertungsniveau zu kommen, müsste Tesla einen Jahresgewinn von 30 Milliarden Dollar erzielen. Das wären 9 Milliarden Dollar mehr, als Toyota zuletzt verdiente, und das Doppelte des Gewinns von Volkswagen im guten Vor-Corona-Jahr 2019. Ob Tesla jemals solche Zahlen erreichen wird, ist unklar, der erwartete Jahresgewinn für 2021 beträgt etwa 4,3 Milliarden Dollar. Für ECOreporter bleibt die Aktie nach wie vor zu teuer.

Böse Batterien?

Die Akku-Batterie ist der wertvollste Bestandteil eines Elektroautos – und der umstrittenste. Wer gegen E-Autos argumentieren will, schießt sich meist auf den angeblich wenig nachhaltigen Akku ein.


LFP-Antriebsbatterie von CATL. / Foto: imago images, photo2000

Und die Kritik ist teils berechtigt. In den derzeit gängigen Lithium-Ionen-Batterien ist beispielsweise Kobalt enthalten. Das Schwermetall wird überwiegend in der Demokratischen Republik Kongo gewonnen – teilweise in illegalen Minen, die kriminelle Banden finanzieren und in denen auch Kinder arbeiten müssen. Umweltstandards gibt es dort genauso wenig wie Arbeitsschutzmaßnahmen. Auch die Herstellung von Elektroautobatterien ist problematisch, weil energieintensiv. Und dann wäre da noch das Problem der Entsorgung und Wiederverwertung.

Aber: Im Gegensatz zum Verbrennungsmotor, dessen Nachhaltigkeit sich kaum noch verbessern lässt – Benzin und Diesel bleiben nun mal dreckig, und E-Fuels haben ihre eigenen Nachteile –, gibt es bei Batterien immer noch viel Verbesserungspotenzial.

Der chinesische Batterie-Weltmarktführer CATL etwa will 2023 mit der Massenfertigung von Natrium-Ionen-Akkus beginnen. Die kommen ohne seltene oder teure Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer, Nickel und Lithium aus. Das stattdessen verwendete Natrium kann günstiger und klimafreundlicher gewonnen werden, etwa aus Bergbauabfällen. Zudem sollen Natrium-Ionen-Akkus feuerfester, besser aufladbar und leistungsfähiger bei niedrigen Temperaturen sein. Der größte Elektroautobauer Tesla setzt schon heute teilweise auf Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP), die kein Kobalt und Nickel benötigen. Andere Firmen und auch Universitäten experimentieren mit Schwefel, Magnesium, Silizium oder Kunststoffen, um umweltfreundlichere Batterien zu entwickeln.

Doch wohin mit den Akkus, wenn ihre Leistungsfähigkeit nachlässt? Häufig bekommen sie bereits ein zweites Leben als stationärer Stromspeicher, oft eignen sie sich dafür noch zehn Jahre. Und wenn ihnen irgendwann ganz die Puste ausgeht, können sie immer effizienter recycelt werden. Bislang gewinnen Spezialunternehmen vor allem Stahl, Aluminium und Kunststoffe aus alten Akkus, aber auch Lithium, Nickel, Kobalt und Kupfer lassen sich schon wiederverwerten. Dadurch sinkt der CO2-Abdruck der Batterien deutlich.

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