Die BaFin wählt bei ihrer Einschätzung des Klimawandels ähnlich deutliche Worte wie die "Fridays for Future"-Bewegung. / Foto: Pixabay

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Anderer Ton, ähnlicher Inhalt: Die BaFin warnt so ernst wie Greta

Das kommt überraschend: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), eine nüchterne, eher konservative Behörde, hat ein 33-seitiges "Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ veröffentlicht. Darin warnt sie die Finanzbranche eindringlich davor, die Folgen des Klimawandels zu ignorieren. Und gibt Tipps, wie Unternehmen mit Themen wie Energiewende und Elektromobilität umgehen können.

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Die BaFin ist die deutsche Aufsichtsbehörde für den Banken-, Versicherungs- und Wertpapiersektor. Ihre wichtigste Aufgabe: Sie soll die Funktionsfähigkeit und Stabilität des deutschen Finanzsystems sicherstellen. Und genau diese Stabilität sieht die Behörde gefährdet, wenn die Finanzindustrie sich nicht konsequent mit dem Thema Nachhaltigkeitsrisiken beschäftigt. Denn viele dieser Risiken hängen direkt oder indirekt mit dem Klimawandel zusammen – und der könnte sehr, sehr teuer werden: Die BaFin geht davon aus, dass die Erderwärmung, wenn sie sich ungebremst fortsetzt, Schäden in Höhe von bis zu 500 Billionen Euro verursachen wird – ausgeschrieben sind das 500.000.000.000.000 Euro.


Hauptgebäude der BaFin in Bonn. / Foto: BaFin

Die BaFin nennt nicht nur physische Risiken wie Dürren, Überflutungen, Stürme, Waldbrände, Lawinen, den Anstieg des Meeresspiegels und die Übersäuerung der Ozeane. Auch sogenannte Transitionsrisiken werden in dem Merkblatt aufgeführt. Das sind Risiken im Zusammenhang mit der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft: Kohle und Öl könnten deutlich teurer werden. Gebäude müssen möglicherweise klimaschonend saniert werden. Alte, schmutzige Technologien werden von neuen, sauberen verdrängt – Stichwort Elektromobilität. Die BaFin spart nicht mit klaren Worten: "Im ungünstigsten Szenario zwingen extreme klimabedingte Schäden infolge einer lange hinausgezögerten Energiewende schließlich zu einer plötzlichen und radikalen Umstellung der Wirtschaft.“

Das neue Merkblatt soll Finanzunternehmen dabei helfen, eine ganzheitliche Strategie zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken zu entwickeln. Dafür stellt die Behörde Fragenkataloge zur Verfügung, gibt Tipps für die stärkere Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen in der Unternehmensstruktur. Die BaFin empfiehlt auch, bei Investitionsentscheidungen auf ESG-Ratings zurückzugreifen, also auf die systematische Bewertung von ökologischen, sozialen und an guter Unternehmensführung ausgerichteten Kriterien. Und die Behörde geht auf Werkzeuge des Risikomanagements wie Ausschlusskriterien, Positivkriterien und Best-in-Class ein – Verfahren, die nachhaltige Anbieter schon seit vielen Jahren bei der Zusammenstellung ihrer Aktien- und Anleihefonds anwenden. Der konsequente Einsatz solcher Verfahren könnte laut BaFin beispielsweise eine "Einschränkung der Finanzierung von Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit wesentlich auf fossilen Energieträgern beruht“, zur Folge haben. Heißt verkürzt gesagt: Raus aus der Kohle!

Das "Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ kann kostenlos unter www.bafin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Merkblatt/dl_mb_umgang_mit_nachhaltigkeitsrisiken.html;jsessionid=3DCF6460EE7125C02078E0D5A5B5B131.2_cid290?nn=8564786 heruntergeladen werden.

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