Kohlebagger von RWE - grün geht anders. / Foto: Pixabay

07.10.19 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Treiber des Klimawandels: Darum ist RWE kein nachhaltiges Investment

"Willkommen im erneuerbaren Zeitalter“ heißt es in der aktuellen Werbekampagne von RWE. Wirklich angekommen im Grünstrom-Zeitalter ist der Essener Energiekonzern bislang aber nicht.

In den PR-Anzeigen, die derzeit in vielen Medien zu sehen sind, bezeichnet sich RWE als "Treiber der Energiewende“. Bis 2040 wolle man, so steht es in den großformatigen Anzeigen, pro Jahr 1,5 Milliarden Euro in Erneuerbare Energien investieren.

Richtig ist: RWE und der ebenfalls in Essen ansässige Konkurrent E.ON tauschen einige Geschäftsbereiche (ECOreporter berichtete hier). RWE erhält unter anderem sämtliche Erneuerbare-Energien-Kraftwerke von E.ON und wird zu einem der größten Grünstromproduzenten Europas. Und RWE möchte weitere Wind- und Solarparks bauen – die Gewinnaussichten in diesem Segment sind gut.

Aber: Wer ein "Treiber der Energiewende“ sein will, muss eher heute als morgen aus der klimaschädlichen Kohleenergie aussteigen. Doch das hat RWE nicht vor. Nicht heute, nicht morgen, nicht einmal übermorgen. Als in Deutschland der Kohleausstieg verhandelt wurde, versuchte der Konzern, sich für seine Kohlekraftwerke möglichst lange Restlaufzeiten garantieren zu lassen. Und wenn Anlagen vor dem letztmöglichen Termin, also 2038, stillgelegt werden, dann bitte schön nur gegen möglichst hohe Entschädigungszahlungen. Statt konsequent auf klimafreundliche Energie zu setzen, soll noch solange Kohle verfeuert werden, bis kein Euro Gewinn mehr aus den Kraftwerken herauszuholen ist. Und um Kohleabbaugebiete wie den Hambacher Forst oder Garzweiler kämpft RWE weiterhin mit harten Bandagen. Das alles treibt nicht die Energiewende voran, sondern nur den Klimawandel.

Kohle wird noch jahrelang neben Erdgas das Hauptgeschäft von RWE bleiben. Der Nichtregierungsorganisation urgewald zufolge ist RWE (Stand September 2019) weltweit der drittgrößte börsennotierte Betreiber von Kohlekraftwerken und der viertgrößte börsennotierte Kohleförderer (mehr dazu können Sie hier lesen). In den letzten zwölf Monaten hat RWE laut urgewald 86 Millionen Tonnen Kohle aus der Erde geholt. Die Kohlekraftwerke des Konzerns haben eine Leistungskapazität von aktuell 17,5 Gigawatt. Die Grünstromanlagen kommen nur auf 9,5 Gigawatt – die E.ON-Kraftwerke bereits eingerechnet. RWE wird auch weiterhin mehr CO2 ausstoßen als jedes andere europäische Unternehmen. Von echter Nachhaltigkeit ist der Konzern noch weit entfernt.

Wie schnell der Wandel vom Kohlegiganten zum echten Grünstromunternehmen gelingen kann, zeigt das Beispiel Ørsted: Der größte dänische Energieversorger, jahrzehntelang ein träger fossiler Staatskonzern, hat 2017 sein komplettes Öl- und Erdgasgeschäft verkauft und will bis 2023 komplett aus der Kohle aussteigen. Die verbliebenen Kohlekraftwerke werden zu Biomassekraftwerken umgebaut. Den Großteil seines Stroms erzeugt Ørsted mittlerweile mit Windkraftanlagen, vor allem mit großen Offshore-Parks in der Nordsee. Bereits in vier Jahren könnte Ørsted klimaneutral arbeiten. Auch RWE spricht übrigens in seiner aktuellen Werbekampagne von Klimaneutralität – allerdings erst für 2040.

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