RWE betont gerne die Erfolge seiner Windparks – aber was ist das da im Bildhintergrund? Gehört auch RWE ... / Foto: Unternehmen

  Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie, Meldungen

Leserinnenfrage: Ist die RWE-Aktie ein nachhaltiges Investment?

„Mein Bankberater hat mir zum Kauf der RWE-Aktie geraten. Das Unternehmen sei nachhaltig, weil sein Kerngeschäft mittlerweile grüner Strom sei. Was ist davon zu halten?“ (Nora M.)

Es stimmt: RWE bezeichnet Strom aus regenerativen Quellen schon seit einiger Zeit als den „größten Teil unseres Kerngeschäfts“. Und der Essener Konzern gehört mit einer Erzeugungskapazität von 10 Gigawatt tatsächlich zu den größten Erneuerbare-Energien-Unternehmen Europas.

80 Prozent klimafeindlicher Strom

Die Behauptung, grüner Strom mache den größten Teil des Kerngeschäfts aus, ist allerdings – vorsichtig formuliert – irreführend. Denn RWE hat für sich beschlossen, dass Kohle- und Atomstrom nicht mehr zum Kerngeschäft des Konzerns gehören. Tun sie faktisch aber nach wie vor. Und sie machen sogar den deutlich größeren Teil aus: 2020 stammten nur 20 Prozent des von RWE erzeugten Stroms aus regenerativen Quellen. Die übrigen 80 Prozent sind alles andere als grün: Kohle, Atomkraft, Erdgas. Kohle steuerte alleine 30 Prozent zum letztjährigen Stromertrag bei, mehr als 44 Millionen sehr klimaschädlich produzierte Megawattstunden. Alles nachzulesen im RWE-Geschäftsbericht 2020.

Der eifrige Bankberater von Frau M. würde jetzt vielleicht einwenden: „Mag ja sein, dass das etwas nach Greenwashing aussieht. Aber die Tendenz bei RWE ist eindeutig: raus aus der Kohle, immer tiefer rein in Wind-, Sonnen- und Wasserkraft.“ Auch das ist nicht falsch. RWE baut seinen Bestand an grünen Kraftwerken stark aus und wird seine Kohlekraftwerke auf lange Sicht alle stilllegen. Aber eben nur auf lange Sicht, nicht möglichst schnell – und weil staatliche Vorgaben und die sinkende Rentabilität von Kohlemeilern den Konzern dazu zwingen.

Die Kohlekuh melken, solange es noch geht

Als in Deutschland der Kohleausstieg verhandelt wurde, versuchte RWE, sich für seine Kohlekraftwerke möglichst lange Restlaufzeiten garantieren zu lassen. Und wenn Anlagen vor dem letztmöglichen Termin, also 2038, stillgelegt werden, dann bitte schön nur gegen möglichst hohe Entschädigungszahlungen. Statt konsequent auf klimafreundliche Energie zu setzen, soll noch solange Kohle verfeuert werden, bis kein Euro Gewinn mehr aus den Kraftwerken herauszuholen ist. Und um Kohleabbaugebiete wie Garzweiler kämpft RWE weiterhin mit harten Bandagen. Das alles treibt nicht die Energiewende voran, sondern nur den Klimawandel. Da kann der Konzern noch so viele Windparks kaufen.

Kohle wird noch jahrelang zum Hauptgeschäft von RWE gehören. Der Nichtregierungsorganisation urgewald zufolge zählt RWE (Stand Herbst 2020) nach wie vor zu den 25 größten Kohlekraftwerksbetreibern und Kohleförderern weltweit. 2019 hat der Konzern laut urgewald knapp 65 Millionen Tonnen aus der Erde geholt. RWE wird voraussichtlich auch weiterhin mehr CO2 ausstoßen als jedes andere westeuropäische Unternehmen. Von konsequenter Nachhaltigkeit ist der Konzern weit entfernt, die Aktie eignet sich bislang nicht für nachhaltige Anlegerinnen und Anleger.

Es geht auch anders

Wie schnell der Wandel vom Kohlegiganten zum echten Grünstromunternehmen gelingen kann, zeigt das Beispiel Ørsted: Der größte dänische Energieversorger, jahrzehntelang ein träger fossiler Staatskonzern, hat 2017 sein Öl- und Erdgasgeschäft verkauft und will bis 2023 komplett aus der Kohle aussteigen. Die wenigen verbliebenen Kohlekraftwerke werden zu Biomassekraftwerken umgebaut. Den Großteil seines Stroms erzeugt Ørsted mittlerweile mit Windkraftanlagen, vor allem mit großen Offshore-Parks in der Nordsee. Bereits in vier Jahren könnte Ørsted klimaneutral arbeiten. Auch RWE spricht übrigens in seinen Werbekampagnen von Klimaneutralität – allerdings erst für 2040.

Ørsted ist nur eine von zahlreichen tiefgrünen Klimaaktien, über die ECOreporter regelmäßig berichtet. Lesen Sie unsere Überblicke zu den Windaktien und Solaraktien.

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