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Atomkraft ist kein Klimaretter – neuer Uranatlas erschienen

Vor dem Start der Weltklimakonferenz COP31 am 9. November im türkischen Antalya zeigt die gerade erschienene aktualisierte und erweiterte zweite englische Ausgabe des Uranatlas, dass Atomkraft nichts zur Lösung der Klimakrise beitragen kann. 

Angesichts der eskalierenden Klimakrise und der nach wie vor völlig unzureichenden Maßnahmen zu deren Eindämmung ist Atomkraft zu langsam und zu teuer. In einer von der Klimakrise geprägten Welt und der Zunahme von Extremwetterereignissen sind Atomanlagen ein Risikofaktor für Menschen und Umwelt und auch deshalb untauglich, weil sie nicht nach Bedarf hoch- und heruntergefahren werden können. Eine klimagerechte Energiewende erfordert jedoch Flexibilität und Stromnetze, die auf die variablen erneuerbaren Energien ausgelegt sind.

Der Uranatlas liefert hierzu Daten und Fakten und zeigt in Karten und Grafiken, dass die Atomindustrie von der Urangrube bis zur ungelösten Endlagerfrage auf globaler und intergenerationaler Ungleichheit beruht und diese noch weiter verschärft. Herausgegeben wird der Atlas von der Umweltstiftung Greenpeace, der Rosa Luxemburg Stiftung, der Nuclear Free Future Foundation, ippnw und Beyond Nuclear.

Atomenergie ist nicht konkurrenzfähig

„Unabhängig von allen Risiken und der weitgehend ungeklärten Endlagerfrage ist Atomkraft trotz hoher staatlicher Subventionen und Rettungsprogramme mit Kohle und Gas, vor allem aber mit den Erneuerbaren Energien nicht konkurrenzfähig“, erklären die Herausgeber des Atlas. 

Beispielhaft dafür war aufgrund mangelnder Klimaresilienz die Unzuverlässigkeit vieler Atomkraftwerke während des Hitzesommers 2026: In Frankreich, Rumänien, Ungarn und der Schweiz mussten wegen extremer Hitze und Niedrigwasserstände AKWs abgeschaltet oder ihre Leistung stark gedrosselt werden.

„Bemühungen, in neue AKWs zu investieren, sind weitgehend desaströs“, so die Herausgeber des Uranatlas mit dem Verweis darauf, dass nahezu alle Atomkraftprojekte zeitlich und finanziell vollkommen aus dem Ruder laufen.

Die Kosten für neue AKW explodieren

Jüngstes Beispiel ist der AKW-Neubau Hinkley Point C in England, der sich, wie im Atlas beschrieben, zu einem der größten finanziellen Desaster der Industriegeschichte entwickelt: 2015 schätzte der französische Staatskonzern Électricité de France (EdF), der die Meiler C1 und C2 errichtet, die Baukosten auf 18 Milliarden Britische Pfund (21,6 Milliarden Euro). Inzwischen sind elf Jahre vergangen und die Kosten auf 48 Milliarden Pfund gestiegen (57,6 Milliarden Euro). Und auch die ursprünglich vorgesehene Inbetriebnahme im Jahr 2025 von Hinkley Point C1 musste verschoben werden, zunächst auf 2027, dann auf 2029 und inzwischen auf 2030. Nimmt man an, dass die beiden Meiler 40 Jahre lang ununterbrochen am Netz wären, was technisch unmöglich ist, dann schlagen allein die Baukosten mit 5,7 Dollar-Cent pro Kilowattstunde zu Buche. Und das in einer Zeit, in der in vielen Teilen der Welt und auch in Großbritannien mit erneuerbaren Energien die Kilowattstunde Strom zwischen einem und fünf Dollar-Cent erzeugt werden kann. 

Bei Atomkraft kommen dann aber noch die Kosten für den Abbau und die Anreicherung des Rohstoffs Uran, die Herstellung der Brennelemente, Personal, mögliche Reparaturen und nicht zuletzt die Zwischen- und Endlagerung der Brennelemente dazu.   

Auch die derzeit von der Atomindustrie als Lösung angepriesenen Kleinen Modularen Reaktoren (SMR) sind nach Einschätzung der Atlas-Herausgeber nichts als heiße Luft. Wegen ihrer geringen Größe – 300 Megawatt oder weniger – sind SMR noch unwirtschaftlicher als die großen Meiler. Im US-Bundesstaat Idaho wollte die US-amerikanische Firma NuScale Power das erste Mini-AKW bauen und hat dafür 1,4 Milliarden Dollar an Subventionen erhalten. Nachdem NuScale 2023 die eigene Kostenschätzung massiv nach oben korrigierte, musste das Vorzeigeprojekt der USA eingestellt werden.

Steuerzahler finanzieren Bill-Gates-Reaktor

„Das schockierendste Beispiel derzeit ist Bill Gates“, sagte Linda Pentz Gunter, Geschäftsführerin des Atlas-Mitherausgebers Beyond Nuclear. „Bill Gates ist Multimilliardär und will mit seiner Firma TerraPower einen kleinen Reaktor bauen. Er gab die Kosten mit vier Milliarden US-Dollar an. Daraufhin beantragte er beim US-Energieministerium zwei Milliarden Dollar Subventionen und erhielt sie. Steuerzahler*innen finanzieren also die Hälfte des Prestigeprojekts eines Multimilliardärs, das höchstwahrscheinlich nie realisiert wird und – falls doch – die Verbreitung von Atomwaffen stark begünstigt.“

„Gerade wegen ihrer geringen Größe setzen viele SMR-Konzepte auf Uran, das auf 19,75 Prozent angereichert ist und damit knapp unterhalb der 20-Prozent-Grenze liegt, die völkerrechtlich als hochangereichertes, waffenfähiges Uran gilt“, betont Bernd Riexinger, Vorstandsvorsitzender der Rosa Luxemburg Stiftung. „SMR erleichtern es deshalb Staaten, Nuklearwaffen zu bauen.“ 

Eine Gefahr für den Weltfrieden

Nach Einschätzung des Friedensforschungsinstituts SIPRI ist – unabhängig von der Entwicklung von SMR – die Zeit der atomaren Abrüstung beendet, es besteht im Gegenteil die große Gefahr, dass weitere Staaten in den Besitz von Atomwaffen gelangen. „Gleichzeitig zeichnet sich ein gefährliches neues nukleares Wettrüsten zu einem Zeitpunkt ab, an dem die Rüstungskontrollregime stark geschwächt sind“, so der jüngste SIPRI-Report. 

Der aktualisierte englischsprachige Uranatlas 2026 erklärt auf 60 Seiten mit Grafiken und Karten den Weg des Urans. Neue Kapitel zum Atomeinstieg der Türkei, zum russischen Staatskonzern Rosatom und zur Nutzung von Atomkraft in Großbritannien zeigen die geopolitischen Abhängigkeiten und den Zusammenhang von friedlicher und militärischer Nutzung der Atomkraft. Mit dem Atlas verdeutlichen die fünf Herausgeber*innen, warum Uran im Boden bleiben muss.

Der Uranatlas kann unter anderem hier heruntergeladen werden:

www.nuclear-free.com/uranatlas
www.rosalux.de/en/uraniumatlas
www.ippnw.de/bit/uranatlas

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