Lassen Sie Ihre Kröten zu einer nachhaltigen Bank wandern! / Foto: imago images, Nature Picture Library

06.11.20 Meldungen , Anleihen / AIF , Finanzdienstleister , ECOreporter-Magazin

Grün anlegen: Die 10 besten Tipps

Grün, ethisch – und praktikabel für jede und jeden: In der Titelgeschichte des neuen gedruckten ECOreporter-Magazins finden Sie zehn konkrete Tipps für Ihre nachhaltige Geldanlage.

 

Der von der UmweltBank mitfinanzierte Holzmarkt in Berlin
Die UmweltBank finanziert unter anderem den Holzmarkt in Berlin. In dem genossenschaftlich organisierten Projekt werden Natur, Wirtschaft und Kultur zusammengebracht. / Foto: Holzmarkt, Eyecandy, Berlin

Tipp 1 – Krötenwanderung: Schieben Sie Ihr Geld auf eine neue Bank!

Warum sollte man mit seinen ersparten Kröten, mit Girokonto, Depot oder Festgeld zu einer nachhaltigen oder ethischen Bank ziehen? Von vielen möglichen Gründen seien hier zwei genannt: Zum einen arbeiten Banken mit Ihrem Geld. Eine konventionelle Bank verrät Ihnen wohl kaum, welche Firmen sie mit Ihrem Geld finanziert. Vielleicht Unternehmen, die es mit Zulieferern nicht so genau halten, auch wenn die Kinder arbeiten lassen? Bei den nachhaltigen, ethischen Banken gibt es da mehr Transparenz. Und echte Kriterien, was finanziert wird und was nicht.

Und zum anderen ist da die Beratung: Bei nachhaltigen, ethischen Banken werden die Beraterinnen und Berater nicht danach bezahlt, wie viel neue Produkte sie den Kunden und Kundinnen aufdrücken. Trotzdem – oder gerade deshalb? – sind diese Banken erfolgreicher und ziehen mehr und mehr Menschen an. Also: Gehen Sie auf Wechselkurs!

Und wie geht das praktisch? Einfach. Denn unser Bundestag hat den Banken mal ordentlich den Marsch geblasen. Einfach ein Zahlungskontengesetz (ZKG) erlassen, und – zack! – wechselt das Konto wie von Zauberhand. Denn Finanzinstitute müssen ihren Kundinnen und Kunden zügig dabei unterstützen, wenn sie ein neues Zuhause für ihr Geld gewählt haben. Was sich zuvor ziehen konnte wie Mozzarella auf der heißen Pizza, das muss nun binnen zwölf Tagen erledigt sein: Sonst? Haftet die alte Bank! Das bedeutet für Sie: Sie können einfach zu einer grünen, nachhaltigen, ethischen Bank wechseln.

Stehen bei der Auswahl für Sie die Kosten im Vordergrund? Dann helfen die Tabellen ab Seite 84 im neuen gedruckten ECOreporter-Magazin (oder online auf unserer Bankenseite). Geht es Ihnen um eine nahe Filiale, um Glauben, um besondere nachhaltige Leistungen? Auch da helfen die Tabellen weiter.

Tipp 2 – Grünes Fest- und Tagesgeldkonto

Natürlich, es gibt bei der Geldanlage kaum Zinsen. Da könnte man das Geld auch auf dem Girokonto liegen lassen statt auf einem Fest- oder Tagesgeldkonto. Aber wenn Sie beispielsweise wissen, dass Sie eine gewisse Summe ein Jahr lang nicht brauchen, dann ist das Festgeldkonto eine gute Wahl. Sonst das Tagesgeldkonto.

Wichtig daran: Das Geld ist sicher. Wegen der Einlagensicherung der Banken. Sie gilt für Tagesgeld-, Festgeld- und Girokonten sowie für Sparguthaben und Sparbriefe. Die Grenze liegt bei 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Teilweise gibt es auch freiwillige, höhere Sicherungssysteme. Fragen Sie Ihre Bank danach.

Natürlich werden Sie vielfach lesen, dass der Zinssatz nicht einmal die Inflation ausgleicht. Stimmt ja auch. Das ist trotzdem kein Grund, riskante Hochzinsprodukte zu suchen. Zehnfaches Risiko für 0,5 oder 1 Prozent mehr Zins? Tun Sie's nicht. Lassen Sie das Geld sicher und in Ruhe bei einer nachhaltigen, ethischen Bank arbeiten. Die stellen Sinnvolles damit an. In den Tabellen ab Seite 84 im Magazin finden Sie die richtige Bank für sich.

Tipp 3 – 4 bis 5,25 Prozent Zins mit sauberen Anleihen

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Windpark von Enertrag - ein nachhaltiges Investment. / Foto: Unternehmen

Sie möchten ganz genau wissen, wo Ihr Geld arbeitet? Sie möchten feste Zinsen, lange Laufzeit und ein Investment, das dem Klima nutzt? Sie vertrauen dabei nur Unternehmen, die zu den kerngrünen Pionieren gehören? Doch, das geht alles! Natürlich gibt es so etwas nicht gerade an jeder Ecke. Aber erstaunlicherweise an der Börse. Ein ganz öffentliches Angebot, dennoch quasi ein Geheimtipp: grüne Erneuerbare-Energie-Anleihen.

Das Besondere daran: Die besten dieser Anleihen beziehen sich nicht auf ganze Unternehmen, sondern nur auf bestimmte Kraftwerke, die teilweise auch als Sicherheit dienen. Gucken, ob alles läuft? Bei diesen Anleihen möglich, denn sie finanzieren konkrete Erneuerbare-Energie-Kraftwerke.

ECOreporter hat zwei Anleihen von Windkraftspezialisten herausgepickt. Die eine stammt von der Bremer Energiekontor AG. Hinter der anderen steht die Enertrag AG aus Dauerthal im nordöstlichen Brandenburg. Beides sind Pionierunternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche. Die Energiekontor-Anleihe läuft bis 2036 und bringt stufenweise mehr Zinsen, von 4 bis 5 Prozent. Die Enertrag-Anleihe endet Anfang 2026 und verspricht 5,25 Prozent Zinsen.

• Energiekontor Stufenzinsanleihe XII; Anleihe; u.a. an der Börse Frankfurt gehandelt; WKN A2TR8Y; ISIN DE000A2TR8Y4; empfohlenes Limit: 102,2 %. ECOreporter hat die Anleihe hier getestet.

• ENERTRAG EnergieZins GmbH Inhaber-Teilschuldverschreibung 15(16/26); Anleihe; an der Düsseldorfer Börse gehandelt; WKN: A1611C, ISIN: DE000A1611C6; empfohlenes Limit: 103,1 %. Eine ECOreporter-Analyse der Anleihe können Sie hier lesen.

Tipp 4 – Pictet-Water-Aktienfonds: Und Wasser fließt doch nach oben

Über 50 Prozent Plus in fünf Jahren (Stand Oktober 2020). Das finanzielle Ergebnis dieses Fonds kann sich sehen lassen. Sicher, er hat vor Beginn der Corona-Krise einen Kursgipfel erreicht, von dem aus es in der Corona-Krise bergab ging. Aber dann auch wieder bergauf. Ein Fonds also, der nicht immun ist gegenüber dem allgemeinen Geschehen, der aber langfristig gesehen ruhig seine Bahnen zieht. Ein Wasserfonds: der Pictet-Water.

Darin finden sich, und das ist keine Selbstverständlichkeit, Wasseraktien. Die heißen bei Pictet nicht deshalb so, weil der Fondsmanager regelmäßig Mineralwasser trinkt oder weil es andere fadenscheinige Gründe dafür gibt, dass eine Aktie irgendetwas mit Wasser zu tun hat. Vielmehr hält der Fonds Aktien von Gesellschaften, die zu mindestens 20 Prozent ihren Umsatz mit Wasserversorgung, Wassertechnologie oder Umweltdienstleistungen erzielen. Nicht im Fonds sind aber Luxuswasser-Hersteller, die Wasser in Flaschen über Tausende Kilometer transportieren. Ebenso wenig Wasserversorger, die Frischwasserquellen in Schwellenländern abriegeln und der Bevölkerung den kostenlosen Zugang sperren.

Der Fonds ist mit 6 Milliarden Euro auch vom Volumen her ein echtes Dickschiff, er ist lange am Markt – und sein Kurs treibt nach oben. Da schwimmt man gerne einmal mit dem Strom. Nähere Infos finden Sie im ECOreporter-Fondstest im neuen Magazin (oder online hier).

Aktienfonds Pictet-Water P EUR von Pictet Asset Management: ISIN LU0104884860 / WKN 933349

 

Den vollständigen Artikel mit allen zehn grünen Anlagetipps finden Sie im neuen ECOreporter-Magazin.

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Jetzt haben Sie Tipps für Ihre Investments gelesen - aber was genau bedeutet eigentlich nachhaltige Geldanlage?

Nachhaltiges Investment - das ist der übliche Name für Geldanlagen, die andere Aspekte als nur beispielsweise Rendite oder Sicherheit berücksichtigen: Hier zählen auch soziale, ökologische, ethische und andere inhaltliche Kriterien. Für nachhaltige Geldanlage, ethische Investments, für grünes Geld oder wie auch immer man diese Art der Kapitalanlage nennt, gibt es aber keine gesetzliche Definition. Die EU arbeitet (Stand: November 2020) an einer solchen Festschreibung, aber das Ergebnis lässt noch auf sich warten. Und ob die Alltagssprache sich nach der EU-Definition richten wird, kann man noch nicht abschätzen.

Das Drei-Säulen-Modell für Nachhaltigkeit

Wenn man wissen will, das nachhaltige Geldanlage bedeutet, muss man zunächst erklären, was denn Nachhaltigkeit ist. Am einfachsten beschreibt man sie mit einem Drei-Säulen-Modell: Ökonomie, Ökologie und Soziales gehören zur Nachhaltigkeit. Wobei die Säule „Ökonomie“ die ökonomischen Grundlagen insgesamt meint, nicht nur die Rendite. Zu den Grundlagen der Ökonomie gehören Ressourcen, Rechtssysteme, Wirtschaftsweisen. Hinzu kommen Umwelt- und Sozialaspekte. Natürlich sollen Nachhaltige Geldanlagen Rendite erbringen. Sonst ginge es ja hier um Spenden.

Kennen Sie das Anlagedreieck? Es hat die Eckpunkte Rendite, Sicherheit und Liquidität. Mit der nachhaltigen Geldanlage wird aus dem Anlagedreieck ein Anlageviereck. Eine gute Geldanlage berücksichtigt und balanciert alle diese vier Punkte.

Strenge Ansätze für nachhaltige Geldanlagen, beispielsweise bei manchen Nachhaltigkeitsfonds, lassen nur Investitionen zu, die hohe Umwelt- und Sozialstandards erfüllen. Solche Produkte werden vielfach auch als „dunkelgrüne Investments“ bezeichnet. Andere wenden bei der Auswahl nachhaltiger Unternehmenswerte recht durchlässige Filter an. Das sind dann eher hellgrüne Anlagen. Mögen hell- und dunkelgrüne Ansätze noch so unterschiedlich sein, beiden ist gemeinsam, dass sie versprechen, das Drei-Säulen-Modell einer nachhaltigen Entwicklung in ihrer Anlagestrategie umzusetzen.

Nachhaltige Geldanlage ist wie eine Stimmabgabe bei der Wahl

Als Anleger/in können Sie mit nachhaltigem Investment bei Ihrer Geldanlage mehr als nur finanzielle Ziele zu verfolgen. Sie können Ihr Kapital und Ihre persönlichen Ziele und Wertvorstellungen unter einen Hut bekommen. Das ist eine Art Demokratisierung Ihrer Vermögensanlage, denn jeder Kauf eines Wertpapiers bedeutet beim Nachhaltigen Investment eine Stimme für eine zukunftsfähige, nachhaltige Welt. Soll Geld in Waffen oder in Kinderarbeit oder in Atomenergie fließen - oder in Erneuerbare Energie, klimaschützende Wirtschaft, soziale Unternehmen?

Immer mehr Anleger/innen wollen die Verantwortung für ihr Vermögen selbst wahrnehmen, mündige Kunden sein und mitentscheiden. Sie erwarten von ihren Anlageberater/innen, dass sie sie mit ihren konkreten Ansprüchen ernst nehmen und auf der Suche nach geeigneten Investments kompetent begleiten.

Ethische Investments - eine große Bandbreite

Beratung ist wichtig, weil der Markt für nachhaltige Geldanlagen inzwischen ausgesprochen vielfältig ist. Es gibt mittlerweile für nahezu alle herkömmlichen Produkte einen grünen bzw. sozialen Doppelgänger: Aktien, Rentenpapiere, Anleihen, Sparbücher, Fonds und vieles mehr. Mit den verschiedenen Anlageformen sind unterschiedliche Risikoklassen verbunden. Je nach Risikoneigung und Situation muss man aus der Vielfalt an Produkten die passende Kombi wählen. Die einfachste und auch verbreitetste Möglichkeit, nachhaltig zu investieren, sind Nachhaltigkeitsfonds. Sie nehmen Anlegern die Aufgabe ab, sich selbst mit Aktien zu beschäftigen und mühsam die Nachhaltigkeit einzelner Papiere zu prüfen.

Studie: Deutsche haben wenig Ahnung von nachhaltigen Geldanlagen

Aber deutsche Privatanleger/innen kennen sich anscheinend nur unzureichend mit nachhaltigen Investments aus. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) in Auftrag gegebene repräsentative Studie. Das Thema Nachhaltigkeit spielt demnach in der Finanzbranche zwar eine immer größere Rolle. Auch geben immer mehr Anleger/innen geben an, ihnen seien nachhaltige Aspekte bei der Geldanlage wichtig. Was genau unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist, wissen aber offensichtlich nur die wenigsten. In der DIA-Studie konnten lediglich 14 Prozent der Befragten den Begriff „nachhaltige Kapitalanlage“ inhaltlich korrekt definieren. 48 Prozent kannten den Begriff nicht einmal.

Laut DIA steigt das Wissen um nachhaltige Investments mit dem Vermögen: Rund 37 Prozent der Befragten mit einem Vermögen von mindestens 150.000 Euro konnten den Begriff „nachhaltige Kapitalanlage“ richtig definieren. Von den Menschen mit einem Vermögen von weniger als 5.000 Euro bezeichneten 51 Prozent ihren Kenntnisstand beim Thema nachhaltige Geldanlage als schlecht.

 

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