Windenergie und Kohle – auch in vielen ETFs findet man noch beides zusammen. Manchmal sogar dann, wenn es eigentlich um Grünstrom-Aktien gehen soll. / Foto: Pixabay

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Schon 50 ETFs im Test: Autsch! So wenig grün sind die neuen Lieblinge der Finanzbranche

Bereits 50 ETFs hat ECOreporter für Sie getestet – eine komplette Übersicht finden Sie unter diesem Artikel. Meist fiel das Ergebnis ernüchternd aus. Denn in angeblich grünen ETFs stecken oft Aktien von Unternehmen, die nachhaltigen Anlegerinnen und Anlegern Bauchschmerzen bereiten dürften. Einige zumindest eingeschränkt empfehlenswerte Kandidaten gibt es aber. Ein Überblick.

Eine Liste mit allen bislang von ECOreporter getesteten ETFs finden Sie unter diesem Artikel oder indem Sie auf diesen Link klicken!

Kohlekonzerne, Ölmultis, Fluglinien, Kreuzfahrtanbieter – diese Klimasünder finden sich in nachhaltigen ETFs. Nicht nur in einigen wenigen, sondern in vielen. Das liegt auch an dem System, mit dem die Indexanbieter ihre Aktienauswahl treffen. In der Regel funktioniert es so: Die Anbieter nehmen einen ganz konventionellen Börsenindex mit vielen Aktien. Dann filtern sie nach bestimmten Kriterien aus diesen oft tausenden von Aktien die nachhaltigsten 25 oder 50 Prozent jeder Branche heraus. Oder auch mal 80 Prozent. "Best-in-Class“ nennt sich das. Das ergibt dann den nachhaltigen Index, und der ist die Grundlage des ETF. Damit landen dann also auch Aktien aus Branchen, die überhaupt nicht nachhaltig sind (Öl, Kohle, Atomenergie, Rüstung), im grünen Index. Mit der Begründung, dass es immerhin die am wenigsten schädlichen einer nicht-nachhaltigen Branche sind. Ob das die Welt nachhaltiger macht, darf bezweifelt werden.

Geiz ist geil?

Zwar arbeiten auch viele nachhaltige Fonds nach dem Best-in-Class-Prinzip. Sie haben allerdings in aller Regel noch einen Beirat, der auf die Aktienauswahl schaut. Nachhaltigkeitsbeiräte und andere Gremien kosten jedoch Geld, und hier geizen die ETFs. Es geht ja um ihren Ruf, günstige Gebühren zu verlangen. Etliche nachhaltige Fonds treten zudem in Dialog mit Unternehmen und drängen auf mehr Nachhaltigkeit. Oder sie veröffentlichen es, wenn sie Aktien verkaufen, weil diese Nachhaltigkeitsvorgaben nicht erfüllen. Das schafft Öffentlichkeit und setzt Firmen unter Druck. All das fehlt bei nachhaltigen ETFs.

ETFs sind in der Finanzbranche und auch bei vielen Anlegerinnen und Anlegern vor allem wegen ihrer niedrigen Kosten beliebt (siehe Kasten). Verbraucherschützer und Finanzportale empfehlen ETFs als Altersvorsorge. Besonders stark steigt die Nachfrage nach nachhaltigen ETFs: Ende 2019 steckten in Europa bereits 140 Milliarden Euro in diesen Produkten. Das ist mehr als ein Sechstel des gesamten europäischen ETF-Marktes.

Mit der Nachfrage steigt auch das Angebot: Jede Woche starten neue ETFs, die mit dem Etikett „nachhaltig“ beworben werden. Um die Kosten niedrig zu halten, wird meist an dem gespart, was gute aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds auszeichnet: Nachhaltigkeitsgremien, die auf die Aktienauswahl schauen. Dialoge mit Unternehmen, wenn es Probleme mit deren Nachhaltigkeit gibt. ETFs informieren für gewöhnlich auch nicht darüber, wenn sie Aktien verkaufen, weil diese Nachhaltigkeitsvorgaben nicht erfüllen.

Zwischenfazit im Juli 2021 – wenig Empfehlenswertes

ECOreporter hat in Anlehnung an seine ECOfondstests ein Testverfahren für nachhaltige ETFs entwickelt. Wertentwicklung, Kosten, Transparenz, die Nachhaltigkeit der Unternehmen im ETF – all das bewertet die Redaktion. Am Ende stehen Noten. Und an denen können Sie sofort erkennen, ob ein ETF tiefgrün, hellgrün oder doch eher so schwarz wie Kohle und Öl ist.

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ETFs – eine kleine Einführung

ETF steht für Exchange-Traded-Fund, auf deutsch: börsengehandelter Fonds. ETFs kauft man also einfach an der Börse, und zwar ohne den bei den meisten Fonds üblichen Ausgabeaufschlag. ETFs investieren in der Regel in einen Aktienindex, beispielsweise in den DAX, den Dow Jones oder einen der mittlerweile tausenden anderen Indizes. Ändert sich der Aktienindex, wechselt computergesteuert die ETF-Zusammensetzung. Also automatisch, ohne Fondsmanager. Das ist billiger. Daher sind ETFs bei der Jahresgebühr meist deutlich günstiger als Fonds.

ETFs sind aber wie normale Fonds auch "Sondervermögen“. Selbst wenn die Investmentgesellschaft pleitegeht, das Geld der Fondsanlegerinnen und -anleger ist geschützt. Allerdings nicht vor Kursverlusten – die können vorkommen. Doch es wird so gut wie nie vorkommen, dass sämtliche Aktien eines ETF wertlos werden.

Echte Aktien oder Luftnummer?

Anlegerinnen und Anleger sollten darauf achten, dass sie in ETFs investieren, die ihren Index wirklich nachbilden und dessen Aktien kaufen. Das nennt sich „physische Replikation“. Es gibt viele andere sogenannte „synthetische“ ETFs, die den Anlegerinnen und Anlegern nur die Wertentwicklung eines Index bieten, aber die Aktien nicht erwerben. Luftnummern also. ECOreporter-Meinung zu dieser Unterart: Finger weg.

ETFs und Indexfonds: ein feiner Unterschied

ETFs werden oft auch als Indexfonds bezeichnet. Ganz gleich sind die beiden Produktarten aber nicht. Denn ETFs kann man zu den Börsenhandelszeiten kaufen und verkaufen, Indexfonds werden gar nicht an einer Börse gehandelt. Wie bei aktiven Anlagefonds kauft oder verkauft man sie nur einmal täglich über den Fondsanbieter – zum sogenannten Nettoinventarwert, also zum Schlusskurs aller Aktien. Positiv: Indexfonds enthalten immer die Aktien selbst, das ist die oben genannte „physische Replikation“.

Was man bei dem Indexfonds allerdings wissen muss: Hinter Warburg Invest steht die Hamburger Privatbank M. M. Warburg. Und die ist, wie andere ETF-Anbieter auch,  verwickelt in die sogenannten Cum-Ex-Geschäfte. Bei denen hatten sich Banken und andere Investoren vom Finanzamt Steuern erstatten lassen, die zuvor gar nicht bezahlt worden waren. Das Landgericht Bonn verurteilte Warburg im März 2020, etwa 170 Millionen Euro zu Unrecht kassierte Steuern zurückzuzahlen. Warburg hat Revision eingelegt. Die nachhaltige Steyler Bank aus Sankt Augustin lässt wegen der Affäre .

Auch der  erhielt ursprünglich eine gute Nachhaltigkeitsnote. Mittlerweile enthält der ETF aber auch Betreiber von Kohle- und Atomkraftwerken.

BlackRock als Mutter des ETF-Anbieters iShares ist aber ebenfalls einen genaueren Blick wert: Es ist der weltgrößte Vermögensverwalter und größte Anbieter von ETFs und Indexfonds. Der Geldriese bemüht sich um ein positives Nachhaltigkeits-Image. Aber immer noch steckt ein bedeutender Anteil der von BlackRock verwalteten Gelder in Öl-, Gas- und Kohleinvestments.

Aus nachhaltiger Sicht ordentlich ist auch noch der Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit, ebenfalls mit der Nachhaltigkeitsnote 2,7. Die Deka ist das Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen. Beim Test fiel der Wertzuwachs des ETFs über fünf Jahre mit knapp 18 Prozent aber mager aus. Aktuell steht er besser da (siehe Tabelle).

Die besten bislang getesteten ETFs, sortiert nach der Nachhaltigkeitsnote:

ETF-Name/TestzeitpunktWKNTestnote NachhaltigkeitJahresgebühr in %Wertentwicklung 1 Jahr in % (Stand 21.7.2021)
Warburg Invest Global Challenges Indexfonds-Anteilklasse P / 7/2020A1T7562,31,25

19,2

Nur an der Börse Hamburg gehandelt

Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit ETF / 6/2020ETFL472,70,41

28,3

Aktueller Kurs

Xtrackers MSCI Europe ESG UCITS ETF / 3/2021A2JHSG3,00,20

20,7

Aktueller Kurs

BNP Paribas Easy MSCI Japan SRI S-Series 5% Capped / 7/2021A2JFSV3,30,30

13,8

Aktueller Kurs

UBS ETF (LU) MSCI USA Socially Responsible / 3/2021A14YUN3,70,25

33,8

Aktueller Kurs

UBS ETF (LU) MSCI EMU Socially Responsible / 3/2021A1JA1T3,70,22

65,0

Aktueller Kurs

UBS (Lux) Fund Solutions – MSCI Pacific Socially Responsible / 5/2021A1JA1U3,70,40

14,0

Aktueller Kurs

BNP Paribas Easy MSCI Europe SRI S-Series 5% Capped / 6/2021A2JFSU3,70,30

19,8

Aktueller Kurs

Invesco MSCI Europe ESG Leaders Catholic Principles / 6/2021A0PGVT 3,70,30

25,9

Aktueller Kurs

AMUNDI INDEX MSCI Emerging Markets SRI UCITS ETF /7/2021A2JSDD3,70,25

32,0

Aktueller Kurs

Etwas besser schneiden mittlerweile ETFs ab, die Indizes des US-Finanzdienstleisters MSCI aus der Kategorie "Socially Responsible Investment Low Carbon Select" oder auch "Filtered ex Fossil Fuels" nachbilden, übersetzt etwa: "Nachhaltig investieren mit ausgewählt wenig Kohlenstoffemissionen". Bei diesen müssen Unternehmen nicht nur zum nachhaltigsten Viertel der Branche gehören, sondern es werden auch weitreichende Ausschlusskriterien für fossile Brennstoffe formuliert. Weitreichend – aber nicht vollständig: Transport und Raffination von Öl bleiben erlaubt und sind meist auch vertreten.

Sogar auf eine glatte 3,0 bei der Nachhaltigkeit kommt der Xtrackers MSCI Europe ESG ETF. Auch er bildet einen SRI Low Carbon-Index von MSCI nach, in diesem Fall auf ganz Europa, nicht nur die Eurozone. Das bessere Abschneiden liegt hier am Anbieter Xtrackers, einer Tochter der Fondsgesellschaft DWS, die zur Deutschen Bank gehört. Xtrackers nutzt für Anlegerinnen und Anleger transparent nachprüfbar Stimmrechte, um Einfluss auf investierte Unternehmen zu nehmen, auch bei Nachhaltigkeitsthemen.

Insgesamt sind die ETFs aus der SRI-Kategorie mit der "Low Carbon" oder "Ex Carbon"-Ergänzung nichts Besonderes – aber genug, um unter ETFs bereits hervorzustechen. Sollte in Zukunft beim Ausschluss fossiler Brennstoffe noch ein wenig nachgeschliffen werden, haben ETFs auf diese Index-Kategorie definitiv noch Potenzial. Ihnen kann also zumindest attestiert werden, auf dem richtigen Weg zu sein und eine Option für nachhaltige Anlegerinnen und Anleger mit geringen Ansprüchen darzustellen.

Nachhaltigkeit: Oft Schall und Rauch

Ansonsten lautet das Zwischenfazit der Redaktion weiterhin: Autsch! Bis auf wenige Ausnahmen sind die bisher getesteten ETFs eine große Grünwäscherei. Wer hier investieren will, muss sehr genau hinsehen. Namenszusätze wie „Sustainability“, „ESG“ oder Ähnliches führen an wirklicher Nachhaltigkeit Interessierte oft in die Irre.


Auch Investitionen in Kreuzfahrt-Unternehmen gelten manchem ETF als nachhaltig. / Foto: imago images, Arnulf Hettrich

So investiert der L&G Europe ex UK Equity UCITS ETF nicht nur in Betreiber von Atom- und Kohlekraftwerken, sondern auch in Hersteller von Nuklearwaffen. Der UBS ETF S&P 500 ESG wählt als "Nachhaltigkeitsbeste" einfach 75 Prozent der US-amerikanischen Großkonzerne aus. Mit dabei: Erdöl, Glücksspiel, Fluglinien, Kreuzfahrtanbieter. Beide ETFs erhielten nach vielen "mangelhaften" Urteilen mit als Erste von ECOreporter die Bewertung "ungenügend". Sie blieben nicht die Einzigen.

Jüngstes Beispiel: der BNP Paribas Easy MSCI North America ex Controversial Weapons. Dessen Nachhaltigkeitskonzept erschöpft sich darin, "kontroverse Waffen" wie Anti-Personen-Minen oder Streumunition auszuschließen. Obwohl er in "normale" Rüstung und Waffenherstellung genauso investiert wie in Kohlestrom, Atomkraft und Erdölförderung, ist er ein „Angebot, um auf verantwortliche Weise zu investieren“. Zumindest laut dem Anbieter BNP Paribas Easy, einer Tochter der französischen Großbank BNP Paribas. Das lässt nur den Schluss zu, dass es hier darum geht, unerfahrene Anlegerinnen und Anleger zu ködern.

ECOreporter wird weiter testen – und darauf hoffen, dass die Branche schnell lernt, was eine nachhaltige Welt braucht.

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ECOreporter-ETF-Tests in der Übersicht

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