Können ETFs, die in Rüstungskonzerne investieren, nachhaltig sein? / Foto: Fotolia

16.09.20 Fonds / ETF

Nachhaltige ETFs im Test: Wie grün sind die neuen Lieblinge der Finanzbranche?

ECOreporter hat ein Testverfahren für nachhaltige Aktien-ETFs entwickelt und veröffentlicht ab sofort regelmäßig ETF-Tests. Besonders genau schaut die Redaktion bei der Nachhaltigkeit hin. Denn in angeblich grünen ETFs stecken oft Aktien von Unternehmen, die nachhaltigen Anlegern Bauchschmerzen bereiten dürften.

Kohlekonzerne, Ölmultis, Fluglinien, Kreuzfahrtanbieter – diese Klimasünder finden sich in nachhaltigen ETFs. Nicht nur in einigen wenigen, sondern in vielen. Das liegt auch an dem System, mit dem die Indexanbieter ihre Aktienauswahl treffen. In der Regel funktioniert es so: Die Anbieter nehmen einen ganz konventionellen Börsenindex mit vielen Aktien. Dann filtern sie nach bestimmten Kriterien aus diesen oft tausenden von Aktien die nachhaltigsten 25 oder 50 Prozent jeder Branche heraus. Oder auch mal 80 Prozent. "Best-in-Class“ nennt sich das. Das ergibt dann den nachhaltigen Index, und der ist die Grundlage des ETF. Damit landen dann also auch Aktien aus Branchen, die überhaupt nicht nachhaltig sind (Öl, Kohle, Atomenergie, Rüstung), im grünen Index. Mit der Begründung, dass es immerhin die am wenigsten schädlichen einer nicht-nachhaltigen Branche sind. Ob das die Welt nachhaltiger macht, darf bezweifelt werden.

Geiz ist geil?

Zwar arbeiten auch viele nachhaltige Fonds nach dem Best-in-Class-Prinzip. Sie haben allerdings in aller Regel noch einen Beirat, der auf die Aktienauswahl schaut. Nachhaltigkeitsbeiräte und andere Gremien kosten jedoch Geld, und hier geizen die ETFs. Es geht ja um ihren Ruf, günstige Gebühren zu verlangen. Etliche nachhaltige Fonds treten zudem in Dialog mit Unternehmen und drängen auf mehr Nachhaltigkeit. Oder sie veröffentlichen es, wenn sie Aktien verkaufen, weil diese Nachhaltigkeitsvorgaben nicht erfüllen. Das schafft Öffentlichkeit und setzt Firmen unter Druck. All das fehlt bei nachhaltigen ETFs.

ETFs sind in der Finanzbranche und auch bei vielen Anlegern vor allem wegen ihrer niedrigen Kosten beliebt (siehe Kasten). Verbraucherschützer und Finanzportale empfehlen ETFs als Altersvorsorge. Besonders stark steigt die Nachfrage nach nachhaltigen ETFs: Ende 2019 steckten in Europa bereits 140 Milliarden Euro in diesen Produkten. Das ist mehr als ein Sechstel des gesamten europäischen ETF-Marktes.

Mit der Nachfrage steigt auch das Angebot: Jede Woche starten neue ETFs, die mit dem Etikett „nachhaltig“ beworben werden. Um die Kosten niedrig zu halten, wird meist an dem gespart, was gute aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds auszeichnet: Nachhaltigkeitsgremien, die auf die Aktienauswahl schauen. Dialoge mit Unternehmen, wenn es Probleme mit deren Nachhaltigkeit gibt. ETFs informieren für gewöhnlich auch nicht darüber, wenn sie Aktien verkaufen, weil diese Nachhaltigkeitsvorgaben nicht erfüllen.

ETFs und Indexfonds: Der feine Unterschied

Oft werden die Begriffe ETF und Indexfonds synonym benutzt, das ist allerdings nicht korrekt. Der Hauptunterschied liegt in der Börsennotierung. ETF steht als Abkürzung für "Exchange Traded Funds", das bedeutet börsengehandelte Fonds. Man kann sie zu den Börsenhandelszeiten laufend kaufen und verkaufen. Indexfonds werden nicht an einer Börse gehandelt. Der Kauf und Verkauf ist wie bei aktiven Anlagefonds nur einmal täglich über den Fondsanbieter möglich.

Bei Indexfonds wird einmal täglich auf Basis der Schlusskurse der Aktien der Nettoinventarwert festgestellt. Zu diesem Preis können Anleger von der Fondsgesellschaft die Anteile kaufen und an sie verkaufen. Noch ein Unterschied: Indexfonds enthalten immer die Aktien der Indizes, sind also, wie es so schön heißt, "physisch" (siehe Kasten).

Der ECOreporter-ETF-Test

ECOreporter hat in Anlehnung an seine ECOfondstests ein Testverfahren für nachhaltige ETFs entwickelt. Wertentwicklung, Kosten, Transparenz, die Nachhaltigkeit der Unternehmen im ETF – all das bewertet die Redaktion. Am Ende stehen Noten. Und an denen können Sie sofort erkennen, ob ein ETF tiefgrün, hellgrün oder doch eher so schwarz wie Kohle und Öl ist.

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.


Übersicht: Alle bisher getesteten ETFs

29.09.20
 >
29.09.20
 >
21.09.20
 >
15.09.20
 >
10.09.20
 >
03.09.20
 >
27.08.20
 >
20.08.20
 >
19.08.20
 >
03.08.20
 >
17.07.20
 >
10.07.20
 >
03.07.20
 >

ETFs – eine kleine Einführung

ETFs, Exchange Traded Funds, bilden die Wertentwicklung eines Börsenindex ab. Daher nennt man sie auch Indexfonds. Beispielsweise gibt es ETFs auf den Deutschen Aktienindex DAX: Steigt er um 3 Prozent, sollte auch der entsprechende ETF um 3 Prozent zulegen. Denn der ETF sollte alle die Aktien beinhalten, die sich im DAX befinden. Wer einen Index auf diese Weise nachbaut, benötigt weder Fondsmanager noch ein Analyse-Team, das über die Aktienauswahl nachdenkt. Das wirkt sich auf die Kosten aus. Daher sind ETFs bei der Jahresgebühr meist deutlich günstiger als Fonds.

ETFs sind aber wie normale Fonds auch "Sondervermögen“. Selbst wenn die Investmentgesellschaft pleitegeht, das Geld der Fondsanleger ist geschützt. Allerdings nicht vor Kursverlusten – die können vorkommen.

Anleger sollten darauf achten, dass sie in ETFs investieren, die ihren Index wirklich nachbilden und dessen Aktien kaufen. Das nennt sich "physische Replikation“. Es gibt viele andere sogenannte synthetische ETFs, die den Anlegern nur die Wertentwicklung eines Index bieten, aber die Aktien nicht erwerben. Luftnummern also. ECOreporter-Meinung zu dieser Unterart: Finger weg.

 

Verwandte Artikel

03.07.20
ETF-Test: UBS ETF MSCI World Socially Responsible ETF
 >
23.06.20
Im Test: Wie nachhaltig ist der Aktienfonds DPAM Invest B Equities World Sustainable?
 >
02.06.20
So bewertet ECOreporter: Zeugnisnoten für nachhaltige Fonds und ETFs
 >
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x