Im ETF finden sich durchaus grüne Aktien – wie der auf Wasserkraft spezialisierte österreichische Energieversorger Verbund. Doch es ist auch viel Platz etwa für Öl und Rüstung. / Foto: Verbund

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ETF-Test: Amundi Index MSCI Europe SRI UCITS ETF

Nachhaltige und insbesondere klimaschonende Investments verspricht dieser ETF. Wird der Amundi Index MSCI Europe SRI diesem Anspruch gerecht? Der ECOreporter-Test fällt ernüchternd aus.

Anbieter des ETFs ist der französische Vermögensverwalter Amundi, ein 2010 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen der französischen Großbanken Crédit Agricole und Société Générale. Sowohl Amundi als auch die beiden Banken investieren Kundengelder auch etwa in Öl, Kohle und Rüstung.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im September 2018. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine ECOreporter-Finanznote.

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung

Die Jahresgebühr von 0,18 Prozent ist auch für einen ETF überdurchschnittlich günstig.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 117 europäische Unternehmen und wendet dabei ein „Best-in-Class“-Verfahren in zwei Schritten an. Der ETF bildet einen Aktienindex des US-Finanzdienstleisters MSCI ab. Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammen ebenfalls von MSCI.

Zunächst müssen alle Unternehmen bei einer ESG-Bewertung eine bestimmte Mindestnote aufweisen, um für den ETF in Frage zu kommen. ESG steht für die Kriterien Umwelt (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Unter den verbliebenen Unternehmen wird dann in jeder Branche das nachhaltigste Viertel ausgewählt.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen aus, die 5 Prozent oder mehr ihres Umsatzes mit Tabak erzielen, mit Alkohol, Pornografie, Glücksspiel, Gentechnik oder der Produktion von Waffen, militärisch wie zivil. Vollständig ausgeschlossen sind die Förderung von fossilen Brennstoffen und Unternehmen mit nachweisbarer Verbindung zur Produktion kontroverser Waffen (etwa Streumunition oder Nuklearwaffen).

Erlaubt ist hingegen die Stromerzeugung aus Atomkraft oder Kohle, wenn der Gesamtumsatz damit 5 Prozent nicht übersteigt. Bei der Energieerzeugung aus Öl und Gas liegt die Grenze sogar erst bei 30 Prozent.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert in Aktien der Ölkonzerne Neste aus Finnland und Royal Vopak aus den Niederlanden. Beide fördern selbst kein Öl und verstoßen somit nicht gegen die Kriterien des ETFs. Aber sie stellen z.B. Treibstoff aus Öl her.

Ebenfalls im ETF vertreten sind der niederländisch-britische Industriekonzern CNH Industrial und der französische Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric. CNH entwickelt und produziert über eine Tochterfirma Kampffahrzeuge, etwa Schützenpanzer. Schneider Electric stattet neben weiteren Leistungen für das Militär Kriegsschiffe mit technischen Systemen aus, etwa für den Raketenabschuss. In beiden Fällen liegt der Umfang der Geschäfte unter der Umsatzschwelle von 5 Prozent, daher liegt auch hier kein Verstoß gegen die ETF-Kriterien vor. Nichtsdestotrotz handelt es sich um Rüstungsgeschäfte, die nachhaltige Anlegerinnen und Anleger als kritisch empfinden können.

Mehrere im ETF vertretene Unternehmen (Akzo Nobel, Wärtsilä u.a.) sind in geringem Umfang als Zulieferer auch für Militär und Nuklearindustrie aktiv, dabei geht es etwa um technische Komponenten oder IT-Systeme.

Der Pharmakonzern Merck (Darmstadt), der Lebensmittelproduzent Danone (Frankreich) und andere Unternehmen im ETF führen gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche durch.

Immerhin, der ETF investiert auch in den dänischen Windturbinenbauer Vestas. Daneben finden sich im ETF auch etliche normale mittlere und große europäische Unternehmen, viele mit guter bis sehr guter Nachhaltigkeitsbilanz: etwa der schwedische Hygienekonzern Essity, der Walldorfer IT-Riese SAP und der österreichische Energieversorger Verbund (Schwerpunkt: Wasserkraft). Kritischer sehen kann man etwa den Sportartikelhersteller Adidas aus Herzogenaurach oder den Münchner Versicherer und Vermögensverwalter Allianz, der immer noch Geschäfte mit der Kohleindustrie macht.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind auf der Website von Amundi knapp dargestellt. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlprinzip des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien im ETF finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Amundi übt nach eigenen Angaben Stimmrechte bei Hauptversammlungen aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Sehr günstige Gebühren
  • Investments in viele nachhaltige Unternehmen

Schwächen:

  • Ausschlussverfahren mit Schlupflöchern
  • Investments in Ölgeschäfte
  • Investments in Rüstung und Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie

Fazit

Kohle und Atomstrom theoretisch zugelassen, Rüstung schon drin: Für ein nachhaltiges Investment lässt dieser ETF zu viele Schlupflöcher, auch wenn er aktuell nicht alle ausnutzt. Kompromissbereite nachhaltige Anlegerinnen und Anleger finden für Investments in Europa auch unter ETFs bessere Alternativen. Orientierungshilfe gibt die ECOreporter-Übersicht.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 4,3

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 13.8.2021

Stichtag des Tests Finanzen: 13.8.2021

Name des ETFs: Amundi Index MSCI Europe SRI UCITS ETF DR (C)

ISIN: LU1861137484 / WKN:  A2JSDC

Nachgebildeter Index: MSCI Europe SRI Filtered ex Fossil Fuels

Start des ETFs: 11.09.2018

Jährliche Gebühren: 0,18 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 2,7 Milliarden Euro (8/2021)

Internet: www.amundietf.de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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