IT-Konzerne wie die Google-Mutter Alphabet dominieren diesen ETF. / Foto: Pixabay

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ETF-Test: iShares MSCI USA ESG Enhanced UCITS ETF

Investments in mittlere und große Unternehmen aus den USA unter besonderer Berücksichtigung von deren Emissionen und Klimastrategie – das ist das Konzept des iShares MSCI USA ESG Enhanced ETF. Doch kann dessen Nachhaltigkeitsstrategie wirklich überzeugen? Und wie hat der ETF sich finanziell entwickelt?

Anbieter des ETFs ist iShares, eine Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock aus den USA. Dieser bemüht sich um ein nachhaltiges Image. Aber immer noch steckt ein bedeutender Anteil des von BlackRock verwalteten Geldes in Öl-, Gas- und Kohleinvestments.

Finanzen / Risiko

Der iShares MSCI USA ESG Enhanced ETF startete im März 2019. Auf ein Jahr gesehen ist er 13,3 Prozent im Plus, der weltweite Aktienindex MSCI World hat in der gleichen Zeit 10,2 Prozent an Wert gewonnen. Auf Sicht von drei Jahren konnte der ETF 60,5 Prozent zulegen (MSCI World: 45,7 Prozent).

Die Jahresgebühren sind mit 0,07 Prozent auch für einen ETF sehr günstig, dafür schwankt der Kurs stark. ECOreporter empfiehlt daher eine Haltedauer von mindestens sieben, besser zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 577 mittlere und große Unternehmen aus den USA. Er soll eine "ESG Enhanced", also eine "ESG-verbesserte" Version des Aktienindex MSCI USA darstellen. ESG steht für die Leistung in den Bereichen Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance).

Allerdings gibt es keine konkreten Ansprüche an die ESG-Leistung wie etwa eine Mindestbewertung durch eine Nachhaltigkeits-Ratingagentur. Stattdessen legt der ETF nach einem Best-in-Class-Verfahren an, das sich am CO2-Ausstoß von Unternehmen orientiert. Davon, dass der ETF "die Besten" auswählt, kann aber keine Rede sein: Die Unternehmen, in die der ETF investiert, dürfen 70 Prozent des CO2-Ausstoßes einer Vergleichsgruppe aufweisen. Zudem sollen insbesondere "Unternehmen mit glaubwürdigen Kohlenstoffreduktionszielen" ausgewählt werden. Hier nennt der ETF aber keine überprüfbaren Kriterien, an denen er das festmachen will.

Mit dieser Methode bildet der ETF einen Index des US-Finanzdienstleisters MSCI nach. Die Bewertung der Unternehmen, inklusive Einschätzung des CO2-Ausstoßes, stammt ebenfalls von MSCI.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die Umsätze mit Tabak, kontroversen Waffen (beispielsweise Landminen oder Streumunition) und unkonventioneller Ölförderung, etwa durch Fracking, erzielen. Einschränkungen gibt es zudem für die Erzeugung von Kohlestrom, hier dürfen die Umsätze eine Schwelle von 5 Prozent nicht überschreiten.

Damit bleibt für Kohlestrom also ein Schlupfloch. Erlaubt sind für den ETF etwa Atomkraft, konventionelle Ölförderung und Rüstung. Eine detaillierte Liste der Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert in die Energiekonzerne Exelon, Entergy, Public Service Enterprise und NextEra Energy. Alle vier betreiben Atomkraftwerke, Entergy produziert auch Kohlestrom. Entergys Umsätze aus Kohlestrom bleiben laut Geschäftsbericht aber unter der kritischen Grenze von 5 Prozent.

Im Aktienpaket finden sich außerdem eine Reihe von Öl- und Gaskonzernen, etwa Schlumberger, Oneok, Halliburton und Phillips 66. Diese verstoßen aber nicht gegen die ETF-Regeln bezüglich unkonventioneller Förderung.

Weiter hält der ETF auch Anteile an Finanzkonzernen (u.a. BlackRock, The Carlyle Group, JPMorgan Chase), die Geschäfte mit fossiler Energie und Rüstung finanzieren. Zudem sind Unternehmen vertreten (u.a. Ball Corporation, Howmet Aerospace, Caterpillar), die in geringem Umfang als Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie aktiv sind.

Weiter finden sich im ETF Aktien aus den Geschäftsbereichen Kreuzfahrten (Carnival, Royal Caribbean, Walt Disney), Glücksspiel (u.a. Caesars Entertainment, Las Vegas Sands, MGM Resorts International) und Alkoholherstellung (Constellation Brands, Brown-Forman, Molson Coors Beverage).

Doch was ist mit den „glaubwürdigen Kohlenstoffreduktionszielen“? Eine Möglichkeit für Unternehmen, solche nachzuweisen, ist, ihre Klimastrategie durch die Science Based Targets Initiative (SBTi) überprüfen lassen. Die SBTi ist ein Zusammenschluss globaler Organisationen wie dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dem Carbon Disclosure Project (CDP), das sich für mehr Transparenz bei Umweltdaten von Unternehmen und auch Kommunen einsetzt.

Die SBTi ist eine anerkannte Autorität, wenn es darum geht zu überprüfen, ob die Umweltziele von Unternehmen mit dem Ziel einer maximalen Klimaerwärmung um 1,5 Grad übereinstimmen. Die Mehrzahl der kritischen Unternehmen in diesem ETF ist bei der SBTi allerdings nicht geführt.

Der ETF investiert insgesamt sehr konventionell. Zu den größten Positionen gehören die IT-Konzerne Apple, Microsoft und die Google-Mutter Alphabet, dazu kommen der Elektroautobauer Tesla, die Baumarktkette Home Depot und der Getränkehersteller Pepsico. Der IT-Sektor dominiert mit einem Anteil von 30 Prozent das Aktienpaket.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht alle aktuellen Aktienpositionen des ETFs. In den Unterlagen zum ETF wird das Auswahlverfahren vollständig beschrieben. Auf der Internetseite des Indexanbieters MSCI erfahren Anlegerinnen und Anleger mehr über das Auswahlprinzip des nachgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der investierten Unternehmen finden sich in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

BlackRock als Mutter des Anbieters iShares übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden in den ETF-Unterlagen aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Niedrige Gebühren
  • Breite Aktienstreuung

Schwächen:

  • Sehr schwaches Auswahlverfahren
  • Investitionen in Öl und Kohle
  • Investitionen in Atomkraft
  • Investitionen in Zulieferer für Militär und Nuklearindustrie
  • Investitionen in viele Unternehmen mit kontroversen Geschäftsfeldern


Fazit

Ein typischer Fall von Greenwashing: Die „ESG-Verbesserung“ im Namen des ETFs ist hier ein bisschen Nachhaltigkeits-Kosmetik. Das Auswahlverfahren ist schwach, und die Ausschlüsse sind lückenhaft, gerade bei fossiler Energie. Zudem ist das angebliche Engagement in Transformationsunternehmen nicht nachvollziehbar.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: 2,0

Nachhaltigkeit: 6,0

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

Geächtete Waffen

Nuklearwaffen

Herstellung von Schusswaffen oder Munition für den zivilen Markt

Herstellung von Tabakprodukten

Unternehmen, die gegen den UN Global Compact verstoßen

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

Vertrieb von Schusswaffen oder Munition für den zivilen Markt (5%)

Herstellung von Schusswaffen für den nicht-zivilen Markt (5%)

Vertrieb von Schusswaffen, Waffensystemen und Dienstleistungen für Waffen für den nicht zivilen Markt (10%)

Vertrieb von Tabakprodukten (5%)

Kohlebergbau (5%)

Stromerzeugung aus Kohle (5%)

Unkonventionelle Öl- und Gasförderung (Ölsand, Schiefergas, Bohrungen in der Arktis) (5%)

Daten und Fakten

Stichtag des Tests: 15.3.2022

Name des ETFs: iShares MSCI USA ESG Enhanced UCITS ETF

ISIN: IE00BHZPJ890 / WKN: A2PDNU

Nachgebildeter Index: MSCI USA ESG Enhanced Focus CTB Index

Start des ETFs: 6.3.2019

Jährliche Gebühren: 0,07 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 4,7 Milliarden US-Dollar (3/2022)

Internet: www.ishares.com/de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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