Der Amundi-ETF will ein nachhaltiges Vorbild sein und investiert dennoch in Öl- und Gaskonzerne wie Phillips 66 - passt das zusammen? / Foto: imago images, Rich Graessle

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ETF-Test: Amundi MSCI USA ESG Leaders ETF

Ein ETF, der verspricht, in besonders nachhaltige US-Aktien anzulegen. Hält der Amundi MSCI ESG Leaders ETF das Versprechen? Zweifel sind angebracht.

Anbieter des ETFs ist der Finanzkonzern Amundi, eine Tochter der französischen Großbank Crédit Agricole. Mit der Übernahme des ebenfalls französischen Konkurrenten Lyxor wurde Amundi 2021 zum zweitgrößten ETF-Anbieter Europas. Amundi investiert Geld seiner Kundinnen und Kunden auch in nicht-nachhaltige ETFs, die in Öl, Kohle und Rüstung anlegen.

Finanzen/Risiko

Der Amundi MSCI ESG Leaders ETF startete im März 2020. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine ECOreporter-Finanznote.

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung

Die Jahresgebühr von 0,15 Prozent ist auch für einen ETF überdurchschnittlich günstig. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens fünf, besser sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Ein „Leader“ ist übersetzt ein Anführer oder auch Vorbild. Der Name „ESG Leaders“ lässt demnach annehmen, dass dieser ETF in Unternehmen investieren soll, die besonders gut bei den ESG-Nachhaltigkeitskriterien dastehen. ESG steht für die Bereiche Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (G wie Governance).

Tatsächlich aber wendet der ETF bei der Auswahl seiner Aktien lediglich ein schwaches „Best-in-Class“-Verfahren an: Um zu den "Besten" zu zählen, reicht es schon, wenn ein Unternehmen in seiner Branche zur besseren Hälfte gehört. Mit anderen Worten: Was hier als „Beste“ gilt, ist vielfach Mittelmaß. Der ETF enthält aktuell 290 Aktien von US-Unternehmen. Er bildet einen Aktienindex des US-Finanzdienstleisters MSCI ab. Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammen ebenfalls von MSCI.

Ausschlusskriterien

Vollständig tabu für den ETF sind Investments in Unternehmen mit Verbindung zu geächteten Waffen (beispielsweise Landminen und Streumunition) und Nuklearwaffen. Auch die Förderung von Kraftwerkskohle und die unkonventionelle Gewinnung von Öl und Gas (etwa durch Fracking) werden ausgeschlossen, nicht aber konventionelle Öl- und Gasförderung.

Bis zu bestimmten Umsatzanteilen sind den Unternehmen im ETF Geschäfte mit der Erzeugung von Kohle- und Atomstrom erlaubt, zudem mit Tabak, Alkohol, Glücksspiel und konventionellen Waffen.

Im Premium-Bereich dieses Tests finden Sie unter anderem die vollständige Liste der Ausschlusskriterien und eine ausführliche Einschätzung zur Nachhaltigkeit des ETFs.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der Amundi MSCI ESG Leaders ETF investiert in zahlreiche Erdölausrüster und Pipelinebetreiber, etwa Kinder Morgan, Baker Hughes und Halliburton. Halliburton war wesentlich an den Arbeiten auf der Bohrinsel Deepwater Horizon beteiligt, deren Explosion 2010 eine Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auslöste. Der Konzern bekannte sich 2013 schuldig, Beweise zur Aufklärung der Katastrophe vernichtet zu haben.

Ebenfalls im ETF vertreten sind die Ölraffineriebetreiber Phillips 66, Marathon Petroleum, Valero Energy und HF Sinclair. Valero betreibt zudem Öl- und Gaskraftwerke. Die Geschäfte verstoßen nicht gegen die Ausschlusskriterien des ETFs.

Die Fahrzeughersteller Caterpillar und Cummins stellen Motoren unter anderem für militärische Kampffahrzeuge her. Darunter sind auch Fahrzeuge, die mit ihren Waffensystemen Streumunition verschießen können. MSCI bewertet das nicht als eine direkte Beziehung zu Geschäften mit geächteten Waffen, deshalb ist ein Investment des ETFs in die Caterpillar-Aktie formal zulässig.

Der ETF investiert grundsätzlich sehr konventionell. Unternehmen mit ordentlicher Nachhaltigkeitsbilanz im Aktienpaket sind etwa der Versicherer Aflac, der Netzwerkausrüster Cisco und der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Alle drei sind ECOreporter-Favoriten-Aktien der Kategorie Nachhaltige Dividendenkönige. Als kerngrün fällt kein Unternehmen im Aktienpaket auf.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Webseite. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien werden online von Amundi knapp dargestellt. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlverfahren des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien im ETF finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

In einem jährlich erscheinenden "Stewardship Report" (deutsch etwa "Bericht über wahrgenommene Verantwortung") dokumentiert Amundi sein Abstimmungsverhalten zu ESG-Themen auf den Hauptversammlungen von Aktienunternehmen. Dabei bietet Amundi eine Übersicht, an welchen Hauptversammlungen teilgenommen wurde, und nennt Beispiele, etwa wenn ein Vorstand wegen mangelhafter Nachhaltigkeitsziele nicht entlastet wurde. Die Übersicht ist allerdings sehr grob gehalten. Amundi macht keine Angaben zu Dialogen mit Unternehmen.

Stärken:

  • Sehr günstige Gebühren
  • Kein Kohle- oder Atomstrom

Schwächen:

  • Schwaches Aktienauswahlverfahren
  • Investments in Öl und Gas
  • Investments in Rüstung

Fazit

Dieser ETF hat kein überzeugendes Verfahren, nach dem er die Nachhaltigkeit seiner Aktien bewertet. Das Ergebnis: viele recht durchschnittliche Unternehmen und einige, deren Nachhaltigkeit sehr schwach ist. Beim gegenwärtigen Stand der Klimakatastrophe noch in Aktiengesellschaften zu investieren, die im Öl- oder Gasgeschäft tätig sind, und ein Finanzprodukt mit diesen Inhalten dann „ESG Leaders“ zu nennen – das ist, sagen wir mal vorsichtig: überraschend. Unsere Redaktion fühlte sich eher in die Irre geführt. Man kann es natürlich auch anders sehen: Wenn die Aktien in diesem ETF die „ESG Leaders“ sind, dann steht es noch wesentlich schlechter um die Nachhaltigkeit, als wir dachten.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 5,0

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Geächtete Waffen
  • Nuklearwaffen
  • Verstöße gegen den UN Global Compact

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Herstellung von zivilen Schusswaffen und Munition (5%)
  • Vertrieb von zivilen Schusswaffen und Munition (15%)
  • Herstellung konventioneller Waffen (10%)
  • Herstellung von Tabakprodukten (5%)
  • Vertrieb von Tabakprodukten (15%)
  • Herstellung von Alkohol (10%)
  • Glücksspiel-Angebote (10%)
  • Nuklearenergie (Erzeugung/Service) (10%)
  • Kohlebergbau (5%)
  • Unkonventionelle Öl- und Gasförderung / Fracking (5%)
  • Stromerzeugung aus Kohle (5%)

Daten und Fakten

Stichtag des Tests: 20.1.2023

Name des ETFs: Amundi MSCI USA ESG Leaders Select UCITS ETF DR

ISIN IE000PEAJOT0 / WKN ETF108

Nachgebildeter Index: MSCI USA ESG Leaders Select 5% Issuer Capped Index (Total Return Index)

Start des ETFs: 10.3.2020

Jährliche Gebühren: 0,15 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 1,9 Milliarden US-Dollar (1/2023)

Internet: www.amundietf.de

Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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