Können anspruchsvolle nachhaltige Anlegerinnen und Anleger mit dem UmweltBank ETF - Global SDG Focus glücklich werden? / Foto: UmweltBank

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ETF-Test: Zeigt die UmweltBank, wie ein wirklich grüner ETF aussehen muss?

Die UmweltBank aus Nürnberg bringt ihren ersten ETF auf den Markt. Der UmweltBank UCITS ETF - Global SDG Focus wird nach strengen Nachhaltigkeitskriterien zusammengestellt und soll mit mehr als 1.000 Aktien ein grünes Basisinvestment bieten. Überzeugt das Anlagekonzept? ECOreporter hat den ETF eingehend geprüft.

Die UmweltBank ist ein ECOreporter-Aktien-Favorit aus der Kategorie Grüne Spezialwerte. Lesen Sie hier unser Unternehmensporträt. Die Bank setzt sich für ökologische Projekte ein und fördert den Umweltschutz, Investments etwa in fossile Energie oder Rüstung sind tabu. Dafür finanziert die UmweltBank beispielsweise Projekte in den Bereichen Sonnenenergie und Windkraft, Niedrigenergie-Bauweise oder ökologische Landwirtschaft.

Finanzen/Risiko

Der Börsenhandel des UmweltBank ETF - Global SDG Focus soll bis Mitte Juli starten. Bis 28. Juni (12 Uhr) können Anlegerinnen und Anleger den ETF für einen Stückpreis von 10 Euro pro Anteil über das Online-Banking der UmweltBank zeichnen.

Die vorgesehenen Jahresgebühren liegen mit 0,8 Prozent über dem Niveau vergleichbarer ETFs, sind aber immer noch günstig. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens fünf, besser sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der UmweltBank ETF - Global SDG Focus investiert weltweit in 1.128 kleine, mittelgroße und große Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Er bildet den Solactive UmweltBank Global Investable Universe SDG PAB Index nach, den der Frankfurter Dienstleister Solactive nach den Vorgaben der UmweltBank erstellt. Die Nachhaltigkeitsbewertungen stammen von der Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS ESG, einer Tochter der Deutschen Börse.

Der ETF legt in drei Schritten nach einem Best-in-Class-Verfahren an. Zunächst werden Aktien auf Basis von Ausschlusskriterien gefiltert. Im zweiten Schritt prüft Solactive die Unternehmen darauf, ob sie einen positiven Beitrag zu den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) leisten. Laut Anbieter werden "nur Unternehmen, die Umsätze mit Services oder Produkten machen, welche diese Ziele unterstützen, in den Index aufgenommen".

Als die aktuell fünf wichtigsten Nachhaltigkeitsziele nennt die UmweltBank „Gesundheit und Wohlergehen“, „bezahlbare saubere Energie“, „weniger Ungleichheit“, „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ und „Maßnahmen zum Klimaschutz“. Unternehmen benötigen einen bestimmten SDG-Score, um in den ETF aufgenommen zu werden.

Zuletzt muss die CO2-Intensität aller Aktien im ETF um die Hälfte niedriger sein als die des nicht nachhaltigen Ausgangsuniversums (Solactive GBS Global Investable Universe). Und die CO2-Intensität des ETFs muss jedes Jahr zudem um 7 Prozent sinken.

Ausschlusskriterien

Der ETF wendet eine Vielzahl von Ausschlüssen ohne Toleranzschwellen an. Komplett tabu sind beispielsweise Unternehmen, die an Geschäften jedweder Art mit geächteten oder konventionellen Waffen, der Förderung von Öl und Gas, Ölraffination, Gentechnik in der Landwirtschaft oder gefährlichen Pestiziden beteiligt sind oder die gegen den UN Global Compact verstoßen, also etwa Menschen- und Arbeitsrechte grob verletzen.

Auch alle Geschäftsbeziehungen mit der Atomindustrie sind untersagt, also nicht nur mit Stromproduzenten, sondern auch mit Unternehmen, die Komponenten und Dienstleistungen für Atomkraftwerke anbieten. Ebenso ausgeschlossen sind Massentierhaltung, Fischzucht in Aquakulturen, Pelzhandel, die Produktion von Alkohol oder Pornografie.

Unternehmen müssen bei der Energieerzeugung aus Öl und Gas außerdem unter einer Umsatzschwelle von 5 Prozent bleiben. Bei Kohlebergbau und Stromerzeugung aus Kohle liegt die Schwelle ebenso wie bei Dienstleistungen im Bereich Öl- und Gasförderung bei 1 Prozent, was praktisch einem kompletten Ausschluss gleichkommt. Eine vollständige Liste der Ausschlusskriterien finden Sie weiter unten.

So nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF

Der ETF enthält zahlreiche kerngrüne Investments wie die Erneuerbare-Energien-Konzerne Encavis, Energiekontor, First Solar oder Scatec. Auch unter den konventionelleren Unternehmen des ETFs finden sich diverse ECOreporter-Favoriten-Aktien, beispielsweise Aflac, American Water Works, Cisco und Stryker.

Stören können sich nachhaltige Anlegerinnen und Anleger an diversen chinesischen Unternehmen wie dem Immobilienentwickler Yuexiu Property, dem Windanlagenbauer Xinjiang Goldwind und dem Pharmakonzern Shenzhen Kangtai. Auch der saudi-arabische Telekommunikationsanbieter Saudi Telecom findet sich im ETF. Wie die UmweltBank gegenüber ECOreporter mitteilt, habe man bei diesen Aktien "einen wesentlich höheren SDG-Gesamtscore als Bedingung zur Inklusion in unseren Index festgelegt". Diese Kriterien würden auch dazu führen, dass in Schwellenländern etwa 94 Prozent aller Unternehmen ausgeschlossen werden, gegenüber 83 Prozent in Industrienationen.

Mit knapp 55 Prozent stammt der größte Teil der Firmen im ETF aus den USA, mit weitem Abstand folgen auf Platz zwei japanische Unternehmen mit ungefähr 8 Prozent. Von den zehn größten Positionen, zu denen etwa der Chipentwickler Nvidia, die Baumarktkette Home Depot und der Pharmakonzern Eli Lilly gehören, kommt nur der taiwanesische Halbleiterhersteller TSMC nicht aus den USA.

Transparenz

Nachhaltigkeitsansatz und Ausschlusskriterien werden auf der Seite der UmweltBank ausführlich beschrieben. Eine Liste aller aktuellen Aktien des ETFs finden Anlegerinnen und Anleger auf der Seite des Indexverwalters Solactive, auf die die UmweltBank gut sichtbar verlinkt. Aktuell gibt es auf der Webseite des ETFs noch keine Informationen zur Nachhaltigkeit der einzelnen Unternehmen, in die der ETF investiert. Entsprechende Angaben will die UmweltBank aber nach Aussage gegenüber ECOreporter "im Laufe des Jahres" öffentlich zur Verfügung stellen.

Nachhaltige Wirkung

Die UmweltBank nimmt Stimmrechte auf Hauptversammlungen grundsätzlich wahr. Für die Beteiligungen im ETF plant die Bank, einen Stimmrechtsdienstleister zu beauftragen und Informationen über das Stimmverhalten zu veröffentlichen. Die UmweltBank kontaktiert investierte Unternehmen bei Nachhaltigkeitsproblemen.

Stärken

  • Strenge Auswahlkriterien
  • Viele grüne Investments
  • Mit 1.128 Aktien breit aufgestellt

Schwächen

  • Keine


Fazit

Ein breit aufgestellter ETF, bei dem Anlegerinnen und Anleger praktisch keine Kompromisse machen müssen: Die UmweltBank zeigt, dass ein grünes Basisinvestment mit strengen Auswahlkriterien über einen ETF möglich ist. Finanziell lässt der UmweltBank-ETF sich noch nicht bewerten, bei der Nachhaltigkeit überzeugt er.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 1,7

Details zum Benotungssystem von ECOreporter erfahren Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Geächtete Waffen
  • Nuklearwaffen
  • Konventionelle Waffen/Rüstung
  • Förderung Öl/Gas
  • Ölraffination
  • Gentechnik in der Landwirtschaft
  • Giftige Pestizide
  • Stromerzeugung Atomkraft
  • Dienstleistungen Atomkraft
  • Massentierhaltung/Fischzucht
  • Pelze
  • Tierversuche für Kosmetik
  • Negativer Einfluss auf UN-Nachhaltigkeitsziele
  • Herstellung Tabakprodukte
  • Herstellung Pornografie
  • Produktion nicht-medizinisches Cannabis
  • Verstöße gegen den UN Global Compact

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Kohlebergbau (1%)
  • Stromerzeugung Kohle (1%)
  • Stromerzeugung Öl und Gas (5%)
  • Vertrieb/Dienstleistungen fossile Energieträger (1%)
  • Vertrieb/Dienstleistungen Tabakprodukte (2%)
  • Vertrieb Pornografie (2%)
  • Produktion/Vertrieb Alkohol (2%)
  • Vertrieb/Dienstleistungen nicht-medizinisches Cannabis (2%)

Daten und Fakten

Stichtag des Tests: 6.6.2024

Name des ETFs: UmweltBank UCITS ETF - Global SDG Focus

ISIN: LU2679277744 / WKN: A3EV2A

Nachgebildeter Index: Solactive UmweltBank Global Investable Universe SDG PAB Index NTR

Börsenstart des ETFs: voraussichtlich Mitte Juli 2024

Jährliche Gebühren: 0,80% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: noch unbekannt

Internet: www.umweltbank.de

Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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