In Cannabis-Medikamente investieren – eine grüne Geldanlage? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: Rize Medical Cannabis and Life Sciences ETF

Ein  nachhaltiges Investment – in Cannabis? In Drogen also? Nicht ganz: Beim Rize Medical Cannabis and Life Sciences ETF geht es ausschließlich um die medizinische Wirkung von Cannabis, nicht um den Freizeitrausch. ECOreporter hat das geprüft – und auch genau hingeschaut, wie nachhaltig der ETF sonst aufgestellt ist.

Anbieter des ETFs ist der britische Finanzdienstleister Rize ETF. Das Unternehmen wurde 2019 gegründet und ist nach eigenen Angaben Europas erster ausschließlich auf Themen-ETFs spezialisierter Anbieter. Rize verspricht zudem, dass alle angebotenen ETFs grundsätzlich unter Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien zusammengestellt sind. ECOreporter hat bei Rize keine nennenswerten Investments etwa in fossile Energieträger oder Rüstung festgestellt.

ECOreporter hatte den ETF im Februar 2022 das erste Mal getestet. Seitdem hat der ETF sich von zahlreichen Aktien getrennt.

Finanzen / Risiko

Der ETF wurde im Februar 2020 aufgelegt, seine Wertentwicklung ist deutlich unterdurchschnittlich. Auf ein Jahr gesehen ist er 38 Prozent im Minus, der weltweite Vergleichsindex MSCI World schwankte im selben Zeitraum zwar deutlich, bewegte sich mit einem Plus von 0,1 Prozent letztlich aber kaum. Auf drei Jahre verlor der ETF 35,9 Prozent an Wert, der MSCI World legte 22,5 Prozent zu.

Die Jahresgebühren sind mit 0,65 Prozent insgesamt zwar immer noch günstig, allerdings deutlich teurer als bei vergleichbaren ETFs. Hinzu kommen starke Wertschwankungen. Diese dürften vor allem an der geringen Streuung des ETFs liegen: Das Aktienpaket enthält gerade einmal 18 Positionen. Schon die 29 Aktien beim ersten Test des ETFs hatte ECOreporter als wenig kritisiert. Die Redaktion empfiehlt eine Haltedauer von mindestens zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert weltweit in 18 Unternehmen, die in den Sektoren medizinisches Cannabis und cannabisbezogene Biowissenschaften tätig sind. Um für den ETF in Frage zu kommen, müssen Unternehmen in der Wertschöpfungskette rund um die medizinische und gesundheitsfördernde Verwendung von Cannabis und seiner Wirkstoffe aktiv sein.

Das bezieht sich aber nicht ausschließlich auf die Herstellung von Medikamenten: Zugelassen sind etwa auch Hersteller von Lebensmitteln und Ölen, die CBD enthalten. CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, ein aus Hanf gewonnener Wirkstoff, dem eine entkrampfende, entzündungshemmende, angstlösende Wirkung nachgesagt wird – diese ist allerdings nicht abschließend nachgewiesen.

Für CBD-haltige Lebensmittel im ETF gilt allerdings: Die Konzentration des psychoaktiven Wirkstoffs THC muss darin unter 1 Prozent liegen. Darüber hinaus gelten eine Reihe von ESG-basierten Ausschlusskriterien. ESG steht für die Nachhaltigkeitskriterien Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance).

Der ETF bildet einen Index nach, den der britische Finanzdienstleister Foxberry‘s im Auftrag von Rize erstellt. Das heißt: Rize legt die Kriterien fest, nach denen der Index zusammengestellt werden soll, Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammt von Foxberry’s.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt insbesondere Unternehmen aus, die Produkte mit einem THC-Gehalt ab 1 Prozent für den Freizeitmarkt herstellen. Das gilt auch, wenn entsprechende Produkte in einem Land oder Bundesstaat (etwa in den USA) legal sind.

Generell investiert der ETF nach den allgemeinen Richtlinien von Rize nicht in Unternehmen, die Strom aus Kohle oder Atomkraft erzeugen sowie Kohle, Öl oder Gas fördern oder Tabakprodukte herstellen. Zudem sind Firmen mit Verbindung zu geächteten Waffen (etwa Streumunition oder ABC-Waffen) tabu. Geachtet wird laut Rize auch auf Grundsätze der guten Unternehmensführung. So dürfen Firmen beispielsweise nicht in Fälle von Korruption oder „signifikante Kontroversen“ verwickelt sein.

Außen vor sind Unternehmen auch, wenn mindestens 10 Prozent der Umsätze aus Geschäftsbeziehungen zu Erzeugern von Kohle- und Atomstrom sowie Firmen stammen, die Kohle, Öl oder Gas fördern. Die gleiche Umsatzschwelle gilt für Militärverträge, jegliche Verbindung zu Glücksspiel, Pornografie, Alkoholproduktion und -verkauf sowie Tabakhandel. Eine vollständige Liste der Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert im Rahmen seiner Kriterien in das US-Lebensmittelunternehmen Alkaline Water, das auch CBD-haltige Produkte herstellt. Solche Lebensmittel sind nicht unumstritten. So raten etwa die deutschen Verbraucherzentralen vom Verzehr von CBD-haltigen Erzeugnissen ab. Sie verweisen darauf, dass Fragen zu Dosierung, Sicherheit und Wechselwirkungen noch nicht geklärt seien. Den Verbraucherschützern zufolge löst CBD etwa bei jedem zehnten Konsumenten Schläfrigkeit und Benommenheit aus. Eine ebenso große Gruppe würde genau gegenteilig über Schlaflosigkeit und innere Unruhe klagen.

Was man ebenfalls kritisch sehen kann: Auch wenn CBD-Produkte keine psychoaktive Wirkung haben, suchen sie in der Werbung oft die Nähe zum Rausch. Die Verbraucherzentralen kritisieren etwa Abbildungen von Hanfblättern und die Verwendung von Schlagworten wie „high“ oder „Achtung Suchtgefahr!“.

Die gerade einmal 18 Unternehmen im Aktienpaket stammen aus nur vier Ländern: den USA, Irland, Israel und der Schweiz, wobei US-Firmen mehr als die Hälfte der Beteiligungen ausmachen. 50 Prozent der Unternehmen stammen zudem aus dem Biotechnologie- und Pharma-Sektor.

Transparenz

Rize veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website, ebenso ausführliche Informationen zur Zusammenstellung des Index und eine Übersicht zu sämtlichen Ausschlusskriterien inklusive Umsatzschwellen. Der Anbieter informiert auch darüber, wenn etwa Kriterien verschärft werden. Investoren können auf Anfrage eine Übersicht zu den individuellen Nachhaltigkeitsprofilen aller Unternehmen im ETF erhalten. Wünschenswert wäre hier, dass diese Informationen von vornherein auf der Website zum Download zur Verfügung gestellt würden.

Nachhaltige Wirkung

Rize lässt sich auf Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften durch den ​US-amerikanischen Stimmrechtsdienstleister International Shareholder Services (ISS) vertreten. Anlegerinnen und Anleger erhalten von Rize auf Wunsch einen sogenannten Stewardship Report, in dem das Abstimmungsverhalten, auch zu Nachhaltigkeitsthemen, dokumentiert ist. Wünschenswert wäre auch hier, dass Rize die Informationen online zur Verfügung stellt.

Dialoge mit Unternehmen führt Rize nicht, bittet Firmen aber regelmäßig um Auskünfte nach dem Vorbild des Carbon Disclosure Project (CDP). Dabei werden auf Basis standardisierter Fragebögen und auf freiwilliger Basis Daten und Informationen zu CO2-Emissionen, Klimarisiken sowie Reduktionszielen und -strategien von Unternehmen erhoben.

Stärken:

  • Keine Investitionen in "Freizeitdrogen"
  • Keine Geschäfte mit Militär oder fossilen Brennstoffen

Schwächen:

  • Schwache finanzielle Entwicklung
  • Derzeit nur 18 Aktiengesellschaften im ETF
  • Investments in CBD-Hersteller
  • Spekulativer Cannabismarkt

    Fazit:

    Das Feld Cannabis-Medikamente ist ein noch immer relativ junges, in dem viel Forschung betrieben wird und das mit großen Hoffnungen verbunden ist. Potenzielle Anwendungsgebiete reichen vom Mittel gegen Verstopfung bis hin zur Krebstherapie. Nachhaltige Anlegerinnen und Anleger können sich durchaus davon angesprochen fühlen.

    Allerdings: Zwar will der ETF helfen, das zwielichtige Image von Cannabis zu verbessern. Er investiert aber auch in die Hersteller von umstrittenen CBD-Lebensmitteln, die oft mit genau diesem Image werben.

    Hinzu kommen die deutlichen Wertverluste, auch über einen längeren Zeitraum. Aus Sicht von ECOreporter ist der ETF aktuell daher nicht empfehlenswert.

    Die ECOreporter-Noten

    Finanzen: 5,3

    Nachhaltigkeit: 3,3

    Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

    Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

    Ausschlusskriterien

    Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

    • Geächtete Waffen
    • Nuklearwaffen
    • Förderung von Kohle, Öl, Gas
    • Stromerzeugung aus Kohle, Öl, Gas
    • Stromerzeugung mit Atomkraft
    • Herstellung von Tabakprodukten
    • Verstöße gegen den UN Global Compact
    • Verstöße gegen OECD-Richtlinien
    • Beteiligung an bewaffneten Konflikten

    Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

    • Militärverträge (10%)
    • Indirekte Beteiligung an Förderung von Kohle, Öl, Gas (10%)
    • Indirekte Beteiligung an Stromerzeugung aus Kohle, Öl, Gas (10%)
    • Indirekte Beteiligung an Stromerzeugung mit Atomkraft (10%)
    • Indirekte Beteiligung an Tabakgeschäften (10%)
    • Pornografie (10%)
    • Glücksspiel (10%)
    • Alkohol (10%)

    Daten und Fakten

    Stichtag des Tests: 14.2.2023

    Name des ETFs: Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF

    Nachgebildeter Index: Foxberry Medical Cannabis and Life Sciences Index

    Start des ETFs: 12.2.2020

    Jährliche Gebühren: 0,65 % (Gesamtkosten)

    Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

    Ertragsverwendung: thesaurierend

    Fondsvolumen: 25,0 Millionen US-Dollar (2/2023)

    Internet: www.rizeetf.com

    Verlustrisiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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