Lernen wird immer digitaler. Der getestete ETF will davon profitieren. / Foto: Pixabay

  Fonds / ETF, ETF-Test

ETF-Test: Rize Education Tech and Digital Learning

Ein ETF mit Aktienunternehmen aus den Bereichen Bildungstechnologie und digitales Lernen: ein spannendes nachhaltiges Finanzprodukt? Das hat ECOreporter mit seinem Test des Rize Education Tech and Digital Learning ETF geprüft.

Anbieter des ETFs ist der britische Finanzdienstleister Rize ETF. Das Unternehmen wurde 2019 gegründet. Das Unternehmen besitzt eine übergeordnete Nachhaltigkeits-Agenda die für alle ETFs im Angebot gilt und die Investments etwa in fossile Energie und Rüstung einschränkt oder teilweise ganz verbietet.

ECOreporter hatte den ETF im Januar 2022 das erste Mal getestet. Seitdem hat der ETF allerdings viele Aktien ausgetauscht.

Finanzen / Risiko

Der ETF wurde im August 2020 aufgelegt. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine Finanznote. 

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung.

Die Jahresgebühren sind mit 0,45 Prozent etwas höher als bei vergleichbaren ETFs, insgesamt aber immer noch günstig. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens 7, besser 10 Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in aktuell nur 38 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern, die auf digitale Lerntechnologie spezialisiert sind. Für Schüler, Studierende, für Umschulungen und Qualifizierungen. Der ETF bildet einen Index nach, den der britische Finanzdienstleister Foxberry‘s im Auftrag von Rize erstellt.


Spielerisch einfach lernen? Die sogenannte "Gamifizierung" soll Inhalte interaktiver und damit besser vermitteln. / Foto: Pixabay

Um für den ETF in Frage zu kommen, sollen Unternehmen laut Rize mindestens 20 Prozent ihres Umsatzes mit Bildungstechnologie oder digitalem Lernen erzielen. In der Praxis machen Unternehmen im ETF zwar auch bis zu praktisch 100 Prozent ihrer Umsätze im Bildungssektor. Eine Begründung, warum Unternehmen in diesem Themen-ETF bis zu 80 Prozent ihrer Geschäfte außerhalb des Biildungssektor machen können, liefert Rize aber nicht.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die Strom aus Kohle oder Atomkraft erzeugen sowie Kohle, Öl oder Gas fördern oder Tabakprodukte herstellen. Zudem sind Firmen mit Verbindung zu geächteten Waffen (etwa Streumunition oder ABC-Waffen) ebenso tabu, wie solche die gegen den UN Global Compact oder Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verstoßen.

Außen vor sind Unternehmen auch, wenn mindestens 10 Prozent der Umsätze aus Geschäftsbeziehungen zu Erzeugern von Kohle- und Atomstrom oder zu Unternehmen stammen, die Kohle, Öl oder Gas fördern. Die gleiche Umsatzschwelle gilt für Militärverträge sowie Geschäfte mit Glücksspiel, Pornografie, Alkoholproduktion und -verkauf sowie Tabakhandel. Eine vollständige Liste der Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.

ECOreporter hat schon Themen-ETFs, etwa für Wasser- oder Holzinvestments, getestet, die gar keine expliziten Ausschlusskriterien formulierten. Solange Unternehmen einen bestimmten Anteil ihrer Umsätze dann mit dem vorgegebenen Thema erzielten, waren Sie für das Aktienpaket des ETFs zugelassen. Machten diese Unternehmen dann außerdem auch Umsätze etwa mit Waffen oder Atomkraft, investierten Anlegerinnen und Anleger auch in diese kritischen Geschäftsbereiche. Von daher ist es begrüßenswert, dass Rize Ausschlusskriterien formuliert, die solchen fragwürdigen "Beifang" verhindern sollen.

Andererseits gibt es keine Kriterien, die speziell auf einen Bildungs-ETF ausgerichtet wären. Hierzu gehört etwa die Forderung von ideologiefreien Inhalten und das Bildungsangebote sich zu Demokratie, Menschenrechten und Nachhaltigkeit bekennen. Wie nachhaltig ECOreporter die im ETF vertretenen Aktien einschätzt, lesen Sie im Premium-Bereich.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Bei Start des ETFs befanden sich die Aktien einiger chinesischer Nachhilfe-Unternehmen im Portfolio. Doch das chinesische Regime hat die kommerzielle Nachhilfe mittlerweile verboten – den entsprechenden Unternehmen fehlt also das Geschäftsmodell. In der Folge trennte sich der ETF von fast allen entsprechenden Positionen. In der Folge hat sich das Portfolio noch weiter verkleinert: Die ohnehin schon geringe Umfang von 45 Aktien schrumpfte noch weiter auf 38 Beteiligungen.

Für die Nachhaltigkeit ist die Trennung von den chinesischen Positionen ein Fortschritt: China ist eine Diktatur, die Menschen aus politischen Gründen verfolgt und einsperrt, vermutlich auch als Zwangsarbeiter einsetzt – unter anderem in der Solarindustrie. Zudem treibt die Regierung zwar den Ausbau Erneuerbarer Energien voran, doch auch die Treibhausgasemissionen des Landes sollen bis 2030 weiter steigen. Das letzte chinesische Unternehmen im Aktienpaket des ETF ist Zhihu. Es betreibt eine Plattform, auf der chinesische Nutzer Fragen stellen können, die dann von anderen Nutzern beantwortet werden.

Zwei Unternehmen im ETF stammen zudem aus Brasilien: Arco Platform bietet Unterrichtsmaterialien vor allem in digitalisierter Form in ganz Brasilien an, das Angebot umfasst ein Niveau vom Kindergarten bis zur Highschool. Das Unternehmen Afya betreibt Medizinschulen in dem südamerikanischen Land und bietet darüber hinaus Fortbildungen in anderen Bereichen an, von Betriebswirtschaft bis Bauingenieurswesen.

Der ETF investiert in mehrere Holdings (etwa Graham Holdings, Benesse Holdings, Groupe Lagardère), also Unternehmen, die sich als Geschäftsprinzip an Firmen aus womöglich ganz unterschiedlichen Branchen beteiligen. So wäre denkbar, dass eine Holding zwar wesentliche Umsätze mit Beteiligungen an Bildungsangeboten generiert, gleichzeitig aber auch in Unternehmen aus kritischen Bereichen investiert, etwa fossile Energien oder Rüstung. Ausgeschlossen ist das angesichts von Umsatzschwellen (siehe Ausschlusskriterien oben) für solche Beteiligungen nicht.

Aber: Auch über diesen Umweg hat ECOreporter weder Kohle noch Öl oder Waffen im ETF gefunden. Die Holdings Barnes & Noble Education, Benesse, Graham und Lagardere bieten in zu den Konzernen gehörenden Läden, Cafés oder Restaurants Alkohol an, im Fall von Lagardere auch Tabakwaren. Die Umsätze liegen hier aber weit unter der erlaubten Schwelle von 10 Prozent. Die texanische Tochter Forney der im ETF vertretenen US-Holding Graham stellt Geräte zur Steuerung der Verbrennung von Kohle, Erdgas und anderen Brennstoffen in Kraftwerken her. Auch damit werden keine Kriterien des ETFs verletzt.

Die beiden US-Unternehmen Learning Technologies und Pearson bieten Fortbildungen auch für militärisches Personal an, etwa zur sicheren Vernichtung von Sprengstoffen. Diese Verträge tragen weniger als 10 Prozent zum Umsatz der Unternehmen bei und liegen daher im Toleranzbereich des ETFs.

Beispiele für im ETF vertretene Unternehmen sind etwa Duolingo, eine frei zugängliche US-amerikanische Sprachlernplattform, der japanische Lernsoftware-Manager Litalico und der französische Verlag und Medienkonzern Groupe Lagardère.

Bei der Verteilung nach Sektoren machen Angebote für die Bereiche K-12 (eine in den USA übliche Bezeichnung für die Zeit vom Kindergarten bis zum Schulabschluss) sowie "Higher Education" (höhere Bildung, also Universität und Hochschule) beide je etwa 30 Prozent aus. Weitere Bereiche sind ebenfalls zu gleichen Teilen von 15,5 Prozent Verlagswesen und berufliche Weiterbildung, hinzu kommt als kleinstes Segment frühkindliche Bildung.

Transparenz

Rize veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website, ebenso ausführliche Informationen zur Zusammenstellung des Index und eine Übersicht zu sämtlichen Ausschlusskriterien inklusive Umsatzschwellen. Der Anbieter informiert auch darüber, wenn etwa Kriterien verschärft werden – zuletzt war das im Oktober 2021 der Fall. Investoren auf Anfrage eine Übersicht zu den individuellen Nachhaltigkeitsprofilen aller Unternehmen im ETF erhalten. Wünschenswert wäre hier, dass die Informationen von vornherein auf der Website zum Download zur Verfügung gestellt würden.

Nachhaltige Wirkung

Rize lässt sich auf Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften durch den ​US-amerikanischen Stimmrechtsdienstleister International Shareholder Services (ISS) vertreten. Anlegerinnen und Anleger erhalten von Rize auf Wunsch einen sogenannten Stewardship Report, in dem das Abstimmungsverhalten, auch zu Nachhaltigkeitsthemen, dokumentiert ist.

Dialoge mit Unternehmen führt Rize nicht. Rize bittet Unternehmen aber regelmäßig um Auskünfte nach dem Vorbild des Carbon Disclosure Project (CDP). Dabei werden auf Basis standardisierter Fragebögen und auf freiwilliger Basis Daten und Informationen zu CO2-Emissionen, Klimarisiken sowie Reduktionszielen und -strategien von Konzernen erhoben.

Stärken:

  • Keine Investments in fossile Energien oder Waffen

Schwächen:

  • Derzeit nur 38 Aktiengesellschaften im ETF
  • Keine speziell auf das ETF-Thema ausgerichteten Nachhaltigkeitskriterien

Fazit 

Ein hochriskantes Produkt, da der ETF in nur wenige Aktien investiert. Zwar gibt es im ETF keine fossile Energie oder Waffen, auch weil er ergänzende Ausschlusskriterien formuliert. Anforderungen, die speziell auf Bildungsunternehmen ausgerichtete Nachhaltigkeitsnachweise verlangen, gibt es aber nicht.

Die ECOreporter-Noten

Finanzen: --

Nachhaltigkeit: 2,7

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Geächtete Waffen
  • Nuklearwaffen
  • Förderung von Kohle, Öl, Gas
  • Stromerzeugung aus Kohle, Öl, Gas
  • Stromerzeugung mit Atomkraft
  • Herstellung von Tabakprodukten
  • Verstöße gegen den UN Global Compact
  • Verstöße gegen OECD-Richtlinien
  • Beteiligung an bewaffneten Konflikten

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Militärverträge (10%)
  • Indirekte Beteiligung an Förderung von Kohle, Öl, Gas (10%)
  • Indirekte Beteiligung an Stromerzeugung aus Kohle, Öl, Gas (10%)
  • Indirekte Beteiligung an Stromerzeugung mit Atomkraft (10%)
  • Indirekte Beteiligung an Tabakgeschäften (10%)
  • Pornografie (10%)
  • Glücksspiel (10%)
  • Alkohol (10%)

Daten und Fakten

Stichtag des Tests: 11.1.2023

Name des ETFs: Rize Education Tech and Digital Learning UCITS ETF

ISIN: IE00BLRPQJ54 / WKN: A2P877

Nachgebildeter Index: Foxberry HolonIQ Education Tech & Digital Learning Index

Start des ETFs: 27.8.2020

Jährliche Gebühren: 0,45 % (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: thesaurierend

Fondsvolumen: 11 Millionen US-Dollar (1/2023)

Internet: www.rizeetf.com

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

Verwandte Artikel

24.04.24
 >
21.11.22
 >
13.12.23
 >
13.01.22
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x