Ist der Cybersicherheits-ETF des britischen Anbieters Rize auch als nachhaltiges Investment ein sicherer Tipp?/ Foto: Pixabay

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ETF-Test: Rize Cybersecurity and Data Privacy ETF

Dieser Themen-ETF investiert in Aktiengesellschaften, die sich auf Computersicherheit und Datenschutz spezialisiert haben – ist er auch für nachhaltige Anlegerinnen und Anleger eine sichere Sache? ECOreporter hat den Rize Cybersecurity and Data Privacy getestet.

Anbieter des ETFs ist der britische Finanzdienstleister Rize ETF. Das Unternehmen wurde 2019 gegründet. Rize besitzt eine übergeordnete Nachhaltigkeits-Agenda, die für alle ETFs im Angebot gilt und Investments etwa in fossile Energie und Rüstung einschränkt oder teilweise ganz verbietet.

ECOreporter hatte den ETF im Januar 2022 das erste Mal getestet und auch kontroverse Unternehmen im Aktienpaket gefunden. Seitdem hat sich der ETF von einigen Aktien getrennt. Wie fällt die Bewertung heute aus?

Finanzen / Risiko

Der ETF wurde im Februar 2020 aufgelegt, seine Wertentwicklung ist unterdurchschnittlich. Auf ein Jahr gesehen hat er mit einem Minus von 7,6 Prozent stärker verloren als der weltweite Vergleichsindex MSCI World, der im selben Zeitraum 1,0 Prozent einbüßte. Auf drei Jahre bleibt der ETF mit einem Plus von 12,9 Prozent ebenfalls hinter dem MSCI World zurück, der 23,8 Prozent zulegte.

Die Jahresgebühren sind mit 0,45 Prozent insgesamt zwar immer noch günstig, allerdings teurer als bei vergleichbaren ETFs. Hinzu kommen starke Wertschwankungen. Diese dürften vor allem an der geringen Streuung des ETFs liegen: Das Aktienpaket enthält gerade einmal 31 Positionen. Schon die 54 Aktien beim ersten Test des ETFs hatte ECOreporter als wenig kritisiert. Die Redaktion empfiehlt eine Haltedauer von mindestens zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der Rize Cybersecurity and Data Privacy ist ein Themen-ETF. Er investiert in Unternehmen, die Schutz vor globalen Cyber-Bedrohungen anbieten. Dazu gehören etwa Anti-Viren-Programme oder auch Schulungen, die für Gefahren im Netz sensibilisieren. Um für den ETF in Frage zu kommen, müssen Unternehmen den Verbraucherschutzlinien der EU genügen und dürfen Daten nur für Zwecke verwenden, denen Nutzerinnen und Nutzer ausdrücklich zugestimmt haben.

Um für den ETF ausgewählt zu werden, müssen Unternehmen mindestens 20 bis 50 Prozent ihres Umsatzes mit Geschäften aus den Bereichen Cybersicherheit und/oder Datensicherheit erzielen. In der Praxis machen einige Unternehmen im ETF bis zu 100 Prozent Umsatz mit Angeboten zur digitalen Sicherheit. Der ETF bildet einen Index nach, den der britische Finanzdienstleister Foxberry‘s im Auftrag von Rize erstellt.

Darüber hinaus gelten eine Reihe von ESG-basierten Ausschlusskriterien. ESG steht für die Nachhaltigkeitskriterien Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance) – allerdings gibt es keine verbindliche Regelung, was gute ESG-Kriterien ausmacht.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die Strom aus Kohle oder Atomkraft erzeugen, Kohle, Öl oder Gas fördern oder Tabakprodukte herstellen. Zudem sind Firmen mit Verbindung zu geächteten Waffen (etwa Streumunition oder ABC-Waffen) tabu. Ebenso Unternehmen, die gegen den UN Global Compact oder Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verstoßen.

Außen vor bleiben Firmen auch, wenn mindestens 10 Prozent ihrer Umsätze aus Geschäftsbeziehungen zu Erzeugern von Kohle- und Atomstrom oder zu Unternehmen stammen, die Kohle, Öl oder Gas fördern. Die gleiche Umsatzschwelle gilt für Militärverträge sowie Geschäfte mit Glücksspiel, Pornografie, Alkoholproduktion und -verkauf sowie Tabakhandel. Eine vollständige Liste der Ausschlusskriterien finden Sie unten im Premium-Bereich.

ECOreporter hat schon Themen-ETFs getestet, etwa für Wasser- oder Holzinvestments, die gar keine Ausschlusskriterien haben. Solange Unternehmen einen bestimmten Anteil ihrer Umsätze mit dem vorgegebenen Thema erzielten, waren sie für das Aktienpaket des ETFs zugelassen. Machten diese Firmen außerdem Geschäfte etwa mit Waffen oder Atomkraft, investierten Anlegerinnen und Anleger auch in diese kritischen Bereiche. Von daher ist es begrüßenswert, dass Rize Ausschlusskriterien formuliert, die solchen fragwürdigen "Beifang" verhindern sollen.

Negativ fällt allerdings auf, dass es keine speziell an das Thema des ETFs angepassten Kriterien gibt. Ähnlich wie bereits im ECOreporter-Test des Rize Education Tech and Digital Learning kritisiert, gelten nur die Standard-Ausschlüsse, die Rize für alle ETFs formuliert. Dabei ist es eher unwahrscheinlich, dass Firmen aus dem IT-Sektor an Alkoholherstellung oder Kohleförderung beteiligt sind. Wichtiger wären Kriterien zu Fragen wie: Wie konsequent setzt sich das Unternehmen für Geschlechtergerechtigkeit ein? Ist es ideologiefrei ausgerichtet? Bekennt es sich zu Demokratie und Menschenrechten?

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

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