Bohrinseln von ConocoPhillips: Eine von vielen problematischen Aktien in diesem ETF. / Foto: imago images

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ETF-Test: SPDR S&P 500 ESG Screened UCITS ETF (Acc)

Ein Paket mit den fast 500 größten und gleichzeitig nachhaltigen US-Konzernen: Das hat dieser ETF geschnürt. Der Name: SPDR S&P 500 ESG Screened. ECOreporter hat den ETF getestet.

Anbieter des ETFs ist der US-Vermögensverwalter State Street Corporation. Er hat eine ETF-Plattform namens SPDR. Die State Street Corporation ist der viertgrößte Vermögensverwalter der Welt und investiert selbst auch in Kohle, Öl und Atomkraft.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete im Dezember 2019. Da er damit noch keine drei Jahre am Markt ist, erhält er keine ECOreporter-Finanznote.

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung

Die Jahresgebühren von 0,10 Prozent sind selbst für einen ETF sehr günstig.

Nachhaltigkeitskonzept

Der S&P 500 ist ein Aktienindex des US-Finanzdienstleisters S&P Global (die bekannteste Tochter ist die Ratingagentur Standard & Poor’s). Er umfasst die Aktien der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen. Der ETF bildet seinem Namen zufolge eine „ESG Screened“-Version dieses Index nach, also einen nach ESG-Kriterien geprüften Aktienkorb auf Basis des nicht-nachhaltigen Index S&P 500. ESG steht für Umwelt (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance).

Seltsam ist der Name dieses ETFs aber auch insofern, als die ESG-Bewertung der Unternehmen für den ETF tatsächlich keine Rolle spielt: Für den ETF kommen nämlich alle Unternehmen in Frage, die nicht gegen bestimmte Ausschlusskriterien verstoßen. In den ETF schaffen es so immerhin 486 von 500 Unternehmen aus dem normalen S&P 500. Mit anderen Worten: Nur 14 von 500 Unternehmen wurden ausgeschlossen. Sind die allermeisten der 500 größten US-Unternehmen tatsächlich derart nachhaltig?

Ausschlusskriterien

Ausgeschlossen sind Unternehmen, die Umsätze erzielen mit der Herstellung von kontroversen Waffen, zivilen Schusswaffen und Tabak. Zudem gilt bei der Förderung von Kraftwerkskohle oder Kohlestromerzeugung eine Umsatzschwelle, diese liegt aber bei sehr großzügigen 25 Prozent.

Nicht ausgeschlossen sind etwa Atomkraft, Erdölförderung und -verarbeitung, Waffenproduktion für das Militär, Gentechnik und Glücksspiel.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF hält Aktien von mehr als 20 Energiekonzernen, die Strom aus Kohle oder Atomkraft erzeugen, beispielsweise Alliant, Ameren, American Electric Power, CenterPoint Energy, Duke Energy und NextEra Energy. Ebenfalls im ETF vertreten sind Ölkonzerne wie Chevron, Exxon Mobil, ConocoPhillips, Halliburton, Marathon Oil und zahlreiche weitere.

Mehrere Unternehmen, an denen der ETF Anteile hält (Ball Corporation, Caterpillar, Eaton u.a.), beliefern nach Erkenntnissen der Nachhaltigkeits-Ratingagentur V.E (früher: Vigeo Eiris) das Militär mit Schlüsseltechnologien für Waffen und Kampffahrzeuge. 

Der Fonds investiert auch in Glücksspielkonzerne und Casinobetreiber (Caesars Entertainment, Las Vegas Sands, MGM Resorts International u.a.) sowie in Unternehmen, die gentechnisch verändertes Saatgut oder Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen vertreiben (Abbott Laboratories, Campbell Soup Company, Kellogg, Kraft Heinz u.a.).

Insgesamt investiert der ETF in konventionelle US-Großkonzerne, teils auch mit guter Nachhaltigkeitsbilanz (Church & Dwight, Procter & Gamble, Xylem, Intel u.a.). Den größten Anteil stellen Unternehmen aus dem Technik-Sektor, zu den größten Positionen gehören etwa die Branchenriesen Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und die Google-Mutter Alphabet.

Transparenz

Der ETF-Anbieter State Street Corporation veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf der Website seiner Investment-Management-Abteilung SSGA. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind online knapp dargestellt, weitere Informationen finden Anlegerinnen und Anleger auf der Homepage des Indexanbieters S&P. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, finden Anlegerinnen und Anleger mit vertretbarem Zeitaufwand keine Angaben.

Nachhaltige Wirkung

SSGA übt nach eigenen Angaben Stimmrechte bei Hauptversammlungen aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand aber keine konkreten Forderungen an Unternehmen oder Informationen zu Dialogen. Eine nachhaltige Wirkung ist daher hier nicht ausreichend nachgewiesen.

Stärken:

  • Niedrige Gebühren
  • Breite Streuung

Schwächen:

  • Sehr schwaches Auswahlverfahren
  • Investments in Kohle- und Atomstrom
  • Investments in Ölkonzerne
  • Investments in Militärzulieferer
  • Investments in Gentechnik
  • Investments in Glücksspiel

    Fazit

    Da für die Aktiengesellschaften in diesem ETF fast alles erlaubt ist, kann dieser logischerweise kein Produkt für Anlegerinnen und Anleger sein, die Nachhaltigkeit suchen.

    Die ECOreporter-Noten:

    Finanzen: --
    Nachhaltigkeit: 6

    Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

    Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

    Daten und Fakten

    Stichtag des Tests Nachhaltigkeit: 7.6.2021

    Stichtag des Tests Finanzen: 7.6.2021

    Name des ETFs: SPDR S&P 500 ESG Screened UCITS ETF (Acc)

    ISIN: IE00BH4GPZ28 / WKN: A2PSPE

    Nachgebildeter Index: S&P 500 ESG Exclusions II Index

    Start des ETFs: 2.12.2019

    Jährliche Gebühren: 0,10 % (Gesamtkosten)

    Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

    Ertragsverwendung: thesaurierend

    Fondsvolumen: 478 Millionen US-Dollar (6/2021)

    Internet: www.ssga.com/de

    Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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