Aktien aus Chemieindustrie, Autobau und Luftfahrt – will der ETF den Klimawandel bremsen oder beschleunigen? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: Deka MSCI Germany Climate Change ESG - für oder gegen den Klimawandel?

„Eine positive Wirkung auf das Klima nehmen“ – das verspricht der Deka MSCI Germany Climate Change ESG ETF. Er investiert hierfür in knapp 50 deutsche Unternehmen, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen müssen. Der Name des ETFs macht stutzig: „Climate Change“ heißt Klimawandel. Soll hier die weitere Erwärmung der Erde finanziert werden? Im Premium-Bereich erfahren Sie, ob sich der ETF für nachhaltige Anlegerinnen und Anleger eignet.

Anbieter des ETFs ist die Fondsgesellschaft Deka mit Sitz in Frankfurt, eine Tochter der Sparkassen. Einen Teil ihrer Kundengelder investiert die Deka in Rüstung und fossile Energie.

Finanzen / Risiko

Der ETF startete im Juni 2020, finanziell hat er sich auf längere Sicht schwach entwickelt. In den letzten zwölf Monaten gewann er 18 Prozent an Wert, der weltweite Aktienindex MSCI World stieg im selben Zeitraum um 26 Prozent. Über drei Jahre erzielte der ETF ein Plus von lediglich 4 Prozent, der MSCI World legte 37 Prozent zu.

Die jährlichen Gebühren sind mit 0,2 Prozent günstiger als bei vergleichbaren ETFs, die Wertschwankungen liegen auf einem vergleichbaren Niveau. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von sieben, besser zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 46 große und mittelgroße deutsche Aktiengesellschaften und bildet dabei einen Aktienindex des US-Finanzdienstleisters MSCI nach. Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammen von MSCI.

Der ETF legt nach dem "Best-in-Class"-Verfahren an. Um für die Auswahl in Frage zu kommen, müssen Unternehmen bei einer ESG-Bewertung eine bestimmte Mindestnote aufweisen. ESG steht für die Kriterien Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und gute Unternehmensführung (G wie Governance). Dafür, was eine gute Leistung in den einzelnen ESG-Bereichen ausmacht, gibt es allerdings keine verbindlichen Standards.

Die ausgewählten Unternehmen müssen zusammen 30 Prozent weniger Treibhausgas ausstoßen als die Konzerne im konventionellen MSCI Germany Index. Zudem müssen die Firmen im ETF ihre Emissionen jedes Jahr im Schnitt um mindestens 7 Prozent reduzieren. Außerdem gelten Ausschlusskriterien, auch auf den CO2-Ausstoß bezogen.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die an Geschäften mit geächteten Waffen oder Atomwaffen beteiligt sind oder gegen den UN Global Compact verstoßen, also etwa Menschen- und Arbeitsrechte grob verletzen. Außerdem sind Kohleförderung und unkonventionelle Öl- und Gasförderung etwa in der Arktis tabu.

Zusätzlich gelten spezielle Klimakriterien. So werden Unternehmen ausgeschlossen, die mehr als 300 Gigawattstunden Strom pro Million Euro Umsatz verbrauchen. Ebenfalls außen vor bleiben Unternehmen, die in den Bereichen Scope 1 und Scope 2 mehr als 1.500 Tonnen CO2 pro Million Dollar Umsatz ausstoßen. Die Kategorien Scope 1 und Scope 2 umfassen Treibhausgasemissionen, die durch die eigene Geschäftstätigkeit entstehen, also zum Beispiel in der Produktion oder durch den eingekauften Strom. Für die schwieriger zu reduzierenden Scope-3-Emissionen stellt der ETF keine Regeln auf. Scope 3 beschreibt die Treibhausgasemissionen, die ein Unternehmen indirekt verursacht, zum Beispiel durch Lieferketten und die Nutzung der hergestellten Produkte durch Kunden.

Wenn Unternehmen für den ETF in Frage kommen sollen, dürfen Umsätze aus der Erzeugung von Kohlestrom nicht mehr als 10 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Etwa bei Uranbergbau, Erzeugung von Nuklearenergie und der Produktion von Waffen beträgt die Umsatzschwelle 5 Prozent. Eine vollständige Liste der Ausschlusskriterien lesen Sie im Premium-Bereich.

So nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert beispielsweise in den Energietechnikkonzern Siemens Energy. Dieser produziert Windkraftanlagen, baut aber auch Gas- und Kohlekraftwerke und liefert Steuerungsanlagen für Atomkraftwerke. Das Unternehmen stand 2023 wegen seiner weiter bestehenden Geschäftsbeziehungen zum russischen Staatskonzern Rosatom in der Kritik. Rosatom leitet die zivile und militärische Atomindustrie Russlands. Ebenfalls im ETF vertreten ist der Essener Energiekonzern Eon, der Erdgas- und Erdöl-, Atomkraft- und Kohlekraftwerke betreibt.

Kritisch sehen können Anlegerinnen und Anleger auch Beteiligungen an der Kölner Fluggesellschaft Lufthansa oder dem Münchner Autobauer BMW. Den größten Anteil im Aktienpaket des ETFs bilden mit 26 Prozent herkömmliche Finanzkonzerne wie der Münchner Versicherer und Vermögensverwalter Allianz sowie die Commerzbank und die Deutsche Bank aus Frankfurt.

Unternehmen mit einer guten Nachhaltigkeitsbilanz im ETF sind etwa der Bonner Logistiker DHL Group, der Düsseldorfer Chemiekonzern Henkel oder der Walldorfer IT-Riese SAP. Kerngrüne Investments finden sich im ETF nicht. Unter den zehn größten Positionen sind SAP, der Münchner Industriekonzern Siemens und der Sportartikelhersteller Adidas aus Herzogenaurach.

Transparenz

Eine Liste aller aktuellen Aktien des ETFs finden Anlegerinnen und Anleger nur in den Jahres- und Halbjahresberichten des ETFs – das ist ungewöhnlich intransparent für einen ETF. In der Regel veröffentlichen die Anbieter eine aktuelle Aktienliste auf ihrer Webseite. Nachhaltigkeitsansatz und Ausschlusskriterien werden auf der Seite der Deka knapp beschrieben. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlverfahren des abgebildeten Index. Anlegerinnen und Anleger finden mit vertretbarem Zeitaufwand keine Informationen zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, in die der ETF investiert.

Nachhaltige Wirkung:

Die Deka übt ihre Aktienstimmrechte auch bei Nachhaltigkeitsthemen aus und veröffentlicht darüber detaillierte Berichte. Die Sparkassen-Tochter führt zudem Dialoge mit Unternehmen, stellt Informationen darüber aber nur institutionellen Anlegern zur Verfügung.

Stärken:

  • Günstige Gebühren
  • Transparente Darstellung des Stimmverhaltens

Schwächen:

  • Investitionen in Atomkraft
  • Investitionen in Kohle
  • Nur 46 Unternehmen im ETF

Fazit

Der ETF möchte „eine positive Wirkung auf das Klima“ erzielen, investiert aber letztlich nur in ganz normale deutsche Unternehmen. Obwohl der ETF mit Blick auf CO2-Emissionen zusammengestellt wird, kann das Aktienpaket letztlich nicht überzeugen und ist zudem mit nur 46 Unternehmen schmal aufgestellt. Finanziell überzeugt der ETF ebenfalls nicht. Erfolgreicher und auch deutlich nachhaltiger ist beispielsweise der Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit ETF (ECOreporter-Test).

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: 4,5

Nachhaltigkeit: 5,0

Details zum Benotungssystem von ECOreporter erfahren Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Geächtete Waffen
  • Nuklearwaffen
  • Herstellung Tabakprodukte
  • Kohleförderung
  • Öl- und Gasförderung in der Arktis
  • Fracking
  • Verstöße gegen den UN Global Compact

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Stromerzeugung Kohle (10%)
  • Stromerzeugung Atomkraft (5%)
  • Produktion/Vertrieb Waffen und Rüstung (5%)
  • Uranbergbau (5%)
  • Vertrieb Tabakprodukte (5%)

Weitere Ausschlusskriterien:

  • Unternehmen mit einer Scope 1+2-Emissionsintensität von mehr als 1.500 Tonnen CO2 pro Million Dollar Umsatz
  • Unternehmen mit einem Energieverbrauch von mehr als 300 GWh pro Million Euro Umsatz

Daten und Fakten

Stichtag des Tests Nachhaltigkeit/Finanzen: 13.5.2024

Name des ETF: Deka MSCI Germany Climate Change ESG UCITS ETF

ISIN: DE000ETFL540 / WKN: ETFL54

Nachgebildeter Index: 100% MSCI Germany Climate Change ESG Select Net Return Index in EUR

Start des ETFs: 26.6.2020

Jährliche Gebühren: 0,20% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: ausschüttend

Fondsvolumen: 211,9 Millionen Euro (5/2024)

Internet: www.deka-etf.de

Risiko: Totalverlustunwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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