Mehr Nachhaltigkeit mit konventionellen Investments wie dem Getränkehersteller Coca-Cola – kann das funktionieren? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: BNP Paribas Easy MSCI World SRI S-Series PAB 5% Capped - UCITS ETF USD ACC

Weltweit nachhaltig anlegen mit besonderem Fokus auf die Bekämpfung des Klimawandels: Der ETF mit dem komplizierten Namen BNP Easy MSCI World SRI S-Series PAB 5% Capped will Anlegerinnen und Anlegern genau das bieten. Wie bewertet ECOreporter die Nachhaltigkeit des ETFs? Und kann dieser finanziell überzeugen?

Anbieter des ETFs ist BNP Paribas Easy, die ETF- und Indexfonds-Tochter der französischen Großbank BNP Paribas. Wie nachhaltig ist sie selbst? Ein Beispiel: Erst ab 2030 will die Bank in der EU keine Kohleprojekte mehr finanzieren. Außerhalb Europas plant BNP Paribas, sogar noch bis 2040 Geld in Kohleprojekte zu stecken.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete am 26. Februar 2016 und hat sich finanziell gut entwickelt. Auf ein Jahr gesehen hat er sich mit einem Minus von 1,0 Prozent besser gehalten als der weltweite Aktienindex MSCI World, der 2,8 Prozent an Wert verlor. Auf fünf Jahre gesehen fällt der Wertzuwachs mit 65,3 Prozent besser aus als beim MSCI World, dessen Kurs um 57,9 Prozent stieg.

Die Jahresgebühren sind mit 0,25 Prozent günstig. Aufgrund starker Wertschwankungen empfiehlt ECOreporter eine Haltedauer von mindestens sieben, besser zehn Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 339 mittlere und große Unternehmen aus Industrieländern weltweit. Dafür wendet er ein Best-in Class-Verfahren an: Die Unternehmen, in die er investiert, müssen zum Viertel mit der höchsten ESG-Benotung innerhalb ihrer Branche gehören.

ESG steht für die Bereiche Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (G wie Governance). Was eine gute ESG-Leistung ausmacht, ist aber nicht verbindlich definiert. 

Die Unternehmen werden aus einem Aktienpaket des US-Finanzdienstleisters MSCI ausgewählt, einem sogenannten „Anlageuniversum“. Im Vergleich zu diesem Anlageuniversum soll das Aktienpaket des ETFs 50 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Zudem soll der Treibhausgasausstoß aller enthaltenen Unternehmen zusammen jedes Jahr um 7 Prozent sinken.

PNB Paribas sieht damit die Klimaziele des Pariser Abkommens erfüllt. Zu diesen gehört insbesondere das Verhindern eines Anstiegs der globalen Erwärmung um mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Der ETF bildet auf diese Weise einen Index des Finanzdienstleisters MSCI ab. Die Auswahl der Unternehmen stammt von MSCI.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen mit jeglicher Verbindung zu geächteten Waffen (etwa Landminen oder Streumunition) und Atomwaffen aus. Ebenso tabu sind Unternehmen, die gegen den UN Global Compact verstoßen, Tabakprodukte herstellen oder Kohle, Öl und Gas fördern.

Zudem gelten Umsatzschwellen etwa für das Erzeugen von Strom aus Atomkraft (5 Prozent) oder Kohle (10 Prozent) und weitere kontroverse Geschäftsbereiche wie Glücksspiel, Alkohol oder Rüstung. Ungewöhnlich, aber sinnvoll: Begrenzungen gibt es auch für Transport und Handel von und mit Öl und Gas sowie Produkten aus Öl und Gas. Eine ausführliche Liste der Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert etwa in den Maschinenbauer Caterpillar und den Mischkonzern Ball, beide aus den USA, sowie den japanischen Industriekonzern Daikin. Ball fertigt Antennen für Lenkraketen sowie Komponenten für Kampfjets, Daikin produziert Granaten und Gefechtsköpfe. Caterpillar stellt auch Motoren für Militärfahrzeuge her, die Streumunition verschießen können. Nach den Kriterien von MSCI ist dies keine Verbindung zu geächteten Waffen, da es keine Produktion oder geschäftlichen Beziehungen mit einem Produzenten von Streumunition gibt.

Außerdem sind im Aktienpaket mehrere Finanzkonzerne wie Invesco, BlackRock oder American Express. Diese finanzieren Geschäfte mit fossiler Energie und Rüstung.

Der ETF investiert insgesamt sehr konventionell. Er enthält zwar viele Unternehmen mit guter Nachhaltigkeitsbilanz (etwa Novo Nordisk, Coloplast, American Water Works, Sonova), allerdings fast keine kerngrünen. So ist zwar wie in vielen mehr oder weniger nachhaltigen ETFs der dänische Windanlagenbauer und ECOreporter-Aktien-Favorit Vestas vertreten. Aber selbst andere „typische Kandidaten“ für grüne Investments wie der deutsch-spanische Windturbinenbauer Siemens Gamesa oder der Wasserkraftspezialist Verbund als Erneuerbare-Energien-Unternehmen mit vergleichbar hoher Marktkapitalisierung sind nicht vertreten. Auf der anderen Seite gibt es fragwürdige Investments wie die PepsiCo und Coca-Cola, die zu den zehn größten Positionen im ETF gehören.

Wie meist bei „weltweit“ orientierten ETFs stammt mit 64,5 Prozent die mit Abstand größte Zahl der Investments aus den USA. Der zweitgrößte Teil kommt mit 6,5 Prozent aus Japan.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien stellt BNP Paribas online knapp dar. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlprinzip des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien im ETF finden Anlegerinnen und Anleger keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

BNP Paribas lässt sich bei Hauptversammlungen durch einen professionellen Stimmrechtsvertreter repräsentieren, auch bei ESG-Themen. In einem jährlichen "Stewardship Report" nennt der ETF-Anbieter allgemeine Richtlinien für das Abstimmverhalten und wie oft zu welchen Themen in einer Region wie abgestimmt wurde, allerdings ohne Details zu nennen. BNP Paribas führt nach eigener Aussage auch Dialoge mit Unternehmen, veröffentlicht hierzu aber keine Details.

Stärken:

  • Niedrige Gebühren
  • Best-in-Class-Verfahren mit ordentlichem Anspruch
  • Keine Investments in fossile Energie und Atomkraft

Schwächen:

  • Viele Toleranzen bei Ausschlusskriterien
  • Investments in Rüstung
  • Investments in Finanziers fossiler Energie und Rüstung

Fazit

Ein letztlich konventionell anlegender ETF, bei dem fossile Investments weitgehend außen vor bleiben – obwohl sie mit bestimmten Umsatzschwellen zugelassen sind. Aufgrund der guten Wertentwicklung ist der ETF eine Option für kompromissbereite Anlegerinnen und Anleger, die sich für eine hellgrüne Geldanlage unter Berücksichtigung von Klimaschutzaspekten interessieren.

ECOreporter-Noten:

Finanzen: 2,2

Nachhaltigkeit: 3,3

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

  • Schwere Verstöße gegen den UN Global Compact
  • Geächtete Waffen & Nuklearwaffen
  • Tabakproduzenten
  • Waffenherstellung für zivilen Handel
  • Kohleförderung
  • Öl- & Gas-Förderung

Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

  • Kohleverstromung (10%)
  • Wartung und Service für Waffensysteme (10%)
  • Konventionelle Waffenherstellung und Rüstung (5%)
  • Verkauf Waffen und Munition (5%)
  • Stromerzeugung aus Atomkraft (5%)
  • Handel mit Tabakwaren (5%)
  • Alkoholherstellung (5%)
  • Herstellung Pornografie (5%)
  • Glücksspielanbieter (5%)
  • Gentechnik für Lebensmittel (5%)

Daten und Fakten

Stichtag des Tests: 30.6.2022

Name des ETFs: BNP Paribas Easy MSCI World SRI S-Series PAB 5% Capped - UCITS ETF USD ACC

ISIN: LU1291108642 / WKN: A2AL1S

Nachgebildeter Index: MSCI World SRI S-Series PAB 5% Capped (NTR) Index 

Start des ETFs: 26.2.2016

Jährliche Gebühren: 0,25% (Gesamtkosten)

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: ausschüttend

Fondsvolumen: 30 Millionen Euro (6/2022)

Internet: www.easy.bnpparibas.de

Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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