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ETF-Test: Amundi MSCI Europe ESG Selection - UCITS ETF Acc
Der Amundi MSCI Europe ESG Selection ETF hat sich im Mai 2025 umbenannt. Zuvor nannte er sich ESG Leaders ETF, versprach also in europäische Unternehmen zu investieren, die eine Voreiterrolle bei der Nachhaltigkeit einnehmen. Seit der Umbenennung nimmt der ETF nun nur noch eine "Selection", also eine Auswahl bei den nachhaltigen Investments vor. Wie streng diese Auswahl ist kann und wie der ETF finanziell gelaufen ist, erfahren Sie im ECOreporter-Test.
Anbieter des ETFs ist der Finanzkonzern Amundi, eine Tochter der französischen Großbank Crédit Agricole. Seit Amundi 2021 den ebenfalls französischen Konkurrenten Lyxor geschluckt hat, ist das Unternehmen der größte ETF-Anbieter Europas. Amundi vertreibt auch nicht-nachhaltige ETFs, die in Öl, Kohle und Rüstung anlegen.
Finanzen/Risiko
Der ETF startete im Februar 2019. In den letzten zwölf Monaten gewann er 7,5 Prozent an Wert, der weltweite Aktienindex MSCI World legte im gleichen Zeitraum 10,9 Prozent zu. Auf fünf Jahre gesehen stieg der Kurs des ETFs um gute 63,6 Prozent, der MSCI World wuchs mit einem Plus von 101 Prozent allerdings noch deutlich stärker.
Die Jahresgebühr von 0,20 Prozent ist auch für einen ETF überdurchschnittlich günstig. Die Wertschwankungen fallen moderat aus. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens fünf, besser sieben Jahren.
Nachhaltigkeitskonzept
Der ETF investiert in 204 große und mittelgroße europäische Unternehmen. Er bildet einen Aktienindex des US-Finanzdienstleisters MSCI ab. Bewertung und Auswahl der Unternehmen stammen von MSCI.
Der Index bzw. ETF wählt Aktien nach einem "Best-in-Class"-Verfahren aus, dieses ist allerdings nicht besonders anspruchsvoll: Um zu den "Besten" zu zählen, reicht es Um für den ETF aber schon, wenn ein Unternehmen gemäß ESG-Bewertung in seiner Branche zur besseren Hälfte gehört. Es ist also nachvollziehbar, wenn der ETF nun nicht mehr von "ESG Leaders" also einem Investment in Vorreiter bei der Nachhaltigkeit spricht.
ESG steht für die Bereiche Ökologie (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (G wie Governance). Das Kürzel hat sich in der Finanzbranche als generelle Bezeichnung für Nachhaltigkeit durchgesetzt. Allerdings gibt es keine verbindlichen Standards dafür, was gute ESG-Kriterien ausmacht.
Ausschlusskriterien
Vollständig tabu für den ETF sind Investments in Unternehmen mit Verbindung zu geächteten Waffen (beispielsweise Landminen und Streumunition) und Nuklearwaffen. Auch Tabakproduzenten sind komplett tabu.
Bis zu bestimmten Umsatzanteilen sind etwa Geschäfte mit Kohlestrom, zivilen Schusswaffen und auch der unkonventionellen Gewinnung von Öl und Gas (etwa durch Fracking) erlaubt. Für konventionelle Öl- und Gasförderung gibt es gar keine Ausschlüsse.
Im Premium-Bereich dieses Tests finden Sie unter anderem die vollständige Liste der Ausschlusskriterien und eine ausführliche Einschätzung zur Nachhaltigkeit des ETFs.
So nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Der ETF investiert in die Öl- und Gasförderer OMV aus Österreich, Repsol aus Spanien, TotalEnergies aus Frankreich, Equinor und Aker aus Norwegen sowie Galp Energia aus Portugal. Da diese fast ausschließlich konventionelle Förderung im Sinne der ETF-Vorgaben betreiben, verstoßen sie nicht gegen Ausschlusskriterien.
Ebenfalls im Portfolio enthalten ist der spanische Energiekonzern Iberdrola, der auch Atomkraftwerke betreibt. Laut Iberdrola macht der Umsatz mit Atomenergie mittlerweile weniger als 3 Prozent an den Gesamteinnahmen aus.
Stören können sich Anlegerinnen und Anleger auch an den Luxuskonzernen LVMH und Kering aus Frankreich, die Pelzprodukte anbieten, sowie an der Fluggesellschaft Lufthansa. Es sind auch Unternehmen mit starker Nachhaltigkeitsbilanz im ETF vertreten. Dazu gehören etwa die Energiekonzerne Verbund aus Österreich und Orsted aus Dänemark, der ebenfalls dänische Windanlagenbauer Vestas, der irische Dämmstoffhersteller Kingspan oder der Hygienekonzern Essity aus Schweden.
Zu den zehn größten Positionen im ETF zählen der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk und der niederländische Halbleitermaschinen-Hersteller ASML, beiden bescheinigt ECOreporter ebenfalls eine gute Nachhaltigkeit. Weitere Top-Positionen sind etwa der Pharmakonzern Astrazeneca und die Großbank HSBC, beide aus Großbritannien, und auch TotalEnergies.
Die meisten Unternehmen im ETF kommen mit einem Anteil von 21 beziehungsweise 20 Prozent aus Großbritannien und Frankreich. Der am stärksten vertretene Sektor sind Finanzdienstleistungen mit 21 Prozent.
Transparenz
Amundi veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Webseite. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien werden online von Amundi knapp dargestellt. Der Indexanbieter MSCI liefert weitere Informationen zum Auswahlverfahren des abgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der Aktien im ETF finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs keine Informationen.
Nachhaltige Wirkung
In einem jährlich erscheinenden "Stewardship Report" (deutsch etwa "Bericht über wahrgenommene Verantwortung") dokumentiert Amundi sein Abstimmungsverhalten zu ESG-Themen auf den Hauptversammlungen von Aktienunternehmen. Dabei bietet Amundi eine Übersicht, an welchen Hauptversammlungen teilgenommen wurde, und nennt Beispiele, etwa wenn ein Vorstand wegen mangelhafter Nachhaltigkeitsziele nicht entlastet wurde. Die Übersicht ist allerdings sehr grob gehalten. Amundi macht keine Angaben zu Dialogen mit Unternehmen.
Stärken:
- Günstige Gebühren
- Keine Investments in Kohle
Schwächen:
- Schwaches Aktienauswahlverfahren
- Schwache Ausschlusskriterien
- Investments in Öl und Gas
- Investments in Atomkraft
Fazit
Investitionen in Vorreiter bei der Nachhaltigkeit? Davon kann bei diesem ETF keine Rede sein. Vielmehr haben es Anlegerinnen und Anleger hier mit einem laschen Auswahlverfahren und oberflächlichen Ausschlusskriterien zu tun. Grün ist hier nur das Etikett.
Die ECOreporter-Noten:
Finanzen: 2,0
Nachhaltigkeit: 5,0
Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.
Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.
Ausschlusskriterien
Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:
- Geächtete Waffen
- Nuklearwaffen
- Herstellung Tabakprodukte
- Verstöße gegen den UN Global Compact
Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:
- Herstellung von zivilen Schusswaffen und Munition (5%)
- Vertrieb von zivilen Schusswaffen und Munition (15%)
- Herstellung konventioneller Waffen (10%)
- Herstellung/Vertrieb von Produkten mit Tabak-Bezug (10%)
- Herstellung von Alkohol (10%)
- Glücksspiel-Angebote (10%)
- Nuklearenergie (10%)
- Kohlebergbau (5%)
- Unkonventionelle Öl- und Gasförderung (5%)
- Stromerzeugung aus Kohle (5%)
Weitere Ausschlusskriterien
- Anteil Kohlestrom an insgesamt erzeugter Energie (10 %)
Daten und Fakten
Stichtag des Tests: 11.3.2025
Name des ETFs: Amundi MSCI Europe ESG Selection - UCITS ETF Acc
ISIN LU1940199711 / WKN LYX99A
Nachgebildeter Index: MSCI Europe ESG Leaders Select 5% Issuer Capped
Start des ETFs: 12.2.2019
Jährliche Gebühren: 0,20 % (Gesamtkosten)
Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)
Ertragsverwendung: thesaurierend
Fondsvolumen: 1,2 Milliarden US-Dollar (3/2025)
Internet: www.amundietf.de
Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich