Dieser ETF soll für weniger Verschwendung und mehr Recycling stehen. Wie gut gelingt ihm das? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: Xtrackers MSCI Global Circular Economy UCITS ETF 1C

Der Xtrackers MSCI Global Circular Economy ETF steht dem Nahmen nach für Investitionen in die Kreislaufwirtschaft. Tatsächlich ist er aber auf ein breiter gefasstes Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen ausgerichtet. Wie grün ist das Portfolio tatsächlich? ECOreporter hat nachgeprüft.

Anbieter des ETFs ist Xtrackers, eine Tochter der Fondsgesellschaft DWS. Die wiederum gehört zur Deutschen Bank. Kein allzu gutes Omen für eine strenge Nachhaltigkeit, denn ein beträchtlicher Teil des Geldes, das Xtrackers und DWS anlegen, steckt in Kohle, Erdöl und Rüstung. Gegen die DWS gibt es immer wieder Greenwashing-Vorwürfe; in der Vergangenheit zahlte das Unternehmen in den USA und Deutschland Bußgelder in Höhe von insgesamt ungefähr 41 Millionen Euro (ECOreporter berichtete hier).

Finanzen / Risiko

Der ETF startete im Dezember 2022. Da er damit noch nicht ganz drei Jahre am Markt ist, erhält er keine Finanznote.

Die Jahresgebühren sind mit 0,35 Prozent etwas höher als bei anderen ETFs, aber immer noch günstig. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von fünf, besser sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 222 kleine, mittlere und große Unternehmen weltweit. Diese stammen sowohl aus Industrie- als auch aus Schwellenländern. Der ETF bildet einen Index des US-Finanzkonzerns MSCI nach; Auswahl und Bewertung der Aktien kommen von MSCI.

Die Unternehmen im ETF müssen Produkte und Dienstleistungen anbieten, die "nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen". Das ist die Definition des sogenannten UN-Nachhaltigkeitsziels 12, eines von 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, die 2015 von den Vereinten Nationen festgelegt wurden. Konkret müssen Unternehmen im ETF mindestens die Hälfte ihrer Umsätze mit Geschäften machen, die nach Einschätzung von MSCI in sechs Kategorien gehören:

  • Alternative Energie
  • Energieeffizienz
  • Grünes Bauwesen
  • Nachhaltige Wasserwirtschaft
  • Vermeidung von Umweltverschmutzung
  • Nachhaltige Agrarwirtschaft

Der Begriff "Alternative Energie" umfasst neben Erneuerbarer Energie auch Atomkraft.

Zusätzlich müssen Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsbewertung von MSCI eine bestimmte Mindestnote erhalten. Außerdem gelten Ausschlusskriterien.

Anders, als die Bezeichnung "Global Circular Economy" im Namen des ETFs suggeriert, geht es also nicht allein um die Kreislaufwirtschaft, sondern vor allem um den Beitrag zu einem verantwortungsvolleren Konsum- und Produktionsverhalten insgesamt.

Ausschlusskriterien

Der ETF schließt Unternehmen vollständig aus, die an Geschäften mit geächteten Waffen und Atomwaffen beteiligt sind, zivile Schusswaffen herstellen oder gegen den UN Global Compact verstoßen, also etwa Menschen- und Arbeitsrechte grob verletzen. Auch Produzenten von Tabakprodukten und Unternehmen, die Kohle fördern, sind komplett tabu.

Ebenfalls ausgeschlossen werden Unternehmen, die mehr als 5 Prozent ihres Umsatzes etwa mit der Stromerzeugung aus Kohle oder Atomkraft erzielen. Die gleiche Umsatzschwelle gilt für unkonventionelle Förderung von Öl und Gas. Unkonventionell meint besonders eine Gewinnung aus Ölsanden oder -schiefer. Explizit nicht von diesem Ausschluss betroffen sind etwa Tiefseebohrungen, auch nicht in der Arktis. Für diese "konventionelle" Förderung gelten gar keine Einschränkungen. Eine vollständige Liste der Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.

So nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der ETF investiert in den kanadischen Energieerzeuger Brookfield Renewable. Dieser betreibt nicht nur Wasser-, Solar- und Windkraftwerke, sondern hält auch einen Anteil an dem US-Atomkraftwerksbetreiber Westinghouse Electric. Brookfield sieht das als Beitrag zur Energiewende. Die vom ETF vorgeschriebene Umsatzschwelle von 5 Prozent wird mit den Erlösen aus Kernenergie nicht überschritten. Der im ETF ebenfalls vertretene Energieversorger Energias de Portugal (EDP) erzeugt Energie fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen, hat aber immer noch ein geringes Geschäft mit Kohle und Gas. Die Geschäfte liegen deutlich unter der Umsatzschwelle von 5 Prozent. Was dabei aber irritiert: Der ETF könnte auch in die Konzerntochter EDP Renováveis (EDPR) investieren, die ausschließlich auf Erneuerbare Energie setzt.

Im ETF-Portfolio sind auch sehr grüne Energieunternehmen vertreten wie Ørsted aus Dänemark, Solaria aus Spanien und Verbund aus Österreich. Hinzu kommen weitere nachhaltige Aktien wie der dänische Windanlagenbauer Vestas, die Wechselrichterhersteller Enphase Energy aus den USA und SolarEdge aus Israel oder der US-Solarmodulhersteller First Solar.

Insgesamt investiert der ETF allerdings wie die meisten ETFs sehr konventionell. Unter den zehn größten Positionen sind unter anderem die Chipkonzerne Nvidia und Intel aus den USA sowie TSMC aus Taiwan und der chinesische Smartphonehersteller Xiaomi. Wieso gerade diese Unternehmen besonders für eine nachhaltigere Zukunft von Produktion und Konsum stehen, bleibt unklar. Der Großteil der Aktien im ETF stammt mit 44 Prozent aus den USA. Die am stärksten vertretene Branche ist IT mit 36 Prozent.

Transparenz

Xtrackers veröffentlicht alle aktuellen Aktienpositionen des ETFs. In den Unterlagen zum ETF wird das Auswahlverfahren knapp beschrieben. Auf der Internetseite des Indexanbieters MSCI erfahren Anlegerinnen und Anleger mehr über das Auswahlprinzip des nachgebildeten Index. Zur Nachhaltigkeit der einzelnen Aktien gibt es im Factsheet des ETFs keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Die DWS, Muttergesellschaft des ETF-Anbieters Xtrackers, stellt ihre Kommunikation mit Unternehmen auf Hauptversammlungen auf ihrer Website transparent und übersichtlich dar. Ein jährlich erscheinender "Stewardship Report" fasst die Abstimmungsrichtlinien und Abstimmungsergebnisse eher allgemein zusammen. Zusätzlich finden Anlegerinnen und Anleger aber etwa auch eine Übersicht über alle Fragen, die DWS-Vertreter auf Hauptversammlungen von Unternehmen zu Nachhaltigkeitsthemen gestellt haben. Die DWS stellt online zudem ihren Leitfaden für den Dialog mit Unternehmen vor, macht aber keine Angaben zum tatsächlichen Austausch.

Stärken:

  • Informationen über Stimmverhalten
  • Keine Investments in Öl- und Gasförderung
  • Viele grüne Unternehmen im ETF

Schwächen:

  • Kaum aufs Thema abgestimmte Aktienauswahl
  • Geringe Investments in Atomkraft und fossile Energie

    Fazit

    Der ETF verspricht viel, hält davon aber letztlich wenig. Obwohl sich zahlreiche grüne Aktien im Portfolio finden, bleibt von der angeblichen Ausrichtung auf Unternehmen, die "nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen", bei einer genauen Betrachtung des Portfolios nicht viel übrig. Die Investitionen sind überwiegend konventionell. Das fällt besonders im Vergleich mit dem ebenfalls von ECOreporter getesteten Rize Circular Economy Enablers ETFauf, der sich tatsächlich stark auf Wiederverwertung und Ressourcenschonung ausrichtet und dabei in ungewöhnliche Positionen wie Gebrauchtwagenhändler und Baumaschinen-Vermieter investiert. Der Xtrackers MSCI Global Circular Economy ist zwar ein vertretbarer hellgrüner ETF, als Kreislaufwirtschafts-ETF aber kaum erwähnenswert.

    ECOreporter-Noten:

    Finanzen: --
    Nachhaltigkeit: 3,7

    Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

    Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier

    Ausschlusskriterien

    Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

    • Geächtete Waffen
    • Nuklearwaffen
    • Kohleförderung
    • Herstellung zivile Schusswaffen
    • Verstöße gegen den UN Global Compact

    Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

    • Vertrieb zivile Waffen/Munition (5%)
    • Herstellung/Vertrieb konventionelle Waffen (5%)
    • Vertrieb Tabak (5%)
    • Produktion Pornografie (5%)
    • Vertrieb Pornografie (15%)
    • Herstellung Alkohol (5%)
    • Vertrieb Alkohol (15%)
    • Glücksspielangebote (5%)
    • Anteile an Glücksspielangeboten (15%)
    • Produktion/Vertrieb gentechnisch modifizierte Organismen (5%)
    •  Stromerzeugung aus Atomkraft (5%)
    • Dienstleistungen Atomkraft (15%)
    • Förderung Ölsande (5%)
    • Stromerzeugung Kohle (5%)

    Daten und Fakten

    Stichtag des Tests : 11.8.2025

    Name des ETFs: Xtrackers MSCI Global Circular Economy UCITS ETF 1C

    ISIN: IE000Y6ZXZ48 / WKN: DBX0TB

    Nachgebildeter Index: MSCI ACWI IMI SDG 12 Responsible Consumption and Production Select Index

    Start des ETFs: 13.12.2022

    Jährliche Gebühren: 0,35% (Gesamtkosten)

    Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

    Ertragsverwendung: thesaurierend

    Fondsvolumen: 4,2 Millionen Euro (8/2025)

    Internet: etf.dws.com

    Risiko: Totalverlust unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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