Das 1,5-Grad-Ziel von Paris einhalten und trotzdem in Konzerne wie ThyssenKrupp investieren – geht das? / Foto: Pixabay

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ETF-Test: Franklin STOXX Europe 600 Paris Aligned Climate ETF

Der Franklin STOXX Europe 600 Paris Aligned Climate ETF verspricht an den Klimazielen von Paris ausgerichtete Investments in große europäische Unternehmen. Wie kohlenstoffarm ist der ETF wirklich – und wie steht es sonst mit der Nachhaltigkeit im Aktienpaket? ECOreporter hat genau hingeschaut.

Anbieter des ETFs ist die US-Investmentgesellschaft Franklin Templeton Investments. Diese ist mit knapp 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit aktiv und selbst börsennotiert. Hauptsitz ist in San Mateo, Kalifornien (USA). Franklin Templeton legt Kundengeld auch in Öl, Kohle und Rüstung an.

Finanzen/Risiko

Der ETF startete am 29. Juli 2020. Da er keine drei Jahre am Markt ist, erhält er von ECOreporter keine Finanznote.

Hier finden Sie den aktuellen Kurs des ETFs bei ECOreporter und Details zur Wertentwicklung

Die Jahresgebühren sind mit 0,15 Prozent günstiger als bei anderen ETFs. ECOreporter empfiehlt eine Haltedauer von mindestens sieben Jahren.

Nachhaltigkeitskonzept

Der ETF investiert in 506 mittlere und große europäische Unternehmen, die sich "an den Zielen des Pariser Abkommens ausrichten", wie es in der Beschreibung des ETFs heißt. Zu den „Zielen des Pariser Abkommens“ gehört insbesondere das Verhindern eines Anstiegs der globalen Erwärmung um mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Die Methode zur Auswahl der Unternehmen ist allerdings nur ein eher schwaches „Best-in-Class“-Verfahren: Um in den Index aufgenommen zu werden, muss ein Unternehmen in seiner Branche zur Hälfte mit der besseren CO2-Bilanz gehören. Zudem soll es seinen Treibhausgas-Ausstoß jährlich um 7 Prozent reduzieren. Außerdem gelten Ausschlusskriterien.

Der ETF bildet einen Index des Anbieters STOXX Limited nach, einer Schweizer Tochter der Deutsche Börse AG. Die Bewertung und Auswahl der Unternehmen nimmt die Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS ESG im Auftrag von STOXX vor.

Ausschlusskriterien

Vollständig ausgeschlossen sind Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zu geächteten Waffen (etwa Landminen und Streumunition) sowie Firmen, die gegen den UN Global Compact verstoßen oder Tabakprodukte herstellen. Für konventionelle Waffen und Rüstungsgüter sowie die Förderung und Verstromung von fossilen Brennstoffen gelten Umsatzschwellen. Eine genaue Auflistung der Ausschlusskriterien finden Sie im Premium-Bereich.

Wie nachhaltig ist dieser ETF?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Die Energiekonzerne Electricite de France aus Frankreich, Drax Group aus Großbritannien und Energias de Portugal betreiben Kohlekraftwerke, Electricite de France unterhält außerdem Atomkraftwerke, ebenso wie Iberdrola aus Spanien. Der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto fördert Kohle und Uran.

Weitere kritische Beteiligungen im Aktienpaket des ETFs sind etwa der Rüstungskonzern Rheinmetall aus Düsseldorf und der Stahlkocher ThyssenKrupp aus Essen, der über seine Tochter Marine Systems (TKMS) ebenfalls als Rüstungshersteller aktiv ist. Der Schweizer Luxuskonzern Compagnie Financiere Richemont stellt Jagdwaffen her.

Immer wieder in der Kritik steht zudem der Leverkusener Chemiekonzern Bayer, insbesondere wegen der Tochter Monsanto: Diese ist Weltmarktführerin bei genmanipuliertem Saatgut, und das Pflanzenschutzmittel Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Seit Jahren führt Bayer daher eine Reihe von Prozessen in den USA und wurde bereits zu Millionenstrafen verurteilt.

Darüber hinaus investiert der ETF auch in zahlreiche Glücksspielkonzerne (u.a. Evolution AB, Entain, Flutter Entertainment) und Alkoholhersteller (etwa Heineken, Diageo, Anheuser-Busch, Carlsberg).

Eine Möglichkeit für den ETF, sein vorgebliches Engagement für die Klimaziele von Paris transparent zu zeigen, wäre etwa, nur in Unternehmen zu investieren, die ihre Klimaziele durch die Science Based Targets Initiative (SBTi) überprüfen lassen. Die SBTi ist ein Zusammenschluss globaler Organisationen wie dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dem Carbon Disclosure Project (CDP), das sich für mehr Transparenz bei Umweltdaten von Unternehmen einsetzt. Bei der Feststellung, ob Klimaziele von Unternehmen im Einklang mit dem Pariser Abkommen stehen, ist die SBTi eine anerkannte Autorität.

Tatsächlich besitzt die SBTi zwar nicht zu allen Unternehmen des ETFs Daten. Zumindest aber die Kraftwerksbetreiber sowie andere besonders kohlenstoffintensive Konzerne im Aktienpaket (Chemie, Stahl) erfüllen mit ihrer aktuellen Umweltstrategie laut SBTi das 1,5-Grad-Ziel.

Die größte Position des ETFs ist der umstrittene Lebensmittelkonzern Nestlé, weitere Top-Ten-Investments sind etwa der weltgrößte Luxuskonzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton aus Frankreich, der auch mit Pelzen handelt, und der ECOreporter-Aktien-Favorit Linde aus der Kategorie Nachhaltige Dividendenkönige.

Transparenz

Der Anbieter veröffentlicht das vollständige Portfolio des ETFs auf seiner Website. Das Aktienauswahlprinzip und die Ausschlusskriterien sind in den Unterlagen zum ETF vergleichsweise ausführlich erläutert. Der Indexanbieter STOXX liefert weitere Informationen zum Auswahlprinzip des abgebildeten Index, der ETF-Anbieter weist in seinen Unterlagen auf diese Informationen hin und verlinkt zu ihnen. Zur Nachhaltigkeit der Unternehmen, deren Aktien der ETF hält, finden Anlegerinnen und Anleger in den öffentlich zugänglichen Dokumenten des ETFs keine Informationen.

Nachhaltige Wirkung

Franklin Templeton veröffentlicht jährlich einen sogenannten Stewardship-Report, in dem die Investmentgesellschaft ihr Stimmverhalten und Fragen auf Aktionärsversammlungen von Unternehmen dokumentiert, insbesondere zu ESG-Themen. Zudem erklärt Franklin Templeton, mit welchen Unternehmen es zu welchen Themen beabsichtigt, Dialoge zu führen.

Stärken:

  • Günstige Gebühren
  • Breit aufgestellter ETF
  • Übereinstimmung mit dem 1,5-Grad-Ziel

Schwächen:

  • Schwaches Auswahlverfahren
  • Ausschlüsse mit hohen Umsatzschwellen
  • Investments in fossile Energie
  • Investments in Atomkraft
  • Investments in Waffen und Rüstung
  • Zahlreiche weitere kritische Investments

    Fazit 

    Es ist löblich, dass insbesondere die Energiekonzerne und andere treibhausgasintensive Unternehmen im ETF laut unabhängigen Quellen das 1,5-Grad-Ziel erreichen. Damit hält der ETF sein zentrales Versprechen ein. Aber neben Geschäften mit fossilen Brennstoffen gibt es noch weitere fragwürdige Geschäftsbereiche, die nachhaltigen Anlegerinnen und Anlegern Bauchschmerzen bereiten können, etwa Waffen, Gentechnik und Glücksspiel. Ein empfehlenswertes nachhaltiges Investment ist der ETF somit letztlich nicht.

    ECOreporter-Noten:

    Finanzen: --

    Nachhaltigkeit: 4,7

    Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

    Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

    Ausschlusskriterien ohne Umsatzschwelle:

    • Geächtete Waffen
    • Herstellung Tabakprodukte
    • Verstöße gegen den UN Global Compact

    Ausschlusskriterien mit Umsatzschwelle:

    • Kohle (Förderung und Strom) (10%)
    • Erdöl (Förderung und Strom) (10%)
    • Erdgas (Förderung und Strom) (10%)
    • Stromerzeugung mit einer Kohlenstoffintensität von mehr als 100 g CO2/kWh (50%)

    Daten und Fakten

    Stichtag des Tests: 10.6.2022

    Name des ETFs: Franklin STOXX Europe 600 Paris Aligned Climate UCITS ETF

    ISIN: IE00BMDPBY65 / WKN: A2P5CM

    Nachgebildeter Index: STOXX Europe 600 Paris-Aligned-NR Index

    Start des ETFs: 29.7.2020

    Jährliche Gebühren: 0,15 % (Gesamtkosten)

    Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

    Ertragsverwendung: thesaurierend

    Fondsvolumen: 17,9 Millionen Euro (6/2022)

    Internet: www.franklintempleton.de

    Totalverlustrisiko: unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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