Der italienische Konzern Saipem verlegt Pipelines und bohrt nach Öl und Gas. / Foto: imago images, Ton Koene

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ETF-Test: iShares Dow Jones Eurozone Sustainability

Der iShares Dow Jones Eurozone Sustainability Screened UCITS ETF schließt Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Rüstungsgüter, Waffen und Pornografie aus. Reicht das für ein wirklich nachhaltiges Portfolio? Und wie schlägt der ETF sich finanziell?

Anbieter des ETFs ist iShares, eine Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock. Im ETF sind nach Angaben von iShares die bei der Nachhaltigkeit führenden größten Unternehmen der Eurozone.

Ob sich der ETF für nachhaltige Anleger eignet, erfahren Sie im Premium-Bereich.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Finanzen / Risiko:

Finanziell hat sich der ETF sehr schwach entwickelt. Auf Sicht von einem Jahr hat er 6,23 Prozent an Wert verloren (Stichtag: 30. Juni 2020). Der weltweite Aktienindex MSCI World legte im selben Zeitraum um 0,86 Prozent zu. Auf fünf Jahre gesehen liegt der ETF nur 14,42 Prozent im Plus (MSCI World: 38,3 Prozent).

Die jährlichen Gebühren sind mit 0,41 Prozent im Vergleich zu anderen ETFs schwacher Durchschnitt. Über drei Jahre schwankte der Kurs stark. Anleger sollten den ETF mindestens sieben, besser zehn Jahre halten.

Nachhaltigkeitskonzept:

Der ETF legt in einen Index an, der aus denjenigen Unternehmen der Eurozone gebildet wird, die im Dow Jones Sustainability Index vertreten sind.

Den Dow Jones-Nachhaltigkeitsindex stellt der US-Finanzdienstleister S&P Global mittels eines Best-in-Class-Verfahrens zusammen: In den Index kommen die 20 Prozent wirtschaftlich stärksten und zugleich nachhaltigsten Unternehmen des weltweit ausgerichteten Broad Market Index von S&P Global.

Ausschlusskriterien:

Ausgeschlossen werden Unternehmen, die Umsätze mit Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Rüstungsgütern und Schusswaffen sowie Pornografie erzielen. Die ECOreporter-Prüfung des Portfolios ergab, dass der ETF diese Kriterien einhält. So finden sich in dem ETF keine Einzelhändler oder Restaurant- und Hotelketten, die Zigaretten oder Alkohol anbieten.

Es bleibt aber ein großer blinder Fleck: Unternehmen aus dem Sektor fossile Brennstoffe sind nicht ausgeschlossen. Atomkraft ist ebenfalls vertreten.


Total: Ölkonzern als Top-Position / Energias de Portugal: Produzent von Gas- und Kohlestrom, Fotos: Unternehmen

So nachhaltig bzw. nicht nachhaltig sind die Aktien in diesem ETF:

Zu den größten Positionen im Portfolio gehören etwa der Mineralölkonzern Total und der spanische Energiekonzern Iberdrola, der auch Atomkraftwerke betreibt. Zudem finden sich mehrere Gas- und Kohlestromerzeuger (Enagas, Saipem, Engie). Auffällig nachhaltige Werte sind nicht vertreten, insgesamt ist die Aktienauswahl sehr konventionell.

Transparenz:

Alle Aktienpositionen des ETFs sind auf dessen Website aktuell einsehbar, hinzu kommt eine oberflächliche Beschreibung des Nachhaltigkeitsansatzes inklusive der Ausschlusskriterien.

Wie genau die Aktien ausgewählt werden, erfahren Anleger nur auf der Website von S&P Global, dem Anbieter des nachgebildeten Index. Die Informationen gibt es nur auf Englisch.

Nachhaltige Wirkung:

BlackRock als Mutter des Anbieters iShare übt nach eigenen Angaben Stimmrechte aus und tritt in Dialog mit Unternehmen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen. Die Angaben im Internet dazu bleiben aber sehr allgemein. Konkrete Forderungen an Unternehmen werden nicht genannt. Zudem sind die Informationen nur auf Englisch verfügbar.

Stärken:

  • Null-Toleranz-Prinzip bei Ausschlusskriterien

Schwächen:

  • Schlechte Wertentwicklung
  • Investments in Kohle, Gas, Erdöl und Atomkraft


Fazit:

Ist ein Weingut zu betreiben weniger nachhaltig als ein Atomkraftwerk? Wenn man nach diesem ETF geht, dann offenbar ja. Denn Alkohol ist in diesem angeblich nachhaltigen ETF kategorisch ausgeschlossen, Atomkraft aber erlaubt. Ebenso Geschäfte mit Kohle, Erdgas und Öl.

Die Prioritäten bei den Ausschlusskriterien sind kaum nachvollziehbar. Aus nachhaltiger Sicht spricht wenig für den ETF. Und aufgrund seiner schlechten Wertentwicklung gibt es auch keine anderen Gründe, ihn zu kaufen.

Die ECOreporter-Noten:

Finanzen: 4,3
Nachhaltigkeit: 5,3

Details zum Benotungssystem von ECOreporter finden Sie hier.

Alle bisherigen ETF-Tests finden Sie hier.

Daten und Fakten

Stichtag des Tests: 30.6.2020

Name des ETFs:
iShares Dow Jones Eurozone Sustainability Screened UCITS ETF

ISIN  DE000A0F5UG3

WKN  A0F5UG

Nachgebildeter Index:

Dow Jones Sustainability Eurozone Index ex Alcohol, Tobacco, Gambling, Armaments & Firearms and Adult Entertainment

Start des ETFs: 27.3.2006

Jährliche Gebühren: 0,41 %

Replikationsmethode: physisch (Indexnachbildung durch Kauf der Aktien)

Ertragsverwendung: ausschüttend

Fondsvolumen: 137 Millionen Euro (30.6. 2020)

Internet: www.ishares.com

Totalverlustrisiko: Unwahrscheinlich, Teilverluste möglich

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