Eine indische Kreditkundin des GLS Mikrofinanzfonds. / Foto: GLS Bank

  Fonds / ETF, Gut erklärt - Mikrofinanzen

Im Test: Vier sehr nachhaltige Mikrofinanzfonds

Armen Menschen helfen und dafür solide Renditen erhalten, auch in Krisenzeiten? Das geht: mit Mikrofinanzfonds. Vier dieser Fonds treten im ECOreporter-Test gegeneinander an.

Die vier getesteten Fonds sind seit Jahren etabliert: So startete der Dual Return Fund – Vision Microfinance der österreichischen Investmentgesellschaft Impact AM bereits 2006. Den IIV Mikrofinanzfonds gibt es seit 2011. Das IIV steht für die Frankfurter Invest in Visions GmbH, deren Geschäftsführerin Edda Schröder den Fonds gegründet und mittlerweile zum größten der vier Mikrofinanzfonds hat reifen lassen.

Die anderen beiden Fonds sind 2015 gestartet. Der GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds stammt von der Bochumer GLS Bank, den KCD Mikrofinanzfonds – III hat die Bank im Bistum Essen aufgelegt, die seit vielen Jahren selbst im Bereich Mikrofinanz investiert. Das KCD steht für Kirche – Caritas – Diakonie.

Stabile Wertentwicklung

Auf fünf Jahre gesehen erzielten die vier Fonds insgesamt Wertzuwächse zwischen 3,3 und 9,0 Prozent (siehe Tabelle unten im Premium-Bereich; Stand aller Daten in diesem Artikel: 31.10.2022; im Premium-Bereich finden Sie auch aktuellere Einzeltests zu zwei Fonds). Im Vergleich mit anderen eher defensiven Geldanlagen sind das solide Renditen.

In der Coronakrise verloren alle Mikrofinanzfonds zwischenzeitlich an Wert. Allerdings nicht viel. Und auch nicht in erster Linie wegen Kreditausfällen, sondern wegen der Bewertungsmethoden der Fonds. Denn die Kurse von Mikrofinanzfonds bilden sich nicht wie bei Aktien am freien Markt durch Angebot und Nachfrage. Vielmehr werden sie von spezialisierten Agenturen festgelegt. Diese bewerten die Qualität der Kredite, berücksichtigen aber auch Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Länder, in denen die Fonds Kredite vergeben. Und diese Risikoaufschläge, die keinen direkten Zusammenhang zum Mikrofinanzsektor haben, sind nach Ausbruch der Coronapandemie deutlich gestiegen. Das wiederum drückte die Kurse der Fonds.

Krisenerprobte Kreditnehmerinnen

Viele Mikrofinanzkunden (über die Hälfte sind Frauen) kommen auch deshalb gut durch die Coronakrise, weil sie ihre Kreditraten zwischenzeitlich aussetzen konnten. Mittlerweile haben die meisten ihre Zahlungen nachgeholt. Und auch die gestiegenen Inflationsraten und Leitzinsen in den Industrieländern, deren negative Auswirkungen die ärmeren Weltgegenden überwiegend noch nicht erreicht haben, bereiten den Fondsanbietern kaum Sorgen.

„Die Menschen in diesen Ländern werden oft von Krisen oder Naturkatastrophen beeinträchtigt. Sie sind sehr gut darin, sich diesen schnell anzupassen“, sagt etwa Michael Zink, Leiter der Kundenabteilung bei Invest in Visions. Weil mit den Leitzinsen auch die Kreditzinsen steigen, rechnen die Fondsgesellschaften weiterhin mit robusten Renditen.

Nicht teurer als Aktienfonds

Die Jahresgebühren der getesteten Fonds liegen zwischen etwa 1,62 und 1,95 Prozent. Das ist überraschend wenig im Vergleich zu vielen Aktienfonds, die ähnlich viel kosten, aber einen deutlich geringeren Verwaltungsaufwand haben.

Mikrofinanzfonds kann man allerdings nicht wie Aktienfonds von einem Tag auf den anderen verkaufen. Schließlich ist der Großteil des Kapitals in Krediten gebunden. Beim GLS AI-Mikrofinanzfonds können Anlegerinnen und Anleger die Anteile nur einmal pro Halbjahr zurückgeben. Beim KCD und dem IIV darf man alle drei Monate verkaufen, beim Dual Return Fund monatlich. Der Kauf ist bei allen vier Fonds einmal pro Monat möglich.

Vorbildliche Nachhaltigkeit

Das aus nachhaltiger Sicht wichtigste Argument für Mikrofinanzfonds: Sie haben eine sehr hohe soziale Wirkung. Denn in armen Regionen der Welt kann eine Schneiderin oft schon mit einem kleinen Kredit eine Nähmaschine erwerben und sich selbstständig machen. Herkömmliche Banken vergeben solche Kleinstkredite jedoch meist nicht. Sie befürchten dabei mehr Aufwand als Ertrag.

Vor allem aber leben in Schwellen- und Entwicklungsländern viele Menschen nicht in der Nähe einer Bank. Sie könnten sich vielleicht Geld bei einem lokalen Kredithai leihen, die Zinsen sind dann aber exorbitant hoch. Mikrofinanzen helfen hier. Dabei sind auch die Mikrokredite nicht billig, sie werden oft mit 15 bis 30 Prozent pro Jahr verzinst. Das ist stattlich, liegt aber noch weit unter den Tarifen lokaler Geldverleiher.

Die Zinsen sind meist auch nur prozentual sehr hoch – die realen Summen sind oft niedrig. Wenn ein Kreditsachbearbeiter per Moped 500 Dollar zu einer Kundin oder einem Kunden im Dschungel bringt, ist das teuer. Der Zinsaufwand liegt dennoch pro Halbjahr (und bei einem Zinssatz von 20 Prozent) nur bei 50 Dollar. Dicke Gewinne fahren Mikrofinanzinstitute mit solchen Krediten nicht ein.

Strenge Prüfung der Partnerinstitute

Die vier Fonds wählen ihre Kreditpartner in den jeweiligen Ländern nach strengen Kriterien aus. Die Mikrofinanzinstitute, die das Geld vor Ort an die Endkunden verleihen, müssen nachweisen, dass ihre Zinsen angemessen sind und dass sie ihre Kundinnen und Kunden kompetent betreuen. Zudem legen die Fonds Wert darauf, dass die Mikrofinanzinstitute außer Krediten weitere Finanzdienstleistungen anbieten, zum Beispiel Sparmöglichkeiten und Versicherungen, etwa gegen Ernteausfälle.

Alle getesteten Fonds schneiden bei der Nachhaltigkeit gut bis sehr gut ab (siehe Tabelle im Premium-Bereich). Nennenswerte Unterschiede gibt es nur bei der Transparenz: Der IIV Mikrofinanzfonds, der Dual Return Fund und der GLS AI-Mikrofinanzfonds informieren ausführlich über Nachhaltigkeitskonzepte und Auswahlverfahren. Das GLS-Produkt hat zudem als einziger Fonds einen unabhängigen Anlagebeirat. Beim KCD Mikrofinanzfonds erhalten Anlegerinnen und Anleger etwas weniger Informationen. Dafür hat der Fonds sich finanziell am besten entwickelt.

Ein Fazit des Vergleichstests, die detaillierten ECOreporter-Testdaten und ausführliche PDF-Einzeltests aller vier Mikrofinanzfonds finden Sie im Premium-Bereich.

So funktionieren Mikrofinanzfonds

2015 erhielt Roberto Gómez Morán seinen ersten Mikrokredit – 500 US-Dollar. Damit konnte der Landwirt aus Panama seinen kleinen Bauernhof ausbauen. Als das erste Darlehen zurückgezahlt war, nahm Morán ein zweites auf, später noch weitere. Heute ist der Hof so groß, dass auch Moráns sechs Brüder dort arbeiten, in der Hochsaison zudem die Nachbarn. Morán züchtet Geflügel und baut Mais, Bananen und Straucherbsen an – ohne den Einsatz von Chemikalien.

Wie Morán gelingt es vielen Kleinstunternehmern in ärmeren Weltgegenden, sich mit Mikrokrediten aus der Armut herauszuarbeiten. Das Kapital für diese Kredite sammeln Mikrofinanzfonds ein. Sie verleihen das Geld an sogenannte Mikrofinanz-Dachorganisationen. Die wiederum vergeben es an Mikrofinanzbanken vor Ort in den Zielländern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Banken bringen das Geld zu den Kundinnen und Kunden. Manchmal fahren sie dazu mit dem Moped durch den Dschungel; später holen sie auf dieselbe Art Zinsen und Rückzahlungen ab.

Weil ein Mikrofinanzfonds in der Regel mit Dutzenden von Mikrofinanzinstituten zusammenarbeitet, verteilen sich die Risiken. Hin und wieder gerät zwar eine Mikrofinanzbank in Schwierigkeiten, derzeit vor allem in Ländern, die besonders stark unter der Corona-Pandemie leiden. Insgesamt haben sich die Mikrofinanzfonds in den letzten Jahren jedoch als sehr solide erwiesen, auch wegen der extrem hohen Rückzahlungsmoral der Kreditnehmer. Denn ein Mikrokredit ist für viele arme Menschen die einzige Möglichkeit, sich eine Existenz aufzubauen.

Mikrofinanz-Geldanlage mit Oikocredit

Cuenca in Ecuador leidet unter hoher Arbeitslosigkeit. Hoffnung auf einen Ausweg aus der Misere gibt es hier vor allem durch Menschen wie Carlos Cajas. Er ist Inhaber des Unternehmens Talleres Cajas, das Metallbauteile für große Gebäude herstellt. Als Cajas anfangs Kapital benötigte, wandte er sich an eine ecuadorianische Spar- und Kreditgenossenschaft. Cajas erhielt einen Gründerkredit und kaufte unter anderem Maschinen. Heute arbeiten hier außer ihm zehn Menschen. Die Kreditgenossenschaft hat ein wichtiges Partnerunternehmen: Oikocredit. Diese Genossenschaft gehört zu den Pionieren im Mikrofinanzbereich. Seit 1975 vergibt sie Mittel an Mikrofinanzinstitute, Genossenschaften und kleinere Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Fast 59.000 Menschen und Organisationen sind direkt oder indirekt an Oikocredit beteiligt. Fast die Hälfte der Anlegerinnen und Anleger kommt aus Deutschland. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Amersfoort in den Niederlanden; in Deutschland gibt es sieben Förderkreise, die als Vereine organisiert sind. Bis Mitte 2022 war es so: Wer dort Mitglied wurde, konnte Anteile erwerben. Der jeweilige Förderkreis verwaltete sie als Treuhänder. In guten Geschäftsjahren winkten bei Oikocredit 1 bis 2 Prozent Dividende. Für 2020 hat das Unternehmen wegen der Pandemie keine Dividende ausgeschüttet. 2021 lag die Dividende bei 0,5 Prozent.

Voraussichtlich ab März 2023 wird Oikocredit ein neues Beteiligungsmodell anbieten, bei dem man über Partizipationsscheine in das Unternehmen investieren kann - auch ohne Mitgliedschaft.

Das Ergebnis der Geldanlage gibt es übrigens auch zum Essen und Anfassen – viele der von Oikocredit geförderten Fair-Trade-Produkte sind hierzulande erhältlich, darunter fair gehandelter Zucker und Kaffee, Kleidung aus Bio-Baumwolle oder Kosmetikprodukte.

Mehr zum Thema Mikrofinanz finden Sie hier.

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