Diese Frauen in Tadschikistan haben sich mit Mikrofinanzkrediten ein Geschäft aufgebaut. / Foto: Opmeer Reports, Oikocredit

  Fonds / ETF, Gut erklärt - Mikrofinanzen

Mikrofinanzfonds: Stabile Renditen trotz Corona

Sie gelten als vergleichsweise sicher und sehr nachhaltig: Mikrofinanzfonds bieten eine gute Alternative für Anlegerinnen und Anleger, die ihr Geld weit weg von Börsenturbulenzen investieren wollen. Wie haben sich die vier von ECOreporter getesteten Mikrofinanzfonds im Pandemie-Jahr 2020 geschlagen?

Mikrofinanzfonds sind ein soziales Investment. Sie sammeln bei Anlegerinnen und Anlegern Kapital ein, um in armen Gegenden der Welt Mikrokredite zu finanzieren. Das sind Darlehen an Kleinstunternehmerinnen und -unternehmer, die sich damit eine wirtschaftliche Existenz aufbauen wollen.

Mikrofinanzfonds gelten als vergleichsweise robuste Anlageform. Sie verleihen das Anlegergeld an Mikrofinanz-Dachorganisationen. Diese wiederum vergeben es an Mikrofinanzbanken vor Ort. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Banken bringen das Geld zu den Kundinnen und Kunden und holen es später wieder ab, samt Zinsen. Die Rückzahlungsmoral der Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer ist extrem gut - schließlich ist ein Mikrokredit für viele Menschen ohne sonstigen Zugang zu Finanzdienstleistungen eine meist einmalige Chance, sich aus der Armut zu befreien.

ECOreporter hat vier Mikrofinanzfonds getestet, in die deutsche Privatanlegerinnen und -anleger investieren können. Alle Fonds haben sich in der Corona-Krise als stabil erwiesen: Obwohl viele Partnerländer stark unter der Pandemie litten und immer noch leiden, verlor keiner der Fonds im letzten Jahr an Wert. Und in der Summe verzeichnete auch kein Fonds Mittelabflüsse - wer in Mikrofinanz investiert ist, bleibt es offenbar in der Regel auch in schwierigen Zeiten.

Im Premium-Bereich erfahren Sie, welcher Mikrofinanzfonds 2020 und auf Sicht von fünf Jahren am besten gelaufen ist und was die Anbieter für 2021 erwarten. Den ausführlichen ECOreporter-Vergleichstest der Fonds finden Sie hier.

Hintergrundinformationen zum Thema Mikrofinanzen lesen Sie im ECOreporter-Dossier "Gut erklärt: Mikrofinanzen“.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Wertentwicklung der von ECOreporter getesteten Mikrofinanzfonds zum Stichtag 31.12.2020 (sortiert nach der 5-Jahres-Performance):

FondsnameWKNWertzuwachs 1 Jahr (%)Wertzuwachs 5 Jahre (%)Jahres- kosten (%)Volumen in Mio. EuroGesamtnote im Test
KCD Mikrofinanzfonds - III412A0Y1,288,541,581012,0
IIV MikrofinanzfondsA1H44T0,927,042,037722,1
GLS AI-Mikrofinanzfonds AK AA142F20,386,471,911941,9
Dual Return Fund - Vision MicrofinanceA0JKEA0,573,831,955491,9

KCD Mikrofinanzfonds - III: Fast zwei Drittel der Kreditnehmer sind Frauen

Der KCD Mikrofinanzfonds - III wurde 2015 von der Bank im Bistum Essen (BiB) aufgelegt. Das kirchennahe Finanzinstitut investiert selbst seit vielen Jahren im Mikrofinanz-Bereich. Seine Experten managen den Fonds. Mit einem Plus von knapp 8,54 Prozent erzielte der KCD-Fonds in den letzten fünf Jahren den höchsten Wertzuwachs der getesteten Fonds. 2020 legte der Fonds um 1,28 Prozent zu.

In ihrer Wertentwicklung sind die Mikrofinanzfonds allerdings nur bedingt miteinander vergleichbar. Das liegt an den Bewertungsmethoden der Fonds. Denn die Kurse von Mikrofinanzfonds bilden sich nicht wie bei Aktien am freien Markt durch Angebot und Nachfrage. Vielmehr werden sie von spezialisierten Agenturen festgelegt. Die bewerten die Qualität der Kredite, berücksichtigen aber auch Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Länder, in denen die Fonds Kredite vergeben. Und diese Risikoaufschläge, die keinen direkten Zusammenhang zum Mikrofinanzsektor haben, sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Das wiederum drückte die Kurse der Fonds – allerdings je nach Bewertungsmethode und regionaler Streuung der Fonds unterschiedlich stark.

2020 stieg das Volumen des KCD-Fonds von 97 auf 101 Millionen Euro. Über den KCD Mikrofinanzfonds - III werden aktuell fast 43.600 Mikrokredite mit einer durchschnittlichen Kreditsumme von knapp 1.600 US-Dollar finanziert. Der Schwerpunkt liegt auf Süd- und Mittelamerika (26 Prozent) sowie Osteuropa (22 Prozent). 60 Prozent der Kredite wurden an Frauen vergeben – bei den anderen Fonds sind es zwischen 52 und 56 Prozent.

Für 2021 gibt sich das KCD-Fondsmanagement vorsichtig. Im Jahresrückblick 2020 des Fonds heißt es: Es "ist zu berücksichtigen, dass die Pandemie im Jahresverlauf in allen Zielländern zu gravierenden wirtschaftlichen Belastungen geführt hat. Es bleibt abzuwarten, ob die gemeinsamen Anstrengungen von Refinanzierern und Mikrofinanzinstitutionen zur Beherrschung der wirtschaftlichen Folgen der Gesundheitskrise eine ausreichende Grundlage für eine nachhaltige Erholung der Kreditnehmer sein werden."

IIV Mikrofinanzfonds: 772 Millionen Euro Fondsvolumen

Der IIV Mikrofinanzfonds ist bereits seit 2011 am Markt und damit der am längsten in Deutschland erhältliche Mikrofinanzfonds. Zugleich ist er auch der größte, sein Volumen wuchs im letzten Jahr von 750 auf 772 Millionen Euro. Der Fonds finanziert die Kredite von über 485.000 Kleinstunternehmerinnen und -unternehmern (durchschnittliche Kreditsumme: knapp 1.200 US-Dollar).

Der Mikrofinanzfonds der Invest in Visions GmbH aus Frankfurt am Main – dafür steht das IIV im Fondsnamen – konzentriert sich auf kleine und mittlere Mikrofinanzinstitute, die vor allem in ländlichen Gebieten Asiens (37 Prozent) und Lateinamerikas (26 Prozent) aktiv sind. Der Wertzuwachs beträgt auf fünf Jahre gesehen etwas mehr als 7 Prozent.

Invest in Visions hat im letzten Jahr eigenen Angaben zufolge zwischenzeitlich ungefähr 9,5 Prozent der vergebenen Kredite gestundet, um die Mikrofinanzinstitute vor Ort in den schwierigsten Corona-Monaten zu unterstützen. Insbesondere Indien und Ecuador hätten unter den Folgen der Pandemie gelitten. Der Verschuldungsgrad der Partnerfinanzinstitute habe sich 2020 aber nur geringfügig verschlechtert und liege weiterhin in einem unkritischen Bereich. Für 2021 geht Invest in Visions von einer positiven Entwicklung des Fonds aus.

GLS Alternative Investments: Kein Fonds wächst schneller

Der GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds ist der jüngste von ECOreporter getestete Fonds. Die GLS Bank aus Bochum hat ihn im Dezember 2015 aufgelegt.

Der GLS-Fonds hat in den letzten fünf Jahren knapp 6,5 Prozent an Wert gewonnen. Das Fondsvolumen stieg 2020 von 165 auf 194 Millionen Euro. Kein anderer Fonds ist im letzten Jahr prozentual so stark gewachsen.

Der GLS Alternative Investments finanzierte Ende 2020 mehr als 64.000 Mikrokredite mit einem durchschnittlichen Volumen von knapp 2.400 Euro. 31 Prozent der Kredite sind in Osteuropa vergeben worden, 29 Prozent in Asien. Mit 10,5 Prozent ist der Anteil von Investments in Afrika deutlich höher als bei den anderen Fonds.

Im Jahresrückblick des GLS-Fonds heißt es: "Die Auswirkungen auf den Fonds bzw. auf unsere Mikrofinanz-Partnerinstitute sowie deren Endkund*innen waren und sind sehr weitreichend. Neben strengen Ausgangssperren und Moratorien musste vereinzelt sogar mit dem Verbot der Geschäftstätigkeit umgegangen werden." Trotzdem schloss der Fonds das letzte Jahr mit einem Wertzuwachs von knapp 0,4 Prozent ab.

Dual Return Fund - Vision Microfinance: Nur 3,8 % Plus in fünf Jahren

Den Dual Return Fund - Vision Microfinance gibt es bereits seit 2006. In Deutschland wird er seit 2016 vertrieben. C-Quadrat Management GmbH, eine Tochtergesellschaft der C-Quadrat Investment Group aus Wien, managt den Fonds.

Auf Sicht von fünf Jahren hat der Dual Return Fund 3,8 Prozent an Wert zugelegt, deutlich weniger als die anderen Fonds. Die Unterschiede könnten möglicherweise geringer ausfallen, falls die Fonds irgendwann nach dem gleichen Methoden bewertet werden sollten - in der Mikrofinanz-Branche gibt es bereits diesbezügliche Überlegungen.

Der Dual Return Fund versorgt aktuell fast 444.000 Menschen in 43 Ländern mit Krediten. Der Investitionsschwerpunkt liegt auf Lateinamerika (37 Prozent) und der Region Südostasien/Pazifik (20 Prozent). Mit mehr als 3.500 US-Dollar ist die durchschnittliche Kreditsumme vergleichsweise hoch.

Wie alle von ECOreporter getesteten Mikrofinanzfonds kann auch Dual Return Fund nur einmal im Monat zu einem festen Termin gekauft werden. Verkäufe sind beim IIV- und KCD-Fonds einmal pro Quartal möglich. Beim Dual Return Fund können die Fondsanteile monatlich veräußert werden, beim GLS Alternative Investments nur einmal im Halbjahr.

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