Grüne Fonds können für das Klima mehr bewirken als gedacht. / Foto: Pixabay

  Fonds / ETF

Nachhaltige Wirkung von Fonds: Und es tut sich doch was

Wer nachhaltige Fonds kauft, hilft damit nicht dem Klima, sondern beruhigt nur sein grünes Gewissen? Ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält – und nicht stimmt. ECOreporter erläutert, wie wirklich gute Fonds nachhaltige Wirkung (auch Impact genannt) erzeugen.

Ein kleiner Stimmungsdämpfer vorweg: Grüne Investmentfonds erzielen weniger Impact, als viele nachhaltige Anlegerinnen und Anleger sich wünschen. Das liegt vor allem daran, wie Fonds aufgebaut sind. Denn wer Fondsanteile erwirbt, zahlt den Kaufpreis nicht an die Unternehmen, deren Aktien oder Anleihen in dem Fonds stecken, sondern an den letzten Besitzer der Fondsanteile bzw. an die Fondsgesellschaft. Nachhaltige Wirkung entsteht dadurch nicht, es wird lediglich Geld verschoben (siehe Grafik unten).

Und auch ein Fondsanbieter erzeugt erst einmal keinen Impact, wenn er beispielsweise Aktien für seinen Fonds kauft. Denn auch hierbei landet das Geld nicht beim jeweiligen Unternehmen, das damit etwa eine neue Solaranlage finanzieren könnte, sondern beim vorherigen Besitzer der Aktien.

Sind nachhaltige Fonds-Investments also nur Augenwischerei? Zum Glück nicht – zumindest bei richtig grünen Fonds. Nachhaltige Wirkung entsteht beispielsweise so:

1. Neuemissionen: Geld fließt dahin, wo es wirkt


Wenn Sie Anteile eines Aktienfonds kaufen, landet kein Geld in den Aktiengesellschaften, sondern bei den letzten Besitzerinnen oder Besitzern der Fondsanteile (oft sind das die Fondsgesellschaften). Trotzdem entsteht bei guten grünen Fonds nachhaltige Wirkung: Die Fondsgesellschaft nimmt ihre Stimmrechte und Möglichkeiten zum Dialog wahr und versucht, die Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen. / Grafik: ECOreporter

Fondsanbieter, die es ernst meinen mit der Nachhaltigkeit, kaufen nicht nur bestehende Aktien oder Anleihen, sondern beteiligen sich auch an Neuemissionen oder Kapitalerhöhungen. Sie investieren also, wenn Unternehmen erstmals an die Börse gehen oder neue Aktien und Anleihen ausgeben. Dieses Geld kommt dann tatsächlich direkt den Firmen zugute und kann von ihnen sinnvoll eingesetzt werden – nicht nur für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch für unseren Planeten.

2. Langer Atem: Auch in turbulenten Phasen dabei bleiben

Wirklich nachhaltige Fondsanbieter halten die guten Wertpapiere in ihren Fonds lange, manchmal Jahrzehnte. Dadurch stabilisieren sie die Börsenkurse dieser Aktien oder Anleihen. Die Unternehmen müssen sich etwas weniger Gedanken um schwankende Kurse machen, werden seltener von rein gewinnorientierten Investoren unter Druck gesetzt, weil es an der Börse nicht rund läuft. Und sie können sich stärker auf das wirklich Wichtige konzentrieren: nachhaltig zu wirtschaften.

3. Gezielte Verkäufe: Plötzlich sinken die Emissionen

Fondsgesellschaften kaufen nicht nur Wertpapiere, sie stoßen sie auch wieder ab. Beispielsweise wenn die Renditeaussichten trübe sind. Aber auch, wenn ein Unternehmen sich bei der Nachhaltigkeit so sehr verschlechtert, dass es den Ansprüchen des Fonds nicht mehr genügt. Verkauft ein Fonds im großen Stil Aktien oder Anleihen, kann deren Börsenkurs spürbar sinken. Weil Unternehmen das wissen, achten mittlerweile viele darauf, dass sie von Nachhaltigkeits-Ratingagenturen nicht heruntergestuft werden. Heißt: Sie lassen im Zweifelsfall die Finger von kontroversen Geschäften. Kaufen also etwa keine Rohstoffe von afrikanischen Warlords, sondern lieber aus einem demokratischen Nachbarstaat – auch wenn die Preise dort höher sein sollten.

Finanzmarktforscher der Universität Augsburg haben herausgefunden, dass Verkäufe von nachhaltigkeitsschwachen Aktien oder Anleihen nicht nur deren Kurse sinken lassen, sondern auch zu einem Umdenken in den Unternehmen führen. Die Wissenschaftler untersuchten mehr als 4.000 Fonds aus Europa und den USA. Das überraschende Ergebnis: Unternehmen, deren Wertpapiere wegen einer schlechten Umweltbilanz von Fondsgesellschaften verkauft wurden, senkten ihren CO2-Ausstoß danach innerhalb von vier Jahren um durchschnittlich 2,3 Prozent. Bei anderen Umweltsündern stiegen die Emissionen hingegen meist weiter an.

4. Stimmrechte: Zur Not die rote Karte zeigen

Tiefgrüne Fonds nutzen ihre Stimmrechte, um Unternehmen, deren Aktien sie halten, auf den Jahreshauptversammlungen zu mehr Nachhaltigkeit zu drängen. Setzt sich ein Konzernchef etwa zu wenig für Geschlechtergerechtigkeit ein, können die Aktionäre, also auch Fondsgesellschaften, ihm die Entlastung verweigern. Zudem nutzen engagierte Fondsmanager ihr Rederecht auf Hauptversammlungen, um auf Missstände hinzuweisen und Lösungen aufzuzeigen (ein konkretes Beispiel finden Sie hier).

5. Engagement: Einfach mal miteinander reden

Auch abseits der Jahreshauptversammlungen ist es möglich, auf Unternehmen einzuwirken. Verantwortungsvolle Fondsgesellschaften kontaktieren Firmen direkt, wenn es Probleme mit der Nachhaltigkeit gibt. Als beispielsweise bekannt wurde, dass VW in China möglicherweise von Zwangsarbeit profitiert, meldeten sich grüne Fonds in der Konzernzentrale in Wolfsburg, um mit dem Management über das Thema zu sprechen. Dieses sogenannte Engagement kann via Telefon, Videokonferenz oder bei persönlichen Treffen stattfinden, aber auch per Mail oder Brief.

6. Öffentlichkeitsarbeit: Gezielt Druck aufbauen

Wenn es um ihr Image geht, sind die meisten Unternehmen sehr empfindlich. Spätestens seit Nachhaltigkeit kein Nischenthema mehr ist, reicht manchmal schon ein kritischer Zeitungsartikel, und Umsatz plus Börsenkurs geben nach. Deshalb können Fonds Impact erzeugen, wenn sie die Öffentlichkeit über fragwürdige Entwicklungen bei Unternehmen informieren. Einige Fondshäuser tun dies in ihren jährlichen Impact-Berichten oder wenn sie in den monatlichen Factsheets darauf hinweisen, dass Aktien wegen mangelnder Nachhaltigkeit verkauft wurden. Noch mehr bewirken Anbieter, wenn sie sich in nachhaltigen Investorennetzwerken wie etwa Shareholders for Change (SfC) zusammenschließen und gemeinsam Druck auf Unternehmen ausüben – im Idealfall flankiert von entsprechenden Presseberichten.

Fazit

Also doch sehr viel nachhaltige Wirkung mit Fonds? Es kommt darauf an. Fonds, die sich nicht an Neuemissionen beteiligen und kein ernsthaftes Engagement betreiben, bewirken nur wenig. Nehmen Fondsanbieter aber ihre Stimmrechte konsequent wahr, unterstützen Kapitalerhöhungen und konfrontieren Unternehmen mit ihren Versäumnissen, können sie die Welt ein kleines bisschen besser machen. Vielleicht sogar ein bisschen mehr, wenn die Fonds sehr groß oder gut vernetzt sind. Von daher: Jeder Euro, der in kerngrüne Fonds fließt, erhöht die Chancen, dass sich in der Wirtschaftswelt etwas zum Guten verändert.

Viele sehr nachhaltige Aktien-, Misch- und Rentenfonds hat ECOreporter hier getestet.

Mehr als 100 ETF-Tests finden Sie hier.

Sie möchten noch mehr nachhaltige Wirkung erzeugen? Dann sind für Sie vielleicht Mikrofinanzfonds, kleine tiefgrüne Anleihen oder Direktbeteiligungen interessant.

Was genau sind Impact Investments?

Impact Investments sind Geldanlagen, die neben einer finanziellen Rendite eine positive gesellschaftliche und ökologische Wirkung erzielen möchten. So definiert es das Global Impact Investing Network (GIIN), eine der einflussreichsten gemeinnützigen Organisationen im nachhaltigen Finanzwesen. Wichtig bei dieser Definition: Die positive Wirkung muss messbar sein und transparent dargestellt werden.

Das sagt die EU

Fondsanbieter dürfen ihre Produkte selbst in eine von drei Schubladen stecken: nicht nachhaltig (nach Artikel 6 EU-Offenlegungsverordnung), „berücksichtigt Nachhaltigkeitskriterien“ (Artikel 8) oder „verfolgt ein konkretes Nachhaltigkeitsziel“ (Artikel 9). Artikel 9-Fonds werden häufig auch als Impact-Fonds bezeichnet. Wirklich Impact erzeugen müssen sie bislang allerdings nicht, denn wie genau das „konkrete Nachhaltigkeitsziel“ aussieht, können die Fondsgesellschaften entscheiden, und die Richtlinien der Europäischen Union dazu sind weiterhin ziemlich vage.

Nachdem die EU 2022 die Anforderungen an Artikel 9-Fonds verschärfen wollte, ruderte sie im April 2023 wieder zurück und erklärte, sie werde keine Mindestschwellen für nachhaltige Investments in grünen Fonds vorgeben. Heißt: Fonds dürfen auch dann als „Impact-Fonds“ vermarktet werden, wenn ein erheblicher Teil ihrer investierten Unternehmen nicht nachhaltig ist. Und wie genau diese Fonds ihren Impact messen und darstellen müssen, bleibt auch nach wie vor unklar.

Für ECOreporter haben Kennzeichnungen nach der Offenlegungsverordnung nur eine begrenzte Aussagekraft, was die tatsächliche Nachhaltigkeit von Finanzprodukten angeht. Deshalb berücksichtigt die Redaktion die Artikel-8/9-Angaben bei ihren Tests von Fonds und ETFs weiterhin nicht.

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