Nachhaltige Wirkung erwünscht: Die EnergieZins-Anleihen von Enertrag gehören zu den grünen Anleihen, die ECOreporter ausführlich getestet hat. / Foto: Enertrag

  Anleihen / AIF

In der Krise stabil: 41 richtig nachhaltige Anleihen mit bis zu 10 % Zins

An den Aktienmärkten geht es seit Ausbruch der Corona-Pandemie turbulent zu. Wie haben sich im Vergleich dazu nachhaltige Anleihen entwickelt? Wie sind ihre Aussichten? Wo kann sich jetzt der Einstieg lohnen? ECOreporter hat 41 grüne börsennotierte Unternehmensanleihen untersucht, mit denen etwa Wind- und Solarparks, vegane Lebensmittel, Immobilien und Bildungsangebote finanziert werden.

Anleihen kommen weiterhin robust durch die Corona-Krise. Der weltweite Anleihenindex Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond, der Staatsanleihen und Anleihen großer Unternehmen enthält, verlor im spektakulären Börsen-Crash im Februar/März 2020 nur 4,4 Prozent. Viele Aktienindizes stürzten damals um mehr als 30 Prozent ab. Seine Verluste hat der Bloomberg-Index längst aufgeholt, seit Jahresanfang 2020 hat er 6 Prozent gewonnen (Stand 17.6.2021).

Und selbst wenn Anleihekurse sinken, ist das nicht unbedingt ein schlechtes Signal für Anlegerinnen und Anleger. Denn Anleihen sind Darlehen, die Investoren einem Unternehmen oder einem Staat gewähren und, wenn keine schwerwiegenden Probleme auftreten, nach Laufzeitende zum Nominalwert zurückerhalten (der Nominalwert entspricht einem Kurswert von 100 Prozent). Dazu kommen die meist jährlich ausgezahlten festen Zinsen. Verluste machen Anlegerinnen und Anleger nur, wenn die Darlehensnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können oder Anleihen vorzeitig zu einem niedrigen Kurs verkauft werden müssen. Deshalb eignen sich Anleihen vor allem für langfristig orientierte Investoren.

Zins ist nicht gleich Rendite

Bei Anleihen sind Zinsen nicht mit Rendite gleichzusetzen. Denn der Zins einer Anleihe bezieht sich immer auf den Nominalwert. Der reale Kurswert kann höher oder niedriger sein, und dann unterscheidet sich die Rendite der Anlegerinnen und Anleger vom Nominalzins.


Heizzentrale von Naturstrom. Die Anleihe des Unternehmens kann außerbörslich gehandelt werden. / Foto: Naturstrom

Ein Beispiel: Eine Anleihe hat einen Nominalzins von 6 Prozent. Kaufen Sie die Anleihe bei einem Kurswert von 80 Prozent, wirft die Anleihe für Sie 7,5 Prozent Zinsen pro Jahr ab. Und wenn Sie die Anleihe bis zum Laufzeitende halten, bekommen Sie im Regelfall ihren vollen Nominalwert (100 Prozent) ausgezahlt – macht noch mal ein Plus von 20 Prozent.

Niedrige Anleihekurse eröffnen also Renditechancen. Dem stehen aber auch höhere Risiken gegenüber. Denn Kurse von Anleihen fallen, wenn viele Anlegerinnen und Anleger sie verkaufen – beispielsweise weil sie befürchten, dass ein Unternehmen vor dem Rückzahlungstermin seiner Anleihe insolvent gehen könnte. Wer bei Anleihekursen von unter 95 Prozent einsteigen möchte, sollte genau hinsehen, wie das jeweilige Unternehmen wirtschaftlich dasteht. Im Fall einer Pleite droht der Totalverlust des investierten Kapitals.

Die meisten nachhaltigen Anleihen, die im Premium-Bereich aufgeführt sind, notieren derzeit in der Nähe ihres Nominalwertes, was auf eine solide, krisenresistente Entwicklung der jeweiligen Unternehmen hindeutet. In einer umfangreichen Tabelle finden Sie Angaben zum aktuellen Kurs, zu den Zinskonditionen und Laufzeiten sowie Links zu ausführlichen ECOreporter-Analysen der einzelnen Anleihen. Und wir sagen Ihnen, welche Anleihen wir aktuell als besonders attraktiv einschätzen.

So kaufen Sie Anleihen

Anlegerinnen und Anleger brauchen ein Depot bei ihrer Bank, um Anleihen zu kaufen, die bereits an der Börse notiert sind. Neue Anleihen können oft direkt beim herausgebenden Unternehmen gezeichnet werden. Der Börsenhandel der von ECOreporter analysierten, relativ kleinen nachhaltigen Anleihen ist allerdings nicht zu vergleichen mit dem Handel beispielsweise einer Aktie eines Großkonzerns: Die ist Sekunden nach der Order verkauft. Bei einer Mittelstandsanleihe kann es durchaus einige Tage, auch mal zwei Wochen bis zum Verkauf dauern. Da heißt es: Geduld haben. Und kaufen Sie mit Limit-Order. Dadurch begrenzen Sie das Risiko, bei zu hohen Kursen einzusteigen.

Anleihen abseits der Börse

Auch einige nicht börsennotierte nachhaltige Anleihen sind nach ihrer Platzierung öffentlich handelbar. Beispielsweise die 3,25%-Anleihe des Ökostromanbieters Naturstrom aus Düsseldorf (ECOreporter-Analyse) und die Anleihe der UmweltProjekt AG, einer auf Immobilien und Grünstromprojekte spezialisierten Tochter der Nürnberger UmweltBank (ECOreporter-Analyse). Beide Anleihen können über die UmweltBank gekauft und veräußert werden. Anlegerinnen und Anleger benötigen dazu allerdings ein Wertpapierdepot bei der Bank.

Bei diesen Anleihen kann sich der Einstieg weiterhin lohnen

Ranft Invest Solar-Anleihe 2018

2018 bot die Ranft Invest GmbH aus dem baden-württembergischen Bad Mergentheim ihre Solar-Anleihe zur Zeichnung an. Wegen technischer Probleme wurden nur 734.000 der erhofften 5 Millionen Euro platziert. Deshalb hat Ranft im Herbst 2020 eine zweite Tranche mit einem Volumen von knapp unter 1 Million Euro aufgelegt. Die Anleihe bietet bis Mitte 2022 einen Jahreszins von 4,75 Prozent, danach steigt der Zins bis 2026 auf 5,25 Prozent. An der Börse Frankfurt steht die Anleihe aktuell bei 99,75 Prozent (Stand 17.6.2021, weitere Daten siehe Tabelle unten).

Ranft hat mittlerweile acht bestehende Solar-Dachanlagen gekauft und will seinen Anlagenbestand weiter ausbauen. Schwerpunkt ist Deutschland, 20 Prozent der Stromerzeugungskapazität dürfen im europäischen Ausland liegen. ECOreporter hat die neue Tranche der Solaranleihe im Dezember 2020 in einem ECOanlagecheck analysiert und ein positives Fazit gezogen: „Angesichts der bisherigen kaufmännisch soliden Investitionstätigkeit und der erfahrenen Geschäftsführung der Emittentin kann das Zins/Risiko-Verhältnis der Anleihe als angemessen gelten.“

Enertrag EnergieZins 15

Diese Anleihe des Windkraftunternehmens Enertrag aus Brandenburg bietet 5,25 Prozent Zinsen pro Jahr. Das Anleihekapital investiert Enertrag vor allem in deutsche und französische Windenergie-Projekte. Die Anleihe notiert derzeit bei 103,50 Prozent. Das Handelsvolumen ist sehr gering, manchmal finden tagelang keine Transaktionen statt. Wer die Anleihe besitzt, hält in der Regel langfristig an ihr fest.

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