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63 nachhaltige Anleihen mit bis zu 10 % Zins – welche sind aussichtsreich, welche zu riskant?
Höhere Kreditzinsen, schwache Konjunktur, Unsicherheiten durch Kriege und Donald Trump – für viele Unternehmen sind die Risiken in den letzten Jahren gestiegen. Und damit auch für Anlegerinnen und Anleger, die Anleihen dieser Firmen halten. Aber es gibt auch sehr nachhaltige Papiere, die weiterhin robuste Aussichten haben. ECOreporter hat sich 63 grüne börsennotierte Anleihen von überwiegend kleinen Unternehmen näher angesehen, mit denen etwa Wind- und Solarparks, vegane Lebensmittel, energieeffiziente Immobilien und Bildungsangebote finanziert werden.
Als die Notenbanken ab Sommer 2022 weltweit die Leitzinsen stark anhoben, um die Inflation zu senken, gerieten Anleihen unter Druck. Denn sie schütten feste Zinsen aus – ohne Inflationsausgleich –, und vor allem niedrig verzinste ältere Anleihen werden unattraktiver, wenn das allgemeine Zinsniveau spürbar steigt. Zwischenzeitlich bekamen Sie für Tages- und Festgeld auch bei nachhaltigen Anbietern teils ähnlich viel Zinsen wie für alte Anleihen mit moderaten Ausfallrisiken.
Die wichtigsten globalen Anleiheindizes verloren 2022 so stark an Wert wie seit Jahrzehnten nicht mehr: zwischenzeitlich bis zu 20 Prozent. Für den normalerweise wenig schwankungsanfälligen Anleihemarkt ist das sehr viel. Die Kurse brauchten bis in den Herbst 2025, um ihr Niveau aus den Jahren 2020 und 2021 wieder zu erreichen.
Seit die Folgen des Iran-Kriegs die Energiepreise und damit die Inflation und die Leitzinsen erneut steigen lassen, geben die Kurse wieder nach, bislang aber längst nicht so stark wie 2022. Der große Weltindex Bloomberg Global-Aggregate hat auf Monatssicht 1,5 Prozent und im Jahresvergleich 0,5 Prozent verloren. Auf drei Jahre gesehen notiert er 13 Prozent im Plus, auf fünf Jahre hat er knapp 1 Prozent zugelegt (Stand 28.9.2026).
Sinkende Kurse müssen nichts Schlechtes sein
Die Kurse dürften vorerst weiter unter Druck bleiben. Ein wichtiger Indikator dafür sind die deutlich gestiegenen Renditen von US-Staatsanleihen. Nachdem die US-Notenbank Fed Mitte September gegen den Willen von Präsident Donald Trump die Leitzinsen angehoben hat, ist die Rendite zehnjähriger US-Papiere auf über 5 Prozent geklettert – so hoch wie seit der Finanzkrise 2007 nicht mehr. Da US-Staatsanleihen trotz Trump immer noch als vergleichsweise sicher gelten, steigen auch bei anderen, weniger sicheren Anleihen die Renditen. Heißt im Umkehrschluss: Ihre Kurse sinken.
Hinzu kommen Kursrisiken wegen der schon seit geraumer Zeit angespannten Wirtschaftslage. Immobilienunternehmen etwa und auch Entwickler von Wind- und Solarparks müssen deutlich höhere Finanzierungskosten stemmen als noch vor einigen Jahren, dazu kommen spürbar gestiegene Aufwendungen für Personal, Energie und Material. Plus die Kriege im Nahen Osten und der Ukraine und die destruktive US-Handelspolitik.

Kleine grüne Anleihen kommen häufig von Unternehmen, die große Wind- oder Solarparks bauen. / Foto: Enertrag / Foto: Enertrag
Doch auch wenn Anleihekurse sinken, ist das nicht unbedingt ein schlechtes Signal für Anlegerinnen und Anleger. Denn Anleihen sind Darlehen, die Investoren einem Unternehmen oder einem Staat gewähren und, wenn keine schwerwiegenden Probleme auftreten, nach Laufzeitende zum Nominalwert zurückerhalten (der Nominalwert entspricht einem Kurswert von 100 Prozent). Dazu kommen die meist jährlich ausgezahlten Zinsen. Verluste machen Anlegerinnen und Anleger nur, wenn die Darlehensnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können oder Anleihen vorzeitig zu einem niedrigen Kurs verkauft werden müssen. Deshalb eignen sich Anleihen vor allem für langfristig orientierte Investoren.
So kaufen Sie Anleihen
Anlegerinnen und Anleger brauchen ein Depot bei ihrer Bank, um Anleihen zu kaufen, die bereits an der Börse notiert sind. Neue Anleihen können oft direkt beim herausgebenden Unternehmen gezeichnet werden. Der Börsenhandel der von ECOreporter analysierten, relativ kleinen nachhaltigen Anleihen ist allerdings nicht zu vergleichen mit dem Handel beispielsweise einer Aktie eines Großkonzerns: Die ist Sekunden nach der Order verkauft. Bei einer Mittelstandsanleihe kann es durchaus einige Tage, auch mal zwei Wochen bis zum Verkauf dauern. Da heißt es: Geduld haben. Und kaufen Sie mit Limit-Order. Dadurch begrenzen Sie das Risiko, bei zu hohen Kursen einzusteigen.
Anleihen abseits der Börse
Auch einige nicht börsennotierte nachhaltige Anleihen sind nach ihrer Platzierung öffentlich handelbar. Beispielsweise die 3,25%-Anleihe des Ökostromanbieters Naturstrom aus Düsseldorf (ECOreporter-Analyse) und die Anleihen der UmweltProjekt AG, einer auf Immobilien und Grünstromprojekte spezialisierten Tochter der Nürnberger UmweltBank (ECOreporter-Analyse). Diese Anleihen können über die UmweltBank gekauft und veräußert werden. Anlegerinnen und Anleger benötigen dazu allerdings ein Wertpapierdepot bei der Bank.
Zins ist nicht gleich Rendite
Bei Anleihen sind Zinsen nicht mit Rendite gleichzusetzen. Denn der Zins einer Anleihe bezieht sich immer auf den Nominalwert. Der reale Kurswert kann höher oder niedriger sein, und dann unterscheidet sich die Rendite der Anlegerinnen und Anleger vom Nominalzins.
Ein Beispiel: Eine Anleihe hat einen Nominalzins von 6 Prozent. Kaufen Sie die Anleihe bei einem Kurswert von 90 Prozent, wirft die Anleihe für Sie fast 6,7 Prozent Rendite pro Jahr ab. Und wenn Sie die Anleihe bis zum Laufzeitende halten, bekommen Sie im Regelfall ihren vollen Nominalwert (100 Prozent) ausgezahlt – macht noch mal ein Plus von 11 Prozent.
Niedrige Anleihekurse eröffnen also Renditechancen. Dem stehen aber auch höhere Risiken gegenüber. Denn Kurse von Anleihen fallen, wenn viele Anlegerinnen und Anleger sie verkaufen, beispielsweise weil sie befürchten, dass ein Unternehmen vor dem Rückzahlungstermin seiner Anleihe insolvent gehen könnte. In Krisenzeiten steigt die Pleitegefahr vor allem für nicht profitable Unternehmen, die auf hohe Kredite angewiesen sind – aktuell bewegen sich die Insolvenzzahlen in Deutschland auf historisch hohem Niveau.
Und auch bei Firmen, die alte Anleihen durch neue ablösen müssen, kann es vermehrt zu finanziellen Engpässen kommen, wenn sie für die neuen Anleihen deutlich höhere Zinsen zahlen müssen. Generell gilt: Anleihen kleinerer und mittelgroßer Unternehmen (sogenannte KMU-Anleihen) sind eher nichts für defensive Anlegerinnen und Anleger.
Vorsicht bei niedrigen Kursen
Wer bei Anleihekursen von unter 85 Prozent (siehe farbige Markierungen in der Tabelle im Premium-Bereich) einsteigen möchte, sollte genau hinsehen, wie das jeweilige Unternehmen wirtschaftlich dasteht, oft sind die Risiken sehr hoch. Im Fall einer Pleite droht der Totalverlust des investierten Kapitals. Geht Firmen das Geld aus, brechen die Kurse ihrer börsennotierten Anleihen meist auf einen Bruchteil ihres Nominalwertes ein – zu beobachten beispielsweise bei den Insolvenzen des Lampenvermieters Deutsche Lichtmiete aus Oldenburg, des Wärmepumpen-Unternehmens B4H Brennstoffzelle4Home aus dem brandenburgischen Guben, des Frankfurter Solarinstallateurs meinSolardach.de oder des Magdeburger Immobilienkonzerns AOC I Die Stadtentwickler.

Auch im Immobiliensektor gibt es nachhaltige Anleihen. / Foto: Pixabay
Die ECOreporter-Redaktion berichtet darüber, wenn ihr bei Anleiheunternehmen Probleme auffallen – im Idealfall, bevor die Kurse in den Keller gehen. Bei der insolventen (und mittlerweile zu großen Teilen verkauften) Green City-Unternehmensgruppe stellte die Redaktion beispielsweise bereits im Juli 2021 die Frage: Müssen sich Anleger Sorgen machen? Von einem Einstieg in die Deutsche Lichtmiete EnergieEffizienzAnleihe 2027 riet ECOreporter im Januar 2021 in einem ECOanlagecheck ab. Auch der Vissolar-Bond von B4H und die Anleihe von meinSolardach.de überzeugten die Redaktion in den Tests nicht.
Erhöhte Risiken sieht ECOreporter derzeit generell bei Anleihen von kleinen, oft noch jungen Unternehmen, die ihr Wachstum mit hohen Krediten finanzieren, teils auch finanzieren müssen, weil dies in ihren Branchen kaum anders möglich ist. Dazu gehören beispielsweise Erneuerbare-Energien-Firmen, die zudem noch unter gestiegenen Kosten und sinkenden Strommarktpreisen leiden.
Welche Anleihen haben gute Aussichten?
Die Kurse der meisten nachhaltigen Anleihen, die unten im Premium-Bereich aufgeführt sind, sind in den letzten Monaten ähnlich wie der Gesamtmarkt leicht gesunken. Einige stürzten allerdings auch ab, etwa die Anleihe des Erneuerbare-Energien-Entwicklers ABO Energy, der saniert werden muss, und die Papiere der insolvent gegangenen Unternehmen SoWiTec (Wind- und Solarparks) und Planethic/Veganz (vegane Lebensmittel).
Trotz schwieriger Marktbedingungen notieren derzeit aber zahlreiche Papiere in der Nähe ihres Nominalkurses, was für gewöhnlich auf eine solide Entwicklung der jeweiligen Unternehmen hindeutet. Ein weiterer Grund für die stabilen Kurse sind die Anleihezinsen, die meist höher liegen als bei Staatsanleihen oder Papieren großer Konzerne. Dafür ist das Risiko natürlich auch größer. Kleine Anleihen eignen sich generell nicht als Sicherheitsbaustein im Depot, dafür kommen eher Staatsanleihen in Frage. Und natürlich Tages- und Festgeld.
Ein Tipp noch: Wer in Anleihen kleiner Unternehmen einsteigt, sollte für den Kauf ein Preislimit setzen – da die Anleihen nur selten gehandelt werden, kann es zu kurzfristigen Kursanstiegen kommen, wenn eine erhöhte Nachfrage auf ein geringes Angebot trifft.
In der umfangreichen Tabelle im Premium-Bereich finden Sie Angaben zu den aktuellen Kursen der 63 beobachteten Anleihen, zu den Zinskonditionen und Laufzeiten sowie Links zu ausführlichen ECOreporter-Analysen.
Informationen zu den Anleihen großer Konzerne haben wir hier für Sie zusammengestellt.
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