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61 nachhaltige Anleihen mit bis zu 10 % Zins – welche sind aussichtsreich, welche zu riskant?
Höhere Kreditzinsen, schwache Konjunktur, Unsicherheiten durch Kriege und Donald Trump – für viele Unternehmen sind die Risiken in den letzten Jahren gestiegen. Und damit auch für Anlegerinnen und Anleger, die Anleihen dieser Firmen halten. Aber es gibt auch sehr nachhaltige Papiere, die weiterhin robuste Aussichten haben. ECOreporter hat sich 61 grüne börsennotierte Anleihen von überwiegend kleinen Unternehmen näher angesehen, mit denen etwa Wind- und Solarparks, vegane Lebensmittel, energieeffiziente Immobilien und Bildungsangebote finanziert werden.
Als die Notenbanken ab Sommer 2022 weltweit die Leitzinsen stark anhoben, um die Inflation zu senken, gerieten Anleihen unter Druck. Denn sie schütten feste Zinsen aus – ohne Inflationsausgleich –, und vor allem niedrig verzinste ältere Anleihen werden unattraktiver, wenn das allgemeine Zinsniveau spürbar steigt. Zwischenzeitlich bekamen Sie für Tages- und Festgeld auch bei nachhaltigen Anbietern teils ähnlich viel Zinsen wie für alte Anleihen.
Mittlerweile sind Anleihen wieder etwas attraktiver geworden, weil die Leitzinsen gesunken sind und Investoren zudem nach Alternativen zum teilweise überhitzten Aktienmarkt suchen. Aber die Kursrisiken bleiben wegen der schon seit geraumer Zeit angespannten Wirtschaftslage hoch. Immobilienunternehmen etwa und auch Entwickler von Wind- und Solarparks müssen deutlich höhere Finanzierungskosten stemmen als noch vor einigen Jahren, dazu kommen spürbar gestiegene Aufwendungen für Personal und Material. Plus die Kriege im Nahen Osten und der Ukraine und die destruktive Handelspolitik Donald Trumps.
Sinkende Kurse müssen nichts Schlechtes sein
Die wichtigsten globalen Anleiheindizes verloren 2022 so stark an Wert wie seit Jahrzehnten nicht mehr: zwischenzeitlich bis zu 20 Prozent. Für den normalerweise wenig schwankungsanfälligen Anleihemarkt ist das sehr viel. Die Kurse brauchten bis in den Spätherbst 2025, um ihr Niveau aus den Jahren 2020 und 2021 wieder zu erreichen, schwanken aber auch weiterhin teils deutlich, beispielsweise im März 2026 wegen des Iran-Kriegs. Der große Weltindex Bloomberg Global-Aggregate hat im Jahresvergleich 2,6 Prozent gewonnen, auf fünf Jahre gesehen notiert er 3,1 Prozent im Plus (Stand 30.4.2026).
Doch auch wenn Anleihekurse sinken, ist das nicht unbedingt ein schlechtes Signal für Anlegerinnen und Anleger. Denn Anleihen sind Darlehen, die Investoren einem Unternehmen oder einem Staat gewähren und, wenn keine schwerwiegenden Probleme auftreten, nach Laufzeitende zum Nominalwert zurückerhalten (der Nominalwert entspricht einem Kurswert von 100 Prozent). Dazu kommen die meist jährlich ausgezahlten Zinsen. Verluste machen Anlegerinnen und Anleger nur, wenn die Darlehensnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können oder Anleihen vorzeitig zu einem niedrigen Kurs verkauft werden müssen. Deshalb eignen sich Anleihen vor allem für langfristig orientierte Investoren.

Kleine grüne Anleihen kommen häufig von Unternehmen, die große Wind- oder Solarparks bauen. / Foto: Energiekontor
Zins ist nicht gleich Rendite
Bei Anleihen sind Zinsen nicht mit Rendite gleichzusetzen. Denn der Zins einer Anleihe bezieht sich immer auf den Nominalwert. Der reale Kurswert kann höher oder niedriger sein, und dann unterscheidet sich die Rendite der Anlegerinnen und Anleger vom Nominalzins.
Ein Beispiel: Eine Anleihe hat einen Nominalzins von 6 Prozent. Kaufen Sie die Anleihe bei einem Kurswert von 90 Prozent, wirft die Anleihe für Sie fast 6,7 Prozent Rendite pro Jahr ab. Und wenn Sie die Anleihe bis zum Laufzeitende halten, bekommen Sie im Regelfall ihren vollen Nominalwert (100 Prozent) ausgezahlt – macht noch mal ein Plus von 11 Prozent.
Niedrige Anleihekurse eröffnen also Renditechancen. Dem stehen aber auch höhere Risiken gegenüber. Denn Kurse von Anleihen fallen, wenn viele Anlegerinnen und Anleger sie verkaufen, beispielsweise weil sie befürchten, dass ein Unternehmen vor dem Rückzahlungstermin seiner Anleihe insolvent gehen könnte. In Krisenzeiten steigt die Pleitegefahr vor allem für nicht profitable Unternehmen, die auf hohe Kredite angewiesen sind – aktuell bewegen sich die Insolvenzzahlen in Deutschland auf historisch hohem Niveau. Und auch bei Firmen, die alte Anleihen durch neue ablösen müssen, kann es vermehrt zu finanziellen Engpässen kommen, wenn sie für die neuen Anleihen deutlich höhere Zinsen zahlen müssen. Marktbeobachter erwarten, dass sich solche negativen Effekte 2026 bei zahlreichen Unternehmen zeigen werden. Generell gilt: Anleihen kleinerer und mittelgroßer Unternehmen (sogenannte KMU-Anleihen) sind eher nichts für defensive Anlegerinnen und Anleger.
Vorsicht bei niedrigen Kursen
Wer bei Anleihekursen von unter 90 Prozent (siehe farbige Markierungen in der Tabelle im Premium-Bereich) einsteigen möchte, sollte genau hinsehen, wie das jeweilige Unternehmen wirtschaftlich dasteht, oft sind die Risiken sehr hoch. Im Fall einer Pleite droht der Totalverlust des investierten Kapitals. Wie etwa beim insolventen Deutsche Lichtmiete-Konzern aus Oldenburg. Geht Firmen das Geld aus, brechen die Kurse ihrer börsennotierten Anleihen meist auf einen Bruchteil ihres Nominalwertes ein - zu beobachten beispielsweise bei den Insolvenzen des Wärmepumpen-Unternehmens B4H Brennstoffzelle4Home aus dem brandenburgischen Guben und des Magdeburger Immobilienkonzerns AOC I Die Stadtentwickler.
Besonders schnell stürzte der Anleihekurs bei Solarnative ab: Der Solarwechselrichter-Hersteller aus Kriftel bei Frankfurt brachte seine Anleihe im April 2024 an die Börse und musste bereits im Juni Insolvenz anmelden. Ähnlich rasant bergab ging es für den Solarinstallateur meinSolardach.de - seit September 2024 hatte das Frankfurter Unternehmen eine Anleihe angeboten, im Frühjahr 2025 stellte man einen Insolvenzantrag. ECOreporter hatte in seinen Analysen auf die hohen Risiken bei diesen Anleihen hingewiesen.

Viele Bauunternehmen haben nach wie vor mit der Flaute am Immobilienmarkt zu kämpfen. / Foto: Pixabay
Die ECOreporter-Redaktion berichtet darüber, wenn ihr bei Anleiheunternehmen Probleme auffallen – im Idealfall, bevor die Kurse in den Keller gehen. Bei der insolventen (und mittlerweile zu großen Teilen verkauften) Green City-Unternehmensgruppe stellte die Redaktion beispielsweise bereits im Juli 2021 die Frage: Müssen sich Anleger Sorgen machen? Von einem Einstieg in die Deutsche Lichtmiete EnergieEffizienzAnleihe 2027 riet ECOreporter im Januar 2021 in einem ECOanlagecheck ab. Auch der Vissolar-Bond von B4H und die Anleihe von meinSolardach.de überzeugten die Redaktion in den Tests nicht.
Erhöhte Risiken sieht ECOreporter derzeit generell bei Anleihen von kleinen, oft noch jungen Unternehmen, die ihr Wachstum mit hohen Krediten finanzieren, teils auch finanzieren müssen, weil dies in ihren Branchen kaum anders möglich ist. Dazu gehören beispielsweise Erneuerbare-Energien-Firmen, die zudem noch unter gestiegenen Kosten und sinkenden Strommarktpreisen leiden.
Welche Anleihen haben gute Aussichten?
Die Kurse der meisten nachhaltigen Anleihen, die unten im Premium-Bereich aufgeführt sind, haben sich in den letzten Monaten nur wenig bewegt. Einige gaben allerdings auch deutlich nach, etwa die Anleihe des Erneuerbare-Energien-Entwicklers ABO Energy, der saniert werden muss. Trotz schwieriger Marktbedingungen notieren derzeit aber zahlreiche Papiere in der Nähe ihres Nominalkurses, was für gewöhnlich auf eine solide Entwicklung der jeweiligen Unternehmen hindeutet. Ein weiterer Grund für die stabilen Kurse sind die Anleihezinsen, die meist höher liegen als bei Staatsanleihen oder Papieren großer Konzerne. Dafür ist das Risiko natürlich auch größer. Kleine Anleihen eignen sich generell nicht als Sicherheitsbaustein im Depot, dafür kommen eher Staatsanleihen in Frage. Und natürlich Tages- und Festgeld.
Als solide grüne Investments mit hoher nachhaltiger Wirkung schätzt ECOreporter vor allem die Anleihen von Energiekontor und Enertrag ein. Wer einsteigt, sollte für den Kauf allerdings ein Preislimit setzen - bei kleinen Anleihen, die nur selten gehandelt werden, kann es zu kurzfristigen Kursanstiegen kommen, wenn eine erhöhte Nachfrage auf ein geringes Angebot trifft.
In der umfangreichen Tabelle im Premium-Bereich finden Sie Angaben zu den aktuellen Kursen der 61 beobachteten Anleihen, zu den Zinskonditionen und Laufzeiten sowie Links zu ausführlichen ECOreporter-Analysen.
Informationen zu den Anleihen großer Konzerne haben wir hier für Sie zusammengestellt.
So kaufen Sie Anleihen
Anlegerinnen und Anleger brauchen ein Depot bei ihrer Bank, um Anleihen zu kaufen, die bereits an der Börse notiert sind. Neue Anleihen können oft direkt beim herausgebenden Unternehmen gezeichnet werden. Der Börsenhandel der von ECOreporter analysierten, relativ kleinen nachhaltigen Anleihen ist allerdings nicht zu vergleichen mit dem Handel beispielsweise einer Aktie eines Großkonzerns: Die ist Sekunden nach der Order verkauft. Bei einer Mittelstandsanleihe kann es durchaus einige Tage, auch mal zwei Wochen bis zum Verkauf dauern. Da heißt es: Geduld haben. Und kaufen Sie mit Limit-Order. Dadurch begrenzen Sie das Risiko, bei zu hohen Kursen einzusteigen.
Anleihen abseits der Börse
Auch einige nicht börsennotierte nachhaltige Anleihen sind nach ihrer Platzierung öffentlich handelbar. Beispielsweise die 3,25%-Anleihe des Ökostromanbieters Naturstrom aus Düsseldorf (ECOreporter-Analyse) und die Anleihen der UmweltProjekt AG, einer auf Immobilien und Grünstromprojekte spezialisierten Tochter der Nürnberger UmweltBank (ECOreporter-Analyse). Diese Anleihen können über die UmweltBank gekauft und veräußert werden. Anlegerinnen und Anleger benötigen dazu allerdings ein Wertpapierdepot bei der Bank.
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