Der kanadische Konzern AGT verarbeitet und vertreibt Hülsenfrüchte. / Foto: Pixabay

31.08.18 Aktien-Favoriten

ECOreporter-Favoriten-Aktie AGT: Halten oder verkaufen?

Für den auf Hülsenfrüchte spezialisierten Lebensmittelkonzern AGT Food and Ingredients lief es in den letzten zwei Jahren nicht rund. Ungünstige Wechselkurse und niedrige Verkaufspreise an den Rohstoffbörsen ließen den Aktienkurs immer weiter fallen. Wie sollen Anleger auf das kürzlich veröffentlichte Übernahmeangebot reagieren?

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Die neuesten Geschäftszahlen von AGT stimmen nicht gerade optimistisch: Im zweiten Quartal 2018 erwirtschaftete der kanadische Konzern einen Umsatz von 402,9 Millionen Kanadische Dollar (CAD), umgerechnet etwa 274,25 Millionen Euro. Ein Minus von 10,73 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Aufgrund von ungünstigen Wechselkursen betrug der Netto-Quartalsverlust 15 Millionen CAD. Im Vergleichszeitraum 2017 waren es nur 355.000 CAD gewesen. Der Verlust pro Aktie belief sich auf 0,64 CAD (zweites Quartal 2017: 0,01 CAD).

Gewinn und Nettoverschuldung sind gesunken

Immerhin sank die Nettoverschuldung: Zum 30. Juni 3018 lag sie bei 464 Millionen CAD (nach 507 Millionen CAD am 31. März 2018 und 544 Millionen CAD am 30. Juni 2017). Die Marktkapitalisierung von AGT beträgt derzeit ungefähr 443 Millionen CAD.

Trotz der rückläufigen Umsätze und Gewinne schüttet das im kanadischen Regina ansässige Unternehmen wieder seine übliche Quartalsdividende von 0,15 CAD je Aktie (0,10 Euro) aus. Seit 2011 zahlt AGT seine Dividenden alle drei Monate in unveränderter Höhe.

An der Toronto Stock Exchange notiert die Aktie von AGT aktuell (30.8., Schlusskurs) bei 18,12 CAD (11,92 Euro) und damit in der Nähe ihres höchsten Standes seit Ende Februar 2018. Auf Zwölfmonatssicht liegt die Aktie mit 28 Prozent im Minus.

Manager möchten AGT privatisieren

Ende Juli hat eine Gruppe von AGT-Managern um Chief Executive Officer (CEO) Murad Al-Katib ein Übernahmeangebot für das Unternehmen abgegeben. Nach dem letzten Stand wollen die Kaufinteressenten 18 CAD pro Stammaktie zahlen. Die Gruppe kontrolliert bereits 27,5 Prozent der stimmberechtigten Aktien.

AGT hat zur Prüfung des Übernahmeangebots eine Kommission eingesetzt, die aus Mitgliedern des Aufsichtsrates besteht. Das Ergebnis der Prüfung könnte bis Ende September vorliegen, einen festen Zeitrahmen gibt es jedoch nicht.

Die Prüfungskommission empfiehlt den Aktionären des Unternehmens, die Prüfungsergebnisse abzuwarten, bevor sie aktiv werden. Da es sich um ein nicht bindendes Angebot handle, das vom Unternehmen auch ausgeschlagen werden könne, müssten Anleger darauf vorerst nicht reagieren. Seit Bekanntwerden des Übernahmeangebots ist der Aktienkurs von AGT um 38 Prozent gestiegen.

Ist die AGT-Aktie unterbewertet?

Das kanadische Investment-Unternehmen Letko, Brosseau & Associates, das eigenen Angaben zufolge 18,6 Prozent der AGT-Aktien kontrolliert, lehnt das Übernahmeangebot ab. "In dem abgegebenen Angebot  wird die Firma deutlich unter Wert gehandelt“, heißt es in einer Mitteilung von Letko, Brosseau & Associates. "Wir möchten den Aufsichtsrat des Unternehmens daran erinnern, dass es seine Pflicht ist, die Interessen aller Anteilseigner zu berücksichtigen.“

Wie sollen sich Anleger jetzt verhalten? Der Aktienkurs von AGT ist in den letzten Jahren nicht zuletzt wegen sich verändernder Rohstoffpreise immer wieder starken Schwankungen unterworfen gewesen. 2010 kletterte der Kurs auf 35 CAD, 2016 auf über 40 CAD. 2012 lag die Aktie allerdings auch schon bei unter 11 CAD und Ende Juli dieses Jahres bei knapp über 13 CAD.

Ob und zu welchem Preis die Übernahme des Unternehmens stattfinden wird, lässt sich nicht mit Gewissheit vorhersagen. Sollten die Kaufinteressenten um CEO Al-Katib ihren Angebotspreis erhöhen, könnte der Aktienkurs kurzfristig noch weiter steigen. Kommt die Übernahme nicht zustande, ist es allerdings auch möglich, dass der Aktienkurs deutlich in den Keller geht.

Unsicherheitsfaktor Rohstoffpreise

Wer einen langen Atem hat und davon ausgeht, dass die Übernahme platzt und AGT in die Gewinnzone zurückkehrt, kann auf mittelfristig steigende Aktienkurse spekulieren und die AGT-Aktien in seinem Depot halten. Denn bei steigenden Weltmarktpreisen dürfte auch die AGT-Aktie wieder anziehen. Nur: Wann diese Preise wieder klettern, ist nicht absehbar.

Wer sein Risiko minimieren oder vom aktuellen Kursanstieg profitieren möchte, sollte sich überlegen, zumindest einen Teil seines Bestands zu verkaufen. Generell empfehlen wir, nicht mehr als 3 Prozent des Gesamtanlagevolumens in einen Einzeltitel wie AGT zu investieren.

Wir werden AGT Food and Ingredients weiterhin genau beobachten. Bis auf Weiteres bleibt das Unternehmen ein ECOreporter-Aktientipp  aus der Kategorie nachhaltige Mittelklasse-Aktien. Lesen sie auch unser ausführliches Unternehmensporträt

AGT Food and Ingredients Inc: 

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