Kann eine neue EU-Verordnung dazu beitragen, den schlechten Ruf von ESG-Ratings zu verbessern? / Foto: Pixabay

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ESG-Ratings sollen transparenter werden

Die EU will Nachhaltigkeits-Ratingagenturen stärker regulieren. Dadurch könnten Nachhaltigkeitsbewertungen vergleichbarer werden.

Rat und Parlament der EU haben sich auf einen Entwurf für eine Verordnung zur Bewertung von ESG-Kriterien geeinigt. ESG steht für Aspekte in den Bereichen Umwelt (Environment), Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance).

Bislang ist der Markt für ESG-Ratings weitestgehend intransparent. Spezialisierte Agenturen vergeben die Bewertungen, nach denen viele Fonds und Indizes ihre Wertpapiere auswählen, lassen sich aber kaum in die Karten schauen. Wie genau Bewertungen entstehen, ist für Außenstehende nicht nachzuvollziehen. Und da die Ratings für einzelne Unternehmen je nach Agentur sehr unterschiedlich ausfallen können, sind sie als Entscheidungshilfe für nachhaltige Investments umstritten – ECOreporter etwa berücksichtigt bei der Beurteilung von Wertpapieren bislang keine ESG-Ratings.

Die Verordnung dürfte frühestens 2026 gelten

Die neue EU-Verordnung soll die Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von ESG-Bewertungen verbessern, indem sie ESG-Ratingagenturen stärker in die Pflicht nimmt. Die Verordnung sieht vor, dass die Agenturen ihre Methodik und ihre Informationsquellen offenlegen.

In dem Verordnungsentwurf werden unter anderem folgende Punkte genannt:

  • Anbieter von ESG-Ratings mit Sitz in der EU brauchen eine Zulassung der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA.
  • Wer ESG-Ratings zu Werbezwecken veröffentlicht, muss künftig Informationen über die Bewertungsmethoden auf seiner Website veröffentlichen.
  • Aus den Ratings hat hervorzugehen, wie sich die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens auf Umwelt und soziale Faktoren auswirkt. Bislang liegt der Fokus bei ESG-Bewertungen oft auf den Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Unternehmensergebnisse.
  • Rating-, Beratungs- und Prüfungstätigkeiten der Ratingagenturen sind klarer voneinander zu trennen, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

Der Entwurf der neuen Verordnung muss noch vom EU-Rat und EU-Parlament gebilligt werden, bevor das förmliche Annahmeverfahren startet. Die Verordnung soll 18 Monate nach ihrem Inkrafttreten angewendet werden.

ECOreporter bleibt bei den Nachhaltigkeitsregularien der EU weiterhin skeptisch. Nach Einschätzung der Redaktion haben bislang weder die EU-Offenlegungsverordnung noch die EU-Taxonomie-Verordnung dazu beigetragen, Anlegerinnen und Anlegern die Beurteilung und Auswahl nachhaltiger Finanzprodukte zu erleichtern.

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