Luisa Neubauer und Thomas Jorberg auf der Pressekonferenz der GLS Bank. / Foto: Jörg Weber, ECOreporter

17.06.19 Finanzdienstleister

"Geld ist kein Problem“ – GLS-Bank Pressekonferenz zum Klimawandel

"Geld ist überhaupt kein Problem!“ Der das sagt, muss es wissen. Schließlich ist er Vorstand einer Bank. Und zwar einer Bank, die mit nun 6,1 Milliarden Euro als Bilanzsumme, 230.000 Kunden und etwa 700 Mitarbeitenden keine kleine ist: der GLS Bank.

Thomas Jorberg also findet, dass das Problem nicht auf den Konten, sondern zwischen den Ohren sitzt. "Geld ist in maßlosem Überfluss vorhanden!“, sagt er auf die Frage, woran es denn beim Klimaschutz hake. Die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens seien das Problem, betont er. Auch und gerade in Deutschland. "Unser Land sitzt europaweit, sogar global im Bremserhäuschen. Wir sind keine Vorreiter, was den Umweltschutz angeht!“ Jede Stunde, die wir nun länger warteten, um die Weichen neu zu stellen, sei fatal. Denn die Transformationskurve von einer klimaschädlichen zu einer klimaschonenden Wirtschaft werde immer steiler, je länger es dauere.

"Deutschland ist im Hintertreffen"

Jorberg erklärt es deutlich: "China will nur noch CO2-neutral wirtschaften. Deutschland ist im Hintertreffen! Wir sind auf dem allerbesten Weg, zum Verlierer zu werden.“ Wer derzeit fordere, die Weichen erst sachter und langsamer zu stellen, um der Wirtschaft einen sanfteren Übergang zu ermöglichen, der habe eklatante Wahrnehmungsstörungen, so Jorberg. "Jetzt absichtlich langsam zu sein, das heißt doch: den anderen Ländern bei vollem Bewusstsein zu ermöglichen, schneller die notwendigen Technologien zu entwickeln!“

Deutliche Worte. Gesprochen bei einer Pressekonferenz, die vollkommen normal ist für eine Bank – Dachetage, Kaffee, Journalisten vom Radio über Fernsehen bis zu Börsenpublikationen. Und doch ist alles anders. Wie in einer Parallelwelt. Denn hier sitzen den Journalisten Menschen gegenüber, denen es darum geht, wie eine Bank übermorgen noch Geschäfte machen kann. Wenn der Klimawandel so weitergeht.

"Wir brauchen kindertaugliche Politik"

Beispielsweise hat die GLS Bank Luisa Neubauer eingeladen, Klimaaktivistin von Fridays for Future (ja, die Pressekonferenz fand am Freitag statt). Unaufgeregt erläutert sie, warum die jüngeren Menschen nicht locker lassen wollen: "Wir sprechen nicht mehr von enkeltauglicher Politik, wir brauchen kindertaugliche Politik.“ Denn schon die jetzt heranwachsende "nächste Generation“ der Menschheit werde die Folgen des Klimawandels überdeutlich spüren. Immerhin, so Neubauer: Was den Klimaschutz angehe, überhole die Wirtschaft gerade die Politik.

GLS-Vorstand Aysel Osmanoglu sagt: "Wir müssen fragen, wie wir Nachhaltigkeit im Kerngeschäft der Unternehmen einbauen können.“ Sie nennt das Mittel dazu: "Dafür wollen wir die CO2-Besteuerung!“ Jorberg verweist darauf, dass mit dieser Besteuerung wirkungsvolle Wirtschaftspolitik für den Klimawandel möglich sei. Dirigistische Maßnahmen und eine Verbotspolitik dagegen seien bei weitem nicht so effektiv.

Aber es müsse nun losgehen. "Fridays for Future sind ja auch der Ausdruck der Fassungslosigkeit darüber, dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern, ohne gegenzusteuern. Obwohl die Lösungen bekannt sind – technologisch zum Beispiel seit langem!“ Aber das Notstandsgefühl sei noch nicht vorhanden oder noch nicht groß genug, um zu handeln. Geld jedenfalls sei in fast unmoralischer Menge auf dieser Welt.

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