Greenpeace-Proteste gegen die Autoindustrie. Mit einem ETF der Umweltschutzorganisation können Anlegerinnen und Anleger bald selbst ins Morgen investieren. / Foto: imago images, Christian Spicker

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Greenpeace bringt eigenen ETF auf den Markt – unterstützt durch ECOreporter

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace will ihre Finanzierung breiter aufstellen und legt einen eigenen ETF auf. Der auch in Zusammenarbeit mit ECOreporter kreierte Greenpeace Pure Green World UCITS ETF soll in einer exklusiven Partnerschaft über nachhaltige und ethische Banken vertrieben werden.

Greenpeace Deutschland ist bereits seit Jahren das finanzstärkste Büro der Organisation. Mit dem Geld der mehr als 600.000 Fördermitglieder in der Bundesrepublik wird ein Großteil der Ausgaben für internationale Kampagnen bezahlt. Seit einigen Jahren wird aufgrund komplizierter Regelungen im internationalen Steuerrecht allerdings deshalb der Status der Umweltschützer als Non-Profit-Organisation zunehmend in Frage gestellt.

„Wir haben daher schon länger nach ethisch einwandfreien Möglichkeiten gesucht, unsere Finanzierung auf breitere Füße zu stellen“, erklärt Olaf Merkel, künftiger „Head of Green Finance “ bei Greenpeace Deutschland. Er vermutet politischen Druck hinter den kritischen Fragen der Steuerbehörden.

Grüne und innovative Investments

Ideen wie die Gründung einer Greenpeace-Bank wurden als zu unflexibel verworfen. Ein ETF biete jedoch neben dem Einsammeln von Geldern auch die Möglichkeit, als Investor Einfluss auf Nachhaltigkeitsstrategien von Unternehmen zu nehmen, so Greenpeace.

Letzte Details über die Zusammenarbeit mit grünen Banken sollen derzeit ausgearbeitet werden. Planmäßig starten soll der ETF in der zweiten Jahreshälfte 2021. Der vom ETF nachgebildete Pure Green World Index wird von Greenrock erstellt.

Vom Umfang her ist der ETF ein echtes Schwergewicht: In Anspielung an das Gründungsdatum von Greenpeace hält er 1971 Aktien von großen, mittleren und vor allem auch kleineren Unternehmen aus aller Welt. Neben erwartbaren Investitionen etwa in Erzeuger erneuerbarer Energie, Schlauchboothersteller, Cannabisspezialisten und Produzenten veganer Lebensmittel liegt der Fokus auch auf besonders innovativen Unternehmen.

So entwickelt Træbiler aus Dänemark Autos sowohl mit Elektro- als auch mit Wasserstoffantrieb – und einer Karosserie aus heimischem Holz. Die Sink SE aus den Niederlanden stellt Filter für Abflussrohre her, die Mikroplastik sammeln, das etwa mit Kosmetika beim Abschminken oder Zahnpasta (beim Ausspülen) ins Wasser gerät. Und die Frankfurter Yesterday Bank will zurück zu einem Vollgeld-Prinzip: Jeden Kundeneuro will das Fintech mit dem Kauf von fair gehandeltem Gold absichern, das in recycelten Uran-Behältern im Salzstock Gorleben gelagert wird – strahlensicher.

Bei der Auswahl deutscher Unternehmen hat Greenpeace mit verschiedenen Partnern kooperiert und dabei auch auf Recherchen durch ECOreporter zurückgegriffen. Sämtliche ECOreporter-Favoriten der Kategorie Grüne Spezialwerte sind im Index vertreten.

Wie streng die Ansprüche der Organisation an ein Investment sind, macht ein Beispiel deutlich: So schaffte es der deutsch-spanische Windturbinenbauer Siemens Gamesa nicht in den Index. Die Herkunft des pflanzlichen Schmieröls für Scharniere der Windräder konnte nicht abschließend geklärt werden.

Mit dem ETF will Greenpeace laut Olaf Merkel aber nicht nur Geld einnehmen: „Wir hatten den Eindruck, der Markt braucht ein Vorbild, wie ein wirklich nachhaltiger ETF aussieht.“

Wenn Ihnen dieser ETF jetzt zu schön, um wahr zu sein vorkommt: Schauen Sie mal oben auf das Artikeldatum ...

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