Mehr als ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms stammten 2018 aus regenerativen Quellen. / Bildmontage: ECOreporter

09.01.19 Erneuerbare Energie , Meldungen

Grünstrom hat Kohlestrom eingeholt

2018 erzeugten Erneuerbare-Energien-Anlagen in Deutschland erstmals genauso viel Strom wie Kohlekraftwerke. Das geht aus dem Jahresbericht von Agora Energiewende hervor. Der Berliner Think Tank sieht allerdings weiterhin hohen Investitionsbedarf, wenn die Klimaziele 2030 erreicht werden sollen.

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Im letzten Jahr stammten Agora zufolge 35,2 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms aus Wind-, Solar-, Wasser- und Biomassekraftwerken – exakt genauso viel wie aus Stein- und Braunkohleanlagen. Der Erneuerbare-Energien-Sektor profitierte von einer starken Sonneneinstrahlung, während die Winderträge unterdurchschnittlich ausfielen.

Wie ECOreporter berichtete, kommen Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme auf einen höheren Wert. Laut den Forschern vom Fraunhofer-Institut haben die Erneuerbaren Energien 40,4 Prozent des Bruttostromverbrauchs 2018 in Deutschland abgedeckt. Damit haben sie einen Rekordwert erzielt.

Trotz stetiger Zuwächse bei der Grünstromproduktion reicht das Tempo, in dem in Deutschland neue Erneuerbare-Energien-Anlagen gebaut werden, laut Agora nicht aus, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen. Bis 2030 sollen hierzulande 65 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen gewonnen werden.

Zu wenige neue Windräder

Nach Angaben der Berliner Analysten sind die Neubauzahlen im Windkraftbereich 2018 um rund 50 Prozent eingebrochen. Der Photovoltaik-Ausbau habe sich mit einer neu installierten Leistungkapazität von 3 Gigawatt zwar positiv entwickelt, doch auch hier bestehe noch Verbesserungsbedarf.

"Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss beschleunigt werden“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. "Insbesondere sollte die Bundesregierung die Nutzung der auch von der Bevölkerung stark favorisierten Photovoltaik erleichtern. Hierzu könnte sie mehr Flächen als bisher für die Bebauung mit Freiflächenanlagen freigeben. Das würde auch die Kosten für Solarstrom weiter senken, weil Pachtkosten geringer ausfallen würden.“

Förderkontingente bald ausgeschöpft

Zudem solle die Regierung den Förderdeckel für die Photovoltaik aufheben. Dieser begrenzt die Gesamtleistung der EEG-Förderung für Solarkraftwerke in Deutschland auf 52 Gigawatt. "Von dieser Marke sind wir nicht mehr weit entfernt“, so Graichen. "Sollte das Limit bestehen bleiben, wird der Ausbau der Solarenergie schon 2020 zum Stillstand kommen.“

Für 2019 erwartet Agora weiterhin geringe Neubauzahlen im Windkraftbereich und mit Blick auf die Klimaziele 2030 auch zu niedrige Zubauraten im Solarsektor.

Die komplette Agora-Analyse "Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2018“ kann unter www.agora-energiewende.de kostenlos heruntergeladen werden.

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