Eine Oase im Drâa-Tal in Marokko: In dem Tal sollen Olivenbäume und Dattelpalmen der Anleger stehen. / Foto: ForestFinance

28.09.18 Anleihen / AIF

Interview zum Direktinvestment von ForestFinance: Olivenbäume und Dattelpalmen in Marokko (Teil 2)

Ein Direktinvestment in die Aufforstung von Olivenbäumen und Dattelpalmen in Marokko bietet die Emittentin ForestFinance Service GmbH aus Bonn an. Gestern haben wir im ersten Teil des Interviews das Konzept des Angebotes erläutert und die Sicherheitslage in Marokko betrachtet.

Zudem haben wir Harry Assenmacher, Firmengründer und Geschäftsführer der Emittentin, unter anderem zu der Grundstückspacht und den Erfahrungswerten mit der Aufforstung von Olivenbäumen und Dattelpalmen vor Ort in Marokko befragt.

Heute lesen Sie im zweiten Teil des Interviews mit Harry Assenmacher, wie die Wasserversorgung des Projektes erfolgen soll und wer am Ende der Laufzeit die Olivenbäume und Dattelpalmen der Anleger kaufen könnte. Zudem gehen wir unter anderem darauf ein, wie die Erfolgsbeteiligung für die Anleger geregelt ist und welche geschäftlichen Entwicklungen die Emittentin – neben "Oase 1“ – in den nächsten Jahren erwartet.

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ECOreporter: Im Marokko herrscht Wassermangel. Wird dieser durch den Anbau der Olivenbäume und Dattelpalmen verstärkt, insbesondere in einer Wüstenregion?

Harry Assenmacher: Die Frage der Wasserversorgung war eines der Hauptthemen unserer Analysephase. Ohne eine positive Beantwortung wäre das Projekt niemals gestartet. Unsere Kollegen in Marokko haben sehr gut recherchiert und im Vorwege alle unsere Bedenken und Fragen beantworten können.

Das Projektgebiet liegt im Atlasgebirge von Marokko. Die wichtigsten Wassereinzugsgebiete sind der Fluss Drâa im Westen und der Fluss Ziz, der die Oasen von Tafilalt bewässert, im Osten. Das verwendete Wasser kommt somit aus verschiedenen Quellen. Das Wassermanagement erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Wasserbehörden. Eine hydrologische Umweltverträglichkeitsprüfung findet statt.

Das Grundwasser von Tafilalet ist eine wichtige Wasserressource in den unteren Tälern von Ziz und Rheris im trockenen Südosten Marokkos. Der frei zugängliche Grundwasserspiegel wird für den Hausgebrauch und die Bewässerung genutzt. Ein Grundwasserströmungsmodell wird von den lokalen Behörden entwickelt und kontinuierlich überwacht, um die Auswirkungen von klimatischen Schwankungen und Entwicklungen, einschließlich des Baus von Wasserbauwerken, auf das hydrodynamische Verhalten des Grundwasserleiters zu bewerten.

Desert Timber Marocco arbeitet eng mit den Behörden zusammen, um sicherzustellen, dass unsere Quellen erneuerbar sind und unsere Bewässerungssysteme den höchsten Umwelt- und Sozialstandards entsprechen. Zusätzlich besteht für unser Projekt die Möglichkeit, das Bewässerungswasser aus dem Al-Hassan Addakhil-Staudamm zu nutzen, der ca. zehn Kilometer von Errachidia entfernt ist. Um zukünftige Belastungen des Ökosystems der Oasen zu verringern, hat das Ministerium für Wasser und Energie in Marokko beschlossen, in der Region einen zusätzlichen Mehrzweck-Staudamm zu bauen, der 30 Millionen Kubikmeter pro Jahr produzieren soll.

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Harry Assenmacher ist Geschäftsführer von ForestFinance. / Foto: Unternehmen

Wer könnte nach Einschätzung der Emittentin nach ca. sechs Jahren als – den prognostizierten Preis zu zahlen bereite – Käufer für die Olivenbäume und Dattelpalmen der Anleger in Frage kommen: institutionelle Anleger, einheimische Bauern, die Emittentin, die marokkanische Projektgesellschaft, deutsche Privatanleger (im Rahmen einer neuen, von der Emittentin angebotenen Vermögensanlage) oder andere?

Ein möglichst langer Verbleib der Flächen in der ForestFinance Gruppe ist uns ein großes Anliegen und ganz im Sinne einer nachhaltigen und ökologischen Bewirtschaftung. Wir schließen es daher nicht aus, Investoren nach Ablauf von "Oase 1“ ein Investmentprodukt mit vollproduktiven Bäumen anzubieten.

Darüber hinaus existiert schon jetzt ein großer Bedarf bei Investmentgesellschaften und Institutionellen, fertig entwickelte, produktive Agrarflächen zu übernehmen. Wir sehen daher dem rentablen Exit des Projektes mit großer Zuversicht entgegen.

Der Anleger pachtet das Grundstück, auf dem seine Bäume angepflanzt werden, von der Emittentin, die es vorher von der Projektgesellschaft gepachtet hat. Warum gibt es für die Anleger nicht alternativ die Option, das Grundstück von der Projektgesellschaft zu kaufen?

Da die Desert Timber Tafilalet SARL als Projektgesellschaft die Flächen von der marokkanischen Regierung für einen Zeitraum von mindestens 24 Jahren pachtet, ist es uns oder der Projektgesellschaft nicht möglich, die Flächen an Investoren weiterzuverkaufen.

Laut Vertrag pachtet der Auftraggeber (Anleger) das im jeweiligen Vertrag angegebene Grundstück für die Dauer von "ca. sechs“ Jahren. Was passiert, wenn die Emittentin die Laufzeit über ca. sechs Jahre hinaus verlängert? Hat der Anleger die Option, die Pacht zu verlängern  - und wenn ja: zu welchen Konditionen? Hat auch die Emittentin selbst die Option, die Pacht mit der Projektgesellschaft zu verlängern?

Durch eine Verlängerung der prognostizierten Laufzeit der Vermögensanlage würde ggf. versucht werden, zu einem späteren Zeitpunkt bessere Konditionen hinsichtlich des Verkaufs der Oliven (Öl und Trester), Datteln, Olivenbäume und Dattelpalmen zu erreichen. Verlängert sich die Laufzeit der Vermögensanlage, entstehen für die Investoren keine Mehrkosten.

Umgekehrt ist es auch möglich, dass die Laufzeit von Oase 1 bereits nach vier oder fünf Jahren endet, sollte uns ein für die Investoren lukratives Angebot für die Übernahme der Flächen seitens Dritter gemacht werden. Die vertragliche Vereinbarung der Emittentin mit der Projektgesellschaft ist an die Vertragslaufzeit der Kunden gekoppelt.

Die Anleger gehen mit dem neuartigen Investment (Standort Marokko, Oliven, Datteln) ein hohes Risiko ein, wogegen die Emittentin keine Eigenmittel einsetzt. Trotzdem werden die über 30.800 Euro pro Hektar hinausgehenden Erlöse als Erfolgsbeteiligung zwischen der Emittentin und der Projektbetreiberin aufgeteilt, der Anleger erhält keine Erfolgsbeteiligung. Das Chancen/Risiko-Verhältnis für den Anleger ist insofern reduziert. Welche Überlegungen haben dazu geführt, die Erfolgsbeteiligung so zu gestalten?

Bei normalem Verlauf erwarten wir Gesamterlöse in Höhe von 27.290 Euro je Hektar für den Anleger. Dies entspricht einem Gesamtmittelrückfluss von 132 Prozent und nach der IRR-Methode (Internal Rate of Return, interner Zinsfuß) einer Rendite von ca. 5,1 Prozent pro Jahr.

Höhere Gesamterlöse bis zu einem Betrag von 30.800 Euro je Hektar, die einem Gesamtmittelrückfluss von 150 Prozent bzw. einem IRR von über 7 Prozent pro Jahr entsprechen, stehen komplett dem Anleger zu. Erst nachdem für den Anleger diese Werte über der normalen Erwartung erreicht werden, werden auch die Projektbetreiber für ihre dann besonders gute Arbeit beteiligt. Wir glauben, so die Beteiligten bestmöglich zu motivieren.

Die Emittentin geht laut Planrechnung für die Jahre 2018 bis 2020 von Verkaufserlösen von zusammen rund 20 Millionen Euro aus, die nicht im Zusammenhang mit der Vermögensanlage Oase 1 stehen. Woraus resultieren diese prognostizierten Verkaufserlöse?

Die kalkulierten Verkaufserlöse in Höhe von rund 20 Millionen Euro beziehen sich auf die Erlöse der im Verkaufsprospekt von Oase 1 als sonstige Anlagen und andere Vermögensanlagen definierten Produkte. Diese sind GreenAcacia, KakaoWald, BaumSparVertrag, WaldSparBuch, KakaoDirektinvest 6. Hier werden Verkaufserlöse aus z.B. Akazienholz, Edelhölzern und Kakao erwartet.

Laut Planbilanz wird der passive Rechnungsabgrenzungsposten der Emittentin bis 2024 deutlich abgebaut. Der passive Rechnungsabgrenzungsposten resultiert mittelbar aus dem Anlegerkapital der von der Emittentin platzierten Vermögensanlagen (Direktinvestments). Plant die Emittentin dementsprechend, zukünftig (zumindest bis 2024) keine weiteren Vermögensanlagen neben "Oase 1“ anzubieten?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir bis zum Jahre 2024 weitere Vermögensanlagen anbieten, um unser Unternehmensziel - nachhaltig angelegte Wälder in ökonomische und ökologische Investitionsprodukte zu wandeln und langfristig Wald zu schaffen - zu verfolgen. Für die Planzahlen im Prospekt wurden jedoch nur konkret in Planung befindliche Projekte bzw. existente Projekte berücksichtigt.

Herr Assenmacher, danke für die Antworten!

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