Martin Baart (links) und Markus Schwaninger sind Gründer und Geschäftsführer der ecoligo GmbH. / Foto: Alex Gärtner

  Erneuerbare Energie, Crowd-Investment

Investieren in Solarprojekte in Afrika, Amerika und Asien – Interview mit ecoligo-Gründer Markus Schwaninger

Ghana, Kenia, Costa Rica, Chile und die Philippinen – in diesen Ländern hat die ecoligo GmbH aus Berlin bislang Solarprojekte realisiert. Finanziert wurden die Projekte überwiegend von Privatanlegern aus Deutschland: Mehr als 3 Millionen Euro für über 30 Projekte haben sie bereits investiert.

Konkret haben die Privatanleger dabei Nachrangdarlehen über die Crowdinvesting-Plattform ecoligo.investments gezeichnet, die von der ecoligo GmbH initiiert wurde. Betrieben wird die Online-Plattform von der ecoligo invest GmbH, einer Tochtergesellschaft der CrowdDesk GmbH.

Die ecoligo GmbH ist im Februar 2016 von Markus Schwaninger (Jahrgang 1986) und Martin Baart (Jahrgang 1984) in Berlin gegründet worden. Das Unternehmen hat jeweils eine Tochtergesellschaft in Costa Rica und in Kenia und eine Niederlassung in Ghana. Ein weiterer Standort in Ho Chi Minh City in Vietnam soll bald eröffnet werden.


Solaranlage von ecoligo auf dem Gelände einer Universität in Ghana. / Foto: Unternehmen

ecoligo.investments ist eine digitale Plattform zur Finanzierung und Entwicklung von Solarprojekten für Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dabei handelt es sich in der Regel um kleinere Solaranlagen der Größenordnung 50 bis 300 Kilowattpeak (kWp). Diese werden beispielsweise auf Dächern von Hotels, landwirtschaftlichen Betrieben, Krankenhäusern oder Universitäten errichtet und versorgen diese Kunden mit Solarstrom. ecoligo erhält im Gegenzug von den Kunden in der Regel eine fixe monatliche Leasing-Zahlung. Neben Solarprojekten setzt ecoligo in geringerem Umfang auch Energieeffizienzprojekte um. Ein Beispiel ist der Austausch einer veralteten Klimaanlage durch eine moderne, energieeffiziente in einem Hotel in Kenia.

Mit der Ausrichtung auf Solarprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern auf mehreren Kontinenten verfügt ecoligo über ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Vermögensanlagenmarkt. Warum ist das Unternehmen in Kenia und Ghana gestartet? Nach welchen Kriterien wählt ecoligo die Märkte und Projekte aus? Wie verläuft der Investitionsprozess vor Ort? Sind viele Langstreckenflüge mit entsprechender Klimabelastung erforderlich, um die Projekte auf den verschiedenen Kontinenten umsetzen zu können? Diese und weitere Fragen hat ECOreporter Markus Schwaninger gestellt. Schwaninger ist  zusammen mit Martin Baart Gründer und Geschäftsführer der ecoligo GmbH.

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ECOreporter: Die ecoligo GmbH ist ein kleines Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern. Das ist relativ ungewöhnlich für eine Firma, die auf drei entfernten Kontinenten – Afrika, Süd- und Mittelamerika und Asien –tätig ist. Warum konzentriert sich ecoligo nicht auf einen Markt bzw. einen Kontinent?

Markus Schwaninger: ecoligo wurde mit der Vision gegründet, weltweit in Entwicklungs- und Schwellenländern die Energiewende voranzubringen. Wir sind bewusst zunächst in den Ländern Kenia und Ghana gestartet, in denen mein Mitgründer Martin Baart und ich bereits über mehrjährige Geschäftserfahrung verfügten, sodass ein Netzwerk an Kontakten vorhanden war. Einen Fokus auf einen einzelnen Markt wollten wir allein schon aus Diversifizierungsgründen nicht. Zudem sind viele Erfahrungen auch über Landesgrenzen hinweg übertragbar, da wir uns immer auf dieselbe Kundengruppe konzentrieren: Gewerbe- und Industriekunden, die unter hohen Stromkosten leiden.

Im Sommer dieses Jahres haben wir von Saxovent eine Wachstumsfinanzierung für die ecoligo GmbH über 2,5 Millionen Euro erhalten. Wir bauen damit hauptsächlich den Vertrieb in den Ländern weiter aus und wollen zukünftig auch in Südostasien aktiv sein. Damit hätten wir vier globale Standorte: Costa Rica, das Zentralamerika bedient, Ghana für Westafrika, Kenia für Ostafrika und Vietnam für Südostasien. Wir werden daher bereits Anfang kommenden Jahres die 20-Mitarbeiter-Schwelle überschreiten.

Nach welchen Kriterien sucht ecoligo die Märkte aus, in die Sie investieren?

Die Märkte werden nach ökonomischen, regulativen und rechtlichen Kriterien ausgewählt. Wir haben die Märkte auf Basis mehrerer Einzelkriterien nach Attraktivität und Machbarkeit für uns bewertet und danach die weiteren Planungsschritte für den Markteintritt ausgearbeitet. Da wir bei unseren Kunden den aktuellen Strombezug aus dem Netz ersetzen, analysieren wir beispielsweise den aktuellen Strompreis in einem Markt sowie dessen historische Entwicklung. Dies ist insofern wichtig, da wir unseren Kunden deutliche Einsparungen durch die Solaranlagen und Energiesparmaßnahmen anbieten wollen.


ecoligo-Solaranlage in Costa Rica. / Foto: Unternehmen

Die rechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen in Ihren ausländischen Märkten werden sich in der Regel deutlich von denen in Deutschland unterscheiden. Wie bereitet ecoligo den Markteintritt vor?

In Kenia und Ghana haben mein Mitgründer und ich bereits mehrjährige Geschäftserfahrungen seit 2010 bzw. 2012 und haben zeitweise auch vor Ort gelebt. Daher waren für diese zwei Märkte viele der im Vorfeld eines Markteintrittes zu klärenden Fragen bereits beantwortet. Grundsätzlich liegt die Markteintrittsvorbereitung bei unserem Business Development Team in Berlin. In der Regel lernen wir neue Märkte sehr schnell und detailliert über Partnerschaften mit lokalen Firmen kennen. Daher ist die Auswahl guter lokaler Partner auch sehr wichtig für uns. Unterstützung erhalten wir darüber hinaus auch von Organisationen wie den Deutschen Außenhandelskammern (AHK), die bei der Vernetzung in einem neuen Markt sehr hilfreich sein können. Zur Klärung von rechtlichen und steuerlichen Fragen beauftragen wir Anwaltskanzleien.

Projekte akquirieren wir im Eigenvertrieb vor Ort über unsere lokalen Mitarbeiter sowie durch den indirekten Vertrieb über unsere Partner. Diese Partner sind auf die Komponentenbeschaffung und Installation von Solaranlagen fokussiert und haben ebenfalls Kundenkontakt. Gemeinsam werden Projekte entwickelt und realisiert, wobei die lokalen Partner die Komponenten beschaffen und den Bau der Anlagen übernehmen. Für die Qualifizierung dieser Partner haben wir einen Qualifizierungsprozess gemeinsam mit der Allianz Climate Solutions entwickelt. Dieser stellt sicher, dass unsere Projekte nach hohen Qualitätsstandards umgesetzt und gewartet werden.

Inwieweit prüfen Sie die Entwicklung und den Zustand der Solarprojekte vor Ort?

Alle Projekte werden mithilfe einer Remote-Monitoring-Lösung der meteocontrol GmbH fernüberwacht. Zudem wird halbjährlich eine reguläre Wartung durch unsere lokalen Partner durchgeführt. Mitarbeiter aus der Zentrale in Berlin überprüfen die Performance der Solarprojekte über die Fernüberwachung. Im Störungsfall werden unsere lokalen technischen Partner benachrichtigt und beheben den Fehler vor Ort.

Wie beurteilen Sie unter Klimaschutzgesichtspunkten die Langstreckenflüge, die von Berlin nach Afrika, Amerika und Asien erforderlich sind? Werden dadurch die positiven Klimaschutzwirkungen der Solarprojekte nicht zu einem Teil zunichtegemacht, auch weil die einzelnen ecoligo-Solarprojekte oftmals vergleichsweise klein sind?

Die bisher über die Plattform ecoligo.investments finanzierten Projekte werden über die Projektlaufzeit mehr als 40.000 Tonnen CO2-Emissionen einsparen. Unser Geschäftsmodell ermöglicht die Energiewende in Entwicklungs- und Schwellenländern, indem wir nicht nur die CO2-Emissionen reduzieren, sondern auch die Rahmenbedingungen für zukünftiges Wirtschaftswachstum schaffen, das durch eine nachhaltige Energieversorgung angetrieben wird.

Dennoch sind wir uns der Auswirkungen unseres internationalen Geschäfts bewusst und versuchen dieses auch operativ so nachhaltig wie möglich auszugestalten. Das fängt beispielsweise damit an, dass wir das Fairphone als Firmenhandy nutzen. Durch unseren Geschäftsansatz, lokale Gesellschaften mit Mitarbeitern vor Ort aufzubauen, reduzieren wir zudem Langstreckenflüge so weit wie möglich. Wenn doch Flüge erforderlich sind, werden die CO2-Emissionen über Spenden in zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Zum Vergleich zu den zuvor genannten 40.000 Tonnen CO2-Einsparungen: Der letzte Hin- und Rückflug von Berlin nach Nairobi in Kenia hat Emissionen in Höhe von 2,8 Tonnen CO2 verursacht, die wir über Atmosfair kompensiert haben. Die einzelne Projektgröße spielt bei der CO2-Betrachtung im Grunde keine Rolle, da Flüge nie wegen einzelner Projekte stattfinden.

Beim Ende Oktober innerhalb von vier Tagen auf der ecoligo-Plattform platzierten Angebot „61 kWp Solaranlage - Arenal Kioro Bungalows West“ leitet die Emittentin das Nachrangdarlehen der Anleger direkt weiter an den in Costa Rica ansässigen Projektpartner, eine Tochtergesellschaft der ecoligo GmbH. Bei einigen früheren Angeboten war die ecoligo GmbH noch zwischengeschaltet. Warum wurde das Konzept geändert?

Dies hat den Hintergrund, dass sich die lokale Tochtergesellschaft in Costa Rica zum Zeitpunkt der ersten Costa Rica-Projekte auf ecoligo.investments noch im Gründungsprozess befand. Daher haben wir diese Projekte über die ecoligo GmbH abgewickelt. Und deshalb befinden sich bei diesen frühen Projekten die Leasing-Verträge mit den Endkunden sowie die Solaranlagen aktuell noch im Besitz der ecoligo GmbH.

Ist der Jahresabschluss 2018 der ecoligo GmbH schon erstellt, und können Sie uns diesen zur Verfügung stellen?

Der Jahresabschluss 2018 ist bereits erstellt und wird beim Bundesanzeiger hinterlegt.

Herr Schwaninger, wir danken Ihnen für die Antworten!

Ein ECOreporter-Porträt von ecoligo.investments können Sie hier lesen.

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