Feuerwehrleute im Einsatz: Die Brände in Kalifornien richteten große Verwüstungen an. PG&E trieben sie in die Insolvenz. / Foto: Pxhere

30.01.19 Meldungen

ISS-oekom: PG&E auch wegen Klimawandel insolvent - welche Aktie ist noch bedroht?

Insolvenz durch den Klimawandel - das könnte in Zukunft ein immer größeres Problem werden. Darauf weist die Nachhaltigkeitsrating-Agentur ISS-oekom aus München hin. Beispiel laut der Agentur: Der größte Energieversorger Kaliforniens, Pacific Gas & Electric (PG&E).

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Das Unternehmen hat Konkurs angemeldet. Mögliche Schadenersatzforderungen für Waldbrände trieben PG&E in den Bankrott. ISS-oekom hat nach eigenen Angaben bereits vor Jahren auf die Risiken hingewiesen, die das Unternehmen auch aufgrund des Klimawandels betroffen haben. 

Schadenersatzforderungen trieben Versorger in den Ruin

Der US-Energieversorger PG& E hat geschätzte Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 30 Milliarden US-Dollar. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem Konkursgericht in Nordkalifornien vorliegen. Ermittler von US-Behörden prüfen derzeit, ob die marode Infrastruktur des Unternehmens das sogenannte Camp Fire ausgelöst hat, den massiven Waldbrand in Nordkalifornien im November 2018. Der Konzern betreibt Tausende Kilometer von Stromtrassen, die Medienberichten zufolge zum großen Teil veraltet sind.

Mindestens 86 Menschen kamen bei den Bränden im letzten Jahr ums Leben. Mehrere Brandopfer haben Schadensersatz-Klagen eingereicht. PG&E-Chefin Geisha Williams trat erst Mitte Januar zurück. PG&E beliefert in Kalifornien 5,4 Millionen Kunden mit Strom und 4,3 Millionen mit Erdgas. Kein Energieunternehmen in den USA hat mehr Kunden.

ISS-oekom: PG&E hat Klimarisiken unterschätzt

Wie ISS-oekom hervorhebt, hatte PG&E in den letzten Jahren aufgrund zahlreicher Brände in neue Sicherheitsmaßnahmen investiert. Dennoch konnte das Unternehmen sich laut ISS-oekom nicht schnell genug den veränderten Umweltbedingungen anpassen. Lange Dürreperioden und die durch die Hitze geschwächten Wälder haben laut Fachleuten die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden in Kalifornien stark erhöht. Das alles geht Expertenmeinungen zufolge auf den Klimawandel zurück.

Mit hohem Wartungsaufwand hätte PG&E den Folgen des Klimawandels begegnen können. Aber die maroden Stromleitungen, die veraltete Ausstattung und auch das unzureichende Vegetationsmanagement des Versorgers waren bereits für 1.400 Brände in Kalifornien verantwortlich, es gab zahlreiche Schadenersatz-Verurteilungen. Insbesondere das sogenannte Butte Fire von 2015, ein Lauffeuer, das auf 287 Quadratkilometern wütete, sowie zahlreiche Wildfeuer in Kalifornien im Oktober 2017 kosteten das Unternehmen viel Geld.

Niedriges Rating durch ISS-oekom

ISS-oekom hat über mehrere Jahre auf die Risiken des Versorgers hingewiesen. Die Agentur senkte die Bewertung nach dem Butte Fire auf "D", wobei "A" die beste und "D-" die schlechteste Bewertung ist. In die Bewertung fließt das Management der Geschäftsrisiken mit ein, und dabei geht es auch um den Klimawandel.

Damit ein Energieversorger als minimal nachhaltig gelten kann, muss er eine Bewertung von "B-" von ISS-oekom erreichen. Andere Branchen haben andere Schwellenwerte.

ISS-oekom weist darauf hin, dass auch der börsennotierte US-Energieversorger Edison International mit zahlreichen Schadenersatzforderungen aufgrund von Waldbränden in Kalifornien konfrontiert ist. Die Bewertung von Edison International durch ISS-oekom fällt mit "C+" etwas besser als bei PG&E aus.

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