Matthias Willenbacher ist Geschäftsführer von wiwin. / Foto: Unternehmen

  Crowd-Investment

Mit Start-ups den Energiemarkt revolutionieren – Interview mit Matthias Willenbacher

Das "Klimapaketchen“ der Bundesregierung im Herbst 2019: Globuli fürs Volk. So sieht es Matthias Willenbacher. Seine Online-Investment-Plattform wiwin will Anlegern die Chance bieten, mit Investitionen in grüne Technologie schon ab 500 Euro den Klimawandel ein Stück weit zu stoppen.

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Und damit die bleierne Verzögerungstaktik der Politik auszuhebeln. Der Erneuerbare-Energie-Unternehmer erklärt im Interview aber auch, dass die Geldanlage in Start-ups trotz vieler Vorteile nicht für alle in Frage kommt.

ECOreporter: Herr Willenbacher, wann ist die Investition in ein Start-up für einen Anleger sinnvoll?

Matthias Willenbacher: Der wichtigste Punkt ist: Der Anleger muss den Willen haben, eine innovative Idee zu unterstützen. Mit Investitionen in Start-ups kann ein Anleger lenken, in welchem Bereich Fortschritte und Entwicklung zu erzielen sind. Und davon brauchen wir in Deutschland im Bereich Nachhaltigkeit eindeutig mehr! Wer allerdings insbesondere mit hoher Sicherheit anlegen will, der sollte das nicht mit einem Start-up versuchen. Erneuerbare-Energie-Kraftwerke mit Einspeisevergütung oder nachhaltige Immobilien bieten hier andere Chancen-Risiko-Profile. Grundsätzlich gilt natürlich, dass sich der Anleger jedes Investment genau ansehen sollte und verstehen sollte, was sein Geld finanziert.

Wie kann man bei Ihnen in Start-ups investieren?

Mit wiwin bieten wir verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten an nachhaltigen Start-ups an: So kann man zum Beispiel über ein Nachrangdarlehen in ein junges Unternehmen investieren und regelmäßig Zinsen auf den Darlehensbetrag erhalten. Darüber hinaus bieten wir Produkte an, bei denen Anleger ähnlich wie Business Angels in Start-ups investieren können und so die Möglichkeit haben, von Wertsteigerungen und Gewinnausschüttungen des Unternehmens zu profitieren. Eine Investition ist dabei aufgrund unseres digitalen Investitionsprozesses ab 500 Euro möglich.

Und warum sollten Anleger gerade jetzt ihr Geld in Start-ups stecken?

Wir haben beim Thema Klimawandel nicht mehr viel Zeit. Wir müssen schnellstmöglich handeln. Die Politik hat nicht den Mut oder den Willen, die Veränderung hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft in der angemessenen Zeit umzusetzen. Wer einen Beitrag zu schnellem Handeln gegen den Klimawandel leisten möchten, kann an entsprechende Nichtregierungsorganisationen spenden. Aber auch Investoren können mit ihrem Investment ein klares Zeichen setzen und zukunftsweisende Ideen unterstützen!

Bei der Geldanlage geht es in vielen Fällen für viele Menschen zuerst einmal um Sicherheit. Das ist für Start-ups ein eher schwieriges Thema, oder?

Die Menschen haben Angst, etwas zu verlieren. Auch die Menschen, die nicht wenig haben. Wer über genügend Geld verfügt, der könnte sich ja fragen: Will ich einen Teil meines Kapitals in richtungsweisende Start-ups investieren? Im schlimmsten Fall ist das Geld weg. Es besteht aber auch eine realistische Chance, dass sich das Geld vermehrt, insbesondere, wenn man eine Streuung schafft – mit einer Reihe gut ausgewählter Investments. Man hat also die Chance, sein Geld zu vermehren, und fördert gleichzeitig die Nachhaltigkeit. Gegen alle Widerstände.

Haben Sie ein Beispiel vor Augen?


Stromspeicher von VoltStorage. / Foto: Unternehmen

Die Politik behauptet: Wir können Strom noch nicht so speichern, dass es für eine Energieversorgung mit 100 Prozent Erneuerbarer Energie ausreicht. Das ist aber nur ein vorgeschobenes Argument, um Stimmung für den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken zu machen. Das aktuell von der Regierung präsentierte "Klimapaketchen“ etwa ist doch bloß Globuli fürs Volk. Tatsächlich brauchen wir ausreichend Speicher für regenerative Energien. Aber nicht nur die bekannten Lithium-Ionen-Speicher, die ja auch ein paar Nachteile haben. Wir haben uns daher verschiedene frische Speicher-Entwicklungen angeschaut. Eine junge Firma, die uns überzeugt hat, ist VoltStorage aus München. VoltStorage baut einen Speicher auf Basis der Redox-Flow-Technologie. Er kommt ohne Lithium, Konfliktmaterialien und seltene Rohstoffe aus. Dieser Speicher ist heute schon technologisch und wirtschaftlich konkurrenzfähig! Er ist für den Tag- und Nachtbetrieb ausgelegt. Geplant ist auch ein Speicher für mehrere Tage bzw. für große Energiemengen. Wenn Anleger hier investieren und dieses Start-up unterstützen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen erfolgreich wird. Und damit hat die Politik eine Ausrede weniger, wenn es um die schnelle Energiewende geht.

Das ist trotzdem ein risikoreiches Investment.

Wie soll man die Klimaziele einhalten? Die Auswirkungen der Klimaerwärmung sind ja schon deutlich spürbar. Beispielsweise möchte die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Waldbauern 800 Millionen Euro als Entschädigung geben. Aber nicht die Verursacher, etwa die Betreiber von Kohlekraftwerken, kommen für die Schäden auf, sondern wir alle. Deshalb ist es doch sinnvoll, in Start-ups zu investieren, die die Ursachen der Klimakrise entschärfen. Das rechnet sich dann auf jeden Fall.

Sind Beteiligungen an Start-ups für jeden geeignet, der wirklich nachhaltige Ideen fördern will?

Nein. Wenn man das Geld zum Leben braucht oder keinen Verlust verkraften kann, dann sollte man es nicht in ein Start-up investieren. Aber wenn man es im weiteren Sinne nicht zum Leben benötigt und auch damit zurechtkommt, dass das Geld nicht zurückgezahlt werden kann, dann geht es. Man kann sich nicht mehr als einmal satt essen, und man kann nicht mehr als ein Paar Schuhe an den Füßen tragen. Es ist eine Frage des persönlichen Bedarfs. Aber wenn ich in ein Unternehmen investiert habe, das den Energiemarkt revolutioniert, dann kann ich mir das auf die Fahnen schreiben. Mehr als jedes weitere Paar Schuhe.

Die Anleger sind wichtig für nachhaltige Start-ups. Und die Anleger, die wirklich Nachhaltigkeit fördern wollen, die investieren nicht nur Geld, sondern auch Herzblut. Behandeln die jungen Unternehmer solche privaten Investoren eigentlich entsprechend – informieren sie, reißen sie mit, kümmern sie sich auch um Kommunikation mit den Anlegern, wenn es mal nicht gut läuft?

Die Unternehmer sind schon sehr fokussiert darauf, was sie tun. Mit ihrer Geschäftsidee, mit ihrem Unternehmen, ihrem Baby. Für die Unternehmer ist das manchmal auch eine schwierige Sache, denn wenn die Informationen in die falschen Hände kommen, kann das zu Schaden führen. Vertraulichkeit und das Interesse der Konkurrenz an Informationen sind ebenfalls wichtige Aspekte bei diesem Thema; auch sie muss man berücksichtigen.

Auf der anderen Seite geht es aber natürlich auch um Informationen, die wichtig für die Anleger sind. Als Plattform, die die Interessen der Anleger kennt, helfen wir beiden Seiten mit der Kommunikation und versuchen, das allen Seiten zu vermitteln. Transparenz ist wichtig und die Basis für Vertrauen! Deswegen erhalten unsere Anleger halbjährlich ein Reporting mit Informationen zu ihren Investitionen. So können unsere Anleger die Entwicklung ihrer Investition verfolgen.

Herr Willenbacher, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Über Matthias Willenbacher:

Der Physiker Matthias Willenbacher, geboren 1969, baute 1996 sein erstes Windrad und gründete daraufhin in Mainz die Firmengruppe juwi, die zeitweise über 1.800 Mitarbeiter hatte und Deutschlands größter Projektentwickler für Erneuerbare-Energien-Anlagen war. 2014 übernahmen die Mannheimer Stadtwerke (MVV Energie AG) 50,1 Prozent der juwi AG; Willenbacher verkaufte seine Anteile an die MVV im November 2018. Neben juwi gründete er einige weitere Firmen, unter anderem in Mainz die wiwin GmbH & Co. KG, deren Geschäftsführer er ist. Sie betreibt die Online-Investment-Plattform wiwin.de, mit der man sich beispielsweise an Crowd-Investments beteiligen kann. Willenbacher mag Haferflocken-Frikadellen und unkonventionelle Lösungen: So machte er 2013 per Buch "Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“: Sollte Angela Merkel sich entscheiden, ihr Land mit 100 Prozent Erneuerbarer Energie zu versorgen, wollte er ihr seine Firmenanteile schenken, damals ein Milliardenwert.

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