Windpark von Energiekontor in Portugal. / Foto: Unternehmen

13.12.19 Anleihen / AIF

Nachhaltig anlegen mit festem Zins: Sechs Wind- und Solar-Anleihen

100 Prozent ökologisch: Grüne Anleihen im Bereich Wind und Solar sind selbst für anspruchsvolle nachhaltige Anleger geeignet. Sie versprechen feste Zinsen. Bis zu 7,75 Prozent pro Jahr! Und sie finanzieren saubere Kraftwerke, die Stück für Stück dazu beitragen, die klimaschädlichen Kohleungetüme vom Netz zu nehmen. Aber wie sicher sind die grünen Anleihen? ECOreporter hat sechs von ihnen analysiert.

Das ist ordentlich: 7,75 Prozent im Jahr beträgt der Zins für die Anleihe der Photon Energy AG. Das Unternehmen aus Amsterdam plant und betreibt große Solaranlagen. Mit der Unternehmensanleihe 2017/22 hat sich das Unternehmen insgesamt 37,5 Millionen Euro an Kapital beschafft.

Zins ist nicht gleich Rendite

Derzeit notiert die Anleihe an der Börse Tradegate bei 106,10 Prozent (13.12.2019). Einzukalkulieren ist, dass der tatsächliche Zins bei diesem hohen Kaufkurs bei 7,30 statt bei 7,75 Prozent liegt. Und dass man am Ende der Laufzeit nicht die 106,10 Prozent von 1.000 Euro (also 1.061 Euro) zurückbekommt, die man bezahlt hat, sondern nur 1.000 Euro (= 100 Prozent).

Photon Energy hat zwar auch 2019 bisher bessere Zahlen vorgelegt als im Vorjahr, aber es ist immer noch ein kleines Unternehmen: 2018 erzielten die Niederländer 20,3 Millionen Euro Umsatz bei einem Gewinn von 600.000 Euro.

Das Unternehmen betreibt derzeit insgesamt 40 Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 37,1 Megawatt (MW), die in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Australien liegen. Etliche weitere Solarparks sollen geplant sein. Aber Investitionen in Ländern wie Ungarn könnten bei weiteren politischen Zuspitzungen in der EU riskanter werden. Anleger sollten berücksichtigen, dass es hier um große Pläne geht, aber um ein doch kleines Unternehmen. Und fest sind die Zinsen nur, solange das Unternehmen erfolgreich wirtschaftet. Fazit: Viel Zins, viel Risiko.

Grüne Anleihen – besser als Aktien?

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Solaranlage von Photon Energy. / Foto: Unternehmen

Anleihen wie die von Photon Energy sind teilweise für mittelständische Unternehmen eine Alternative zum Bankkredit. Durch die Anleihe schulden die Unternehmen dem Anleger Geld. Anders als Aktionäre werden die Anleihe-Anleger aber nicht Teilhaber, sondern Gläubiger eines Unternehmens.

Den Nominalwert erhalten Anleger jedoch nur zurück, wenn das Unternehmen auch zur Zahlung in der Lage ist. Mit etlichen grünen Anleihen aus dem Mittelstand haben Anleger in den letzten Jahren Geld verloren, weil die Unternehmen gerade an einer Pleite vorbeischrammten oder gar Insolvenz anmelden mussten und die Anleihe nicht oder nur teilweise zurückzahlen konnten.

In manchen Fällen gibt es von einem nachhaltigen Unternehmen sowohl Aktien als auch Anleihen. Vorteile bietet die Anleihe gegenüber der Aktie dann, wenn das Unternehmen kriselt, aber nicht insolvent wird: Dann sinkt zwar auch der Anleihekurs, aber der Anleger kann bei der Anleihe bis zum Ende der Laufzeit abwarten und den Nominalwert zurückerhalten, also den 100-Prozent-Kurs. Und in der Zwischenzeit hat er noch den Anspruch auf die versprochenen Zinsen.

So kaufen Sie diese Anleihen

Anleger brauchen ein Depot bei ihrer Bank, um Anleihen zu kaufen, die bereits an der Börse notiert sind. Neue Anleihen zeichnet man oft direkt beim herausgebenden Unternehmen. Der Börsenhandel einer Mittelstandsanleihe ist allerdings nicht zu vergleichen mit dem Handel beispielsweise einer Aktie eines Großunternehmens: Diese ist Sekunden nach der Order verkauft. Bei einer kleinen grünen Anleihe kann es durchaus einige Tage bis zum Verkauf dauern.

SoWiTec-Anleihe 6,75 Prozent

Die SoWiTec Group GmbH aus Sonnenbühl in Baden-Württemberg entwickelt Wind- und Solarprojekte, vor allem in Brasilien, Argentinien und Chile. In 24 Jahren Geschäftstätigkeit hat SoWiTec eigenen Angaben zufolge Projekte mit einer Kapazität von 2,7 Gigawatt (GW) realisiert. Seit Juli 2019 hält der dänische Windanlagenbauer Vestas einen 25-prozentigen Anteil an SoWiTec und hat die Option, in drei Jahren das Unternehmen mit seinen 200 Arbeitsplätzen ganz zu übernehmen.

Die SoWiTec-Anleihe startete im November 2018 und läuft bis 2023. Bei der Emission hat SoWiTec 15 Millionen Euro Kapital eingeworben. Das Geld will SoWiTec nutzen, um Wind- oder Solarprojekte zu realisieren und später zu verkaufen. Die SoWiTec-Anleihe bietet Zinsen von 6,75 Prozent. Aktuell notiert die Anleihe an der Börse Frankfurt bei 106,49 Prozent. 2018 hatte SoWiTec knapp 30 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, bei einem Gewinn vor Steuern (EBT) von 11,3 Millionen Euro.

Fazit: SoWiTec hat gute Aussichten und mit Vestas einen erfahrenen Partner im Windkraftgeschäft. Allerdings operiert das Unternehmen in Ländern wie Argentinien, Mexiko, Chile und Brasilien, die nicht dieselbe politische und rechtliche Stabilität wie Mitteleuropa aufweisen. Das ist riskant.

7x7 Energieanleihe mit 4,5 Prozent Zins

Die 7x7 Energieanleihe 2027 ging im Januar 2018 an den Start und hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Sie soll Solarprojekte in Deutschland finanzieren. Im Fokus stehen dabei kleine Solarparks, für die keine Teilnahme an Ausschreibungen erforderlich ist. Emittentin der Anleihe ist die 7x7 Energiewerte Deutschland II. GmbH & Co. KG. Anleger haben Anleihen im Wert von 2 Millionen Euro gezeichnet. Die Stückelung der 7x7 Energieanleihe 2027 liegt bei 5.000 Euro, der Zinssatz beträgt 4,5 Prozent. Einmal im Jahr erhalten Anleger die Zinsen ausgeschüttet. Investoren können die Anleihe unter anderem an der Frankfurter Börse handeln. Derzeit notiert sie unter ihrem Nennwert bei 99,00 Prozent.

Die Anleihe ist besichert – etwa durch Rechte der Gläubiger an dem produzierten Strom und eine Eintragung im Grundbuch. "Damit ist die Anleihe besonders attraktiv für Stiftungen und ähnliche Organisationen, die strengeren Anlagekriterien unterliegen“, sagt Andreas Mankel, Geschäftsführer der 7x7 Energiewerte Deutschland II. GmbH & Co. KG.

ECOreporter hat das Angebot in einem ECOanlagecheck im Februar 2018 analysiert und bewertet. Das Fazit: "Wenn die Emittentin ihren Geschäftsplan umsetzen kann und sie zunächst vorrangig ein langfristig zu betreibendes Solarparkportfolio aufbaut, kann das Zins/Risiko-Verhältnis der Anleihe als angemessen gelten.“

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