Als nachhaltig beworbene ETFs enthalten auch Aktien von Kohleunternehmen. / Foto: Chris74, Fotolia

17.01.20 Fonds / ETF , Wachhund

Nachhaltige ETFs: Die große Grünwäscherei - 7 angeblich nachhaltige Produkte im Test

ETFs gelten als Wunderkinder der Geldanlage: Kostengünstig und erfolgreich. Mittlerweile gibt es sie auch in grün. Verspricht zumindest die Werbung. Doch ein genauer Blick auf die Inhalte zeigt vieles, das überhaupt nicht nachhaltig oder ethisch ist.

Die Aktien von Öl- und Kohlekonzernen, Atomkraftbetreibern und Firmen, die Regenwälder abholzen, in einem einzigen Finanzprodukt: Ja, gibt es. Es ist ein ETF, und er trägt den Begriff "Nachhaltigkeit“ im Namen. Auf Englisch. iShares Dow Jones Global Sustainability Screened ETF heißt das Ganze dann. Ein schlechter Scherz? Mitnichten. Ein erfolgreiches Produkt, hunderte Millionen Euro schwer. Und hochgelobt. So preist eines der meistgelesenen deutschen Finanzportale an: "Wir empfehlen kostengünstige Indexfonds (ETFs) auf nachhaltige Aktienindizes…“…nämlich: "…einen ETF der Marke iShares (ISIN: IE00B57X3V84).“ Inwiefern dieses Produkt sich das Lob verdient hat, bleibt ohne Erläuterung.

Hauptsache, der Name klingt gut

Kein Einzelfall: Wer in den letzten Monaten Tipps suchte, wie man nachhaltig oder ethisch anlegen kann, stieß nahezu zwangsläufig auf ähnliche Lobhudeleien für ETFs. Hauptsache, die Produkte trugen irgendeinen – möglichst englischen – Begriff im Namen, der auf Nachhaltigkeit, Umwelt oder Soziales hindeutet.

Die ECOreporter-Redaktion hat sich daher sieben ETFs genauer angeschaut, die sich grün geben. Mehrere hundert Aktien sind in vielen dieser ETFs versammelt. Wer wirklich wissen will, welche Unternehmen er mitkauft, muss also bis in den letzten Winkel der ETF-Bilanzen schauen.

Für nachhaltige Anleger ist die Frage von Bedeutung, ob ein Investment in einen ETF die Welt nachhaltiger machen kann? Die Antwort bedarf einer kurzen Erklärung zu dem System, mit dem die Indexanbieter ihre Auswahl der nachhaltigen Aktien treffen. Das funktioniert in der Regel so: Sie nehmen einen ganz konventionellen Börsenindex mit vielen Aktien. Dann filtern sie nach einem bestimmten System aus diesen oft tausenden von Aktien die nachhaltigsten 25 oder 50 Prozent jeder Branche heraus. "Best-in-Class“ nennt sich das. Das ergibt dann den nachhaltigen Index, und der ist die Grundlage des ETF. Damit landen dann also auch Aktien aus Branchen, die überhaupt nicht nachhaltig sind (Öl, Kohle, Atomenergie), im grünen Index. Mit der Begründung, dass es immerhin die am wenigsten schädlichen einer nicht-nachhaltigen Branche sind. Ob das die Welt nachhaltiger werden lässt, ist derzeit nicht erkennbar.

Bei Gremien wird gegeizt

Zwar arbeiten auch viele nachhaltige Fonds nach dem Best-in-Class-Prinzip. Sie haben allerdings in aller Regel noch einen Beirat, der auf die Aktienauswahl schaut. Nachhaltigkeitsbeiräte und andere Gremien kosten jedoch Geld, und hier geizen die ETFs. Es geht ja um ihren Ruf, günstige Gebühren zu verlangen. Etliche nachhaltige Fonds treten zudem in Dialog mit Unternehmen und drängen auf mehr Nachhaltigkeit. Oder sie veröffentlichen es, wenn sie Aktien verkaufen, weil diese Nachhaltigkeitsvorgaben nicht erfüllen. Das schafft Öffentlichkeit und setzt Firmen unter Druck. All das fehlt bei nachhaltigen ETFs.

Als Leser/in des Premium-Bereichs sehen Sie in einer übersichtlichen Tabelle, wie ECOreporter die folgenden, angeblich nachhaltigen ETFs bewertet:

  • BNP Paribas Easy Low Carbon 100 Europe (ISIN LU1377382368 / WKN A2DPX9)
  • Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit ETF (ISIN DE000ETFL474 / WKN ETFL47)
  • iShares Dow Jones Global Sustainability Screened ETF (ISIN IE00B57X3V84 / WKN A1H7ZT)
  • iShares Dow Jones Eurozone  Sustainability Screened ETF (ISIN DE000A0F5UG / WKN A0F5UG)
  • Lyxor MSCI USA ESG Trend Leaders ETF (ISIN LU1792117696 / WKN LYX0YK)
  • Think Sustainable World ETF (ISIN NL0010408704 / WKN A12HWR)
  • UBS ETF MSCI World Socially Responsible ETF (ISIN LU0629459743 / WKN A1JA1R)

Zudem zeigt Ihnen ein kurzes Testfazit zu jedem dieser ETFs, worauf Sie achten sollten.

ETFs – eine kleine Einführung

ETFs, Exchange Traded Funds, bilden die Wertentwicklung eines Börsenindex ab. Daher nennt man sie auch Indexfonds. Beispielsweise gibt es ETFs auf den Deutschen Aktienindex DAX: Steigt er um 3 Prozent, sollte auch der entsprechende ETF 3 Prozent zulegen. Denn der ETF sollte alle die Aktien beinhalten, die sich im DAX finden. Wer einen Index auf diese Weise nachbaut, der benötigt weder Fondsmanager noch ein Analyse-Team, das über die Aktienauswahl nachdenkt. Das wirkt sich auf die Kosten aus. Daher sind ETFs bei der Jahresgebühr oft wesentlich günstiger als Fonds.

ETFs sind aber wie normale Fonds auch "Sondervermögen“. Selbst wenn die Investmentgesellschaft Pleite geht, das Geld der Fondsanleger ist geschützt. Allerdings nicht vor Kursverlusten – die können vorkommen. Immerhin: Sämtliche in diesem Bericht vorgestellten ETFs bilden ihren Index wirklich nach und kaufen auch die Aktien. Das nennt sich "physische Replikation“. Es gibt viele andere sogenannte synthetische ETFs, die den Anlegern nur die Wertentwicklung eines Index bieten, aber die Aktien nicht erwerben. Luftnummern also. ECOreporter-Meinung zu dieser Unterart: Finger weg.

 

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